Filmrätselstöckchen # 1070

Nachdem ich bei David nur Zehntelsekunden vom Sieg entfernt auf der Zielgeraden von Johannes einfach überholt wurde habe ich dann bei Johannes selbst eiskalt zugeschlagen und Hiroshima mon amour erkannt...kombiniert und die richtige Lösung ersteinmal in die Kommentare eines anderen Rätsels geschrieben. Uiuiui. Noch einmal Glück gehabt, denn kurz nachdem ich den Fehler bemerkte und Gott Lob schnell korrigiert hatte schlug auch schon Takashi Miike Kenner Kazushi zu. Hier geht es jetzt wieder einmal mit etwas völlig anderem weiter. Viel Spaß!















Kommunisten, der Mad Scientist, die geheimnisvolle Zigeunerin, ein Cyborg und Operationen am offenen Gehirn. Eigentlich fehlen nur noch die Außerirdischen und unser Bruce Campbell hätte wirklich alle Motive des B-Movies in seinem Film untergebracht. Daß Man with the Screaming Brain dann sogar nur ein C-Movie wurde macht die Schose noch sympathischer. Wer an Alien Apocalypse seinen Spaß hatte wird auch hier seine helle Freude haben. Mile hat's gewußt, wo und wann es weiter geht steht wie immer in den Kommentaren.

Das schreiben die anderen

Leid tun muß einem hingegen Ralf Moeller: Als potentieller Arnie-Nachfolger begann er mit Nebenrollen in gelungenen B-Filmen wie Cyborg und Best of the Best 2, arbeitete sich zu kleinen Parts in Hollyfilmen wie Gladiator und The Scorpion King hoch, um dann in den Trash-Sumpf abzustürzen: Hai-Alarm auf Mallorca, Auftritt in einem Scooter-Video und jetzt schon der dritte Boll-Film in Folge.

Im Kino hört Dich keiner weinen
Nils Bothmann auf schnitt.de über Uwe Bolls neuesten Kinofilm Far Cry

Nur denken will er nicht; eine Haltung finden und Bilder, die nicht nur - dumm, aber teuer - nachplappern, was man kennt, das will er nicht. Alles "stimmt", dafür bürgt Stefan Aust, alles sieht echt aus, dafür sorgen die Ausstatter und Rechercheure, und nichts ist wahr, dafür bürgen das Buch und die Inszenierung von Bernd Eichinger und Uli Edel.

Terror
Ekkehard Knörer auf perlentaucher.de zu Uli Edels neuesten Kinofilm Der Baader-Meinhof-Komplex

Ich glaub es geht schon wieder los

Mal ehrlich, daß Schalke am letzten Spieltag schon Freitag Abend ran mußte habe ich erst Samstag Morgen in der Zeitung gelesen. Da kam ich dann ins Schwitzen, hatte ich doch noch groß verkündet am Nachmittag keine Zeit zu haben, da ja Schalke spielt. Puh, da mußte ich dann halt doch mit zur goldenen Hochzeit der Tante meines Vaters. Wenigstens zum Kaffeetrinken. Auf Kaffeefahrt waren die Schalker laut eingängiger Meinung derer die Freitag Abend die Bundesligabegegnung FC Köln – Schalke 04 gesehen haben ja auch. O.K. jetzt hat sich Schalke in Köln seitdem ich denken kann noch nie wirklich mit Ruhm bekleckern können. In den letzten 20 Jahren können in der Domstadt lediglich 2 Siege für Schalke verzeichnet werden. Also eigentlich alles Roger in Kambodscha. Ja natürlich, Schalke hat diese Saison lediglich seine Auswärtsspiele im DFB und UEFA Pokal gewonnen. Da kann man schon von einer gewissen Ausschwärtsschwäche sprechen, muß dabei aber auch nüchtern zugeben, daß es außer in den Spielen in Madrid und eben in Köln nicht wirklich viel zu meckern gab. Wenn Schalke immer noch ab und an in slomkareskes Spiel verfällt ist dies eigentlich nicht weiter verwunderlich. Es steht immerhin personell die gleiche Mannschaft auf dem Platz wie schon letzte Saison. Zwei neue Spieler machen noch keine Meisterschaft aus. Fred Rutten hat aber definitiv schon für einige Verbesserungen im Spielaufbau und der Spielkontrolle gesorgt. Dieser Fortschritt ist nicht wegzuleugnen.

Da hatte es heute morgen auch Wolfgang Kerkhoff schwer einen vernünftigen Artikel gegen Trainer und Manager zusammen zu schustern. Ach Gott, wie ich das hasse. Kaufe ich mir eigentlich eine Tageszeitung um die hirnlosen Ergüsse irgendwelcher Vollproleten im Internetforum des hauseigenen Portals zu lesen, oder erwarte ich Spielanalysen, Neuigkeiten und O-Töne der Verantwortlichen. „Kuranyi hätte Nutella frühstücken sollen.“ „Immer wieder die Bude voll, Sponsoren mit reichlich Kohle, und dann immer wieder diese Graupenspiele wie gegen Köln.“ Ja, Herr Kerkhoff, Cut & Paste ist eine tolle Sache wenn einem als Sportjournalist kein Aufmacher für das allmontagliche Gerotze mehr einfällt. Und daß Rakitic auf der Außenbahn tatsächlich immer wieder verheizt wird ist auch so ein fragiles Argument gegen den Trainer, denn bisher hatte ich in dieser Saison nicht den Eindruck, daß das so ist. Hat er doch in einigen Spielen durchaus auf dieser Position überzeugen können. Aber natürlich es fehlt an Konkurrenz im Mittelfeld. Oh Gott, ich kann nicht mehr und gehe jetzt erstmal Kaffeetrinken.

Glück Auf!

Apokalyptisch - Gomorrha

Roberto Savianos Tatsachenroman Gomorrha muß mehr brisantes Material enthalten als man sich vorstellen kann. Morddrohungen seitens der neapolitanischen Mafiaorganisation Camorra lassen Saviano nur noch unter Polizeischutz an geheimen Orten leben. 80% der Geschäfte Neapels sollen unter der Kontrolle der Camorra stehen, von 1979 bis 2005 gehen mindestens 3650 Morde auf ihre Rechnung. Roberto Savianos Buch ist seit seinem Erscheinen nicht mehr aus den Bestsellerlisten wegzudenken und wurde nun von Matteo Garrone verfilmt.

Gomorrha ist kein romantischer Mafiafilm, der das Leben der Gangster als gefährliches Abenteuer schildert oder von ehrbaren Verbrechern erzählt. Im Fokus stehen fünf von einander unabhängige Handlungsstränge. Die Figuren hat Garrone so geschickt ausgewählt, daß sie zum einen die einzelnen Generationen und zum anderen die verschiedenen Geschäftsfelder des organisierten Verbrechens abdecken. Von Toto dem dreizehnjährigen Jungen, der mit seiner Mutter allein über die Runden kommen muß und von einer Karriere als Gangster träumt bis hinauf zu Franco, der auf der Ebene des gehobenen Managements Giftmüllentsorgunggeschäfte organisiert. Ohne Exposition wird der Zuschauer Zeuge ihres Lebens, keine erklärenden Worte, ihre Charakterzeichnung, ihre Motivation ergibt sich aus den Dialogen und den teils verstörenden Bildern, die Garrone virtuos fast ausschließlich mit der Handkamera filmt. Die heruntergekommenen authentischen Drehorte in den Armenvierteln Neapels und das öde Umland wirken fast postapokalyptisch oder zumindest nicht von diesem Kontinent. Und es ist gerade diese Armut die, die Camorra zu ihrem Vorteil nutzt, aus deren Pool von jungen Männern mit aussichtsloser Zukunft sie ihre Mitglieder rekrutiert. Wenn man als einfacher Drogenkurier locker das zehnfache verdient wie ein Pizzabäcker fällt die Entscheidung leichter eine kriminelle Laufbahn einzuschlagen. Zumal wenn man allerorts mit den Geschäften des organisierten Verbrechens konfrontiert wird. Wenn der Freund, der Nachbar, der Vater selbst diesen Weg gewählt hat. Vielleicht aus der Not oder halt aus der Naivität heraus wie der dreizehnjährige Toto. Das ist es was Garrones Film vermittelt, nicht die Geschäfte stehen im Vordergrund sondern die Selbstverständlichkeit in der die Camorra das Leben der Neapolitaner konterminiert. Sie ist nicht nur Krebsgeschwür im gesellschaftlichen Konstrukt, sie hat schon längst den Körper mit ihren Metastasen durchdrungen. Kein Körperteil, der nicht befallen ist. In so einem Umfeld ist kein Wachstum mehr möglich, die Dinge stehen still, entwickeln sich zurück.

Pasquale ist ein begnadeter Schneider, der mit seinem Können vielleicht anderorts erfolgreicher Starmodeschöpfer hätte werden können. Doch in Neapel bleibt ihm nichts anderes übrig als für einen Hungerlohn Haute Couture für seinen ebenfalls von der Camorra abhängigen Chef zu fälschen. Als er die Möglichkeit nutzt nebenbei für die offensichtlich ebenfalls nicht legal arbeiteten Chinesen Schulungen zu geben wird der Konkurrenz stärkende Zusatzverdienst prompt mit einem Attentat der Camorra sanktioniert. Pasquale überlebt nur mit Glück. Die offene Gewalt findet in Gomorrha ausschließlich überfallartig statt, keine Chance ihr zu entkommen, keine Chance auf Gegenwehr. Entweder man macht mit, befolgt die Befehle oder man stirbt. Auf eigene Rechnung arbeitet niemand in Gomorrha und wer es versucht wird dafür bitter bezahlen. Das ist nichts neues im Mafiafilm, doch so unaufgeregt, kühl und auf verklärende Details verzichtend ist es bisher noch nie im Kino zu sehen gewesen. Garrone zeigt die Auswirkung des organisierten Verbrechens in Italien ohne dramatisch inszenierte Emotionen, ohne großartige Heldentaten, er zeigt den Alltag und so gleicht Gomorrha mehr einer Dokumentation als einem Spielfilm. Die unterschwellige Angst wird in der letzten halben Stunde zu einer einzigen Depression, kein Lichtblick am Horizont. Das was die Camorra Ehre und Respekt nennt ist in Wahrheit die Angst vor ihrer brutalen und menschenverachtenden Vorgehensweise. Wenn irgendwo zu lesen ist, daß die Bevölkerung aufgrund ihrer Armut die Mafia akzeptiert kann dies nur ein Mißverständnis des Autors sein. Es gibt nur Menschen die Angst vor der Mafia haben und Menschen die sich ihr trotz ihrer Angst entgegenstellen. Das ist die Botschaft, die Garrones Film vermittelt, der seine Suspense, seinen Horror aus seiner Nüchternheit bezieht. Wer eine durchgehende Handlung erwartet, alles ins kleinste Detail erklärt haben will sollte einen großen Bogen um dieses Meisterwerk machen.

10/10 Punkte

Unumkehrbar - Irreversible

Die Rache ist eines der beliebtesten Motive der dramatischen Erzählung. Kaum ein bedeutender Dichter oder Schrifsteller, dessen Werke nicht von Vergeltung handeln. Natürlich erzählt auch Hollywood in unzähligen Filmen von der Rache und adaptiert dabei das antike und alttestamentarische Rechtsprinzip in die heutige Zeit. Von Dirty Harry bis Kill Bill. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Unumstritten geht das Racheprinzip jedoch nicht mehr mit unserem modernen Rechtssystem überein und spätestens seit dem Zeitalter der Aufklärung gilt die Rache als ebenso verächtlich wie das Unrecht, das ihr als Grund dient. Eine handvoll Regisseure versuchte in den 70ern und frühen 80ern die Niedertracht und selbstzerstörerische Kraft, die der blutigen Vergeltung innewohnt mit den Mitteln des Exploitation- und Terrorkinos zu verdeutlichen. Eindrucksvoll von Wes Craven in The last House on the Left inszeniert, in dem die Rache nehmenden Eltern selbst zu animalischen Mordmaschinen mutieren und am Ende vor der seelischen Apokalypse stehen. Doch scheiterten die meisten Regisseure an ihren inszenatorischen Fähigkeiten und so stürzten sich die Kritiker vor allem auf die Tabu brechende Darstellung der Gewalt und räumten der teils expressionistischen Kritik an der Selbstjustiz lediglich eine Nebenrolle ohne größere Bedeutung in ihren desaströsen Befunden ein.

Gaspar Noé möchte dieser Gefahr offenbar nicht aus dem Weg gehen. Gleich zu Anfang schildert er in drastischen Bildern den Akt der Rache, läßt Pierre mit dem Feuerlöscher zu den malträtierenden Sound Thomas Bengalters den Kopf des vermeintlichen Vergewaltigers zermatschen. Zermatschen im wörtlichen Sinn, denn Pierre hört nicht eher auf auf dem am Boden liegenden einzuschlagen bis von seinem Kopf nur noch eine breiige Masse übrig bleibt. Überschreitet die Gewalt im Zusammenspiel mit der Musik schon die Grenze des erträglichen wird das Unbehagen des Zuschauers noch durch die wütende umherirrende Kamera verstärkt. Diejenigen, die hier den Ort der Vorführung verlassen ist kein Vorwurf zu machen. Mit ähnlich drastischen Bildern eröffnete damals David Lynch sein Wild at Heart, doch war Sailors brutaler Gewaltausbruch offen als Akt der Notwehr zu erkennen. Marcus und Pierre hingegen scheinen gezielt nach ihrem Opfer gesucht zu haben. Der mildernde Umstand des Affektes kann die Tat der beiden nicht entschuldigen. Umso verstörender wirkt das Geschehen auf der Leinwand für den Zuschauer, doch wer seinen Ekel gegenüber dem gezeigten aushält wird schon bald über das Motiv des gerade gesehenen Mordes aufgeklärt. Wenn auch nicht in der erwarteten Art und Weise.

Noé erzählt seine Geschichte in chronologisch umgekehrter Reihenfolge als lese man die Kapitel eines Buches beginnend mit dem Epilog und endend mit dem Prolog. So erfährt der Zuschauer erst nach und nach, daß der Gewaltausbruch Pierres ein Akt der Selbstjustiz ist. Immer begleitet von der nie ruhenden Kamera stellt sich schnell heraus, daß es Marcus ist dessen Freundin Alex in einer Fußgängerunterführung vergewaltigt und anschließend ins Koma geschlagen wurde. Ob sie überlebt wird der Zuschauer nie erfahren. Die Vergewaltigung von Alex ist der zentrale Punkt der Geschehnisse und wird in einer einzigen fast zehnminütigen Einstellung von Noé so realistisch wie nur irgend möglich inszeniert. Die Intensität dieser Szene ist fast schon unbeschreiblich, ja eigentlich mit abscheulich, abartig, unaushaltbar noch am ehesten erklärt. Mit fortschreitender Dauer wird sich der Zuschauer seiner Verdammnis zur Passivität bewußt, wandelt sich sein anfänglicher Ekel zu Wut. Zu gerne würde er dem Treiben auf der Leinwand ein Ende bereiten. Wie perfide Noé mit den Gefühlen des Betrachters spielt wird vor allem im kurzen Auftauchen eines Passanten am Ende des Tunnels deutlich. Er bleibt kurz stehen, sieht was wenige Meter weit von ihm entfernt geschieht und geht dann einfach weiter ohne einzuschreiten. Ja, dem Typen würde man am liebsten gleich mit verprügeln. Unendlich erscheint die Szene, die den Anfang des Filmes bzw. das Ende seiner Geschichte plötzlich als halb so wild erscheinen läßt. Da hat Noé den Zuschauer schon manipuliert. So wie es ihm zuvor in Menschenfeind gelang, befindet sich der Zuschauer auf einer emotionalen Ebene, die ihm erlaubt, den zuvor isoliert und als verachtenswert betrachteten Akt der Rache Verständnis entgegen zu bringen. Die Tatsache, daß Marcus und Pierre den falschen Mann töteten spielt nur eine untergeordnete Rolle, läßt die Handlung lediglich als Tragödie erscheinen. Wahrscheinlich noch nicht einmal als das. Denn Noé spielt auch die Homophobie des Zuschauers aus wenn er La Tiene, den Vergewaltiger als Transenzuhälter darstellt, dessen Höhle ein Schwulen Club mit mehreren Darkrooms in denen auch ausgiebig gleichgeschlechtlicher Sado-Maso Sex praktiziert wird visualisiert. Wenn er das Rectum als bedrohlichen Hort ähnlich eines Monsternestes beschreibt ist das nichts weiter als eine weitere Manipulation des Zuschauers. Welch ein Gegensatz zum Ende des Films. Dort zeigt er das frisch verliebte Paar Marcus und Alex morgens im Bett noch nicht wissend welch ein dramatisches Ende die Nacht bringen wird. Eine wunderbare Szene mit der sich die Mehrheit der Zuschauer identifizieren kann. Verstärkt noch durch den Prolog der Geschichte in der Alex süßes Geheimnis offenbart wird und der die Wirkung eines Happy Endes für sich einnehmen möchte und dies auch in gewisser Weise schafft. Denn zuvor haben wir Marcus auf der Party gesehen, wie er maßlos Kokain und Alkohol in sich hinein schaufelt, mit anderen Frauen rumspielt und Alex überhaupt nicht mehr so viel Beachtung schenkt wie man es zum Ende des Filmes wieder glauben möchte. Wie er sie so weit verärgert, daß sie die Party allein verläßt und in ihr Unglück schreitet. Marcus wird in diesen Szenen ganz subtil eine Mitschuld an der Vergewaltigung von Alex attestiert, es war sozusagen seine Maßlosigkeit, die sie erst ermöglichte. Hätte er Einsicht gezeigt, nicht den Macho markiert und Alex nach Hause begleitet, ihr wäre wahrscheinlich der Übergriff erspart geblieben, es wäre kein unbeteiligter Mensch auf grausamste Art und Weise getötet worden.

Das ist es worauf Noé letztendlich hinaus möchte, weshalb er die chronologisch umgekehrte Erzählung für seinen Film wählt, warum er ihm den Titel Irreversible (Unumkehrbar) gibt. Die Zeit läßt sich nicht zurückdrehen, das Geschehen ist nicht rückgängig zu machen. Zeit zerstört alles. Jedes Handeln hat Konsequenzen. Für dem im Epilog über sein inzestuöses Verhältnis zu seiner Tochter resümierenden Pferdemetzger, bekannt aus Noés Carne und Menschenfeind, ebenso wie für Alex, für das Opfer der Selbstjustiz und auch für Marcus und Pierre, die von der Polizei verhaftet wurden und für die jetzt vermutlich die zu erwartende Haftstrafe das kleinere Übel gegenüber ihrer eigenen Schuld ist. Das ist es was Noé selbst zu seinem Film sagt. Da ist natürlich die Frage erlaubt warum er für seine banale Botschaft eine reißerische Rape and Revenge Geschichte bemüht, die ja durch ihre Intensität von seinem angestrebten Plot nur ablenken kann. Ob er nicht einfach nur provozieren wollte um einen medienwirksamen Skandal herauf zu beschwören. Nur schwerlich kann man Noé von diesem Verdacht frei sprechen. Doch auf der anderen Seite ist sein erster Film inhaltlich und emotional nicht minder provokativer Natur und auch Noés schöpferische Zurückhaltung nach dem Skandal um Irreversible deutet darauf hin, daß der Vorwurf der Spekulation ihm zumindest nicht unberührt gelassen hat. Dabei sollte ihm doch eigentlich klar sein, daß sich das Feuilleton wie die Hyänen auf die beiden unglaublich grauenvollen Szenen seines Filmes stürzen wird und gar nicht erst dem, zugegeben auf den ersten Blick nur spärlich vorhandenen Subtext, weitere Beachtung schenkt.

Es ist etwas anderes was mich an Irreversible stört. Zwar ist jede Szene für sich genommen formal, schauspielerisch und auch in ihrer Wirkung außerordentlich. Ist der Film gemessen an seiner emotionalen Einbindung des Betrachters in der Nachtbetrachtung mehr als nur gelungen, zumindest wird über seinen Inhalt gesprochen, so kann er doch die Aufmerksamkeit des Zuschauers nur schwerlich über den Akt der Vergewaltigung Alex hinaus tragen. Hier erweist sich die umgekehrte Erzählung als Stolperstein für Noés eigentliche Botschaft. Die Spannungskurve des Filmes bricht mit einem mal zusammen. Nur mit Mühe verfolgt der Zuschauer die Geschehnisse vor der grauenvollen Tat im Tunnel. Wie soll man nach dem gerade gesehenen überhaupt noch Interesse für die für seine eigentliche Intention so wichtige Exposition aufbringen. Spätestens auf der U-Bahnfahrt zur Party quält Noé den Zuschauer mit belanglosem für die Geschichte nicht mehr relevanten Dialogen, so realistisch und natürlich sie auch wirken mögen. Sicherlich Pierres Rolle bekommt eine andere Bedeutung, doch hätte Noé das Verhältnis zwischen ihm und Alex auch in einem Nebensatz in einer vorherigen Szene verdeutlichen können und eigentlich stellt sie auch nichts anderes als einen weiteren tragischen Aspekt dar. Das vor dem Verbrechen die Welt für Alex und Marcus in normalen Bahnen verläuft, davon geht der Zuschauer aus. Das ist ja sozusagen die Grundvoraussetzung für Noés Alptraum und seiner anvisierten Botschaft, die sich spätestens in den Szenen auf der Party erschließt. Völlig überflüßig sind die letzten vielleicht zwanzig Minuten des Filmes und nur mit dem dogmatischen Festhalten Noés an seiner Idee einen Film komplett rückwärts erzählen zu wollen zu erklären. Noé bestraft förmlich den Zuschauer für dessen Geduld, die er aufbringen muß um die Übelkeit erregende Kamera, Soundkulisse und Gewalt der ersten Hälfte des Filmes zu überstehen mit Belanglosem. Die Wirkung, die Emotionalität der ersten Hälfte verpufft in der Langeweile einer schon tausendmal gesehenen Beziehungskiste.

6/10 Punkte

Arbeit für den Rekorder - 27. September - 3. Oktober


Samstag, 27. September

20:15 Uhr Men of Honor (VOX)
Wenn dieser ganze dämliche Pathos wenigstens mit einem feinem Spachtel aufgetragen wäre anstatt mit der groben Kelle hätte man meinen können, daß der ganz o.k. wäre.

20:15 Uhr Tim Burton's Corpse Bride (Tele5)
Habe ich noch nicht gesehen, werde ich wahrscheinlich auch nicht sehen. Burton hin, Burton her. Soll jedoch für Puppentrickfilmfans eine Offenbarung sein. Also, Versuch macht klug.

23:10 Uhr Das Boot – Directors Cut (ARD)
Ist so ein Stück nicht nur deutscher Kino- und TV Geschichte. Was der Petersen damals mit seinem noch jungen Ensemble in diesem beengten U-Boot zu Stande brachte ist schon außergewöhnlich. Die Kritiken, die dem Film vorwerfen er würde es nicht schaffen ein Antikkriegsfilm zu sein sind absolut lächerlich. Das ist nämlich überhaupt nicht sein Anliegen und muß es auch nicht sein. Absolut Top!

22:00 Uhr Bullets Over Broadway (SRTL)
Nein, John Cusack in einem Woody Allen Film habe ich auch noch nicht gesehen. Aber auch der restliche Cast liest sich appetitlich und die allgemeine Kritik ist sehr positiv gestimmt. Wird also programmiert.

22:20 Uhr Vin Diesel: Knockaround Guys (RTLII)
Mein Gott, da muß ich lachen. Diesen netten Mafiaflick im Sopranos Stil als Vin Diesel Film im Titel anzukündigen – dazu gehört schon fast kriminelle Energie. Unser Vin spielt hier lediglich (vielleicht auch zum Glück) nur eine kleine Nebenrolle, die ihm eine vielleicht einminütige Szene gönnt in der er mal allein loslegen kann.

23:25 Uhr Tigerland (K1)
Gehört zu der Minderheit an Joel Schumacher Filmen, die mir tatsächlich gefallen haben. Nein wirklich, hier hat er einen spannenden und außergewöhnlichen Anti-Kriegsfilm abgeliefert. Hätte ich nicht gedacht, daß er dazu in der Lage wäre.

01:00 Uhr Auf der Flucht (ZDF)
Wird nur eingeschaltet um mal kurz reinzuschauen und garantiert bis zum Ende geguckt. Eigentlich könnte der Film nie Enden und er würde immer noch unterhalten. Vielleicht die gelungenste Kinoadaption einer TV-Serie. Ganz klar fettestes Blockbusterkino.

Sonntag, 28. September

20:15 Uhr Star Wars: Episode III – Die Rache der Sith (Pro7)
Tatsächlich kann Lucas seine Versprechen einlösen. Wirklich gelungenes Prequel zu der genialsten Sci-Fi Saga der Kinogeschichte. Auch wenn der Meister des 70er und 80er Jahre Kintops sich in einer ganzen Reihe an Szenen wieder einmal als Fan der Redundanz outet ist die Dunkle Seite der Macht ab der Hälfte der über zwei Stunden Jedishow zu spüren.

20:15 Uhr Ocean's Eleven (RTL)
Aalglattes Starpanoptikum der inhaltlichen Leere. Selbst Clooney bleibt blass und wenn die, die eine Banane quer verspeisen kann erscheint ist eh schon Hopfen und Malz verloren. Nein, und Stil hat er auch keinen.

00:00 Uhr Hotel (ARD)
Kunst-Thriller made in Österreich. Die professionelle Kritik überschlägt sich, das Publikum straft ihn gnadenlos ab. Da hilft wahrscheinlich nur eine Sichtung um sich Klarheit zu verschaffen. Aber wenn ich schon lese, David Lynch läßt grüßen ahne ich schreckliches. Ist ja bisher immer in die Hose gegangen wenn versucht wurde Lynch zu kopieren.

00:15 Uhr Sea of Love (NDR)
Auch wenn das Drehbuch ein wenig löchrig ist, immer noch der bessere Basic Instinct. Schon allein weil Pacino und Barkin wesentlich unaffektierter daherkommen als Douglas und Stone. Gute Unterhaltung.

Montag, 29. September
20:15 Uhr Darf ich bitten? (SAT.1)
Tut mir leid, ich hab Rücken.

20:15 Uhr Die Maske (K1)
Für Carrey Hasser die Hölle, alle anderen werden ihren Spaß haben. Harmloser Sonntagnachmittagsspaß am Montag Abend. Grandios bunt und lustig.

22:15 Uhr The Gathering (ZDF)
Werde ich mir anschauen weil das ZDF die ungekürzte Version zeigt und ich ihn damals um 13 Minuten gekürzt im Kino über mich ergehen lassen mußte und nicht recht wußte was das eigentlich sollte. Christina Ricci tut mir ja grundsätzlich leid weil sie halt nicht dem amerikanischen Schönheitsideal entspricht und von daher nur in den schrecklichsten Filmen mitspielen darf. Dabei zeigte sie nicht nur in Monster, das sie mehr kann. In diesem von Shyamalan Mysterie Quark inspiriertem Hokuspokus wird aber auch nicht viel von ihr verlangt.

22:15 Uhr Flucht aus Absolom (K1)
Ist ja auch nur eine weitere Klapperschlangen Variante, die mit ein wenig Mad Max II und allerlei anderem 80th Endzeit Spaß verziert nicht wirklich überzeugen geschweige denn die Aufmerksamkeit des Zuschauers erhaschen kann. Da hilft auch kein Ray Liotta.

22:50 Uhr Mission (MDR)
Ich kann mich kaum noch erinnern, aber Jeremy Irons plus Robert De Niro? Das ist grundsätzlich Pflichtprogramm. Und wenn der katholischen Kirche auch noch eine Lehrstunde erteilt wird um so mehr.

23:20 Uhr Assault – Anschlag bei Nacht (Tele5)
Da braucht man nicht mehr viel zu schreiben. Carpenters Rio Bravo Hommage mit ganz vielen subversiven Elementen. Vielleicht wirklich ungekürzt.

23:25 Uhr Cube (Pro7)
Effektives Low Budget Horrorkino. Soweit von der Realität entfernt, daß einem nicht viel zum Meckern bleibt. Dürfte jedoch nicht jedem gefallen.

Dienstag, 30. September

20:15 Uhr Last Action Hero (K1)
Arnie nimmt das Action Kino auf's Korn. Das allein ist ja schon sympathisch genug und bei sympathisch bleibt es auch. Was ja schon mal eine Leistung ist.

23:15 Uhr Amerika made in Hollywood (ARTE)
Französiche Doku, die sich mit dem Einfluß Hollywoods auf die amerikanische Weltsicht beschäftigt. Ausschnitte aus über 50 Filmen kommentiert von Jim Harrison und Russel Banks. Ich bin neugierig, nein – gespannt.

23:25 Uhr Letzte Ausfahrt Brooklyn (BR)
Uli und Bernd verfilmen einen sehr amerikanischen Roman. Das kann nicht wirklich gut gehen und so übertünchen Atmosphäre und Gewalt den fehlenden Tiefgang. Ist dennoch in jedem Fall einen Blick wert.

Mittwoch, 1. Oktober

20:15 Uhr City Slickers (Tele5)
Billy Christal ist als desillusionierter Midlife Crisis Radiowerbezeitenverkäufer einfach unschlagbar. Wie er da anfangs den Kindern in der Schule alle Lebensillusionen raubt... Natürlich sind das hier mit die schönsten 105 Minuten 90er Jahre Kino. Keine Frage.

22:20 Uhr Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (K1)
Total durchkalkulierter Teen-Horror für die Zielgruppe 12 bis 14 jährige Mädchen. Hat durchaus ein paar nette Szenen zu bieten, wäre aber ohne Scream wahrscheinlich erst gar nicht gedreht worden.

22:30 Uhr Muxmäuschenstill (ARTE)
Wie das halt so mit deutschen Filmen ist. Die Mehrheit bekommt man gar nicht mit und hier scheint eine wirklich nette Mediensatire übersehen worden zu sein. Pseudodokumentarisch wird moralisches Verhalten mittels knallharter Selbstjustiz durchgesetzt. Wird aufgenommen.

23:20 Uhr Misfits – Nicht gesellschaftsfähig (RBB)
Einer der besten amerikanischen Filme überhaupt. Arthur Miller setzt mit dem Drehbuch seiner Ehefrau Marilyn Monroe ein Denkmal und wenn ich mich nicht irre beschert er John Huston auch noch seinen stärksten Film. Absolut grandios.

Donnerstag, 2. Oktober

20:15 Uhr Garfield (VOX)
Um Himmels Willen. Wie kann man eigentlich so eine starke Marke so gegen die Wand fahren?

21:00 Uhr Gegen die Wand (ARTE)
Fatih Akin ist momentan Deutschlands bester Regisseur und dieser Film ein absolutes Must have seen. Aber leider wurde damals lieber über das Vorleben der Hauptdarstellerin lamentiert anstatt dieser trotz des ernsten Themas äußerst sympathischen Geschichte den roten Teppich auszulegen. Aber na klar, kein Schweiger, kein Herbig weit und breit, also auch keine ordentliche Vermarktung.

21:45 Uhr Der Pakt der Wölfe (VOX)
Eigentlich ist es egal, daß der Film kaum über eine Story verfügt. Denn das ganze ist in fantastischen Bildern eingefangen und inszeniert. Kostüm Mystery Krimi Historien Abenteuer dem man sich nur schwer entziehen kann, das jedoch zum Ende hin nicht ganz seine Versprechen einhalten kann.

Freitag, 3. Oktober

20:15 Uhr Kleines Arschloch (DAS4.)
Als die ersten Comic Bände erschienen war der innewohnende anarchische Sarkasmus sicherlich eine kleine Sensation und wohltuender Gegenentwurf zu Brösels kleinbürgerlichen Porsche Killer Rocker Geschiss, aber leider ist Moers Kleines Arschloch im Kino viel zu brav und ehrlich gesagt war es auch schon bei Erscheinen des Filmes absolut von gestern.

20:15 Uhr Das Leben der Anderen (ARD)
Genau der Film, der am Tag der Wiedervereinigung gezeigt werden sollte um das Volk in Feierlaune zu bringen. Da kann der Wessi schön im Sessel sinnieren „Oh wie schlimm die in der Zone waren...“ und der Ossi bekommt gleich vorgeführt wie gut es ihm doch jetzt geht und wie minderwertig doch seine Vergangenheit ist. Herzlichen Glückwunsch ARD!

20:15 Uhr Krieg der Sterne (Pro7)
Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Abenteuer, Lichtschwertkämpfe und der Todesstern. Treten Sie näher meine Damen und Herren. Diesen Ritt werden sie nie vergeßen, Helden, Prinzessinen und die Macht. Wer will noch mal, wer hat noch nicht? George Lucas präsentiert das 9. Weltwunder der Kinounterhaltung. Treten Sie ein in die wundersame Welt der fernen Galaxien lang vor unserer Zeit. Han Solo for ever!

20:15 Uhr Findet Nemo (SAT.1)
Oooch, der ist so niedlich, bunt und liebenswert. Meine Güte, aber doch bitte im Nachmittagsprogramm damit die Kleinen auch etwas davon haben.

22:15 Uhr Der Soldat James Ryan (SAT.1)
Das der als Anti-Kriegsfilm eingestuft wird ist eine Frechheit sondergleichen. Wie kann ein Film, der ein Denkmal für die amerikanischen WWII Veteranen sein möchte und nur für die, der sich im Blut suhlt, dem Feind als animalischen Untermenschen darstellt, ihm zum Ende hin noch gehörig in Das dreckige Dutzend Manier die Fresse einschlägt und dies als Happy End verkauft ein Anti-Kriegsfilm sein?

23:00 Uhr Blade (Pro7)
Angeblich ungekürzt, was ich jedoch nicht glauben möchte. Wenn es wirklich so ist, dann macht dieser Vampir Comic ordentlich Laune. Wesley Snipes in Lack und Leder, Blutduschen und ganz viel Kurzweil. Top!

Weitere Tipps wie immer bei meinen Kollegen:
Sendersuchlauf, täglich
From Beyond, ab samstags
Blockbuster Entertainment, The Duke und Kino, TV & Co, ab sonntags

Falls Du glaubst die Fernsehtipps auf Deinem Blog könnten hier auch einmal Erwähnung finden solltest Du einfach in den Kommentaren darauf hinweisen. Falls sie mir gefallen werde ich es mir nicht nehmen lassen wöchentlich darauf hinzuweisen.

Bei Filmen ab oder nach Mitternacht das abweichende Datum beachten.

Kevin und die Pfeiffen

Es ist ja mittlerweile Tradition auf Schalke, daß sich Teile des Publikums genau einen Spieler heraussuchen um an ihm ihre eigene Misere des Nichterfolges fest zu machen. Lange vorbei die Zeiten in denen man auf der Tribüne über nicht erfolgreiche Spieler lachen konnte. Ich erinnere an Bent Christensen, Michael Prus oder die angolanische Allroundwaffe Miguel Pereira. O.K. letzerer kam in fünf Jahren auf Schalke lediglich zu 15 Bundesligaeinsätzen was an sich ja eigentlich schon ein Kuriosum darstellt. Aber spätestens Ende der 90er Jahre hatte sich dieser lockere Umgang mit dem Mißerfolg geändert. Ich glaube es war Nico van Kerkhoven, der zuvor auf der linken Seite mit Enfant terrible, um mal den Ausdruck Fußball Asi gepflegt zu umschiffen, Jörg Böhme kongenial Fußball spielte und nach einer langen Verletzung mehrere male formschwach auflief. Schon damals tat Rudi Assauer seinen Unmut über den Teil der Zuschauer, die van Kerkhoven in dieser Phase gnadenlos auspfiffen kund. Es hat nichts genutzt, genau wie zuvor bei Martin Max, dem das gleiche Schicksal nach einer Verletzung ereilte. Nun ist es Kevin Kuranyi der in einer solchen Formkrise steckt, dem nicht einmal mehr die Ballannahme gelingen will geschweige denn der Treffer ins quasi leere Tor. Das Publikum auf Schalke scheint wieder eine Sau gefunden zu haben, die sie durchs Dorf treiben kann.

Jahrelang habe ich mich über solch ein Verhalten gegenüber Spielern der eigenen Mannschaft aufgeregt. Ich rege mich eigentlich heute noch darüber auf, da es einfach nicht mit meinem Verständnis vom Besuch eines Fußballspieles zu vereinbaren ist, wenn ein einzelner Spieler einer Mannschaftssportart vom eigenem Anhang zur Minna gemacht wird. Doch habe ich mittlerweile auch erkannt, daß man wohl nichts dagegen unternehmen kann. Appelle an die Vernunft derjenigen, die dies anders sehen sind zwar ehrbar und auch bitter nötig, doch glaube ich, daß damit höchstens temporär etwas erreicht werden kann. Denn das Auspfeifen von schwachen Spielern auf dem Fußballplatz ist eher ein Spiegelbild unserer Gesellschaft in der mittlerweile der Schwache ganz ungeniert zum Sündenbock für das Versagen der Gemeinschaft gemacht werden darf. Perversion in Vollendung wenn die Bildzeitung eine Kampagne gegen Arbeitslosengeld II Empfänger fährt oder Dieter Bohlen verirrte Jugendliche im Superstar TV zur Sau macht und dafür auch noch Applaus erhält, seine beleidigenden Sprüche in Form eines Taschenbuches verlegt werden. Noch schlimmer, nicht nur von seinem Haussender hofiert sondern auch noch regelmäßig im öffentlich rechtlichen Fernsehen von Johannes B. Kerner zum Tet-â-Tet gebeten wird. Da könnte man ja glauben es wäre normal auf diejenigen einzutreten, die gerade eh schon am Boden liegen. Ekelhaft.

Surreal - Ghosts of Citè Soleil

Zwei Wochen Dominikanische Republik im vier Sterne Hotel All Inclusive kosten heute nicht mehr als zwei Monatsmieten für eine 70 qm Wohnung im Vorort einer deutschen Großstadt. Da kann man es sich dann gut gehen lassen. Sonne, Meer und weißer Strand. Der Pool Boy bringt die Pina Colada an die Liege und das allabendliche Buffet ist auch nicht von schlechten Eltern. Kurzum, das karibische Paradies ist käuflich. Kaum vorzustellen, daß keine Flugstunde entfernt Menschen gerade mit Lehmkeksen ihren Hunger unterdrücken. Haiti ist der andere Teil der Insel Hispaniola an deren Küste einst Christopher Columbus aufschlug auf seiner Suche nach einer neuen Route nach Indien. Es ist eines der unterentwickelsten Länder der Erde. Armut, Gewalt und Chaos haben hier eine Dimension angenommen, deren Ausmaß sich der Wohlstandsbürger in Europa nur schwer vorstellen kann. Zu surreal wirken die ab und an gezeigten Bilder in den Nachrichten als daß man sich eine wirkliche Vorstellung der Lebensumstände der Menschen in Port-au-Prince und im besonderem dessen Armutsghetto Cité Soleil machen könnte.

Der dänische Dokumentarfilmer Asgar Leth begleitete zusammen mit Milos Loncarevic die zwei Brüder „2Pac“ und „Bily“ im letzten Jahr vor Präsident Aristides Rücktritt im Februar 2004. Dieser finanzierte inoffiziell Gangsterbanden, sogenannte Chimères, die für eine Gewisse Ordnung in den Armenvierteln sorgen aber auch die politische Opposition mittels Gewalt im Zaum halten sollen. 2Pac und Bily sind zwei der Bandenanführer, sie wissen, daß gerade dieses undemokratische Vorgehen ihr Land immer weiter ins Chaos stürzen lassen wird, andererseits sehen sie für sich keine andere Überlebenschance da es für sie kein Zurück mehr gibt. Die Vorteile, die ihnen ihre Positionen als Gangsterbosse geben, sie selber würden sich wohl eher als Bürgermeister mit polizeilichen Aufgaben beschreiben, können sie unter keinen Umständen um ihres eigenen Lebenswillens und dessen ihrer Angehörigen aufgeben. Aber eigentlich wären sie viel lieber erfolgreiche Musiker wie ihr großes Vorbild Wyclef Jean, der bekanntlich aus eben dieser Lebenshölle Cité Soleil stammt und mittlerweile ein weltweit anerkannter Künstler ist. Er war es auch, der die Realisation des Filmes erst ermöglichte und einen großen Teil des Soundtracks beisteuerte.

Asgar Leths Dokumentation könnte leicht dem Vorwurf der Spekulation und der Subjektivität erliegen. Die penetrante Handkamera, die Interviews bei Kerzenschein mit bekifften Gangstern, die unglaublichen Bilder des Chaos. Allzu schnell will man dem allem keinen Glauben schenken, denn Schnitt und Sound passen eher zu Meirelles City of God als zu einer Dokumentation über ein Armenhaus der Welt. Dagegen sprechen aber immer wieder die Episoden in denen die politischen Verhältnisse auf Haiti dargelegt werden und die Opposition Aristides zu Wort kommt. Es ist gerade diese Ambivalenz, die Ghosts of Citè Soleil so verstörend wirken läßt. Die aufzeigt, daß die Welt nicht einfach in Gut und Böse einzuteilen ist, denn der Sturz Aristides bedeutet für die beiden Brüder den sicheren Tod, entzieht er ihnen nicht nur ihre Lebensgrundlage sondern auch die fragile Legalität ihres Status. Nur schwerlich läßt sich über die beiden Brüder richten, denn die konventionellen Moralvorstellungen unserer heilen Welt lassen sich nicht 1:1 in dem von Leth dokumentierten Szenario umsetzen. Es geht hier nicht darum was moralisch ist, es geht darum wie und ob man überlebt. So ist Leths Film nicht einfach nur ein Zeitdokument sondern auch gleichzeitig eine Parabel über die Komplexität der politischen und sozialen Brennpunkte unserer Erde.

7/10 Punkte

Federal Network - Starship Troopers 3: Marauder

Da hat der Paul Verhoeven damals von Teilen des Feuilleton gehörig was auf die Mütze bekommen da er sein Menschenregime so toll und siegreich gegen die Bugs hat aussehen lassen. Dabei übersahen jene Kritiker, daß Verhoeven eine wunderbare Faschismus Satire in Soapstil auf die Kinobesucher losgelassen hatte. Klar, alles kalter Kaffee, der Film ist längst als eben solche Satire enttarnt und definitiv als einer der Sci-Fi Höhepunkte der 90er anerkannt. Eigentlich wurde in Starship Troopers alles erzählt und so wundert es doch, daß obwohl der zweite Teil schon floppte nun auch noch ein dritter Teil auf DVD veröffentlicht wurde. Wer aber glaubt allein durch den Wiedereinstieg Casper Van Diens als Rico würde der Gehalt der Franchise ins erträgliche gehievt irrt gewaltig. Sowohl darstellerisch erreicht Marauder lediglich GZSZ Niveau als auch inszenatorisch was nicht unbedingt mit dem für einen Sci-Fi Film ultra knappen Budget von 20 Millionen Dollar zu erklären ist. Denn selbst das Drehbuch ist unter aller Kanone, was helfen da noch teilweise sehr schöne Landschaftsaufnahmen aus der Wüste. Natürlich, die Federal Network Häppchen transportieren einen nicht zu unterschätzenden Subtext wenn Religion nun doch was feines ist solange man an den richtigen Gott glaubt und Pazifisten zu Staatsfeinden erklärt werden, deren Hinrichtungen selbstverständlich das Highlight der abendlichen Fernsehunterhaltung sind. Doch wirkt das Ganze so dick aufgetragen wie die Schminke von Tatjana Gsell und kann in keinster Weise Verhoevens Subtilität erreichen. So bleibt lediglich die bittere Erkenntnis des wieder einmal Recht behaltenden Bauches.

3,5/10 Punkte

Diplomatenspass

Alfred Jodokus Kwak hat gestern nach dem Spiel sein Unverständnis gegenüber den Unmutsäußerungen des Publikums über Herrn Kevin Dennis K. geäußert um nur eine Praktikantenfrage später sein Verständnis für die Unmutsäußerungen des Publikums über Herrn Kevin Dennis K. aufgrund der hohen Erwartungshaltung des Publikums auszudrücken. Das nennt man Diplomatie, denn hätte er direkter und ehrlicher gesagt, daß das Publikum Kevin Dennis in Ruhe lassen solle weil er nicht besser kann... Da wäre ja ein mittlerer Bundesligaskandal draus gemacht worden obwohl jeder weiß daß er die Wahrheit sagt. Deswegen ist ja Diplomatie auch so wichtig.

This time it's war - Aliens - Die Rückkehr Special Edition

In space no one can hear you scream. Alien gehört bis heute zu den spannendsten und faszinierendsten Vertretern des Genrekinos, wenn ihm in diesen Disziplinen nicht sogar die Krone allein gehört. Und das schaffte Scott tatsächlich mit einer sehr simplen Story, die er lediglich perfekt zu inszenieren wußte. Der realistische Touch des Filmes, der nicht nur aus dem detailverliebten Setting besteht sondern vor allem auch von den hervorragenden darstellerischen Leistungen der Schauspieler getragen wird ist nur ein Aspekt für das immer noch funktionierende Grauen, das so manchen Zuschauer auch heute noch wie Lambert kurz vor ihrem Filmtot zum Hyperventilieren veranlassen wird. Die von H.R. Giger entworfene, von Scott sehr bedacht und effektiv eingesetzte außerirdische Lebensform, die obwohl irdischer Kreativität entsprungen fremder und sensationeller nicht wirken könnte, ist nur auf dem ersten Blick der Motor für den unglaublichen Erfolg des Filmes, der ihm drei Fortsetzungen bescherte. Das was Alien wirklich so außergewöhnlich macht, ihn eben nicht wie einen weiteren zwar grandiosen aber üblichen Monsterflick aussehen und anfühlen läßt, ist seine Hauptfigur. Ellen Ripley. Nie zuvor und auch nur seltenst danach durfte eine Hauptdarstellerin im Kino mit so einer Selbstverständlichkeit ihre eigene Haut retten wie Sigourny Weaver in Scotts - ich glaube ich darf den Ausdruck bemühen, ohne auf große Gegenwehr zu stoßen - cineastischen Meisterwerk. Nicht eine Sekunde läßt Scotts Film daran Zweifel aufkommen, daß Ripley aufgrund ihres Geschlechts im prinzipiellen nicht anders handelt als eine männliche Hauptfigur. Dabei verrät er aber nicht ihre natürliche Weiblichkeit, läßt seine Protagonistin weder männlichen Habitus noch eine amazonenartige Kriegerin nachäffen. Ellen Ripley ist vielleicht die natürlichste und selbstverständlichste Heldin im fantastischen Kino überhaupt. Insofern kann man Alien auch als eine Vision echter Gleichberechtigung betrachten, in der der Mensch seinen Status allein aus seiner Kompetenz und nicht aus seinem Gender, also einem soziokulturellen Konstrukt, bezieht.

Als Walter Hill und David Giler den Alien Fan James Cameron mit einem Script zu einer Fortsetzung zu ihrem unerwarteten Erfolg beauftragen gaben sie ihm lediglich zwei Vorgaben mit auf den Weg. Soldaten und Ellen Ripley sollten in der Geschichte vorkommen. So kann man davon ausgehen, daß Aliens - Die Rückkehr voll und ganz dem kreativen Genie James Camerons entspringt, der glücklicherweise auch die Regie von Hill und Giler zu diesem filmischen Großprojekt angeboten bekam. Dies ist in besonderem Maße bemerkenswert, da es die Risikobereitschaft Hills und Gilers unterstreicht. Terminator war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgedreht und Camerons bis dahin einzige Regiearbeit an einem abendfüllenden Film mit Piranha II - Fliegende Killer eher als desaströs zu bezeichnen.

Die Geschichte, die Aliens - Die Rückkehr erzählt, ist ebenso schnell zusammengefaßt wie die seines Vorgängers, obwohl Cameron einen völlig anderen Film mit einem völlig anderen Fokus erschafft als Ridley Scott. Sie beginnt mit der Rettung Ripleys aus ihrem lautlos im Weltraum treibenden Rettungsschiff. Doch ihre Rettung ist nicht die von ihr erhoffte Erlösung sondern ganz im Gegenteil der Anfang eines neuen Martyriums. Der Begriff des Martyriums scheint mir an dieser Stelle in übertragenem Sinne ganz angebracht. Denn die Auswirkungen ihres Handels auf der Nostromo, das nicht nur dazu diente ihr eigenes und das Leben der Crewmitglieder zu retten, vielmehr auch die Bewahrung der ganzen Menschheit vor der aggressiven Spezies zum Ziel hatte, entziehen ihr nicht nur den Status eines ranghohen Offiziers in der Handelsmarine. 57 Jahre befand sie sich in der Cryostasis, in der Zwischenzeit verstarb ihre Tochter im Alter von 62 Jahren an Krebs. Schwere Schicksalsschläge, die ihr Cameron gleich zu Anfang in nicht groß dramatisierten Szenen mit auf den Weg gibt und der nun ihm gehörenden Hauptfigur Ripley erstmals eine emotional nachvollziehbare Charakterisierung verleihen. Die Ripley ein Leben vor den schrecklichen Geschehnissen auf LV-426 und der Nostromo zugestehen. Ripley, ihres Offiziers Status enthoben, fängt an als Laderoboterpilot auf den Docks der Raumstation zu arbeiten, was der Zuschauer jedoch nur aus einem Dialog zwischen ihr und Carter Burke erfährt. Burke möchte, das Ripley ihn und eine Spezialeinheit der Marines bei einer Rettungsaktion beratend zur Seite steht. Zur der vor dreißig Jahren auf LV-426 angesiedelten Kolonie bestehe kein Funkkontakt mehr. Ripley könnte bei einer Zusammenarbeit ihren verlorenen Offiziersrang zurückerhalten und gleichzeitig erhielte sie eine Chance ihre Erlebnisse besser zu verarbeiten. Obwohl Ripley erst ablehnend reagiert willigt sie schließlich ein unter der Voraussetzung das die Xenomorphen auf dem Planeten bedingungslos zu vernichten sein.

Die Kolonie finden Ripley und die Soldaten halb zerstört auf, von den Kolonisten ist zunächst keine Spur zu finden. Alles deutet darauf hin, daß sie den Aliens zum Opfer fielen. Durch Zufall stoßen sie auf die halbverwahrloste Newt, einem Mädchen, das ungefähr in dem Alter ist, in dem Ripleys Tochter ihre Mutter zum letzten mal sah. Doch auch die Kolonisten können mittels ihrer aus sicherheitstechnischen Gründen angebrachten Notpeilsender im Fusionsreaktorgebäude ausgemacht werden. Als die Marines feststellen, daß der Fusionsreaktor den Aliens als eine Art Brutkammer dient und sie sich schon längst inmitten der Xenomorphen aufhalten, kommt es zur Katastrophe. Nach den Kampfhandlungen gegen die Aliens, bei der die Hälfte der Marines umkommt, ist der Reaktor dermaßen beschädigt, daß er in vier Stunden explodieren wird, was die atomare Vernichtung von allem im Umkreis von dreißig Quadratkilometer bedeutet. Zu allem Überfluß fällt auch das Landungsschiff den Aliens zum Opfer. Die Situation ist aussichtslos und Ripley schon lange nicht mehr nur Beraterin der Rettungsmission.

Cameron geht bei seiner Fortsetzung nicht den Fehler ein Ridley Scott nachzuahmen, noch mal das gleiche zu inszenieren. Dabei verzichtet er jedoch nicht auf die wichtigen Spannungsmomente, die auch Alien bis zum Anschlag ausnutzte. Z.B. die Bewegungsmelder, die ein nicht zu unterschätzendes Wiedererkennungsmerkmal der Geschichte darstellen. Doch im Gegensatz zu seiner Vorlage ist Aliens nicht das Hochspannungskino, das in erster Linie von seiner Suspension lebt, sondern reines Actionkino. Daran läßt Cameron von Anfang an keinen Zweifel, wenn er die Kamera durch die Sulaco, dem Militärraumschiff, gleiten läßt und mit sehr metallischen Bildern von den Sturmgewehren und Spinden der Marines deutlich macht, daß die Menschheit den Xenomorphen, was nichts anderes als fremartige Gestalten bedeutet, den Krieg erklärt hat. Und die Menschen schicken nicht irgendwelche Soldaten zum Planten LV-426, sie schicken die Marines, die wie keine andere militärische Einheit für kompromißlose Kampfkraft, Sieg und Loyalität steht. Kampfmaschinen ohne Gnade, die ohne darüber nachzudenken jeden Kampfbefehl ohne Rücksicht auf eigene Verluste durchführen. An ihrer Überlegenheit gegenüber dem Feind nicht zu zweifeln wagen. Semper fidelis! Doch genau diese Einstellung läßt sie in ihr Verderben laufen. Diese Arroganz gegenüber der Bedrohung, dieses Gottvertrauen auf die eigenen Fähigkeiten. Cameron inszeniert auf subtile Art seinen Vietnamkriegsfilm. Die Schlacht ist verloren und den Marines bleibt nur noch der Rückzug. Das ist der Moment in dem Aliens zu Ripleys Film wird. Ganz selbstverständlich übernimmt sie die Führung, kann die Marines mit Hilfe Corporal Hicks davon überzeugen, daß ihre einzige Chance darin besteht, den Planeten zu verlassen und das Gebiet aus dem Weltraum heraus atomar zu zerstören. Doch die Gefahr für die Marines und Ripley geht nicht nur von der außerirdischen Bedrohung aus, genauso bedrohlich erweisen sich die Pläne Carter Burkes, der eines der Aliens auf die Erde schmuggeln möchte, um mit seiner Hilfe neue Waffen zu entwickeln. Dabei scheut er sich nicht das Leben der Besatzung aufs Spiel zu setzen. Dies war von Anfang an seine einzige Motivation LV-426 aufzusuchen. Streng genommen erzählt Aliens die gleiche Geschichte, die auch schon Scott 1979 in seinem Film dem Publikum präsentierte. Der Konzern wußte von Anfang an von der außerirdischen Spezies, denn auch die dortige Rettungsaktion entpuppte sich als perfider Plan ein Alien zur Erde zu schleusen, um wirtschaftlichen Gewinn zu generieren. Der wahre Feind der Menschheit sind also die Konzerne, die im Hintergrund ohne Rücksicht auf moralische Grundsätze ihrem Ziel der Gewinnmaximierung nachgehen. Die Xenomorphen, deren einziges Ziel die Vermehrung ihrer Spezies zu sein scheint, ergeben bei genauerer Betrachtung eine Allegorie zu dem Verhalten der Konzerne. Zumindest scheint dieser Denkansatz nicht unbedingt aus der Luft gegriffen und sei dem Rezensenten an dieser Stelle erlaubt.

Was jedoch Camerons Alien Beitrag von Scotts Vorlage unterscheidet, ist nicht nur der Anteil der Actionszenen, das Militärische sondern vor allem die Ausarbeitung Ellen Ripleys Charakters. Sie übernimmt Verantwortung, kann sich voll und ganz ihren instinktiven Muttergefühlen hingeben, wenn sie nicht nur Newt unter ihre Obhut nimmt. Sie möchte nicht wieder ein Kind verlieren und dafür nimmt sie es sogar mit den Aliens direkt auf. Das ist aber nicht nur ein dramaturgischer Kniff des Filmes, das ist sein Alleinstellungsmerkmal, das ihn von den anderen Monsterhatzen Hollywoods abhebt. Diese Ellen Ripley, die so verbissen um Newt und ihr eigenes Dasein kämpft. Die selbst im Endkampf immer noch menschlicher wirkt als die meisten anderen Helden im Sujet, von ihrem Instinkt geleitet erscheint anstatt von der Aussicht auf Ruhm und Ehre. Die sich ihren eigenen Dämonen stellt, das Leben dieses Mädchens rettet und damit ihrem Leben einen neuen Sinn verleiht.

Das Finale ist dann eines der bestinszenierten in der Geschichte des Genrefilms überhaupt. Bombastische Explosionen untermalt vom metallischen Klang der Filmmusik, Ripleys Endkampf im Laderoboter gegen die Alien Königin. Unvergeßliche Bilder, die da die Leinwand füllen. Obschon der restliche Film nicht mit beeindruckenden Momenten geizt. Doch ... Aliens – Die Rückkehr ist die beeindruckende Fortsetzung eines der besten Genrefilme der Kinogeschichte und kann sich sogar selbst in diese Kategorie der Alltime Favourites einordnen. Und wenn sich Cameron dann vielleicht doch das eine oder andere Mal ganz ungeniert bei seinen Kollegen bedient hat, ich denke da gerade z.B. an Romero, dann soll das nicht den kulturellen Wert seines Filmes schmälern.

8,5/10

Arbeit für den Rekorder - 20. - 26. September

Samstag, 20. September

20:15 Uhr Die Farbe Lila (VOX)
Zum Heulen in jeglicher Hinsicht.

20:15 Uhr Die Firma (K1)
Ist so etwas von einem trockenen auf Wichtig getrimmten Anwaltsthriller, dessen Story nicht ansatzweise das einlöst was Cast und Regisseur versprechen. Typische Grisham Verfilmung, war damals halt Kinomode.

20:15 Uhr Godsend (RTLII)
Zielgruppenoptimierter Klonhokuspokus, der sich unverschämt im Genre suhlen will und dabei mit Robert De Niro prahlt. Das Ganze ist dann eher als filmischer Unfall zu betrachten. Noch schlimmer als man glauben möchte.

22:25 Uhr God's Army (DAS4.)
Christopher Walken, Verginia Madsen und Viggo Mortensen (wenn auch nur kurz) in einem kurzweiligen Bibelhorror Fantasy Thriller. Wer kann da schon Nein sagen? Geht teuflisch in Ordnung.

23:15 Uhr The Faculty (K1)
Rodruigez holt den Sci-Fi Horror vergangener Tage an die Highschool. Ja, Lehrer sind grundsätzlich böse, das wußten wir auch schon vor The Faculty. So sexy und launig wurde es uns aber seltenst präsentiert. Thumps Up!

00:40 Uhr Ritter der Apocalypse (TELE5)
Höhö, wo Dolph Lundgren draufsteht ist meist auch Trash drin. Endzeit Fantasy Spektakel welches den Vergleich mit seinen italienischen Kumpeln aus den 80ern nicht zu scheuen braucht. Nur für ganz hartgesottete Trashverehrer.

03:15 Uhr Verfluchtes Amsterdam (ARD)
Ach Gott, wie oft habe ich diesen auf Zelluloid gebannten Groschenroman schon über mich ergehen lassen. Damals weil die Mädchen so drauf abgefahren sind, heute weil's so schön altbacken wirkt wenn ein holländischer Kriminalkommissar einen auf obercoolen Hollywood Cop macht. Der Originaltitel Amsterdamned ist ja an sich schon Sensation genug. AM-STER-DAMNED!!

Sonntag, 21. September

20:15 Uhr Star Wars: Episode II - Angriff der Klonkrieger (PRO7)
Ich weiß bis heute nicht worum es eigentlich ging. Lucas scheint sich völlig in den Möglichkeiten der CGI zu verrennen und vergißt dabei eine Geschichte zu erzählen. Ja, ich habe ihn wohl wirklich nicht verstanden...

23:15 Uhr Easy Rider (BR)
Begründer des New Hollywoods, der den Studiobossen aufzeigte, daß Doris Day und Rock Hudson von nun an nur noch im TV eine Chance haben werden. Audiovisuelle Kollision von neu gewonnenen Freiheiten mit den alten konservativen Werten des Amerikas John Waynes. Vielleicht heute noch so aktuell wie damals.

00:15 Uhr Star Force Soldier (PRO7)
Man mag ja über Paul W.S. Anderson denken was man will, aber seine Hommage an den Helden des 80er Actionkinos ist doppelbödiger als so manchen Kritiker lieb ist. Fühlt sich an wie Low Budget, kostete aber 75 Millionen US Dollar. Da fällt mir doch glatt die Kinnlade runter. Ach so, der Kurt gibt noch mal den Snake, das war es doch worauf ich hinaus wollte.

00:20 Uhr Wild Things (K1)
Ui Ui Ui, was für ein herrlicher schwarzhumoriger kleiner Reißer. Macht nicht nur aufgrund Bill Murrays brillanter Winkeladvokaten Darstellung und Denise Richards Body of Seduction mächtig Laune. Vielleicht die eine oder andere Wendung zu viel, aber was soll's...

Montag, 22. September

20:15 Uhr Spaceballs (K1)
Auch wenn die Hälfte der Gags von der Synchronisation gefressen wird, wer hier meckert hat einfach keinen Humor. Lord Helmchen sorgt für einen Zwerchfellriß nach dem anderem.

Dienstag, 23. September

20:15 Uhr Over the Top (K1)
Der Name ist Programm. Merke, auch der Proletarier kann seinem Nachwuchs eine schöne Kindheit und sichere Zukunft bieten wenn er nur die Weltmeisterschaft im Armdrücken gewinnt. Hilfe!

22:15 Uhr Young Guns (TELE5)
Da kann der Western noch so am Boden liegen, der Cast haut's raus. Hier noch absolut Bon Jovi frei und von daher wirklich ordentlich.

23:00 Uhr Elementarteilchen (NDR)
So etwas von harmlos und langweilig. Da liegt das deutsche Kino seit Jahren am Boden, bekommt eine literarische Steilvorlage nach der anderen auf dem Silbertablett präsentiert und verkackt ein ums andere mal. Lohnt sich nicht auch nur eine Sekunde drüber nachzudenken.

Mittwoch, 24. September

Nix außer böse Frauen auf Kabel 1.

Donnerstag, 25. September

22:20 Uhr Last Boy Scout (VOX)
Der Versuch den typischen Noir Helden mit dem Actionfilm in Verbindung zu bringen scheitert an Scotts typischer Oberflächlichkeit. Ansonsten Ruck Zuck Fresse dick von der Stange mit aufgemotzter Optik. War damals allein wegen Bruce Willis Pflichtprogramm, heute aber bestimmt nicht mehr.

Freitag, 26. September

20:15 Uhr Hellboy (Pro7)
Herrlich abgefahrene Story, morbid zynische Stimmung, tolle Kostüme. Den Rest erledigt Ron Perlmann im Alleingang. Absolut geiler Comic Trip von Guillermo del Toro, der hoffentlich demnächst im Kino vom zweitem Teil noch getoppt wird.


00:35 Uhr Street Trash (ARTE)
Arte, die trauen sich was. Da ist dieser Spirituosenverkäufer dessen Fusel seine Käufer dahinschmelzen läßt. Melt Movie Deluxe. Vorsicht! Absolut Trash! Aber darauf deutet der Titel ja schon hin.

02:50 Uhr Bound (Pro7)
Die Wachowski Brüder können auch ohne CGI. Vielleicht der beste Erotik-Thriller der 90er Jahre, in jedem Fall aber der außergewöhnlichste. Corky und Violet spielen so gut, daß ihnen selbst die Mafia auf dem Leim geht. Wirklich sehenswert.

Weitere Tipps wie immer bei meinen Kollegen:
Sendersuchlauf, täglich
From Beyond, ab samstags
Blockbuster Entertainment, The Duke und Kino, TV & Co, ab sonntags

Falls Du glaubst die Fernsehtipps auf Deinem Blog könnten hier auch einmal Erwähnung finden solltest Du einfach in den Kommentaren darauf hinweisen. Falls sie mir gefallen werde ich es mir nicht nehmen lassen wöchentlich darauf hinzuweisen.

Bei Filmen ab oder nach Mitternacht das abweichende Datum beachten.

Filmrätselstöckchen # 1055

Da lag es nun schon seit vier Tagen auf Davids FSRB so herum ohne von MILE abgeholt zu werden. Sorry, so lange kann kein Mensch auf ein neues Rätsel warten. Ab 16:00 Uhr mit Moderation. Viel Spaß!















Gesucht war Alien Autopsy, eine wunderbare britische Komödie um den berühmten Santilli Film aus dem Jahre 1995. Da ich jetzt leider keine Zeit habe ein wenig mehr zu schreiben verweise ich auf Mr. Vincent Vegas gelungenes Review und die Kommentare in denen bestimmt bald nachzulesen ist wann und wo es weitergeht. Die IMBD Bewertung ist übrigens ein schlechter Witz, ich kann mir die momentanen 4,7 Punkte nur mit Frustbewertungen irgendwelcher verschrobenen UFO Gläubigen erklären.

Unter Ausschluß der Öffentlichkeit

So ungefähr kann man den größten Unterschied zwischen Champions League und UEFA Cup ganz gut beschreiben. Heute nix Nikosia gegen Schalke im TV und im Radio gibt es nur kleine Ausschnitte z.B. auf WDR 2 ab 18:00 Uhr. Nach dem Frust am Wochenende gar nicht mal verkehrt.

Quo vadis?

Die Zeiten in denen man massenweise CD's brennen mußte um seine Daten von hier nach da zu transportieren scheinen endgültig vorbei zu sein. Breitband DSL und Online-Speicherplatzanbieter wie z.B. Rapidshare, sehr erschwingliche externe USB Festplatten und Speichersticks, Autoradios mit Anschlußmöglichkeit für den Mp3 Player, HD Festplatten Mediaplayer für das Wohnzimmer mit WLan. Wer brennt da eigentlich heute noch DVDs oder CDs? Richtig, jeder irgendwie immer noch ab und an weil es manchmal halt nicht anders geht oder in vielen Situationen einfach bequemer und schneller ist.

Seit Jahren benutzte ich Nero, ungefähr ab Version 3. Erst eine OEM Version, die einem Brenner beilag und sich ohne Probleme anfangs kostenlos updaten ließ. Dann erwarb ich einmal eine altes Nero 5 für 8,00 Euro welches ich für sehr wenig Geld auf Nero 6 updaten konnte und irgendwann landete dann mit einem neuem Brenner auch Nero 7 auf meiner Festplatte. Dies war jedoch so eine Dongle Version, die nur mit dem gekauften Brenner funktionierte. Der Funktionsumfang der Software ist grenzenlos, doch benutzt habe ich nur die eigentliche Brennsuite. Mitgelieferter Mediaplayer, Konvertierungssoftware usw. waren in meinen Augen nur Ressourcen fressende Nichtsnutze deren Aufgaben von anderer Software meist besser, schneller und Ressourcen schonender erledigt werden. Wie das halt so ist, lud ich letzte Woche die Testversion von Nero 8 herunter. Curiosity killte aber schon immer die Katze und so ist meine voll funktionierende Nero 7 Version nun von der Nero 8 Testversion von der Platte geputzt worden. Die Nero 7 Installations CD ist natürlich schon in irgendeiner Müllverbrennungsanlage verschwunden und so stand ich nun vor der Entscheidung mir einen illegalen Produktschlüssel in den Weiten der dunklen Seiten des Internets zu besorgen, zähneknirschend 59,90 Euro für die Downloadversion im Nero Shop zu blechen oder halt einfach mal nach Alternativen Ausschau zu halten. Da ich eigentlich schon lange von Nero weg wollte und generell versuche meine EDV Aktivitäten soweit möglich von Open Source Software erledigen zu lassen entschloß ich mich zu letzterer Möglichkeit.

Der InfraRecorder bietet alle Funktionen, die man von einem ordentlichen Brennprogramm erwartet. Ohne unnützen Schnick Schnack, dafür aber mit einem praktischen Express Modus. Im Gegensatz zu Aheads Monstrum schaufelt er keine 600 MB auf die Festplatte sondern lediglich 10 MB und zu allem Überfluß gibt es auch noch eine portable Version. Soll heißen, Programmordner z.B. auf einen USB Stick kopieren und das Brennen funktioniert auch auf dem Notebook des Freundes oder der Freundin. Leider ist auch der InfraRecorder keine eierlegende Wolfsmilchssau. Exotische Hardware wird noch nicht erkannt und es gibt bisher lediglich Versionen für Windows. Anhand der noch niedrigen aktuellen Versionsnummer 0.45 läßt sich jedoch ablesen, daß da in Zukunft noch so einiges geboten werden wird. Top Open Source Software!

Weniger wäre mehr - Leaving Las Vegas

Las Vegas. Ich kann nicht anders. Diese Stadt assoziiere ich mit Gangsterdramen, Glücksspiel, Touristenfallen, Siegfried & Roy, Staub, Wüste, Elvis Presley, Nacktbars, kostenlosen Drinks, All You can Eat und einer Redundanz an Leuchtreklame. Ich sehe diese japanische Touristenfamilie, die dem Spiegel TV Reporter ins Mikrofon versichert das Venedig in Las Vegas sei besser als das echte Venedig in Europa weil es nicht so stinken würde und deutsche Studenten in einem Plattenbau, der sich Hofbräuhaus nennt bei Weißwurst, Brezeln und einem Maß Weißbier. Aber ein Liebesdrama, das kommt mir nicht in den Sinn. Leaving Las Vegas ist dann auch kein Liebesdrama, eher ein Film über die Angst vor dem Allein sein.

Ben Sanderson ist starker Alkoholiker, Säufer, der vielleicht mal angefangen hat sein Selbstmitleid über seine gescheiterte Ehe im Suff zu ertränken. Doch dieses Stadium hat er schon lange hinter sich gelassen, er braucht den Alkohol mittlerweile um über den Tag zu kommen, um die morgendlichen Entzugserscheinungen in den Griff zu kriegen, die ihm noch nicht einmal die Unterschrift auf dem Barscheck erlauben. Da bleibt die Kündigung in seinem Job als Drehbuchautor nicht aus. Ben entscheidet mit seinem Leben abzuschließen und macht sich mit der großzügigen Abfindung seines ehemaligen Arbeitgebers auf nach Las Vegas um sich tot zu saufen. Die Freunde, die er vielleicht mal hatte und ihm jetzt noch helfen könnten hat er schon lange verloren. Oder haben sie ihn verloren? Im Gegensatz zu Ben scheint Sera ihr Schicksal anzunehmen, das Beste draus zu machen. Irgendwann kam sie aus Los Angeles nach Las Vegas. Vielleicht floh sie vor ihrem Zuhälter Yuri, der ihr jedoch gefolgt ist und sie nun wieder unter seine Fittiche hält. Und weil Sera außer ihm keinen anderen hat, sie ohne ihm ganz allein in der großen Stadt wäre, ist sie doch irgendwie auch froh, daß es so ist wie es ist. Jeden Abend tingelt sie über den Boulevard. Halbe Stunde 300$, für 500$ bekommt man alles, sogar einen Arschfick und Abspritzen ins Gesicht ist auch kein Problem. Nur bitte nicht in die Haare, die sind frisch gewaschen. Naja, das interessiert Ben dann auch gar nicht, er will gar keinen Sex, nur nicht allein sein bei seinem Saufexzess. So lernen die beiden sich kennen. Yuri wird von der Mafia gerichtet, Sera plötzlich wieder allein sodaß sie die Nähe zu Ben sucht und ihn darum bittet bei ihr einzuziehen. Sie wird ihn saufen und er wird sie ihrer Arbeit als Prostituierte nachgehen lassen. Das ist die Grundlage ihrer Beziehung, die sie schnell als Liebe mißverstehen werden.

Nicht der normale Stoff für eine Liebesgeschichte, auch keiner ungewöhnlichen, den Mike Figgis in Super 16mm und schonungsloser Offenheit offenbaren möchte. Nur schwer will man akzeptieren, daß Figgis und das Drehbuch den Verfall eines eigentlich sympathischen Säufers zulassen. Seinen Besäufnissen nicht Einhalt gebietet, weder durch Sera noch durch seine Leber, die ihn unglaublich viel Bourbon, Vodka und Magaritas in sich hineinschütten läßt ohne ihn ins Koma fallen zu lassen. Unglaubwürdig wirkt der Film an diesen Stellen, albern wenn Ben in der Bank steht und seine sexuellen Saufphantasien in Elvispose in sein Diktiergerät lallt. Doch er hat auch seine sehr starken Szenen. In denen klar wird, daß die Angst vor dem Alleinsein Menschen Kompromisse eingehen läßt. Seien es die Blamagen, die Sera mit Ben in der Öffentlichkeit erlebt oder Bens Gewißheit, daß Seras Gesicht gerade von einem Freier ins Kissen eines Bettes in irgendeinem Hotelzimmer der Stadt gedrückt wird. An diesen Stellen ist der Film wirklich schonungslos offen. Da baut er eine Metaebene auf über die es sich nachzudenken lohnt. Natürlich verbindet Sera und Ben eine starke Zuneigung, doch die ist nicht so stark, daß sie Ben von seinem Plan abbringen würde sich umzubringen oder Sera es ernsthaft versuchen würde ihn davon abzubringen. Zu groß ist ihre Angst vor dem möglichen Verlust. Da zieht sie es lieber vor auf die wichtigen Momente einer Beziehung zu verzichten. Seien es Gespräche über die gemeinsame Zukunft oder auch nur der Sex miteinander, der vor allem Sera aufgrund des ständigen Alkoholpegels Bens verwährt bleibt. Und so ist auch die letzte Szene, die oftmals als Liebesbeweis Seras an Ben interpretiert wird in einem anderem Licht zu sehen.

Mit Elisabeth Shue verfügt Leaving Las Vegas über eine starke Hauptdarstellerin. Ihr zurückhaltendes Spiel gibt dem Film den benötigten Kontrapunkt zu Cages leider manchmal ausufernden Interpretation eines manisch depressiv wirkenden Alkoholikers. Sicherlich auch vom Drehbuch gefordert, doch schafft es Cage nur auf dem erstem Blick seiner Rolle die nötige Tiefe zu verleihen. Meist spielt er einfach nur den Betrunkenen, selten den einsamen Verzweifelten. Selbst seine dunklen Augenränder können darüber nicht hinweg täuschen, daß sein Oscar für die Rolle des Ben Sanderson ein Geschenk der Academy ist. Ganz im Gegenteil dazu Elisabeth Shue, die nahezu ohne Theatralik auskommt, deren Angst vor dem Verlust und ihre Zuneigung zu Ben jederzeit glaubwürdig erscheinen. Deren Talent in einer geradezu überflüssigen Vergewaltigungsszene verschleudert wird, was Figgis Drama auch berechtigterweise Kritik einbrachte. Denn anstatt sich auf den wesentlichen Kern der Geschichte, der Angst vor und der Einsamkeit selbst zu konzentrieren verliert er sich zu oft und ausladend in Nebensächlichkeiten. Julien Sands als Seras Zuhälter trägt ebenso wenig zur Geschichte bei wie Bens zynische Kneipenschlägereien oder witzig ironisch inszenierter Schnappseinkauf. Da muß sich Figgis nicht wundern wenn seine an sich eindeutige Geschichte als heroisch dargestellter Heldentod eines Trinkers fehlinterpretiert wird. Ärgern kann man sich geradezu über diese Fehler in der Inszenierung, denn im Kern ist Leaving Las Vegas ein richtig gutes Gegenstück zu Hollywoods Romantikliebeswelten.

7/10 Punkte

Wheel of Fortune

Diese blöden Schalker, verspielen alles was sie sich bis zur 60. Minute im Signal Iduna Park erarbeitet haben. Haha, diese blöden Schalker. Wie kann man nur? 3:0 führen und sich dann noch so die Blöße geben. Dabei hatten sie noch Glück. Der Rafinha, der gehört doch schon in der ersten Halbzeit vom Platz gestellt, wie er da den Dortmunder Valdez mit einem gezieltem Faustschlag zur Strecke bringt. So wie Valdez mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden liegt., wie er da vorher mit der Wucht einer Klitschko Geraden auf den Ringboden geschickt wird. O.K., der BvB hatte eigentlich auch nach seinem Anschlußtreffer keine echte Chance. Und der Pander? Naja, angeschlagen wie er war diesen Fehlpaß zu spielen, der eigentlich keine Auswirkungen gehabt hätte da der Schweizer Frei sich in vollendeter Abseitsposition befand als ihm der Ball von seinem eigenen Mann zugespielt wurde. Aber er lief ja auch wieder zurück, da kann ein Schiedsrichter Assistent schon mal den Überblick verlieren. Vor allem wenn er mit Frei auf gleicher Höhe steht. Er ist ja auch nur ein Mensch. Hätte Lutz Wagner hier fälschlicher Weise auf Abseits entschieden... Um Gottes Willen, nicht auszudenken was in diesem Hexenkessel los gewesen wäre. Ernst und Pander hatten daher auch so viel Mitleid, daß sie schnell mit ihren Platzverweisen für ausgleichende Gerechtigkeit und Chancengleichheit sorgten. Zuviel des Guten, denn Wagner sieht in der 88. Minute ein Handspiel Mladen Krstajics und so kommt der BvB doch noch zum Ausgleich gegen 9 Schalker Spieler. Puh noch einmal Glück gehabt, nachdem man so unverschämt in der ersten Halbzeit durch den Schiedsrichter benachteiligt wurde. Klar, da muß man hinterher noch rumheulen weil dieser Lutz Wagner nicht noch bis zur 5:3 Führung nachspielen läßt. Manchmal sollte man einfach mal die Klappe halten und sein Glück begreifen.

Glück Auf!

Zweigeteilt - Dog Soldiers

Debutfilm. Da weiß der geneigte Filmfreund was auf ihn zukommt. Oftmals lowest budgetiertes aber ambitioniertes Independent Kino. Und wenn der Regisseur ein wenig Talent hat versteckt er gekonnt das kleine Budget und konzentriert sich auf sein Können eine gute Geschichte zu erzählen. Das alles kann ich Neill Marshall für die Hälfte Eins seines ersten abendfüllenden Filmes ohne große Probleme attestieren. Da ist diese kleine Armeeeinheit, die sich in Schottlands Highlands auf einer Übungsmission befindet obwohl das zivile Leben in jenen Tagen doch so viel mehr Spannung bieten könnte wie zum Beispiel die immergrüne Fußballbegegnung England - Deutschland. Also müssen halt abends nach Einbruch der Dunkelheit Schauergeschichten aus dem Irakeinsatz für ein wenig Unterhaltung am Lagerfeuer sorgen um die müde Truppe bei Laune zu halten. Genau im richtigen Moment legt Marshall den Schalter von Exposition auf Suspense um, die er ohne große Mühe inszeniert. Eine tote scheinbar vom Himmel fallende Kuh, Heulen im nächtlichen Wald und Gore an den passenden Stellen. Das läßt den Zuschauer großes erwarten und steigert ganz selbstverständlich seine Aufmerksamkeit. Leider verspielt der Film in der zweiten Hälfte sehr viel von dem was er sich zuvor gemessen an seinen Möglichkeiten grandios erspielt hat. Da wird einfach zuviel aus dem großen Topf des Genrefilms rezitiert, da überfordert Marshall auch oft einfach nicht nur seine Darstellerriege sondern auch die Möglichkeiten seines Budgets. Tappt in so manche Falle des unfreiwillig komischen Dialogs und verleiht dadurch der Geschichte eine ungewollte Trashattitüde. Schade, denn so mancher Zuschauer wird ein Psychospielchen erwartet haben, das die Konstellation der ersten Hälfte des Drehbuches durchaus zugelassen hätte. So steht Dog Soldiers doch auch irgendwie für das weitere Schaffen Neil Marshalls. Mit seinem zweitem Film The Descent bestätigte er sein Talent für die Suspension bevor er dann mit seinem aktuellem Doomsday seine Unfähigkeit zur Tension unterstreicht.

4/10 Punkte

You know I'm no good



Happy Birthday!

Was ist Trash?

"General Reedman - das Konzept ist klar. - Der Befehl lautet für die Armee und die Polizei - Töten durch Kopfschuß. Ich denke das ist präzise genug. Was den Einsatz der Armee angeht - wenden wir vorrangig den Plan - H - an. Die Truppe B halten wir für alle Fälle als Reserve zur Verfügung. - Das wär im Moment alles meine Herren. - Danke"


General Murchison (Mel Ferrer)
Großangriff der Zombies (Incubo sulla città contaminata)
Umberto Lenzi, Italien/Spanien 1980

Derby Träume

Morgen ist es mal wieder soweit und so langsam macht sich doch das typische Derbykribbeln in meinem ganzen Körper breit. Das ist so eine innere Unruhe, die man eigentlich überhaupt nicht in Worte fassen kann und deshalb versuche ich es auch gar nicht erst. Merkt Euch einfach innere Unruhe einem Kribbeln gleich. Früher habe ich mal versucht mir einzureden, daß die Spiele gegen den BvB die unwichtigsten in der Saison seien und das funktionierte auch irgendwie so lange bis Schalke Dortmund sportlich und finanziell überholt hatte. Als Underdog kann man Niederlagen gegen den sportlich und finanziell erfolgreicheren Rivalen irgendwie besser verkraften, nach Ausreden suchen und ein Unentschieden fühlt sich dann auch mal wie ein Sieg an. Ist schon irgendwie komisch zu wissen, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der Schalke Fans erst eine Niederlage gegen den BvB erfahren mußte. Die hatte sich natürlich gewaschen und resultierte aus einem Spiel, daß alles andere als das unwichtigste der Saison war. Ich war damals im Stadion und erlebte die Katastrophe ähnlich wie einen Alptraum, den ich dann doch in den Nächten vor den Spielen gegen Borussia Dortmund immer wieder einmal habe. Nur mit dem Unterschied, daß ich nicht mittendrinn schweißgebadet aufwachte und sich alles nur als böser Scherz meiner Hirnsynapsen erwies. Alte Kamellen.

Inzwischen hat sich auf Schalke einiges geändert, nur leider kommen diese Änderungen noch nicht zum Zug, da die Änderungen sich schon wieder verletzt haben oder sich gerade erst auf dem Weg der Besserung befinden. Ehrlich gesagt ist es mir egal ob Manuel Neuer oder Ralf Fährmann zwischen den Pfosten steht. Ich würde mich über eine Wunderheilung Orlando Engelaars oder der kleinen Robbe ehrlich gesagt mehr freuen. Denn mit beiden habe ich diese Saison auch schon ein Schalke gesehen mit dem man sich vor keinem Gegner der Welt in die Hose machen mußte. Ohne die beiden Neuzugänge habe ich diese Saison allerdings auch schon ein Schalke gesehen mit dem man sich selbst vor einem Drittligisten in Acht nehmen sollte. Da nirgends zu erfahren ist wer morgen gegen Dortmund auflaufen wird werde ich mich wohl wieder einmal auf einen Alptraum einstellen müssen. Hoffentlich wache ich dann irgendwann in der Nacht schweißgebadet auf.

Gerade im Kino - Wanted

Demnächst startet Uwe Bolls Videogame Adapation Far Cry in den Kinos. Ich kann jetzt schon ohne den Film gesehen zu haben versichern, daß er nichts taugen wird. Nicht weil ich grundsätzlich etwas gegen Boll und seine Filme hätte, die sind ja lediglich ein gut platziertes Nischenprodukt. Nein, vielmehr weil ich weiß, daß es bisher kaum ein Regisseur geschafft hat die ureigene Dynamik eines Videospiels, diese Laune, den Spaß an einer einzigen Situation auf die Leinwand zu zaubern. Da wird meist mit der Rahmenhandlung der schwächste Teil der Lizenz genommen um daraus einen mehr oder weniger durchschnittlichen Quark zu produzieren, der lediglich den meist jungen Fans noch einmal zusätzlich das Taschengeld aus dem Portemonnaie ziehen soll. Keiner der mir bekannten Titel kümmerte sich bisher um das Feeling, das beim spielen seiner als Vorbild dienenden Lizenzen aufkommt. Seien es die ersten ultratrashigen Streetfighter Versuche aus den 90ern oder der sogar ganz annehmbare Silent Hill. Erstaunlich, daß es in den letzten zwei Jahren gerade zwei Filme schafften eben genau dieses Videogame Gefühl dem Zuschauer zu vermitteln, die nicht offiziell auf einen bekannten Konsolenhit basierten. Crank und Shoot 'Em Up beziehen den Spaß aus kurzweiligen Actionszenen, aus einer fantastischen dem Comic angelehnten physikalisch sehr vereinfachten Welt, die ihren Helden Dinge ermöglicht an die Dirty Harry nicht zu denken wagte. Die Rahmenhandlung ist nur Aufhänger für die gebotenen Schießereien, Autostunts, Stürze und ins lächerliche überspitzten ästhetisch aufbereiteten Gewaltphantasien. Wanted führt nun diese noch sehr kleine Serie von Actionfilmen fort. Lose basierend auf der gleichnamigen Mini Comic Serie von Mark Millar, inszeniert unter der Regie von Timur Bekmambetow, der mit Wächter der Nacht und Wächter des Tages schon einige Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte.

Wesley Gibson ist Account Manager, früher hieß sein Job Sachbearbeiter, wie er uns ironisch versichert. Täglich läßt er sich von seiner Vorgesetzten schikanieren, seine Freundin kopuliert mit seinem bestem Freund und sein Dispokredit ermöglicht ihm auch nur noch Investitionen in Höhe von 10 Dollar. Kurzum, er ist ein armes Würstchen. Das ändert sich jedoch ziemlich schnell als ihm von der geheimnisvollen Fox offenbart wird, daß er die gleichen Killergene in sich trägt wie sein kürzlich ermordeter Vater. Die Bruderschaft ist eine Art Geheimgesellschaft deren Mitglieder die Fähigkeit besitzen ihr Herz vierhundert mal in der Minute schlagen zu lassen, wodurch Unmengen an Adrenalin ausgeschüttet werden. Darum können sie schneller handeln, besser kämpfen und vor allem unglaublich gut mit ihren Knarren umgehen. Wesley wird zum Killer ausgebildet um den Mörder seines Vaters zur Strecke zu bringen. Dieser Cross ist nämlich nach dem Tod von Wesleys Vater der beste und gefährlichste Killer überhaupt.

Bekmambetovs Action Flick macht richtig Laune, angefangen bei der unbeschwert und vor allem dynamisch inszenierten Action selbst, über Wesley Gibsons zynische ironische Erzählweise während seiner Wandlung vom Bürolooser zum knallharten Superkiller bis hin zum nihilistischen Grundton der Geschichte. Auf Realismus wird ebenso verzichtet wie auf groß angelgegte moralische Erklärungsversuche oder gar einer komplexen Handlung. Allein der Spaß an der fantastischen Actionballade steht bei Wanted im Vordergrund. Die Shoot Outs gestallten sich wie der Waffengang in einem Mantel und Degenfilm, die fahrbaren Untersätze verhalten sich wie das treue Pferd aus Zorros Western von Gestern. Keine Chance für Logikfanatiker oder Realismusfetischisten. Bullet Time en masse. Wanted erfindet das Rad nicht neu, bietet jedoch einen erfrischend anderen Blick auf Hollywood. Da wird schon mal ein Zug ganz selbstverständlich mit einem abgewrackten Lada verfolgt und der für solch eine Szene in jeder anderen Hollywoodschießerei eigentlich verwendete deutsche Luxusschlitten dient lediglich zum Stadtcruising. Herrlich auch die Idee die im Kampf und Ausbildung arg in Mitleidenschaft gezogene körperliche Verfassung in einer Art Gesundheitsbad wieder herzustellen. Wer erinnert sich da nicht sofort an sein letztes Erkältungsbad nach dem man sich so gut und entspannt gefühlt hat. Kreativität ist bei Bekmamtbetovs erster Hollywood Arbeit nicht nur bloßes Schlagwort, sein Verve und Esprit aus den beiden Wächter Filmen versprüht er auch locker in Wanted. Schauspielerische Höchstleistungen sind in diesem Sujet nicht zu erwarten und werden auch an keiner Stelle gefordert. Angelina Jolie kann nach Herzenslust herumposen, Morgan Freeman seinen gewohnten Lucius Fox Standard abrufen, der von vielen komischerweise immer wieder als große Schauspielkunst bezeichnet wird und James McAvoy ist einfach nur ein von Grund auf sympathischer Typ. Reingehen, es lohnt sich.

7/10 Punkte