Himmel, Arsch und Zwirn

Endlich habe ich es gepeilt an welcher Stelle im Template ich welchen Code eingeben muß um meinem Blog ein individuelles Background Image zu spendieren. Wie lange habe ich dafür gebraucht. Meine Herren. Jetzt soll aber niemand denken, daß ich Leinwand 5% für äußerst individuell halte. Um Gottes Willen, das ist nur ein Testbild um zu schauen ob der Text überhaupt noch lesbar ist. Wie es generell aussieht und wirkt. Mir schwebt da eigentlich eher so etwas hautporiges vor meinem inneren Auge. Verleiht dem ganzen hier vielleicht ein wenig Körperlich- oder Fleischlichkeit. Als Symbol dafür, daß die Zeilen unter dieser URL von einem menschlichen Individuum in die Tasten gehauen werden und nicht von russischen Software Robotern. Aber keines meiner Bildbearbeitungsprogramme hat einen Filter menschliche Hautporen. War ja irgendwie klar, Elephantenhautpapier habe ich gefunden, aber da kann ich auch gleich bei Leinwand 5% bleiben. Und ich kann mir auch nicht vorstellen im MediaSaturnPromarkt zu stehen und einen der Verkäufer zu fragen, "Ähm, hallo? Ich suche einen Photoshopfilter, der menschliche Haut darstellt. Haben Sie so etwas?" Erstens würde er wahrscheinlich darüber grübeln was für Photos ich wohl mit so einem Filter bearbeiten möchte, zweitens würde er mir wohl Photoshop oder Paintshop in die Hand drücken. Nachdem ich ihm dann ausführlich darüber aufgeklärt habe, welches mein wirkliches Anliegen ist, würde er bestimmt antworten:"Nehmen Sie doch einfach den Filter Elephantenhaut...". Das macht also alles keinen Sinn und so habe ich mich entschlossen unter die jenigen, die mir einen Photoshopfilter oder alternativ einen Gimpfilter bzw einen erfolgsversprechenden Link zu einen solchen schicken eine Super Size Me DVD zu verlosen. Die DVD ist selbstverständlich gebraucht und weißt starke Gebrauchsspuren auf. Vielleicht bekommt man noch einen Euro für sie auf dem Trödel. Also entsprechende e-mail mit dem Stichwort "Körperlichkeit" an die im Impressum (hüstel) angebende Adresse senden und hoffen. Einsendeschluß ist der 6. September zwölf Uhr mittags. Der Rechtsweg natürlich ausgeschlossen, mit Ihren e-mail Adressen wird Schindluder getrieben. Vielen Dank im vorraus und viel Glück. Und warum heißt das Sparmenu bei McDonalds jetzt eigentlich nur noch Small?

Im ewigen Eis vergraben - John Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt

Das Ding aus einer anderen Welt, 1951 verfilmte Howard Hawks John W. Campbells Kurzgeschichte Who Goes There aus dem Jahre 1938. Auch wenn offiziell Christian Nyby als Regisseur genannt wird, ist es wohl ein offenes Geheimnis, daß Hawks, der den Film in erster Linie produzierte, bei einem beträchtlichen Teil des Filmes selbst Regie führte. Heute gilt die Geschichte um das ausserirdische Wesen, das bei Hawks im Eis des Nordpols gefunden wird und eine Forschungsstation bedroht als Klassiker des Science Fiction Horrors. Entgegen der literarischen Vorlage kann das Ding bei Hawks nicht die Gestallt anderer Lebewesen annehmen und ähnelt eher einem klassischen Monster. Ähnlichkeiten zu Boris Karloffs Kostüm in Frankenstein sind wahrscheinlich kein Zufall. Hawks Film hat mit Sicherheit mit der Zeit an Schockpotential verloren, dennoch kommt man nicht umhin ihm eine famose Atmosphäre und einen ausgeklügelten Spannungsbogen zu attestieren. Immerhin hat der Film mir nach seiner ersten Sichtung in den Schulferien bei meinen Großeltern mehr als eine schlaflose Nacht bereitet, was die Beziehung meiner Eltern zu meinen Großeltern für eine sehr kurze Zeit ein wenig einfrieren ließ. Ich war immerhin erst zehn Jahre alt und mein Großvater hätte sich doch denken können und so weiter und so fort. Anekdoten über die man heute lachen kann. Daß Hawks Monster aus dem All auch nur eine weitere Symbolisierung Amerikas Angst vor dem Kommunismus darstellte, der noch weitere ausserirdische Kinoinvasionen folgen sollten, ist meiner Ansicht nach gerade bei diesem Film nicht so offensichtlich wie in späteren Werken des 50er Jahre Science Fiction Kinos. Daß John Carpenter, der Horror Arvangardist der späten 70er und frühren 80er Jahre großer Fan Howard Hawks Monstergeschichte ist, das ließ er erstmals 1978 in seinem damals bahnbrechenden Halloween anklingen. Es ist Das Ding welches am Abend des Schreckens auf der Matschscheibe flimmert bevor Laurie Strode sich der Angriffe Michael Meyers erwehren muß. Kein Zufall, denn schon 1976 legte Stuart Cohen, der spätere Produzent, Carpenter nahe Who goes There zu verfilmen. 1982 kommt seine Version des Stoffes in die Kinos, wesentlich näher an Campbells Vorlage und alles andere als ein Remake des Klassikers aus dem Jahre 1951. Das Drehbuch schrieb William Lancaster, zweitältester Sohn Burt Lancasters, der ansonsten lediglich noch mit seinem Drehbuch zu Die Bären sind los auffiel, einer vergnüglichen Komödie um eine Jugendbaseballmannschaft mit Walter Matthau in der Hauptrolle, der auch eine TV Serie folgte.

Irgendwo in der Antarktis, daß wir uns hier befinden erzählt die unmißverständlich leinwandfüllende Einblendung. Ein Helikopter verfolgt einen entlaufenden Schlittenhund, die Besatzung schießt auf ihn. Die Männer einer amerikanischen Forschungsstation beobachten verwundert den Vorgang, verstehen nicht warum ihre norwegischen Kollegen so schießwütig hinter einem harmlosen Hund her sind. Es kommt nach der Landung des Helikopters zu einem Unfall, bei dem die norwegischen Männer bis auf einen sterben. Der versucht weiterhin den Hund zu töten und schießt dabei auf einen der Männer des amerikanischen Forschungsteams. Daraufhin wird er selbst erschossen, der Hund von den Amerikanern in Ihre Obhut aufgenommen. Man grübelt darüber warum die Norweger so panisch den Hund verfolgten und entschließt sich der Forschungsstation der Skandinavier einen Besuch abzustatten. Die Station finden Pilot MacReady und Dr. Copper völlig ausgebrannt vor, von den Männern hat niemand überlebt. Die Beiden finden den verbrannten Leichnam eines unbeschreiblich deformierten Lebewesens, dessen innere Organe sich bei der späteren Obduktion als menschlich herausstellen. Am Abend sperrt man den vor den Norwegern geretteten Hund zu den eigenen Hunden in den Zwinger. Nach kurzer Zeit verwandelt er sich in ein monströses Wesen und greift die anderen Hunde an, MacReady kann das Monster mittels Flammenwerfer zur Strecke bringen. Am nächsten Tag machen sich die Männer zu der Stelle auf an der die Norweger offensichtlich etwas im ewigen Eis gefunden haben. Sie finden ein riesiges Raumschiff und ihnen wird bewußt, daß sie es mit einem ausserirdischen Wesen zu tun haben, das sich durch die Infizierung anderer Lebewesen fortpflanzt und deren Gestalt annimmt. Die Wahrscheinlichkeit, daß einer oder mehrere Männer der Forschungsstation infiziert sind beträgt laut Dr. Blairs Computersimulation 75%, in 27.000 Tagen könnte sich das Ding über die ganze Welt ausgebreitet haben.

Die parasitäre Bedrohung aus dem All war auch Anfang der 80er Jahre nicht mehr die frischeste Idee im fantastischen Kino. Don Siegels Die Dämonischen und dessen 1978er Remake Die Körperfresser kommen von Philip Kaufmann sind nur die bis dahin bekanntesten Werke, die dieses Thema in die Kinos brachten. Doch Carpenter nutzt das Thema nicht um wie in den anderen Filmen eine Invasion der Erde und Unterjochung der Menschheit vorzubereiten, sein Horror kommt puristischer, infernalischer, köperlicher, ja fast schon intim daher. Die Männer, die dort am Arsch der Welt um ihr Leben kämpfen haben keine Möglichkeit der Gefahr auszuweichen, geschweige denn andere zu warnen. Sie sind ganz auf sich allein gestellt, von einander abhängig, können einander jedoch nicht mehr Vertrauen. Den Umstand der Abgeschiedenheit und des Mißtrauens der Männer untereinander nutzt Carpenter für eine feine kammerspielartige Inszenierung in einer äußerst beklemmenden und spannenden Atmosphäre der Auswegs- und Hoffnungslosigkeit. Daß er dafür mehr als nur Händchen hat bewieß er schon 1976 mit seiner Rio Bravo Hommage Assault - Das Ende, die eine ähnliche Situation beschreibt. Mit dem Unterschied, daß in Das Ding der Feind die eigenen Reihen schon infiltriert hat und nicht erst vor den Toren steht. Carpenter hält sich nicht an einen klassischen Spannungsaufbau, läßt seine Protagonisten nicht lange im dunkeln tappen was die Erkenntnis der Bedrohung angeht, vielmehr legt er seinen Fokus ganz auf das Mißtrauen der Männer untereinander aus denen er Konflikte entstehen läßt, die die Männer gegeneinander agieren lassen. Die Zuspitzung der Ereignisse erfolgt gemächlich, kaum wird das Tempo seiner Erzählung im Verlauf gesteigert, lediglich in einzelnen Szenen unterbricht er den narrativen Fluß nur um später im gleichem Takt fortzufahren. Das bewirkt, daß der Film mehr als nur den einen Höhepunkt am Ende aufweisen kann. Der im Schnee knieende fast vollständig mutierte Bennings bleibt ebenso stark im Gedächtnis des Zuschauers wie die drei auf der Couch gefesselten Männer während MacReady anhand eines Bluttest die bisher überlebenden auf Infizierung mit dem Ding testet. Oder eben das explosive Finale des Filmes, dem Carpenter bezeichnender Weise nicht wesentlich mehr Zeit oder Aufmerksamkeit widmet als den vorhergehenden Ergeignissen und ihm damit eine gewisse Selbstverständlichkeit verleiht.

Der Score, der nicht unwesentlich für einen Großteil der Atmosphäre sorgt, wurde offiziell von Ennio Morricone komponiert. An vielen Stellen ist nachzulesen, daß Carpenter mit dem Ergebnis nicht zufrieden war und selbst ein paar Stücke hinzu komponierte. Zwar kommt der Score wesentlich unsynthetischer und nicht so eingängig wie in Carpenters vorherigen Filmen, doch ist seine Handschrift nicht zu überhören. Ganz unauffällig schleicht er sich unter das Geschehen auf der Leinwand, anfangs kaum zu hören, bis er dann plötzlich zum Höhepunkt der Szene voll da ist. In vielen Szenen, gerade in den blutigsten und grausamsten, verläßt sich Carpenter jedoch voll und ganz auf die Kraft seiner Bilder und das immerwährende Heulen des Polarwindes. Eine beeindruckende Lektion in Sachen weniger ist oftmals mehr. Im Gegensatz zur musikalischen Untermalung seines Films klotzt Carpenter jedoch mit Speciall Effects. Ein Großteil des für Carpenters Verhältnisse riesigen Budget von ungefähr 15.000.000 US Dollar ging für die blutigen, matschigen und fantasievollen Mutationen und Masken drauf an denen mehr als 30 Spezialisten arbeiteten. Insgesamt muß man sie als sehr gelungen bezeichnen, auch wenn in einzelnen Szenen hellrotes Blut bzw. allzu mechanische Bewegungen der Monster unmißverständlich darauf hinweisen, daß es sich hier um Tricktechnik handelt. Doch Carpenter trifft in den meisten Fällen den richtigen Zeitpunkt die Szene zu beenden bevor der Zuschauer seiner Illusion beraubt wird. Immerhin waren die Effekte seiner Zeit so bahnbrechend, daß sie in den Kritiken mehr Raum einnahmen als der eigentliche Film. Nicht selten wurde Carpenter vorgeworfen über die Inszenierung seiner Grausamkeiten die eigentliche Geschichte vernachlässigt zu haben. Ein Vorwurf dem sich jeder Horrorregisseur, der mehr als Andeutungen zeigt, irgendwann einmal stellen muß. Dabei hat Das Ding definitiv mehr zu bieten als Abscheulichkeiten. Wenn MacReady, wie schon erwähnt, die Mannschaft einem Bluttest unterzieht um die Infizierten zu entlarven, ist das Bild eines Aidstest nicht fern. Sicherlich, Aids wurde erst nach Entstehung des Filmes von der WHO als Krankheit anerkannt und kam so in den Fokus der Öffentlichkeit. Doch Berichte über die damals noch weitestgehend unbekannte Krankheit, die tötlich endet, den Körper verändert, das Vertrauen zerstört gab es schon vor 1980 in den Künstlerkreisen Los Angeles und San Franciscos, erzeugten eine nicht zu unterschätzende Panik und Mißtrauen in der Szene. Zu schön passen Carpenters Bilder um den Rezensent nicht in Interpretationswut verfallen zu lassen.

Daß Das Ding 1982 in den Kinos floppte ist kein Geheimnis und meist wird dieser Umstand der zeitnahen Uraufführung E.T.'s und dem allgemeinen Geschmack des Publikums zugerechnet, das nicht zuletzt durch Spielbergs Begegnung mit der Dritten Art auf eine friedliche Begenung mit Ausserirdischen vorbereitet war. Dieser Theorie nach hätten aber auch Ridley Scotts und James Camerons Alienvisionen, die kurz davor bzw. danach erschienen ebenso erfolglos an den Kinokassen bleiben müssen. Bei genauerer Betrachtung muß man feststellen, daß Carpenters Beitrag alles andere als Mainstreamkino darstellt bzw. das typische Monsterabenteuer eines Majorstudios. Ein ziemlich blutiges und durchaus doppelbödiges psychlogisches Kammerspiel, damit konnte man noch nie die Massen des Kinopublikums begeistern, eher die Zielgruppe des Midnight Cinemas. Die Geeks und Freaks, die auch schon nachträglich dafür sorgten, daß z.B. den Werken eines Wes Cravens, Tobe Hoopers, David Lynchs und nicht zu vergessen George A. Romeros der Erfolg bescherrt wurde der ihnen zusteht. Carpenters Das Ding aus einer anderen Welt ist ein Kleinod des Genrekinos, heute noch mehr als damals.

8,5/10 Punkte

Klotz am Bein


Ich habe dem Rudi schon immer gesagt, daß der nichts als Ärger bringen wird...

Das Ding feiert heute seinen 50ten



Von daher, ich dachte ..., naja wen interessiert das noch? Trotzdem alles Gute.

Demnächst in diesem Kino



Meine Sicht der Dinge zu John Carpenters Südpool-Horror The Thing und Joss Whedons Weltraum-Western Serenity.

Arbeit für den Rekorder - 30. August - 5. September

Samstag, 30. August

20:15 Uhr Black Rain (K1)
Ich weiß bis heute nicht was so besonderes an diesem durchschnittlichen Cop Thriller sein soll. Klar die Filme von Ridley Scott haben schon eine eigenständige Bildsprache, Andy Garcia und Michael Douglas waren damals voll angesagt und der Einfluß japanischer Wirtschaftsunternehmen in den USA ein brandheißes Thema. Von daher eher ein Kind seiner Zeit. Kein schlechtes.

20:15 Uhr Notting Hill (RTL)
Hat durchaus seine Szenen, ist insgesamt aber zu harmlos und vorhersehbar um aus dem Meer von Liebeskomödienromanzeneinheitsbrei herauszustechen. Roberts und Grant Fans kommen natürlich nicht dran vorbei.

20:15 Uhr Arlington Road (RTLII)
Habe ich tatsächlich noch nicht gesehen obwohl Jeff Bridges mitspielt. Der ist ja so wie so immer die halbe Miete und meine Bloggerkollegen sprechen nur gut über diesen Verschwörungsthriller. Der Mothman, der einzige Film den ich vom Regisseur kenne, konnte mich aber überhaupt nicht überzeugen.

22:20 Uhr Der Mann mit der Stahkralle (DAS4.)
Stinkt nach straightem 70er Jahre Action Trash, Drehbuch von Paul Schrader, angebliche Absolution von Quentin Tarantino. Ich weiß was mich erwartet und werde es genießen.

22:40 Uhr Falling Down (K1)
Michael Douglas zum zweiten an diesem Abend. Insgesamt krankt Joel Schumachers Amoklauf an seinem übergroßen Hollywoodstar, der aber alles zu geben versucht. Zum Ende wird es mir zu beliebig, weil Schumacher Brisanz gegen Hollywood eintauscht. Dennoch ordentliche Unterhaltung.

Sonntag, 31. August

20:15 Uhr Blow (RTLII)
Warum verfällt Hollywood eigentlich immer wieder dem Irrtum Drogenbosse zu Schlitzohren verklären zu müssen? Ansonsten durchaus unterhaltsame melancholisch angehauchte Kriminellenbio mit dem immer guten Johnny Depp, die es leider nicht vermag die üblichen Klischeeklippen zu umschiffen. Die Potente scheidet ziemlich schnell aus, was dem Film nur zu Gute kommen kann.

20:15 Uhr Men in Black (Pro7)
Leider schneller zu Ende als man geblitztdingst werden kann. Bis dahin aber nette, sympathische Sci-Fi Komödie, die vor allem von ihren Hauptdarstellern lebt. Barry Sonnenfeld hat's drauf. Ganz klar.

22:25 Uhr Bad Boys (Pro7)
Buddy Movie galore. Smith und Lawrence rocken die Scheiße fett. Hier ist noch frisch und neu was später einmal in völlig uninspirierter Redundanz enden wird. Launig!

00:15 Uhr Dark City (K1)
Ist so etwas von einer tollen Fantasy Noir Dystopie, daß mir bei der ersten Sichtung die Spucke wegblieb. Ganz großes kleines Hollywoodkino ohne doppelten Boden, lediglich die stringente Unterhaltung bekommt hier eine Chance mit einem Top Cast, der sichtlich Spaß an der Sache hat.

Montag, 1. September

20:15 Uhr Verlockende Falle (SAT1.)
Der Versuch den romantischen Heist Thriller wieder zu beleben. Am Ende so lahm, daß einzig und allein der Hintern Catherine Zeta-Jones überzeugen kann.

22:10 Uhr Missing in Action (K1)
Höhö, Rambo II in Schmuddel. Kann man nur unter dem Aspekt der Trashfreuden ertragen, aber steht ja auch schon in großen Lettern auf der Verpackung.

23:50 Uhr Amores Perros (HR)
Oft wird der Episoden Film, der als zentrales Thema Liebe und Schicksal beleuchtet, mit Tarantinos Pulp Fiction verglichen. Dies kann jedoch höchstens formal richtig sein, ist doch Amores Perros weitaus vielschichtiger und vom Pulp so weit entfernt wie Tarantinos Filme von inhaltlicher Ernsthaftigkeit. Absolut Top!

Dienstag, 2. September

00:20 Uhr Kap der Angst (ARD)
Super dichtes Remake von Ein Köder für die Bestie. Scorsese setzt vor allem in Sachen Brutalität noch einen drauf. Nolte, Lange, Lewis und natürlich De Niro sind zumindest hier unantastbar. Definitiv höchstwertigtes Spannungskino par exellence.

Mittwoch, 3. September

20:15 Uhr Manfred von Richthofen (DAS4.)
Schönste B-Movie Unterhaltung aus dem Hause Corman, der hier sogar selbst Regie führte. Aber ja nicht nach historischer Correctnes fragen.

22:30 Uhr Battlestar Galactica (RTLII)
RTLII zeigt den Piloten zur Neuauflage der Serie in zwei Teilen. Um es kurz zu machen. Pathetische Mobilmachung, die an Overacting und Dämlichkeit nicht zu übertreffen ist. So gut wie keine Schauspieler an Bord, geschweige denn einen Hauch von Intelligenz. Ich weiß nicht wie die spätere Serie daherkommt, aber das hier geht gar nicht. Noch nicht einmal für 2,50 Euro vom Grabbeltisch.

22:50 Uhr Trügerische Stille (ARTE)
Mir völlig unbekannt, die Goldene Palme macht mich aber auf das Bürgerkriegsdrama aus Sri Lanka neugierig.

Donnerstag, 3. September

20:15 Uhr Nicht auflegen! (VOX)
Moralinverseuchter Joel Schumacher Thriller an dem eigentlich schon die Idee so krankhaft scheiße ist, daß Hitchcock sie gar nicht erst verfilmt hat. Jetzt kommt man schon für Taten vor's Gericht über die man nur mal kurz nachgedacht hat. Tipp des Tages, na klar. Oh Herr, laß es Hirn regnen.

22:45 Uhr Paycheck (ARD)
Nach Steven Spielberg ist auch John Woo dem Irrglauben verfallen eine Philip K. Dick Kurzgeschichte filmisch aufmöbeln zu können. Nee, laß mal. Schmeckt so wie aus der Großkantine.

Freitag, 5. September

20:15 Uhr Men in Black II (Pro7)
Natürlich nicht mehr so überraschend wie der erste Teil, doch Smith zusammen mit Jones, das paßt immer noch für knappe 90 Minuten kurzweilige Popcornsause.

22:00 Uhr Lock Up (Tele5)
Stallone macht einen auf unbescholtenen Knackie. Kann nicht gut gehen und so bleibt trotz Donald Sutherland als Gegenspieler nichts als ein waschechtes 80er B-Movie im Knastdrama Ambiente. Wenn man weiß worauf man sich einläßt hat man garantiert seinen Spaß an dem 08/15 Drehbuch.

22:10 Uhr Ghost Ship (RTLII)
Sorry, die einzige Szene, die diesen Film sehenswert machen könnte gibt es zu Hauf auf Youtube. Einer dieser Filme, die mich im Kino einnicken ließen (passiert mir schon mal). Später auf DVD habe ich dann festgestellt nichts verpaßt zu haben. Nö, wirklich nichts.

01:15 Uhr Der Pate: Die Saga (ARD)
Für das TV umgeschnittene Version der ersten beiden Teile, chronologisch erzählt und durch zusätzliche Szenen ergänzt. Ich wüßte jetzt nicht wozu das notwendig wäre, ob es überhaupt was taugt. Kann ich mir nicht vorstellen. Aber was soll's, Versuch macht klug.

Weitere Tipps wie immer bei meinen Kollegen:
Sendersuchlauf, täglich
From Beyond, ab samstags
Blockbuster Entertainment und Kino, TV & Co, ab sonntags

Bei Filmen ab oder nach Mitternacht das abweichende Datum beachten.

Eine Nacht drüber schlafen hat nicht geholfen

Die gleichen Schmerzen wie beim zu Bett gehen. Übelkeit, Kopfschmerz, Gliederschmerzen. Ja, ich weiß. Jones angeschlagen, Farfan und Engelaar verletzt, Rakitic offensichtlich durch einen grippalen Infekt geschwächt, Rafinha zur Strafe ersteinmal auf die Bank versetzt, Neuer Fuß kaputt, Kristaijc auch noch fast kaputt, Messi spielt für Barcelona. Die Aufgabe wahr nicht leicht, aber vielleicht lösbar hätte man den Gegner nicht durch dämlichstes Fehlpaßgekicke erst so in Fahrt gebracht. Ganz ehrlich, was Atletico nach der 1:0 Führung abfeierte kann man mit Totaler Dominanz ganz gut beschreiben. Nicht den Hauch einer Chance habe ich für Schalke nach der ersten Viertelstunde sehen können, aber natürlich auch noch nach Forlans trockenem Supertor auf ein Weiterkommen gehofft. Aber dafür hat es einfach nicht gereicht. Die Spanier standen gestern in der Defensive glänzend, jedenfalls glänzend genug für Gegner wie Kuranyi, Rakitic oder Altintop, und konterten Schalke gerade in der Phase, als das Schalker Spiel ein wenig besser wurde gnadenlos aus. Tor 3 und 4 der Madrilenen schon gar nicht mehr wichtig für das Befinden des Schalker Fans. Es war die Aussichtslosigkeit der Schalker Bemühungen, die den Schmerz auslöste. Es war ein schlechtes Spiel, nicht Pech oder Unglück, was die Schalker Niederlage auslöste. Und die Erkenntnis, daß die halbe Schalker Mannschaft zur Zeit aus Ergänzungsspielern besteht, Fred Rutten mit seinem System in dieser Besetzung keinen Blumentopf gewinnen kann. Es ist schwer positives aus den gestrigen Abend zu ziehen. Vielleicht hat sich kein weiterer Spieler verletzt, vielleicht. Am Samstag geht es gegen Bochum weiter. Eine weitere Chance die Champions League zu erreichen, wenn auch erst im nächstem Jahr.

Direct Marketing am Rande des Wahnsinns

Am Samstag versteigerte ich sensationell schnell meinen alten Monitor auf Ebay. Seit Montag trudeln ohne Ende tolle Angebote für Monitore in meinem E-Mail Postfach ein. Liebe Marketing Strategen, warum habe ich wohl meinen alten Monitor verhökert? Weil ich mir wahrscheinlich in den nächsten Tagen einen neuen kaufen werde aber die Knete noch nicht habe? Oder weil ich schon einen neuen gekauft habe da ich die Knete schon hatte? Was ist wahrscheinlicher? Denkt mal drüber nach. Und Who the Fuck ist eigentlich dieser Benjamin Schiller, der glaubt weil im Absender nicht Auvitio.de steht ist die Wahrscheinlichkeit, daß ich die Mail durchlese bevor ich sie in den Spam Ordner verschiebe größer? Und warum glaubt eigentlich Auvitio.de und all die anderen Onlineversender bei denen ich noch nie Kunde war und es auch wahrscheinlich nie sein werde, mir ungefragt Spam schicken zu dürfen? Bei den Fake Viagra Spammern habe ich ja noch ein wenig Verständnis dafür, das sind ja eh alles Betrüger was sollen die sonst machen. Aber wieso glaubt Auvitio, um mal bei diesem Versender zu bleiben, mein Vertrauen in dieses Unternehmen würde durch penetrante Vermüllung meines Postfachs steigen? Das gleiche gilt für Bauer, Schwab Online, Geldsparer.de, Barcleycard (um Himmels Willen), Tchibo, Quelle und vor allem Robert Bratzke von Preisvergleich.de. Erstens würde ich mit diesem Namen niemals eine Werbemail verschicken und zweitens habe ich auf Preisvergleich.de noch nie einen Newsletter bestellt. Den Vogel schießt aber opticalexpress.com ab. Ja, ich habe eingeloggt bei Amazon und Ebay nach 24' Zoll Widescreen TFT Monitoren gesucht, das heißt aber noch lange nicht, daß ich meine Augen für ab 795,-- Euro pro Auge bei ihnen lasern lassen möchte. Zumal mit meinen Augen noch alles in bester Ordnung ist. Ich glaube Amazon ist der Übeltäter, der mit meinen Specialinterests fiesen Handel betreibt. Ich schreibe die morgen mal an um nachzufragen, Ebay auch. Das interessiert mich nämlich brennend. Die Spamflut kann nur durch diese beiden Onlinehäuser ausgelöst worden sein.

Top oder Flop

In den Zeitungen geht es für Schalke heute lediglich um 15.000.000 Euro. Für mich als Fan, ich denke auch für die meisten Spieler, die in erster Linie trotz gegenläufiger Meinungen erst einmal Sportler sind, geht es heute um den sportlichen Erfolg. Es ist schon ein großer Unterschied ob Schalke in dieser Saison wieder in der Champions League, für alle die des englischen nicht mächtig sind also Meister Liga, oder halt im UEFA Cup mitspielen wird. Nichts gegen den sportlichen Erfolg des letzten UEFA Cup Sieger Zenit St.Petersburg, aber seien wir doch ehrlich, der ehemalige Messe Pokal hat doch stark an Image verloren seitdem dort nicht mehr die zweit-, dritt- oder viertplatzierten der großen europäischen Ligen mitspielen müssen. Ich bin irgendwie immer noch stolz auf den 1997er UEFA Cup. Valencia, Teneriffa, Inter Mailand das war die Show schlecht hin. Heute könnte im Fiat Clio Cup gar nicht mehr so ein Gassenhauer der Fankurve entstehen. Maribor, Kopenhagen, Real Barcelona das wäre keine Show. Unabhängig davon ob die überhaupt mitspielen, unabhängig wie viel Kohle zu verdienen ist. Von daher denke ich heute Abend bei einem möglichen Ausscheiden Schalkes gegen Atletico Madrid in der Champions League Qualifikation in erster Linie an Metalurgs, Wislaw Krakow oder Birmingham City statt an die verlorenen Penunsen. Was bin ich doch für ein hoffnungsloser Fall von einem Romantiker...

Glück Auf!

Kurz und Knapp - The Dark Knight

Batman Joker Forever, jawoll. The Dark Knight ist die neueste Interpretation des schwarzen Rächers, zum zweiten mal unter der Regie von Wunderkind Christopher Nolan. Batman Begins, sein erster Versuch Bruce Wayne ins neue Jahrtausend zu hieven. Bemüht die Geschichte neu zu starten, einen realistischeren und dunkleren Anstrich zu geben, aber weitestgehend inhaltsleer. Ja, ja, die Fanboys fressen alles. Und so war auch klar, daß sich um The Dark Knight im Vorfeld ein gigantischer Hype aufbauen wird. Ungefähr 36.000.000 Treffer meldet Google, ungesehen mußte der neue Batman schon als bester Film aller Zeiten herhalten. Gestern war ich im Kino um mir selbst ein Bild zu machen.

Eines vorweg, der Kinogang ist keine Enttäuschung. The Dark Knight erfüllt alle Wünsche des durchschnittlichen Kinogängers an einem Sommerblockbuster, kann sogar, ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger, ein wenig Epic-Feeling aufbauen. Endlich wieder ein echter Kampf zwischen Held und charismatischen Schurken im Kino. Das hat mir schon seit langem im Popcornkino gefehlt. Gegen Ledgers Darstellung des Jokers stinkt so ziemlich jeder Bösewicht der vergangenen Jahre einfach ab. Das macht Spaß, man wird im Laufe des Films fast süchtig nach den Monologen des Terroristen.

Und da sind wir auch schon an der viel zitierten und gelobten Metaebene des Filmes angelangt. Zur Handlung möchte ich nichts schreiben, da sie eigentlich unerheblich für die Wirkung des Filmes ist. Es ensteht mir der Eindruck als ginge es in The Dark Knight nur um eine Sache. Welcher Mittel muß sich ein Rechtsstaat bedienen um einer Bedrohung Herr zu werden. Es geht weniger um das Darf sondern lediglich um das Muß. Und hier enttäuscht mich Nolan auf ganzer Linie. Er rechtfertigt, vielleicht unbewußt in jedem Fall aber blauäugig, so ziemlich jedes Vorgehen seines Heimatlandes seit dem 9/11, auch wenn die Mittel im Rahmen der Dramaturgie grundsätzlich ersteinmal in Frage gestellt werden. Als erstes fällt mir da natürlich der schnell gebrochene Protest Luxio Fox gegen die Überwachung von 30.000.000 Menschen ein. Er bedient sich letzten Endes des Mittels und der Erfolg steht außer Frage. Der Zweck heiligt die Mittel, das ist die einzige Aussage des Filmes. In dem Moment in dem der Staat gegen das Unberechenbare unter Einhaltung der Regeln vorgeht kann er nur verlieren. Jetzt könnte man es Nolan zu Gute halten, daß die Verhaftung des Jokers den Tod Rachels nicht verhindern konnte und er damit aufzeigen möchte, daß Guantanamo, Folter und harte Verhörmethoden keineswegs von Erfolg gekrönt sind. Ich kann diese Sichtweise aber auch völlig umkehren indem ich behaupte der eine Anruf, der dem Joker schließlich nicht ganz freiwillig gewährt wird, der jedem Gefangenen in einem Rechtsstaat zusteht, führt erst zur Katastrophe. Hätte Batman den Joker sofort zur Strecke gebracht, hätte man ihm keine rechtsstaatliche Behandlung zukommen lassen, dann wäre das Thema schnell erledigt. Diese Angriffsfläche hätte sich Nolan durch eine stringentere und konzentriertere Inszenierung ersparen können. So vermittelt sich mir jedoch in erster Linie eine sehr zersetzende Sichtweise. Dieser Kritikpunkt paßt aber gut zum Rest des Filmes.

Denn der ist keinesfalls richtungsweisend oder die Neuerfindung des Kinos, ganz im Gegenteil. Bedient sich Nolan doch einfach nur aus dem großen Pott des schon da gewesenen. Aber nicht im Stile eines zitierenden Tarantinos, eher im Stile gut geklaut ist besser als... Bond, Matrix, Ghost in the Shell und und und. Viele Szenen konnte ich wiedererkennen, dazu die bisweilen auf Architektonik fixierte Kamera eines Michael Mann, die mittlerweile so beliebte hektische Handkamera und die schnellen Schnitte um der Action ein wenig Dynamik einzuhauchen. Neu ist das alles nicht, auch nicht frei von Fehlern und Logiklöchern. Da wird z.B. für den nächsten Tag ein Attentat auf Gothams Bürgermeister angekündigt und der hat nichts anderes zu tun als just an diesem Tage einen Trauerzug anzuführen, inmitten einer Straßenschlucht, ich schreibe hier nicht weiter. Jeder sollte wissen was gemeint ist. Auch ist der Film nicht frei von unfreiwillig komischen Dialogen, da geht es oft heftig cheesy ab. Allen voran der letzte Dialog zwischen Rachel und Harvey Dent. Mein Gott, wie kann man seine Protagonisten in solch einer Szene nur so einen Müll quatschen lassen, das erinnert eher an Soupopera als an tiefgründiges Actionkino. Und das will The Dark Knight definitiv sein. Da kann man sich nicht hinstellen und behaupten, hey das ist doch einfach nur Unterhaltungskino. Das lasse ich mir vielleicht bei einem 300 gefallen, der so gar keinen offensichtlichen Bezug zum aktuellen Weltgeschehen mit sich bringt. The Dark Knight meldet da schon andere Ansprüche an, unübersehbar.

Daß The Dark Knight wesentlich besser unterhalten kann als sein Vorgänger und so einige andere Blockbuster der letzten Jahre liegt einzig und allein am Joker. Der ist dann auch für mich der einzige Grund Nolans Gotham City Version im Kino anzuschauen. Zusätzlich hier und da ein Auge zugekniffen, das Gehirn auf Durchzug gestellt und man kann seinen Spaß haben. Um zum Schluß noch einmal auf die Metaebene zurückzukommen. Batmans Abgang zum Ende des Filmes, ja der erinnert mich stark an den Anfang nächsten Jahres kommenden Abgang eines anderen Mannes. Auch er wird nicht als Held gefeiert werden. Puuuhhh, Herr Nolan, wenn das mal kein Griff ins Klo war. Aber egal, die Fanboys fressen alles...

7,25/10 Joker

[edit]
Ich habe den Text leicht abgeändert, da es doch zu ein paar Mißverständnissen gekommen ist.

Jeder hat seine eigene Moral - Menschenfeind

Es sind die kleinen dpa Meldungen in den Zeitungen. Wir lesen sie, schütteln mit den Kopf, regen uns über den unbekannten Mann auf, der seine schwangere Frau verprügelt, sich an seiner behinderten Tochter vergeht, erst sie und dann sich umbringt. Was gibt es doch für abgrund böse Menschen. Wie konnte er nur? Was treibt Menschen nur zu solchen Taten? Das ist alles so weit weg, so irreal, man kann es nicht verstehen. Will es auch gar nicht. Wozu auch? Dennoch, es passiert immer wieder, die Zeitungen sind voll von solchen Geschichten.

Der Pferdemetzger hatte es nie leicht in seinem Leben, seinen Vater lernte er nie kennen, die Nazis brachten ihn im KZ um. Seine Mutter verließ ihn im Alter von sechs Jahren, im Heim nimmt ihm eine Erzieherin seine Unschuld, mit vierzehn ist er auf sich allein gestellt. Dennoch, er schafft es irgendwie und mit dreißig besitzt er seine eigene Metzgerei. Er lernt eine Näherin kennen, nach dem erstem Sex ist sie schwanger, nach der Geburt verläßt sie den Metzger und ihre Tochter. Er schlägt sich weiter durchs Leben, seine Tochter, die er über alles liebt, ist Autistin. Als sie in die Pubertät kommt muß er sich zurückhalten, ihre erste Menstruation interpretiert er als Vergewaltigung und sticht im Wahn mit dem Messer auf einen Unschuldigen ein, den er irrtümlich für den Vergewaltiger hält. Er muß daraufhin seine Metzgerei und Eigentumswohnung abgeben und ins Gefängnis. Seine Tochter kommt in ein Heim. Nachdem er seine Strafe abgesessen hat arbeitet er in einer Pariser Kneipe. Die Wirtin hat Geld, er schwängert auch sie, gemeinsam verlassen sie Paris um mit ihrem Ersparten in Lille eine neue Metzgerei zu eröffnen. Bis auf weiteres leben sie erstmal bei ihren Eltern in einer kleinen dreckigen Sozialwohnung.

Das ist die Ausgangssituation zu Noés ersten abendfüllenden Spielfilm, der auf seinen sieben Jahre zuvor gedrehten Kurzfilm Carne aufbaut. Er hat es also immer wieder versucht, der Metzger aus Paris, und er wird es auch jetzt wieder versuchen. Mit dem Geld der "Dicken", wie er seine Frau keinesfalls liebevoll nennt. Er ist ja auch nur des Geldes wegen mit ihr verheiratet, wohnt nur mit ihr bei ihren Eltern in Lille, da ihm die Aussicht wieder eine eigene Metzgerei zu besitzen als eine gute Aussicht erscheint. Was soll's?, bis dahin wird er auch noch die stinkende Bude seiner Schwiegermutter ertragen. Ist ja nicht gerade so, als hätte ihm das Leben bisher mit Glück überhäuft. Aber jetzt packt er es noch einmal an, mit der "Dicken". Wer weiß was das Leben noch zu bieten hat. Jeder hat seine eigene Moral, dies ist die des Metzgers.

Es kommt leider anders, die Dicke erweißt sich als kniepig. Gibt ihm nicht das benötigte Geld für seine Zukunft. Er soll im Supermarkt als Wurstverkäufer hinter der Fleischtheke stehen. Doch der Metzger kann nicht lächeln, er ist ein stolzer Mann, der sich nicht verbiegen will. Keine Chance. Er nimmt schließlich eine Stelle als Nachtwächter im Altenheim an. Ein guter Job, kann er doch so tagsüber schlafen und muß nicht ständig die Dicke und ihre dämliche Alte ertragen. Eines Nachts wird er Zeuge des Sterbens. Er steht der Nachtschwester bei, die den Tod einer alten Frau nur noch erleichtern kann. Kein Arzt weit und breit. Die Erfahrung ist für beide niederschmetternd, sie hält sich an ihm fest, er steht ihr bei, begleitet sie auf dem Heimweg. Den restlichen Tag verbringt er im Pornokino und einer Bar. Über sein Leben sinnierend. Als er am Abend nach Hause kommt wirft ihm die Dicke vor sie mit der Nachtschwester betrogen zu haben. Eine Nachbarin hätte ihn mit ihr gesehen, mit dieser Schlampe, dieser Hure. Die Situation eskaliert, der Metzger schlägt auf seine Frau ein, immer wieder auf den Bauch der Schwangeren. Er schnappt sich die Knarre seiner Schwiegermutter und macht sich mit dreihundert Franc allein auf den Weg zurück nach Paris. Zurück zu seiner Frau kann er nicht mehr, die Alte hat bestimmt schon die Polizei gerufen und die Dicke ihr Kind verloren. Womöglich legt man ihm das als Mord aus und er muß wieder ins Gefängnis. In Paris hat er noch Freunde, die werden ihm helfen. Er fängt ein neues Leben an, packt es jetzt richtig an. Er braucht die Dicke nicht mehr, er schafft es allein. Es kommt alles anders.

Menschenfeind ist ein intensiver Film, ein provokanter Film, ein verstörender Film. Noé zeigt eine kaputte Welt, ein Frankreich der Rezession, der schmutzigen Kaschemmen, der runtergekommenen Absteigen, der gescheiterten Existenzen, der abgrundtief häßlichen Gedanken. Eine einzige übersteigerte Depression im tristen Braun, langen Einstellungen und breitestem Breitbildformat. Ich kann mich nicht erinnern, daß der Film auch nur einmal seinen Zuschauer anlächeln würde. Vielleicht am Ende, doch das ist nur ein zynisches Lächeln. Das Lächeln eines Typen, der einen gerade auf das übelste bloß gestellt hat.

Der Metzger erzählt seine Geschichte selbst aus dem Off. Nein, er erzählt nicht seine Geschichte, er läßt den Zuschauer an seiner Gedankenwelt teilhaben. Und seine Gedanken sind verstörend, abstoßend. Anfangs mit einer gehörigen Portion Zynismus nachvollziehbar. Doch mit der steigenden Ausweglosigkeit, der sich der Metzger ausgeliefert sieht, steigt der Anteil des Hasses in seinen Gedanken. Der Hass auf die Deutschen, die seinen Vater töteten, auf seine Freunde, die ihm nicht helfen können, auf den Chef vom Schlachthof, der ihm keine Arbeit geben will. Auf jeden und alles. Es war ein Fehler, daß er auf die Welt kam. Von seinen letzten elf Franc gönnt er sich noch in der Bar einen Roten. Der Wirt droht ihm mit vorgehaltener Schrotflinte die Kneipe zu verlassen nachdem der Metzger mit dem Sohn des Wirtes aneinander gerät. Jetzt ist Schluß mit Lustig. Der Metzger wird fürchterliche Rache nehmen an denen die ihn demütigen. Drei Kugeln, eine für den Wirt, eine für die Schwuchtel von einem Schlachthofdirektor und eine für sich selbst. Was soll er noch auf der Welt? Was muß geschehen um ihn die vielleicht noch zwanzig Jahre Leben, die er noch vor sich hat als lebenswert erscheinen zu lassen? Doch seine Tochter, er kann sie nicht allein lassen im Heim. Das kann er ihr nicht antun. Was wird mit ihr geschehen wenn sie eines Tages das Heim verlassen muß? Er kann sie nicht der Straße überlassen wo sie eh nur von den üblen Gestalten vergewaltigt werden wird. Der Metzger muß für klare Verhältnisse sorgen bevor er die Welt verläßt. Drei Kugeln hat er noch. Noé warnt den Zuschauer, noch dreißig Sekunden um die Vorstellung des Filmes abzubrechen. Danach garantiert Noé für nichts mehr. Die Gedanken des Metzgers kumulieren in totalem Wahnsinn, zwei Enden präsentiert Noé. Oder ist es doch nur eines? Egal, beide sind unfaßbar in ihrer emotionalen Wirkung.

Menschenfeind ist auf der ersten Ebene eine äußerst subjektiv vorgetragene Tragödie. Einzig und allein aus der Perspektive des Metzgers, manipulativ in ihrer narrativen Wirkung. Unentwegt nimmt der Zuschauer an den Gedanken des Metzgers teil, keine Zeit um sich sein eigenes Bild von der Geschichte zu machen. Keine Chance durchzuatmen. Selbst in den spärlich vorhandenen Szenen in denen der Metzger nicht kommentiert. Die sind lediglich dazu da, das Verhängnis zu unterstreichen, den Zuschauer auf die Seite des Metzgers zu holen. Er ist ein armes Schwein, ganz klar. Kein unschuldiges Schwein, aber eines, das im Kern kein schlechtes ist. O.K., er hat seine schwangere Frau verprügelt, Schwamm drüber. Was hat sie ihm denn vorher angetan? Wie hat sie ihn denn vorher gedemütigt? Ihn sogar als Schwuchtel bezeichnet, da kann die Hand schon einmal ausrutschen. Gebt ihm doch noch eine Chance, einen Job, damit er noch einmal von vorne anfangen kann. Er hat es doch irgendwie verdient, zuviel schlechtes ist ihm widerfahren seit seiner Geburt. Noé gibt ihm diese Chance, gibt ihm ein Happy End, das jedoch nach den Moralvorstellungen der Mehrheit keines sein kann. Nie im Leben. Noé packt die Klimax seines Filmes ganz ans Ende, läßt den Zuschauer allein im Kinosessel zurück. Mit sich und seinen Gedanken. Was ist Moral? Wer bestimmt was moralisch ist? Sind es die Umstände des Lebens, die die eigene Moral bestimmen? Könnte ich meine hohen Erwartungen an meine eigene Moral aufrecht erhalten würde mein Leben anders verlaufen? Menschenfeind gibt keine Antworten, er stellt lediglich die Fragen. Das ist das unbequeme an ihm. Er läßt den Metzger die vom Zuschauer herbeigesehnte Katharsis durchlaufen, aber das Ergebnis ist eine Katastrophe. Scheiß drauf was die anderen sagen, auf die Moral der anderen, des Zuschauers. Der Metzger ist am Ende glücklich, der Zuschauer nicht. Der hadert an der Frage welches Ende das bessere wäre. Es gibt keine Antwort.

9/10 Punkte

Und schon ein wenig Stimmung

Die Saison ist noch keine zwei Spieltage alt, befindet sich gerade in der Aufwärmphase, der Blick auf die Tabelle in etwa so viel wert wie meine Saisonprognose. Es gibt eigentlich überhaupt keinen Grund jetzt schon irgend ein Fazit zu ziehen. Und doch gibt es schon ein paar Erkenntnisse, die man aus den bisherigen Spielen ziehen kann.

Hoffenheim z.B. hat tatsächlich so etwas wie eine Fanecke, das war ja der reine Wahnsinn wie die Mannschaft vor diesem Stehplatzblock mit den Massen ihren zweiten Sieg in Folge feierte. Nicht auszudenken wenn der Traditionsclub direkt in die Champions League einmarschiert. Pure Massenhysterie ist zu erwarten wenn das so weitergeht. So wie in Stuttgart, fast ausverkauft das Stadion im erstem Heimspiel der Saison. O.K., es fehlten noch ungefähr 8.000 zahlende Gäste, aber letztes Jahr bei schönstem Wetter waren noch ungefähr 18.000 Karten zum Saisonauftakt nicht verkauft. Woran liegt es liebe Schwaben? Traut ihr dem VfB von vornherein nichts zu? Seid Ihr erst Fans, wenn es um die Wurst geht und der VfB um die Meisterschaft mitspielt? Oder liegt es an Mario Gomez? Fußball spielen kann er ja, auch wenn er bei seinem erstem großen internationalen Turnier ziemlich enttäuschte, in Stuttgart macht er seine Tore. Aber ist schon einmal jemanden aufgefallen, was für ein eitler Fatzke dieser Gomez ist? Seine Körpersprache, sein Rumgeheule nach unglücklichen Abschluß, sein Rumgeflenne wenn er meint gefoult worden zu sein. Nee, da würde ich auch nicht ins Stadion gehen. Nach seinem Petzinterview nach dem letztem Derby gegen Karlsruhe ist er eh bei mir unten durch. Der hat bei mir keine Chance mehr, selbst wenn er uns im Alleingang nach Südafrika schießen sollte. Was wahrscheinlicher ist als das es Miroslav Klose gelingen könnte. Mein Gott, was ist mit Miro los. Erinnert mich irgendwie stark an seine letzte Zeit in Bremen. Da war er ja ganz krank, konnte kaum noch zu Hause die Treppe zu den Schlafgemächern meistern, aber der Trainer hat ihn doch immer wieder einfach aufgestellt. Gestern hatte Jürgen Klinsmann schon zur Halbzeit mit ihm Erbarmen. Ich kenne ja Leute, die prophezeien Klinsmanns Rücktritt noch vor der Winterpause. Ich bin da aber ein wenig skeptisch was Klinsmanns Scheitern angeht. Das gestrige Unentschieden war doch eigentlich als Erfolg zu sehen. Man muß bedenken, daß van Bommel eigentlich die Rote Karte für seine Tätlichkeit verdient hätte und nun lediglich für ein statt für mindestens drei Spiele gesperrt ist. Und der Führungstreffer für den BvB war ja auch eher ein Kind stümperhafter Umstände im Dortmunder Sturm. Also was solls, Uli Hoeneß hatte nach dem Spiel die schönste Erklärung für das bisher bescheidene Abschneiden der Bayern parat. Wie langweilig wäre doch die Bundesliga, wenn die Bayern jetzt schon an der Tabellenspitze stehen würden. Genau, dem Gattuso hat schließlich auch der FCB abgesagt und nicht umgekehrt. Uli, so früh in der Saison schon so viele Rechtfertigungen? Ich freue mich auf seine Erklärungsversuche für das Scheitern der Bayern in der Champions League. Liegt dann wahrscheinlich daran weil Premiere nicht genug gepusht wurde.

Aber eigentlich interessierte mich gestern ja nur eine Partie, und zwar die in Bremen. Wie stark ist Bremen ohne Diego? Wie stark ist Schalke ohne sechs Stammspieler gegen eine starke Mannschaft? Das Spiel war kein gutes, zwar hätte Schalke in der ersten Halbzeit des öfteren in Führung gehen können, aber wie schon letzte Saison fehlte wie so oft hier und da ein wenig Glück oder die letzten zwanzig Zentimeter. In der zweiten Halbzeit erspielte sich Bremen nicht zuletzt durch einen immer stärker werdenden Mesut Özil eine Überlegenheit. Der Führungstreffer von Özil herausgespielt und von Frings routiniert abgeschlossen. Dem ging aber leider wieder ein veherender Fehlpaß in Schalkes Aufbauspiel durch Kobiashvili voraus. Ärgerlich. Doch mein vorausgesagtes Unentschieden ist dann glücklicherweise doch noch durch Westermanns Ausgleich in der 85. Minute eingetreten. Schön das sich die Mannschaft nicht mit einer Niederlage zufrieden geben wollte. Besonders schön auch, daß Mathias Schober mehr als ein Ersatzspieler ist. Für das Spiel am Mittwoch in Madrid ist mir nicht Angst und Bange. Das tut nach den vergangenen zwei Jahren auch mal einfach gut.

Filmrätselstöckchen # 1035

Wußte ich doch, daß ich den Film mit dem aus dem Fenster geworfenen Autoradio, den TheRudi gestern erraten ließ, kennen würde. Der Lazer Blaster gab mir dann den letzten benötigten Hinweis. Hier geht es entgegen meiner Ankündigung aber leider erst gegen 16:00 Uhr weiter. Bis dahin vergnügt Euch mit dem ersten Bild des von mir versprochenen gaaaaanz schweren neuen Rätsels. Vielleicht ist es bis 16:00 Uhr ja schon gelöst. Viel Spaß!













28 Weeks Later ist die ordentliche Fortsetzung Danny Boyles Zombiefilm Hommage 28 Days Later. Die Regie hat Boyle diesmal aber an den jungen Juan Carlos Fresnadillo abgegeben und begnügt sich lediglich mit der Produktion . Das merkt man den Film auch deutlich an, zwar verwendet Fresnadillo gleiche Kameratechnik um den Look der Franchise zu waren, doch ist sein Film wesentlich actionlastiger und wie für einen zweiten Teil üblich auch blutiger. Die Inszenierung erinnert gerade in der zweiten Hälfte eher an ein Videogame und richtet sich mit seinen digitalen Trickserein, die die spärlich vorhandene Handlung noch weiter in den Hintergrund drängen, deutlich an ein sehr junges Puplikum. Insgesamt geht der Film als Happen für zwischendurch durchaus in Ordnung, auch wenn er die Qualität seines Vorgängers nicht annähernd erreicht. Schon gar nicht die Qualität der ersten Zombietriologie des George A. Romeros.

Erkannt hat ihn aa_tylerdurden. Das Stöchchen ist momentan frei, wer zuerst kommt malt zuerst. Der macht auch morgen früh um 10:00 Uhr weiter. Ich frage mich wer da schon wach ist?

Ghost of Love

We are not the Future - Die Klasse von 1984

Schon Sokrates klagte:"Die Jugend von heute...", stop. Das ist ja gar nicht belegt, glaubt man den Historikern, die bis heute laut Zeit.de zumindest bei Plato keine Niederschrift des berühmten Zitates gefunden haben. Also muß ich wohl einen anderen Einstieg für meine Einleitung finden. Immer schlimmer werdende Jugendgewalt in den Städten? Hmm, das mediale Gezeter zu Jahresanfang, ausgelöst durch einen unfaßbaren Übergriff zweier Jugendlicher in der Münchener U-Bahn ist spätestens mit der Verurteilung der Delinquenten Geschichte. Aber es wird irgendwann wieder einen ähnlichen Fall geben und wieder wird die Apokalypse gepredigt werden. Die Apokalypse spielt sich augenscheinlich vor allem täglich in unseren Schulen ab, dort wo die Jugend geballt auf die Alten trifft, die ihnen etwas beibringen sollen. Medial groß aufbereitete Einzelfälle scheinen dieses Bild immer wieder zu bestätigen. Die Videos, die Youtube ausspuckt, gibt man entsprechende Suchanfragen ein, scheinen den Verdacht zu bestätigen. Die Schule ist zum Kriegsschauplatz geworden, oder war es schon immer. Schon 1955 sorgte Richard Brooks mit der Verfilmung der Erfahrungen Evan Hunters an einer New Yorker Schule in der Bronx unter dem Titel Saat der Gewalt (Blackboard Jungle) für helle Aufregung. Man muß sich schon wundern, daß das brisante Thema danach nicht öfters von Hollywood aufgenommen und kinoreif verarbeitet wurde. Erst 1982 schaffte es mit Mark L. Lesters Die Klasse von 1984 (Class of 1984) wieder ein Film zu diesem Thema in den Fokus der breiten Masse. Weniger aufgrund seiner Thematik, sondern eher durch seine ausufernde Gewalt.

An der Abraham Lincoln High herrscht das reine Chaos. Der rote Backsteinbau ist runtergekommen, beschmierte Wände, eingebrochene Fensterscheiben, marodierende Schülerbanden auf den Fluren, der Campus mit Müll verdreckt. Einzig der Sicherheitsdienst, der mittels Metalldetektoren am Eingang versucht so etwas wie Kontrolle und Disziplin aufrechtzuerhalten zeugt von staatlicher Aufsicht. Doch auf dem einem Auge ist er blind, hier will sich doch niemand mit dem Feind anlegen. Für was auch? Die machen ja eh was sie wollen. Hier kommt es nur darauf an zu überleben. So trägt Lehrer Corrigan auch stets eine Waffe bei sich. Es ist der erste Unterrichtstag für den neuen Musiklehrer aus der Provinz Nebraskas, Mr. Norris. Gleich im erstem Gespräch mit dem Rektor im Kontrollmonitor überfluteten Büro wird ihm verdeutlicht, daß seine Fähigkeiten als Lehrer zweitrangig sind. Viel wichtiger sind seine Flurkontrollen während der Freistunden, ja er ist hier in der großen Stadt, nicht mehr auf dem beschaulichen Land.

Bekanntschaft mit dem Grund allen Übels macht Norris sofort in seiner ersten Unterrichtsstunde. Stegman und seine Gang haben Platz genommen und versuchen die Orchesterprobe zu stören. Zu erkennen sind sie selbst für den dümmsten Rezipienten an der punkigen Kleidung die mit den New Wave Frisuren kollidiert und umgekehrt. Nur Anführer Stegman sieht auf dem Kopf aus als wäre er einer Haarwasserwerbung entsprungen. Es scheint zunächst als würde Norris den aufgenommenen Kampf Lehrer gegen aufmüpfigen Schüler gewinnen als es ihm gelingt die Störenfriede ohne großen Aufhebens aus dem Unterricht zu entfernen. Doch spätestens nach Dienstschluß muß auch er einsehen, daß die Geschichte ins persönliche abrutscht. Sein Auto ist beschmiert und Abends, als er mit seiner schwangeren Frau nach Hause kommt, wird er von Stegmans Gang obendrein noch mit Hühnerblut aus Wasserpistolen bespritzt. In ihrem Punk Club agiert Stegmans Bande jedoch weniger kindisch, Prostitution und Drogenhandel stehen an der Tagesordnung.

Am nächsten Tag betritt Norris nur ein paar Sekunden zu spät das Schülerklo auf dem Stegman mit Drogen dealt. Ohne handfeste Beweise muß der Rektor die Bande laufen lassen, doch kurz darauf verliert ein Schüler im Drogenrausch sein Leben. Norris schwört sich Stegman in den Knast zu bringen. Der Konflikt zwischen Norris und Stegman schaukelt sich nach und nach hoch bis das unfaßbare geschieht. Stegmans Gang vergewaltigt Norris Frau, der daraufhin blutige Rache an den Mitgliedern der Bande und ihren Anführer verübt.

Mark Lesters Film schaut sich an wie sich Berichte über kriminelle Jugend in den Boulevardzeitungen lesen. Reißerisch. Weniger die eigentliche Thematik steht im Vordergrund als vielmehr die möglichst emotionale Schilderung und übertriebene Darstellung des Geschehens. Dabei verliert sich die immergrüne Geschichte über revoltierende Jugend und überforderte, resignierte Pädagogen in einen durchschnittlichen Rachethriller, dessen Highschool Millieu austauschbar ist wie das tägliche Mädchen von nebenan auf den Titeln der Bildzeitung. Kein Problem die Handlung in einem anderem Sujet unterzubringen. Lester hat gar kein Interesse an den Gründen für die von ihm so schön übertrieben in Szene gesetzte Gewalt, geschweige denn an einer differenzierten Betrachtung oder gar eines sozialverträglichen Lösungsansatzes. Kann er auch gar nicht, seine Hauptfiguren lassen dies nicht ansatzweise zu. Hier ist niemand bereit auch nur ein Stück weit aus seiner Rolle auszubrechen. Norris, dem schneller klar zu sein scheint mit was für einen Typen er es bei Stegman zu tun hat als er seinen ersten Gehaltscheck erhalten kann. Der noch nicht einmal versucht mit Stegman ein Gespräch unter vier Augen zu führen, nachdem ihm vorgeführt wird welch ein musikalisches Talent in ihm steckt. Auf der anderen Seite eben dieser Stegman und seine Bande, die nicht nur auf dem Schülerklo Koks verkauft und den Unterricht schwänzt, sondern auch noch neben der Schule eine waschechte Verbrecherorganisation aufzieht. Ganz schön viel kriminelle Energie für eine Highscholl Bande. Wie alt mögen sie sein? 16 oder 17? Daß Stegman nicht Kind aus sozialem Brennpunkt ist sondern eine verwöhnte Upperclass Göre scheint nur auf dem ersten Blick ein Brechen mit dem Klischee, vielmehr zielt Lester auf den Faktor unterschwelliger Neid um die eh schon vorhandene Abneigung des Zuschauers noch weiter voranzutreiben. Alles nur um sein reaktionäres und von blinder Rachsucht getriebenes Finale zu rechtfertigen, in dem Norris nicht weniger konsequent vorgeht als Marv in Sin City, der seine tote Goldie rächt. Wie hier mancher Kritiker von nihilistischer Herangehensweise an das Problem Jugendgewalt bzw. Kriminalität schreiben kann und dies auch noch beachtenswert nennt kann ich nicht nachvollziehen. Lester geht es letztendlich gar nicht um das Thema Gewalt an Schulen, das benutzt er lediglich als Aufhänger für einen mehr oder weniger reinen Rape and Revenge Reißer. Nicht eingangs erwähntes Schuldrama von 1955 ist hier Vorbild, sondern Filme wie Cravens Last House on the Left oder Zarchis Day of the Women. Man muß sie nicht mögen, aber ihnen zugestehen ihr Hauptthema nicht annähernd so schmierig und manipulativ anzugehen, wie es Lester mit seinem Film versucht. Der Authentizität vorgaukelt, wenn er mit einer Texttafel anfängt, der man entnehmen kann wie viele Gewalttaten an Lehrern im letzten Jahr von Schülern begangen wurden, der Film unglücklicherweise auf wahren Begebenheiten beruht. Das ist pure Scheinheiligkeit. Hier geht es ausschließlich um die Rechtfertigung von Selbstjustiz. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Gewalt als einziger Ausweg aus der Misere. Einzig und allein bewilligt durch die im wahrsten Sinne des Wortes unglaublichen Taten des Antagonisten und dem Versagen des Gesetzes, das in Lesters aus gutem Grund zaghaft in die Zukunft verlegter Geschichte handlungsunfähig erscheint. Natürlich, es gibt noch ein paar nette Schüler, die ihre Tuba, Klarinette oder Querflöte im Koffer mit sich herumtragen und auf den alten Lehrer hören. Denen zeigt Lester aber auch ziemlich eindrucksvoll am Ende was mit ihnen passiert sollten sie den Pfad der Tugend verlassen. Eine eher unfreiwillig komische Szene.

3/10 Punkte

Arbeit für den Rekorder - 23. - 29. August

Samstag, 23. August

12:30 Uhr Der Stadtneurotiker (Tele5)
Alvy Singer sinniert über sein bisheriges Leben und reiht eine urkomische Szene an die nächste ohne dabei großen Wert auf korrekte Chronologie zu legen und immer wieder zwischendurch den Zuschauer direkt anspricht. Alles nur um seine gescheiterte Beziehung zu der Liebe seines Lebens Annie Hall zu analysieren. Das ist witzig, voller Ironie und bis heute ungeschlagen. Der beste Allen den es je gab, unbedingt anschauen!

Sonntag, 24. August

20:15 Uhr Walk the Line (RTL)
Konnte bisher mein Interesse noch nicht wecken, was vor allem an dem Mitwirken von Reese Witherspoon liegt. Irgendwann einmal, wenn die Erinnerungen an Natürlich Blond durch eine Amnesie aus meinen Gedächtnis gelöscht sind kann sich das vielleicht ändern. Bis dahin verweise ich auf die durchgehend positiven Kritiken.

20:15 Uhr Sie leben! (Tele5)
John Carpenters Versuch einer 50th Science Fiction B-Movie Hommage. Gehört schon zu den Werken des Regisseurs die nicht mehr ernst zu nehmen sind. Die fette Trashattitüde wird noch durch Hulk Hogans Kollege Roddy Piper in der Hauptrolle verstärkt. Unter dem Einfluß von zwei oder drei Flaschen Bier durchaus kurzweilig.

20:15 Uhr King Arthur (Pro7)
Genau das was man von einem Jerry Bruckheimer Film erwarten kann. Da helfen weder Keira Knightley noch Clive Owen ohne deren Mitwirken ich mir diesen Schmock bestimmt nicht angeschaut hätte. Überflüssig ist geschmeichelt.

23:30 Uhr GoodFellas (ARD)
Martin Scorsese bei dem Versuch Coppolas Godfather zu übertrumpfen. Herausgekommen ist ein Mafiaepos, das filmisch, schauspielerisch und atmosphärisch an der Grenze zur Perfektion kratzt, Coppolas Jahrhundertfilm jedoch nicht ernsthaft etwas anhaben kann. Absolut Top!

00:00 Uhr Fahrenheit 451 (Tele5)
Truffots Verfilmung verzichtet auf dystopische Bilder und legt den Fokus voll und ganz auf die Entdeckung des Individualismus in einer betäubten und gleichtickenden Gesellschaft. Weniger visionäres Meisterwerk als kauziger Mahnruf zum Erhalt der Literatur.

00:15 Uhr Die Brücke von Arnheim (NDR)
Operation Market Garden in Starbesetzung. Ordentlicher Hollywood 2. Weltkriegsschinken, der ganz auf das militärische Abenteuer setzt ohne die Toten zu betrauern. Für das was er sein will O.K.. Ich frage mich allerdings wer sich so etwas heute noch anschauen möchte.

Montag, 25. August

20:15 Uhr Dirty Dancing (SAT.1)
Da gibt es überhaupt nichts zu lachen. Millionen werden wieder Pipi in den Augen haben wenn der Johnny sein Baby beim letzten Mambo auf den Händen trägt. Wie einfach doch Gefühlskino sein kein. Bei weitem nicht so kitschig wie immer wieder kolportiert.

22:15 Uhr Hollow Man (ZDF)
Paul Verhovens Mixtur aus Dr. Jeckyll & Mr. Hyde und der Unsichtbare hat zu Unrecht viel Kritik einstecken müssen. Auch wenn es weniger tiefgründig zugeht bleibt doch immerhin ein launiger Mad Scientist Streifen mit ordentlichen Edeltrashqualtitäten. Und Elisabeth Shue gucken wir doch eh alle gerne zu.

Dienstag, 26. August

21:00 Uhr Der Mann, der vom Himmel fiel (ARTE)
Hat unübersehbare Längen, kann aber auf der anderen Seite eine tiefgründige Außenseitergeschichte mit typischer 70th Konsum- und Assimilierungskritik bieten. Für Filmfreunde in jedem Fall interessant, Bowie gehört zu den Guten.

22:50 Uhr Unter dem Sand (RBB)
Ozon ist ein Regisseur der gepflegte Langeweile in schönen Bildern vorträgt. Das mußte mal raus.

Mittwoch, 27. August

22:30 Uhr Slither (RTLII)
Genau mein Ding. Unverschämt drollige 80th B-Horror Hommage für alle Liebhaber der Critters und Co.. Nathan Fillion Groupies kommen sowieso auf ihre Kosten. Der Trailer ist ne Frechheit.

23:05 Uhr Battlefield Earth (Tele5)
Puuuhhhhhhhhhhhhh. Ich schließe mich Mr. Vincent Vegas Worten an. Muß man gesehen haben um es zu glauben. Wird man aber kaum schaffen.

Donnerstag, 28. August

20:15 Uhr The Big Easy (Tele5)
Wenn der Sommer doch noch mal so viel Hitze austrahlen könnte. Dennis Quaid und Ellen Barkin lassen es gehörig knistern, drum herum ein atmosphärisch dichter Südstaaten Cop-Thriller um Korruption und organisiertes Verbrechen.

22:45 Uhr Die schwarze Dahlie (ARD)
Tipp des Tages laut meiner Fernsehzeitschrift (ja, ich muß sie mal wechseln, ich weiß). Dafür bin ich aber ziemlich schnell eingeratzt und habe den Film schließlich ungesehen zur Videothek zurückgebracht.

23:15 Uhr Ti Lung - Das blutige Schwert der Rache (DAS4.)
Noch einer dieser äußerst unterhaltenden Eastern aus dem Hause der Shaw Brothers, die ich noch nicht gesehen habe. Dafür macht mir das Bild in meiner Fernsehzeitschrift aber gehörig Apettit. Ein weißer und ein schwarzer Schwertkämpfer vor lila beleuchtetem Hintergrund. Ui, sieht schwer nach Großem aus. Vorsicht hinter dem Titel befindet sich der Endkampf mangels Trailers.

Freitag, 29. August

03:20 Uhr Stephen Kings Stark (Pro7)
Eine der wenigen gefühlten 10.000 King Verfilmungen die mir wirklich Spaß im Kino bereiteten. Ob es am Regisseur lag? Trotz nächtlicher Ausstrahlung um 17 Minuten geschnitten. Damit hat sich das Thema schon wieder erledigt.

Eine nicht wirklich ergiebige Woche aber vielleicht finden die anderen ja noch etwas.

Sendersuchlauf, täglich
From Beyond, ab samstags
Blockbuster Entertainment und Kino, TV & Co, ab sonntags

Bei Filmen ab oder nach Mitternacht das abweichende Datum beachten.

Lachen mit der DFL und Uli Hoeneß

Ist er nun wirklich so ein schlechter Verlierer oder versteht er einfach nicht den Sinn und Zweck des Kartellrechts? Ich weiß es nicht. In beiden Fällen kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Die Entscheidung des Bundeskartellamtes ist natürlich ein herber Rückschlag für die Vermarktungspläne der DFL, aber gleich auf eine Verschwörung zwischen Bundeskartellamt und der ARD zu schließen ist schon arg daneben. Das Bundeskartellamt hat nach langer Prüfung entschieden, daß die Zentralvermarktung der Bundesligaübertragungsrechte ein rechtswidriges Kartell darstellt, das solange der Mehrheit der Zuschauer (Kunden) keine Nachteile enstehen geduldet werden kann. Ich frage mich jetzt was für die DFL an diesem Urteil so schwer verständlich war. Hatte sie wirklich daran geglaubt mit dem Vorschlag der Highlightberichterstattung auf einem der nur digtital empfangbaren ARD Sender, die momentan lediglich von 40% Prozent der Haushalte empfangen werden, das Bundeskartellamt gütig zu stimmen? Ich hake das jetzt mal unter tölpelhaften Täuschungsversuch und Hoeneß Äußerungen unter Realsatire ab.

Coming Attractions



Demnächst Reviews zu Mark L. Lesters Exploitation Mythos Klasse von 1984 und Gaspar Noés Kinodebut Menschenfeind.

Filmrätselstöckchen # 1029

Über ein Jahr kursiert das Filmrätsel durch einen in letzter Zeit immer kleiner werdenden Kreis von Film verrückten Bloggern. Natürlich, normale Abnutzungserscheinungen und von daher kein Grund Trübsal zu blasen. Beim Johannes habe ich es wieder aufgenommen und wünsche allen noch dabei gebliebenen und vielleicht neuen Ratern (nur zu, hier beißt höchstens die Ironie) wie immer viel Spaß!













Paul Thomas Anderson erzählt mit There Will Be Blood die Geschichte des amerikanischen Kapitalismus. Schweiß, Blut, Entbehrungen, Öl, Macht und Eitelkeiten. Am Ende wird niemand als Sieger dastehen. Eine faszinierende bildgewaltige Kinooper. Sperrig und widerspenstig, oftmals ein "Kotzbrocken" von einem Film. Ganz so wie ihre Hauptperson Daniel Plainview für dessen Darstellung Daniel-Day Lewis zurecht den Oscar erhielt. Wer nicht das Glück hatte Anfang des Jahres ein Kino in seiner Nähe zu haben, das mit einer Kopie bedacht wurde, kann jetzt endlich auf die vor knapp zwei Wochen erschienene DVD bzw. Blu-ray Veröffentlichung zurückgreifen.

Erraten hat ihn David, wann und wo es weiterging steht wie immer in den Kommentaren.

1. Spieltag Bundesligasaison 2008/2009

Es gibt Situationen im Leben, da steht der Fußball erst an zweiter oder dritter Stelle der Prioritätenliste. Z.B. wenn die eigenen Geburtstagsfeierlichkeiten mit dem Saisonstart der Bundesliga zusammenfallen. Wie immer zu meinen Geburtstag enttäuschte Schalke in keinster Weise und gewann sein Heimspiel gegen Hannover 96 laut Manni Breuckmann im Radio und der heutigen Zeitungsberichterstattung in ziemlich dominanter Art und Weise mit 3:0. Letztes Jahr gewann Schalke an meinem Geburtstagswochenende mit 4:1 gegen den BvB. Ich sollte vielleicht nächstes Jahr doch einmal einen überschaubaren Betrag bei einem der Sportwettenanbieter auf Schalke setzen. Ach nee, lieber nicht, vielleicht reißt dadurch die Serie und das wollen wir doch nicht. Oder?

No Fate - Terminator 2: Judgement Day Special Edition

Als James Camerons Terminator 1984 erschien, wurde das Science Fiction Genre dermaßen durcheinander geschüttelt, daß schnell von einem Meisterwerk die Rede war. Science Fiction, das war in den Köpfen der meisten Kinobesucher Star Wars, Star Trek, Buck Rogers, außerirdische Lebensformen und Raumschiffe, hatte jedoch mit der Gegenwart und knallharter Action soviel zu tun wie Ronald Reagan mit Freundlichkeit gegenüber dem Kommunismus. Arnold Schwarzenegger gelang durch Camerons hoffnungslos dystopischen Actionfilm der Durchbruch zum Star nicht nur in den USA, sondern auch im muttersprachlichen Raum. Hier wurden seine vorherigen Versuche in Hollywood Fuß zu fassen mehr als belächelt. Und auch wenn nun amüsiert darüber geflachst wurde, daß Arnie im Film lediglich 17 Sätze spricht war sich jeder darüber im klarem wie viel noch kommen sollte. Jedenfalls nahm man Schwarzenegger jetzt endlich als neuen aufgehenden Stern des Actionkinos auch in Österreich und Deutschland wahr. Wenn ich heute darüber nachdenke wie er einst bei Hans-Joachim Fuchsberger während der großen Samstagabend Familienunterhaltung Auf Los geht's los auf der Couch saß, man stolz Ausschnitte des Films präsentierte, muß ich mehr als schmunzeln. In Deutschland vollzog sich just zu diesem Zeitpunkt eine hitzige Mediengewaltdebatte. Fulci und dem Video Home System sei Dank, wurden nicht nur Jugendschutzgesetze novelliert, und da wird doch tatsächlich in einer Familienshow, die regelmäßig eine nicht unerhebliche Reichweite erlangte, ein brutaler Low Budget! Science Fiction Action Film beworben, der später auf dem Index der BPjM landen sollte. Heute unvorstellbar.

Doch auch für James Cameron, dem Autodidakt ohne Filmhochschulabschluß, war der Terminator die Initialzündung für seine weitere Karriere. Walter Hill und David Giler waren von Camerons Drehbuch zu Terminator derart begeistert, daß sie unbedingt mit ihm zusammenarbeiten wollten und ihm letztendlich mit der Fortsetzung ihres damals schon als Kult geltentenden Erfolgs Alien betrauten. Daß Cameron mit Aliens - Die Rückkehr einen weiteren Kultfilm erschuf, der bis heute maßgeblich für das Bild der Franchise in der Öffentlichkeit verantwortlich ist, sollte keine Neuigkeit darstellen. Nachdem sein nächster Film The Abyss, eine Mischung aus dem Alien Thema und ein wenig E.T. bzw. Unheimliche Begegnung der dritten Art, vom Puplikum sträflich unterschätzt wurde und an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurückblieb wendete er sich der Fortsetzung seines Gesellenstücks Terminator zu. Es war klar, daß Cameron, der zuvor der eben erwähnten Alien Franchise eine andere Richtung verpaßte ohne sie zu verraten, auch seinem Kind, dem Terminator ein anderes Gesicht überstülpen würde. Und auch wenn The Abyss zuvor keinen großartigen Erfolg darstellte stand Cameron für die Fortsetzung seines apokalyptisch metallischen Technikalptraums mit 100 Millionen Dollar das damals größte Budget der Kinogeschichte zur Verfügung.

Die Story, die T2 erzählt ist schnell in ein oder zwei Sätze zusammengefaßt. Ist sie doch nichts anderes als eine Variation des ersten Terminator Filmes. Hofften nicht wenige, mich eingeschlossen, bei der Ankündigung der Fortsetzung Cameron ließe die Résistance in der Zukunft gegen Skynet kämpfen, erfüllte er diesen Wunsch lediglich im kurzen jedoch beeindruckenden Prolog des Filmes. Los Angeles verstopfte Highway Perepherie, nur kurz in einer versmogten Einstellung, Auto an Auto, die Luft flimmert vor Hitze, der epische, gleichsam bedrohliche Score Brad Fiedels läßt nicht eine Sekunde Zweifel daran aufkommen, daß es sich um einen großen Film handeln könnte. Ein Spielplatz vor der Skyline Los Angeles, schaukelnde und lachende Kinder in Zeitlupe versinken im gleißendem bläulich weißen Licht. Schnitt. Nacht, ausgebrannte Autowracks, ein verbrannter Kinderspielplatz, überall Totenköpfe und Sarah Connor beginnt aus dem Off die Geschichte der Zukunft der Menschheit zu erzählen. Schon in den ersten Sekunden werden die Ambitionen Camerons jedem Zuschauer deutlich vor Augen geführt. Dies wird der größte, beste, wichtigste Actionfilm aller Zeiten. In den nächsten knappen 150 Minuten wird die Zukunft der Menschheit entschieden und Du als Zuschauer wirst daran teilhaben. An der Klimax des Action Genres und darüber hinaus, alles was Du bisher gesehen hast wird für Dich an Relevanz verlieren, falls Du dich nicht sofort aus dem Sessel erhebst und das Kino verläßt. Der Film ist keine Minute alt und Cameron beginnt seine Versprechen der ersten Sekunden einzulösen. Die letzte Schlacht der Menschheit gegen die Maschinen ist im vollem Gange. Explosionen, Laser, Flugmaschinen, Hochglanz polierter Stahl. Was T2 schon hier dem Rezipienten an den Kopf wirft, würde anderen Filmen an Aufwendigkeit und Action als Höhepunkt gut zu Gesicht stehen. Wir befinden uns immer noch im Prolog, der von einer Leinwand füllenden Explosion, brennendem Spielgerät und einem im Feuer erscheinenden T-800 abgeschlossen wird. Wer nicht spätestens jetzt verstanden hat, wie ernst es um die Zukunft der Menschheit steht, wie bedrohlich die nächsten zweieinhalb Stunden werden, dem ist nicht mehr zu helfen.

Jede Kriegspartei schickt einen Terminator zurück in die Gegenwart der 90er Jahre, der genaue Zeitpunkt ist nicht näher bestimmt. Der eine soll John Connor, den Jungen, der später einmal Anführer der Résistance sein wird, terminieren, der andere soll ihn beschützen. Obwohl jedem klar sein sollte, wer der Attentäter und wer der Beschützer ist, schafft es Cameron dennoch die Spannung diesbezüglich bis zur Szene im Mall, in der T-800 und T-1000 zum ersten mal auf John Connor treffen, aufrechtzuerhalten und den Zuschauer noch einmal an seinem Vorwissen, das er durch die Vorberichterstattung erlangt hat, zweifeln zu lassen. Ist diese Szene doch eine Umkehrung des ersten Aufeinandertreffens Kyle Reeses mit dem T-800 im Tech Noir des ersten Teils. Cameron nutzt diesen Kniff gut dosiert in mehreren Szenen über den ganzen Film verteilt ohne jedoch in die Falle der Abnutzungserscheinung zu tappen. Ähnlich Tarantinos Kino, das so gekonnt nichts anderes macht als die Filmgeschichte zu zitieren, zitiert Cameron durchgehend einfach seinen eigenen Terminator. Spielt mit den vertauschten Rollen. Böse Zungen sprechen von einer ausgeschmückten Nacherzählung für den Mainstream. Das kann man jedoch nicht unwidersprochen stehen lassen. Zwar unterscheidet sich die Story von T2 nicht maßgeblich von Camerons erstem Erfolgsfilm, die Ausgangslage, die Dramaturgie, ja selbst das Ende zeigte er schon 1984. Doch die Aussage des Films ist eine komplett andere.

War in Terminator das Schicksal der Menschheit vorbestimmt, Sarah Connors und Kyle Reese Kampf gegen den T-800 lediglich eine Flucht vor der unabwendbaren Apokalypse, hatte er also eher eine fatalistische Grundhaltung, tritt Judgement Day allen Fatalisten in den Allerwertesten. No Fate. Unsere Zukunft wird nicht vom Schicksal entschieden, wir haben sie selbst in der Hand und können das augenscheinlich vorgegebene Schicksal verändern. Auch wenn für die großen Ziele große Steine aus den Weg geräumt werden müssen und der Mensch aufpassen muß nicht von den großen Steinen zermalmt zu werden. Sicherlich drückt die Botschaft die Hoffnung der westlichen Welt nach dem Ende der Sowjet Union und dem Fall der Berliner Mauer in eine sichere, glückliche Zukunft ohne Kriege aus, doch ist sie auch Ausdruck für Camerons eigenen Werdegang. Hätte er sich auf dem Weg zum Erfolgsregisseur nicht ständig ehrgeizig all den Hindernissen wiedersetzt, von Rückschlägen nicht desillusionieren lassen, er wäre vielleicht heute noch im LKW unterwegs oder auf ewig Kabelaffe unter Roger Cormans Aufsicht, was vielleicht nicht das schlechteste wäre, jedoch kein Vergleich ist zu dem was er durch sein Wirken in Hollywood erreicht hat.

Terminator 2: Judgement Day ist Camerons Herzensangelegenheit, keine von irgendeinem Filmstudio in Auftrag gegebene Cash Cow, wie es bei Fortsetzungen doch regelmäßig in der Branche üblich ist. Kein Blender, der die Möglichkeiten des modernen Kinos prätentiös und selbstzweckhaft einsetzt. Sich dem geneigtem Publikum durch eingehaltene Konventionen anbiedert. Auch wenn er an mancher Stelle den Eindruck erweckt. Wenn John Connor seinen T-800 anweist Unschuldige nicht zu töten ist dies aber nur konsequent und kein Ausdruck politischer Korrektheit. John Connor wird einmal der Erretter der Menschheit, wie würde es sich dazu verhalten würde er seine Maschine auf den Weg dahin jeden der sich ihm in den Weg stellt über den Haufen knallen lassen? Nein, die Patchworkfamilie, die auf dem Weg zum Erhalt unserer eigenen Spezies durch die Wüste Kaliforniens in schrottreifen Autos unterwegs ist, in zerfallenen Tankstellenruinen übernachtet und bei Freunden Unterschlupf findet, die allem anderem als dem puritanischem Weltbild entspringen, ist höchst subversiv. Die Mutter eine gerade aus der Nervenheilanstalt entsprungene Psychopathin, der Sohn verfügt über ein Vorstrafenregister, das Roland Koch eine Steilvorlage für die nächste Wahlkampagne liefern könnte und der Vater... Eine umprogrammierte Maschine aus der Zukunft, deren ursprüngliche Aufgabe es eigentlich ist, die Menschheit zu vernichten. Das ist kein kalkuliertes Mainstreamkino, aber Kino, das auch dem Mainstream gefällt.

Camerons ganzes virtuoses Können entlädt sich in der Action, die vornehmlich in den Fluchtszenen stattfindet. Nie wird es für den Zuschauer unübersichtlich, an keiner Stelle wird Dynamik durch schnelle Schnittfolgen oder lautes musikalisches Getöse vorgetäuscht. Die Dramaturgie der einzelnen Szenen ist puristisch, Score und Specialeffects unterstützen lediglich das was Cameron in der jeweiligen Szene erzählen möchte. Ob es der aus dem brennenden LKW Wrack kommende CGI T-1000 ist, der in dieser Szene seine Unzerstörbarkeit und Unnachgiebigkeit in der Verfolgung John Connors ankündigt oder Brad Fiedels T-1000 Theme, das an ein Alarmsignal erinnert und die Gefahr unterstreicht in der sich die Protagonisten gerade befinden. Camerons Aufmerksamkeit gehört ganz seiner Geschichte, der er durch seine Inszenierung eine Einzigartigkeit verleiht die nur selten im Kino zu sehen ist. Terminator 2: Judgement Day gehört zu den ganz großen Erlebnissen des Fantastischen Kinos, mindestens.

9/10 Punkte

Trittbrettfahren

Was die Bloggerin aus Karlsruhe schafft, mache ich mit links. Bisher ist aber nichts kaputt gegangen. Lediglich das Bier aus dem Schwarzwald (Angebot der Woche, Kiste 9,90 Euro plus ultra schickem Pilsglas) mit Brauwasser aus 7 Quellen in 1000 Meter Höhe, ließ meine Gäste zu Salzsäulen erstarren. Nach der zweiten Flasche und ausbleibenden Vergiftungserscheinungen verläuft aber alles im gewohnten Rahmen. Das Rathaus Bier schmeckt nun allen, ich verzichte auf meine anfänglichen Richtigstellungen.

Arbeit für den Rekoder - 16. - 22. August

Aus Zeitgründen heute ohne Trailerlinks, ansonsten hoffentlich wieder einmal diskussionswürdig.

Samstag, 16. August

20:15 Uhr Jarhead - Willkommen im Dreck (RTL)
Wunderbar gegen den Strich gebürsteter Kriegsfilm von Sam Mendes. Amerikas Soldaten zerbrechen nicht an ihren toten Kameraden, Beinamputationen und unmenschlichen Befehlen ihrer Vorgesetzten sondern an der unmenschlichen Langeweile und ihres als sinnlos empfundenen Daseins in der Wüste während des zweiten Golfkrieges. Zynisch, schwarzhumorig und spätestens ab der letzten Szene auch Groteske. Beeindruckend, mindestens.

22:00 Uhr Outland (Tele5)
Solide inszenierte High Noon Hommage auf dem Jupiter Mond Io. Auch wenn böse verhersehbar können Realismus und gekonnter Spannungsaufbau auch heute noch überzeugen. Sean Connery als einsammer Marshall mit damals unzeitgemäßer Pumpgun ist für mich seit eh und jeh unangreifbar. In jedem Fall mehr als einen Blick wert.

22:25 Uhr Wolf Creek (Pro7)
Obwohl nichts anderes vorgetragen wird als das seit den 70ern für das Genre wohl vorgeschriebene macht der Outback Horror wirklich etwas her. Sympathische Protagonisten denen Greg McLean in fast fünfzig Minuten Exposition genügend Leben einhauchen kann um mit ihnen später, wenn es zur Sache geht, auch mitfiebern zu können. Auch wenn sie sich genreüblich teilweise mehr als dämlich anstellen. Ein ungutes Gefühl beschleicht einem spätestens kurz vorm Abspann wenn klar wird, daß tatsächlich Menschen während ihrer Trips ins australische Outback verschwinden und die Story von einem echtem Fall inspiriert wurde. Leider um ca. sechs Minuten gekürzt, daher den Rekorder für 02:00 Uhr programmieren, da geht es offensichtlich uncut zur Sache.

Sonntag, 17. August

20:15 Uhr Lautlos im Weltraum (Tele5)
Sehr schönes 70er Jahre Öko Science Fiction Kino. Rettet den Wald und wenn es auch nur ein paar Quadratmeter sind, die durch den Weltraum trudeln. Wer ihn noch nicht gesehen hat sollte es jetzt unbedingt nachholen.

20:15 Uhr München (Pro7)
Steven Spielberg versucht uns nahezubringen, daß das alte Testament mit Auge um Auge, Zahn um Zahn falsch liegt. Tja, irgendwie wissen wir das ja spätestens seit der Niederschrift des neuen Testamentes und so bleibt nichts anderes übrig als eine gut erzählte und in Szene gesetzte Agentenstory. Die zwei oder drei Längen und die überaus peinlichen Sexszenen werden durch eine sehr schöne und menschliche Szene ausgeglichen in der Israels Rächerkommando sich die Unterkunft mit der Gegenseite teilen muß. Wenn perfekt inszenierter Zeitkolorit, nicht zuletzt durch lebhafte Straßenszenen, nach dem Kinobesuch länger im Gedächtnis bleibt als die von Spielberg anvisierte Message kann aber etwas mit dem Film nicht stimmen. Da hilft dann auch kein abschließender Schwenk auf das WTC. Im Anschluß zeigt Pro7 die britische TV Doku München 1972 - Tage des Terrors.

23:30 Uhr 1900 (ARD)
Robert de Niro wird heute 65. Jippieh und deshalb zeigt die ARD Bernado Bertoluccis fünfstündige Familienchronik zu einer Zeit in der das beim Tatort eingeschlafene Publikum vielleicht gerade im Wohnzimmersessel wieder aufwacht. Ob der Film was taugt kann ich nicht beurteilen, gesehen habe ich ihn mal vor Urzeiten und auch nur sehr bruchstückhaft. Italien unter Mussolini läßt mich jedoch erwägen den Rekorder anzuwerfen und mir nach und nach häppchenweise ein Urteil zu bilden. Zweiter Teil folgt um 02:10 Uhr.

Montag, 18. August

20:15 Uhr Wag the Dog (SAT.1)
Vergnüglich ironische Satire über politische Ablenkungsmanöver unter Mithilfe der Medien. Wenn die USA fiktiv in den Krieg gegen Albanien ziehen und dies auch noch von einem Cast der Spaß an der Sache hat aufgezogen wird, dann muß man einfach einschalten. TheRudi hat sich die Mühe gemacht den Film ausführlicher unter die Lupe zu nehmen. Ich ziehe aber 1,5 Punkte von seiner Wertung ab.

Dienstag, 19. August

21:00 Uhr ABBA - Super Troupers (ARTE)
Ist ja auch so ein Kneipenpartytrend, der sich hartnäckig seit der Mitte der 90er hält. Ob es irgendwann mal ein Ende hat ist noch nicht abzusehen. Mir egal, ich wollte es nur einmal erwähnt haben.

22:30 Uhr Geboren am 4. Juli (WDR)
Egal was Dein Vaterland Dir eingebrockt hat, egal wieviel Unrecht Du ansehen mußtest, Hauptsache Du bleibst Patriot. Vielleicht gehe ich ein wenig zu hart ins Gericht, aber so blieb es mir in der Erinnerung. Ist aber schon zu lange her um ein abschließendes Urteil zu finden. Im Zweifel sollte die Erinnerung wieder aufgefrischt werden.

22:50 Uhr Was? (RBB) und 23:00 Uhr Der Mieter (3SAT)
Roman Polanski Festspiele zu seinem 75. Geburtstag. Beide Filme sind mir unbekannt, einer Sichtung steht jedoch nichts mehr im Wege.

Mittwoch, 20. August

20:15 Uhr Star Trek: Nemesis (K1)
Ich lasse mich nicht durch ganz nette Tricks und Effekte darüber hinwegtäuschen, daß auch der vierte Kinoausflug unter dem Kommando von Captain Pickard nichts anderes als eine durchschnittliche Doppelfolge der Fernsehserie ist. Ich kann mir nicht helfen, was ist an der Next Generation eigentlich so toll?

22:30 Uhr Der Blob (K1)
Leider um fünf Minuten gekürzt, dennoch immer noch ein zwar schon zwanzig Jahre altes aber trotzdem kurzweiliges und fantasievolles Remake des Sci-Fi Klassikers von 1958. Unbedingt einschalten, Spaß garantiert.

Donnerstag, 21. August

20:15 Uhr Dungeons & Dragons (VOX)
Jeremy Irons weiß wahrscheinlich bis heute nicht, daß er mitgespielt hat. So schlecht, so übel, so unfreiwillig komisch, daß man nochmal einen Blick riskieren könnte. Das wirklich erschreckende ist aber die Tatsache, daß es noch eine Fortsetzung gibt. VOX ist sich auch nicht zu schade sie gleich im Anschluß um 22:15 Uhr zu senden. Vielleicht ist sie besser als der erste Teil, was aber auch nicht schwer wäre.

00:05 Uhr Casino (ARD)
Perfektes Mafiaepos um Sam Rothsteins Aufstieg und Fall als Casinochef in Las Vegas der 60er und 70er Jahre. Mega Cast, glamouröse Ausstattung, schonungslose Härte und die schon aus Good Fellas bekannte familiäre Atmosphäre ließen mich den Film gleich zweimal im Kino sehen, das zweite Mal in Helsinki im Original mit finnischen Untertiteln. Für mich auf einer Stufe mit Good Fellas, vielleicht sogar ein wenig erwachsener. De Niro, Pesci und selbst die Stone überzeugen auf ganzer Linie. Absolut Top!

Freitag, 22. August

20:15 Uhr Million Dollar Baby (Pro7)
Obwohl ich den alten knorrigen Clint Eastwood gerne um mich habe bin ich seinem Oscar prämierten Boxerdrama immer wieder aus dem Weg gegangen. Frauenboxen interessiert mich ungefähr so sehr wie Frauenfußball, also gar nicht. Soll aber wirlich gut sein, vielleicht diesmal.

20:15 Uhr Police Academy - dümmer als die Polizei erlaubt (RTLII)
Ich fand die Serie schon immer bescheiden, nee da hat man wirklich nichts verpaßt auch wenn die Polizeischule damals ein echter Kinoerfolg war. Ich stand da eher auf den Anarcho Humor von Zuckers Top Secret!. Davon ist Police Academy aber meilenweit entfernt.

20:15 Uhr Freshman (DAS4.)
Wirklich nette Mafiakomödie mit Matthew Broderick und Marlon Brando in den Hauptrollen. Gute Dialoge und ein überraschendes Ende können überzeugen, auch wenn der Film für einen Brando eigentlich zu klein erscheint.

22:15 Uhr Im Land der Raketenwürmer (RTLII)
Über Tremors sind mir schon so viele Lobhudelein untergekommen, daß ich die Monster B-Movie Persiflage jetzt endlich einmal sehen sollte. Weiß jemand mehr?

22:20 Uhr Wild at Heart (DAS4.)
David Lynch läßt Sailor und Lula vor der bösen Schwiegermutter fliehen, die ihnen bald einen Killer an den Hals schickt. Natürlich, wie bei Lynch üblich, alles nur Symbolik hinter der sich eine tiefsinnige Auseinandersetzung mit den Werten, Träumen und Mythen der amerikanischen Gesellschaft und der eigentlichen Realität der 90er Jahre versteckt. Sein New Orleans entpuppt sich als Altersheim, Texas nicht als Land der Freiheit sondern eher als letzte Absteige gescheiterter Existenzen und Sailors Geschäftspartner verrät ihn bei der ersten sich bietenden Gelegenheit. Sexy, brutal und teilweise schon so kitschig, daß man es kaum aushalten mag. Neben einen erfrischend jungen Nicolas Cage, der besten Laura Dern, die es jemals gab und den wohl ekeligsten Willem Defoe der Filmgeschichte überzeugt vor allem Diane Lad als krankhaft eifersüchtige Schwiegermutter. Muß man einfach gesehen haben.

23:55 Uhr Infernal Affairs- die achte Hölle (ZDF)
Überaus spannender, tragischer und stylischer Cop-Thriller des Neuen Hong Kong Kinos, der jetzt schon gerne als Klassiker betitelt werden kann. Wer bis jetzt lediglich Scorseses oscarprämiertes Remake gesehen hat sollte unbedingt einschalten. Anschließend wird man vor Lachen über Scorseses Mittelmaß Bauchschmerzen bekommen. Mindestens super!

Mehr Arbeit für den Rekorder regelmäßig auf:

Sendersuchlauf, täglich
From Beyond, ab samstags
Blockbuster Entertainment und Kino, TV & Co, ab sonntags

Bei Filmen ab oder nach Mitternacht das abweichende Datum beachten.