Frage der Woche

Darf der Chefredakteur eines traditionellen Sportmagazins, das sich hauptsächlich mit Fußball beschäftigt, Rainer Holzschuh heißen?

In den Sinn gekommen durch ->

Bitte nur vom Feinstem!

O.K., die Erstellung von Top-Listen überlasse ich dann doch lieber Dick und Barry aus Rob's Plattenladen. Zum Jahresabschluß trotzdem meine persönlichen Favoriten 2008 in loser Reihenfolge.

There Will Be Blood
In epischen Bildern und formaler Perfektion resümiert Paul Thomas Anderson die Geschichte des amerikanischen Kapitalismus anhand des fiktiven Ölmagnaten Daniel Plainview. Dabei gelingt es ihm das sehr komplexe und ambivalente Bild eines visionären Menschen zu zeichnen, der wirtschaftlich alles gewinnt, letztendlich jedoch menschlich an seiner inneren Verbissenheit scheitert. Großartiges amerikanisches Kino.

Gomorrha
Matteo Garrones Verfilmung des Tatsachenromans Roberto Savianos glänzt durch Distanz und elegische, nahezu apokalyptische Bilder, die keiner großartigen Erklärungen bedürfen. Selten zuvor wurde der zersetzende Einfluß der Mafia auf die italienische Gesellschaft derart entromantisiert dargestellt. Garrone zeigt einen italienischen Parallelstaat in dem Angst jeglichen Fortschritt, jegliche Hoffnung im Keim erstickt. Wie ein Vampir saugt die Struktur des organisierten Verbrechens die Menschen aus und läßt gerade soviel übrig, daß das Volk nicht sterben kann. Daß Garrone trotz aller Nüchternheit dennoch einen Weg findet in seinem Film vor allem die Menschlichkeit nicht außen vor zu lassen, zeichnet ihn als großartiges Regietalent aus. Absolut Kino.

Southland Tales

Richard Kelly muß ein großer Fan der beiden Autoren Robert Shea und Robert Anton Wilson sein. Sein Weltuntergangsfilm kommt nicht minder satirisch subversiv und dennoch vollkommen ernst daher wie ihre Illuminatus! Roman-Trilogie aus den frühen 70ern. Völlig frei von jeglichen Konventionen läßt er in fantastischen und mit einem genialen Soundtrack unterlegten Bildern Boxer Santana und Krysta Know zwischen Regierung und Untergrundorganisation die letzten Tage vor dem großen Nichts in einem faschistischen Amerika erleben. Ein Cast zum lieb haben, abgefahrene Story und ganz viel Humor. Leider nicht im Kino, nur auf DVD.

Battle for Haditha
Und noch ein Direct to DVD Opfer. Nick Broomfeld rekonstruiert im semi-dokumentarischen Stil eines der schlimmsten amerikanischen Kriegsverbrechen seit der Besetzung des Iraks im Frühjahr 2003. Aus drei verschiedenen narrativen Perspektiven schildert er das in eine Vergeltungsaktion ausufernde Feuergefecht amerikanischer Marines nach einem Anschlag auf ihren Konvoi, dem vierundzwanzig irakische Zivilisten im November 2005 in der Aufständigen-Metropole Haditha zu Opfer fielen. Zwischen detaillierter Distanz und traumatischen Bildern zeichnet sich eine Tragödie in der die Schuldigen selbst auch Opfer sind und vor allem die Dinge nicht einfach in Schwarz oder Weiß einzuteilen sind. Ganz starkes Anti-Kriegs Kino.

So finster die Nacht
Zu guter Letzt so eben noch reingerutscht. Tomas Alfredson befreit das klassische Vampirthema von allem Kitsch und aufgesetzter Romantik. Übrig bleibt die Liebesgeschichte zweier vorpubertärer Außenseiter wie sie aber romantischer nicht sein könnte, erzählt im Winter einer schwedischen Trabantenstadt der frühen 80er Jahre. Melancholisch und dennoch von einer gehörigen Portion schwarzem Humor durchzogen breitet sich die Dunkelheit im Kinosaal aus und verursacht nichts als wohliges Frösteln. Löwenherz-Kino.

Nein, die größten Enttäuschungen werden nicht folgen. Immer schön positiv denken.[augenzwinker]

Frontiére(s)

Es ist nun schon dreizehn Jahre her, daß Mathieu Kassovitz der Jugend in den Vorstädten Paris, den Banlieues, ein Gesicht gab, nicht nur eine differenzierte Analyse über die Entstehung von Gewaltspiralen ablieferte, sondern auch ein Bild des tief in der französischen Gesellschaft verankerten und alltäglichen Rassismus zeichnete. La Haine gilt heute als Meilenstein des französischen Kinos, sein Hauptthema scheint im Hinblick auch auf die letzten Ereignisse in Griechenland von zeitloser Brisanz. Xavier Gens bedient sich für seinen Genrebeitrag Frontiére(s) der gleichen Themen, liefert jedoch weitaus traumatischere Bilder, die ganz dem Titel des Filmes gerecht werdend zu einer Grenzerfahrung ausarten.

Frontiére(s) beginnt inmitten der Pariser Unruhen während der letzten französischen Präsidentschaftswahlen. Eine Kleinkriminellenbande aus den Banlieus trifft sich nach einem Banküberfall in ihrem Versteck, in dem sie festellen muß, daß ihr Fluchtplan auf wackeligen Beinen steht. Yasmins Bruder Sami wurde bei der Schießerei mit der Polizei schwer verletzt. Nach kurzem Streit einigen sich Yasmin und Alex ihn in ein Krankenhaus zu bringen während Tom und Farid schon einmal in Richtung Grenze vorfahren, in einer kleinen Pension möchte man sich wiedertreffen und danach die Grenze überqueren. Sami stirbt noch in der Aufnahme des Krankenhauses, so bleibt Yasmin und Alex nur noch die Flucht zur kleinen Pension in der sich Tom und Farid schon längst in den Händen einer degenerierten Nazifamilie befinden. Die Bilder werden schon bald von Blut und Schmerz bestimmt. Nichts für Zartbesaitete was Gens da auf die Leinwand bannt. Da wird erschlagen, zersägt, durchgeknippst und hingerichet wie nur selten zuvor im Genre. Ganz schnell werden die Attitüden der in den letzten Jahren recht erfolgreichen Torture Porns wie zum Beispiel der beiden Hostel Filme oder der SAW Reihe erreicht und noch einmal überboten. Doch wo Roth postmoderne Retrospektiven des Genres und Bousman dann wirklich nur noch hohle Exploitation bieten, kann Gens mit der unerwarteten Tradition des politischen Horrorkinos aufwarten. Im Kontext zu Kassovitz Mahnmal und dem eigenen Anfang erschließt sich die starke Visualisierung gesellschaftlicher Unterdrückung, wie sie von den meist arabischstämmigen Jugendlichen in den Voorten Paris oder Lyons nicht nur empfunden sondern auch erlebt wird. Wenn Alex vom Nazifamilienoberhaupt die Archilessehnen durchgeschnitten werden, ist dies viel mehr als ein purer Akt der Gewalt. Da entstehen Bilder von einer ganzen Generation, die nicht mehr auf eigenen Füßen stehen wird, da sie aufgrund ihrer Herkunft keine echte Chance auf mehr als einen Aushilfsjob bekommt. Wenn überhaupt. Und wenn Yasmin um ihre schönen Locken gebracht wird, damit sie zur Familie gehören darf, dann ist dies auch ein subtiles Bild für die Vorstellung vieler Europäer von Integration. Verabschiede Dich von Deiner Vergangenheit, sehe so aus und lebe so wie wir. Natürlich ist Frontiére(s) in erster Linie ein Genrefilm, der sich auch bis zum Ende genauso verhält wie man es erwarten darf, der nichts anderes macht als die Backwood Redneck Kannibalen Familie nach Europa zu holen und mit ordentlich Schmackes eine Gruppe Jugendlicher dahin metzelt. Aber ein hirnloser Gewaltporno ist Frontiére(s) ganz bestimmt nicht. Dazu birgt die Brutalität des Films einfach zu viel Subtext, als daß Gens hier lediglich die Gorehounds für den kurzen Akt der voyueristischen Befriedigung bedienen würde. Nebenbei sieht er auch noch verdammt gut aus. Vielleicht die Überraschung abseits der überschwänglich Gefeierten des Kinojahres 2008.

7,5/10 Punkte

Funk 4 Peace

Einfach nur Megageilomatik...


Funk 4 Peace by the Fort Knox Five from Fort Knox Recordings on Vimeo.

Arbeit für den Rekoder - 27. Dezember - 2. Januar

Samstag, 27. Dezember

22:40 Uhr Dämonisch (Pro7)
Bill Paxton im Dämonenwahn, dem nicht nur unschuldige zu Opfer fallen, sondern auch seine Söhne. Kommt ziemlich konstruiert und TV mäßig rüber, war jedoch in den Videotheken ein voller Erfolg (→ Matthew McConaughey).

23:40 Uhr Batman (ZDF)
Tim Burtons im Vorfeld von einem Megahype begleiteter Comicspaß erfüllt die Erwartungen und noch ein wenig mehr. Völlig schrill mit Prince Soundtrack, viel Lila und einem teuflisch bösem Jack Nicholson Joker. Auch wenn letzterer natürlich die Attraktion des Filmes ist, stehen ihm Michael Keaton und Kim Basinger in Sachen Attraktativität aber in nichts nach. Zum dahin schmelzen, im wahrsten Sinne.

01:05 Uhr 2010 – Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen (RTLII)
Wahrlich weniger philosophisch und vor allem absolut konventioneller als der Film, der neun Jahre zuvor beginnt. Dennoch wirklich schönes Science Fiction Kino aus der Zeit kurz vor dem Ende des Kalten Krieges. Roy Scheider auf Ermittlungsflug zum Jupiter. Toll.

Sonntag, 28. Dezember

20:15 Uhr The Village – Das Dorf (Pro7)
Joaquin Phoenix, William Hurt oder Adrien Brody können hier auch nichts mehr retten. Absolut dröger Mummenschanz von Mr. Shalalaalalaalaa Ich sehe Tote Shyamalan. Das Ende ist dabei noch das beste am ganzen Film, denn es ist das Ende des Films.

Montag, 29. Dezember

22:00 Uhr Wes Craven präsentiert Dracula (K1)
Da bin ich jetzt ein wenig irritiert. Dachte ich doch zuerst an John Carpenters Vampir Western Quark, dann an diese ultra schwache R&B Vampir Soße, fällt mir jetzt endlich auf, daß es sich um einen ganz anderen Film handelt. Natürlich, der gute Wes mußte auch noch einen produzieren. Ordentliche B-Movie Unterhaltung, die aber nicht ganz bis zum Ende durchhalten kann. Geht so.

22:15 Uhr Batman Begins (ZDF)
Burtons Batman Filmen warf man gerne Style over Substance vor. Aber was sind dann bitte Nolans Adaptionen? Nein, da gibt es mit mir nichts zu diskutieren. Übelstes Techno Mainstreamgeschiss, das spätestens im Finale nur noch nervt, nur noch nervt, nur noch nervt...

23:00 Uhr Erin Brockovich (ARD)
Ja wenn ich schon einen Film mit Pretty Woman Julia bis zum Ende anschaue, dann kann er gar nicht so übel sein. Und das ist dieser kleine, zwar völlig vorhersehbare, dafür aber absolut gut gespielte „Rechtsanwaltsgehilfin deckt Umweltskandal auf“ Film in jedem Fall. Gut.

04:10 Uhr Falsches Spiel mit Roger Rabbit (K1)
Frage: Kann man den überhaupt doof finden? Absolut fabelhaft.

Dienstag, 30. Dezember

20:15 Uhr Inside Man (ZDF)
Da stecke ich in einer Zwickmühle, die Gründe den Film zu sehen (→ Clive Owen, Willem Defoe) werden von den Gründen, den Film nicht zu sehen (→ Jodie Foster, Denzel Washington) wieder egalisiert. Soll ordentlich sein.

Donnerstag, 1. Januar

20:15 Uhr X-Men: Der letzte Widerstand (RTL)
Ich konnte mich bisher ja noch nie so richtig für die verfolgten Supermutanten begeistern (→ zu wenig Hugh Jackman Action, zuviel Patrick Stewart Gefasel). Aber den hier, den alle komischerweise für den schlechtesten halten, finde ich dann gar nicht mal soooo dröge. Unterhaltsam.

20:15 Uhr Forrest Gump (SAT.1)
Spätestens hier fängt Hanks an zu nerven. Finde ich übrigens super wie er von Ben Stiller in Tropic Thunder (→ gut) parodiert wird. Nee, jetzt aber mal ehrlich. Forrest Gump kann man sich doch beim besten Willen nicht mehr antun (wenn man dies überhaupt jemals konnte).

20:15 Uhr Alexander (Pro7)
Letzter Auswurf der von Ridley Scotts Erfolg angeleierten Sandalenwelle. Habe ich noch nicht gesehen, würde jedoch jederzeit Petersens Troja vorziehen. Angelina Jolie spielt die Mama von Colin Farrell (→ MILF).

21:00 Uhr Manche mögen's heiß (ARTE)
Tatsächlich so einer von diesen Alltime Favourites, die man einfach gesehen haben muß. Billy Wilder scheint den Film allen Beteiligten (→ Monroe, Curtis, Lemmon) auf den Leib geschrieben zu haben. Phänomenal.

22:20 Uhr The Big Lebowski (DAS4.)
Und das könnte man auch über den Film der Coens behaupten. Nach diesem Film wird Jeff Bridges nie wieder einfach nur Jeff Bridges sein. Kann mir niemand erzählen, daß er den Dude tatsächlich nur gespielt hat, er muß selbst ein ganzes Stück Dude in sich tragen. Ein Film über Walgesänge, Eiserne Lungen, vollgepißte Teppiche, Nihilisten, Bowling und einem, der gerne Jude wäre. Oh Mann, der John Goodman ist ja noch das Sahnehäubchen obendrauf. Ganz klar einer der Höhepunkte des letzten viertel Jahrhunderts.

Freitag, 2. Januar

22:50 Uhr Sleepy Hollow (ZDF)
Wunderschöne Gruselmär aus dem Hause Tim Burton (→ Märchenspezialist) mit einem hervorragenden Johnny Depp und einer bezaubernden Christina Ricci, die zwar immer eine gute Performance abliefert, aber leider nie so richtig in Hollywood Fuß fassen konnte (→ körperliche Merkmale nicht massenkompatibel). Atmosphärischer und romantischer geht’s nicht, topp.

Noch mehr wissen die anderen...

From Beyond, ab samstags
Blockbuster Entertainment, The Duke und Kino, TV & Co, ab sonntags

Falls Du glaubst die Fernsehtipps auf Deinem Blog könnten hier auch einmal Erwähnung finden solltest Du einfach in den Kommentaren Ansprüche anmelden. Falls sie mir gefallen werde ich es mir nicht nehmen lassen wöchentlich darauf hinzuweisen.

Tür Nr. 24 - Warten auf's Christkind



...und andere Selbsterkenntnisse des Ungeheuerlichen. Frohes Fest und viel Spaß beim Geschenke auspacken.

Schicksalsjahre eines Fußballprofis

Brasiliens Mittelfeldspieler des Jahres 2006, noch angestellt beim FC Schalke 04 und seit Januar 2008 mit drei Bundesligaeinsätzen aufgefallen, wird nicht mehr aus seinem Weihnachtsurlaub in seiner Heimat nach Gelsenkirchen zurückkehren. Nach von mir nicht gegengeprüften Berichten beklagt er weder von Mirko Slomka noch von Fred Rutten ausreichend berücksichtigt worden zu sein. Desweiteren kam er mit den kalten Temperaturen und den frühen Trainingszeiten auf Schalke nicht zurecht. Zuletzt waren das morgendliche Training für 10:00 Uhr und die zweite Trainingseinheit für 15:00 Uhr nachmittags angesetzt. Ob es in Gelsenkirchen zu kalt ist, darüber kann man aber streiten.

Türchen Nr. 23



... und kurz vor Toresschluss noch einmal Erinnerungen an die geilste Show des Jahres.

Children of Men

Die große Zeit der Dystopien hat es im Kino nie gegeben, obwohl dieses Genre mit die hervorragendsten Filme hervorbrachte. Wenn einer dieser Filme dann einmal den Sprung aus der Nische in den Fokus der großen Öffentlichkeit schaffte, dann aufgrund seiner charismatischen Anti-Helden, der Action oder der großen literarischen Vorlage. Children of Men kann nur bedingt auf diese Merkmale zurückgreifen, weder ist Theo Faron ein großer charismatischer Held, noch liegt der Fokus des Films auf der Action und auch die literarische Vorlage der britischen Schriftstellerin P.D. James dürfte eher als unbekannt gelten.

Bevor das erste Bild erscheint, hören wir schon die Stimmen der Nachrichtensprecher; sie künden von der Belagerung Seattles, von der militärischen Besetzung der Moscheen, von der Schließung der britischen Grenzen und der Deportation aller illegalen Einwanderer. Ein kleiner Coffeeshop, die Menschen stehen dicht gedrängt vor der Theke und starren auf den Bildschirm, der über ihren Köpfen hängt. Während ein Mann mittleren Alters die Kaffeebar betritt, durch die Menge direkt bis zur Theke drängt, wird in den Nachrichten vom Tod des jüngsten Menschen auf der Erde berichtet, sein Alter bis auf die Minute genau verkündet. Der Mann nimmt seinen Kaffee und verläßt wieder die Bar, einige der Menschen fangen an zu weinen. Ein roter Doppeldeckerbus fährt vorbei und wir wissen, wir befinden uns in London. Die Fassaden der Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite sind eine einzige Videowand, ähnlich denen in Ridley Scotts Bladerunner, aber es ist Tag, es regnet nicht. Moped Rikschas zwischen schmutzigen Autos und ein weiterer, jetzt als deutlich heruntergekommen zu erkennender Bus, die Kamera dreht sich langsam um den Mann herum, der gerade seinen Kaffee auf einem Stromverteilerkasten abstellt und ihn mit einem Schluck aus dem Flachmann verlängert. In dem Moment, in dem die Kamera eine 180°-Wende vollzogen hat, den Mann im Profil und in Richtung Eingang der Kaffeebar zeigt, wir uns plötzlich des ganzen Schmutzes und Müll auf der Straße, des grauen Lichts und der versmogten Luft bewußt werden, erschüttert eine Explosion die Szene. Staub und Rauch erfaßt die Autos und Menschen bis auf die andere Straßenseite. Eine Frau kommt blutverschmiert und schreiend aus der Kaffeebar auf die Straße gelaufen. Schnitt.

Schon in dieser über eineinhalb Minuten und in einem Take gedrehten Eröffnungssequenz gibt Cuarón die Richtung der folgenden hundert Minuten vor, charakterisiert die Hauptfigur Theo Faron, die Welt in der Children of Men spielt, das Grundproblem der Erde im Jahre 2027. Seit achtzehn Jahren sind die Frauen dieser Welt aus unbekanntem Grund nun schon unfruchtbar. Der Lebenssinn scheint den Menschen abhandengekommen zu sein, die Erde versinkt im Chaos. Aufstände, Kriege, die Dinge verrotten, es gibt kein Morgen, nichts wofür es sich noch zu leben lohnte. Großbritannien ist der einzige Staat, der bisher die Ordnung noch einigermaßen aufrecht erhalten kann. Seit Monaten wird das Land von einer Flüchtlingsflut in die Knie gezwungen, die Bürger dürfen sich nur noch in vorgegebenen Korridoren bewegen. Die Bahnhöfe sind umzäunt, an jeder Ecke begegnet man der aufgerüsteten Staatsmacht, immer wieder fordert sie die Bürger auf illegale Einwanderer unverzüglich der Polizei zu melden. Großbritannien ist ein Polizeistaat, wie man ihn sich nicht schlimmer vorstellen kann. Theo Faron läßt das alles kalt, er hat sich eingerichtet in dieser Welt, betäubt seinen Schmerz mit Alkohol, warum auch nicht? Selbst die Regierung verteilt kostenlose Suizidpäckchen. Warum auf den Tod warten ... Eines Morgens wird Theo auf den Weg zu seiner Arbeit im Regierungsbüro entführt. Seine Ex-Frau, und jetzige Anführerin der Untergrundorganisation Fishes, Julian, bittet ihn um Transitpapiere für eine junge Afrikanerin, die die Küste erreichen muß. Wohlwissend, daß Theo das angebotene Geld gut gebrauchen kann und ihr diese Bitte nicht abschlagen wird. Theo kann die Transitpapiere mit der Hilfe seines Bruders, dem Kultusminister dieses untergehenden Staates, besorgen. Da er ihm vorgaukelt mit seiner neuen Freundin den sterbenskranken Vater besuchen zu wollen, gelten die Papiere nur in Verbindug mit seiner Person. Und so macht er sich mit auf die Reise, bei der sich schnell herausstellt, daß Kee, die junge Afrikanerin, die erste schwangere Frau seit achtzehn Jahren ist. Daß den Fishes das Leben Julians und Kees egal ist und sie es nur auf das zu erwartende Kind abgesehen haben. Es soll als Druckmittel gegenüber der Regierung mißbraucht werden.

Children of Men ist ein bitterer Film, so ultrarealistisch inszeniert, daß einem der Atem stockt. Die Bilder des Mexikaners Emmanuel Lubezki erzählen mindestens gleichermaßen viel wie jeder der sehr guten Dialoge des überragenden Drehbuchs aus der Feder des Regisseurs. Während die Handlung sich auf das wesentliche fokussiert, berichten die Bilder detailliert von den Problemen und Ängsten des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts, scheinbar im Vorbeigehen. Dabei sind sie so scharf und punktiert gesetzt wie selten zuvor in einem Zukunftsszenario. Ob es die auf den Feldern verwesenden, verbrannten Rinder sind, die einem unter anderem mit Schauder an die Bilder der BSE-Krise erinnern, oder die kurzen Momente, in denen wir Polizisten sehen, die aus dem fünften oder sechsten Stock einer heruntergekommen Mietskaserne den Hausrat eines wohl Illegalen entsorgen. Cuarón läßt dem Zuschauer genug Freiraum, um ihm seinen ganz eigenen Horror zu ermöglichen. Dabei weicht er jedoch nicht eine Sekunde von Theos Seite, erzeugt das Gefühl inmitten des Geschehens zu stehen. Kokettiert aber nie mit den Sensationen, die Cuarón geschickt über die ganze Lauflänge des Filmes verteilt. Scheut sich nicht davor dem Zuschauer gerade behutsam aufgebaute Sympathieträger mit der Wucht des Unerwarteten oder der Kälte eines Herzens aus Stein zu entreißen. Da gibt es Bilder und Szenen, die sich geradezu ins Gedächtnis brennen. Eine verlassene und verwüßtete Schule, durch deren Gänge das Rotwild streift, der Eingang des Flüchtlingsauffanglagers, dessen Bilder an Guantanamo oder Abu Ghuarib erinnern, ein Angriff auf die Flüchtenden, bei dem die Kamera frei im Auto zu schweben scheint. Und nicht zuletzt das Finale, ein einziger Schrecken der Anarchie, mitten im Elend wütende Terroristen und nicht minder rücksichtslose Regierungstruppen. Es geht schon lange nicht mehr um Freiheit oder Menschenrechte. Und immer wieder diese intensive, schonungslose Kamera Lubezkis, die Kugeln und Splitter fliegen einem förmlich um die Ohren, da hätte es den Blutspritzer auf der Kameralinse gar nicht mehr gebraucht. Erst kurz vor dem Ende, als Kee mit Theo im kleinem Ruderboot an der Boje auf die Tommorow wartet kommt der Zuschauer wieder zur Ruhe, gebannt auf die Erlösung aus dem Alptraum wartend. Doch auch hier gewährt Cuaron keine Zugeständnisse, läßt lediglich Hoffnung aufkeimen, an die man nach dem zuvor Gesehenen nicht so recht glauben mag.

Children of Men ist eine bitterböse Zukunftsvision, die uns schonungslos unsere heutigen politischen wie gesellschaftlichen Herausforderungen vor Augen hält. Deren Horror sich aus unseren Zukunftsängsten generiert, der von den Auswirkungen der Umweltverschmutzung über das gerne kolportierte demographische Horrorszenario einer Gesellschaft der Alten bis hin zu den dramatischen Entwicklungen an den Außengrenzen der westlichen Industrienationen und dem die Welt ins Chaos stürzenden Terrorismus erzählt. Trotz seiner relativ einfachen Handlung erreicht der Film eine Komplexität, wie sie nur in den großen Dystopien der Huxleys oder Orwells zu finden ist, die jedoch mehr Fiktion waren und sind als Cuarons Bild der Welt im Jahre 2027. Children of Men birgt durch seinen immer vorhandenen Bezug auf Ereignisse der Gegnwart eine politische Brisanz, wie sie schon lange nicht mehr und generell nur sellten im Kino zu sehen war und ist. Er verzichtet nicht auf die klassischen Identifikations- und Heldenfiguren, zeichnet seine Charaktere jedoch so realistisch, wie es das Medium Kinofilm erlaubt. Dadurch wirkt er auf eine gewisse Weise sperrig, unangenehm, möchte durch seinen Realismus nicht die Erwartungen an ein Science-Fiction Szenario erfüllen, bietet jedoch noch mehr für diejenigen, die sich auf ihn einlassen. Children of Men ist definitiv kein Hollywood Mainstream Blockbusterkino, das zur genretypischen Unterhaltung einladen möchte, er fordert den Zuschauer heraus, filmisch, wie auch inhaltlich, ist in seiner formalen Qualität State of the Art. Nicht selten erinnert der Film an die Eigenwilligkeit und Konsequenz eines George A. Romeros, in seiner Detailbesessenheit, seinem Perfektionismus und trotz aller Intensität doch auch vorhandenen Distanziertheit, die dann letztendlich mit Theos fortschreitender Entwicklung zum geläuterten wieder Involvierten in dem endet, was ihm nicht wenige als Kitsch vorwerfen, die dabei jedoch genau diese Katharsis Theos und damit einen großen Teil des filmischen und dramaturgischen Konzeptes übersehen, an Kubrick. Bietet neben dem großartigen Clive Owen und der leider nur wenige Szenen vergönnten Julianne Moore einen Michael Caine, wie er besser nicht sein könnte. Und auch der restliche Cast scheint auf den Punkt genau besetzt. Children of Men ist schlicht einer der besten Filme der Gegenwart. Auch wenn er so manchem Zuschauer das gewohnte Kinogefühl verwehren dürfte, oder gerade deswegen. Wie man es sehen möchte.

10/10 Punkte

Fucking Türchen Nr. 22

Türchen Nr. 21



Jahaaa, es geht in die letzten Runden und ich habe tatsächlich zum ersten mal seit gefühlten 20 Jahren alle, aber auch wirklich alle, alle, alle Geschenke beisammen. Nur noch Baum besorgen.:D

Türchen Nr. 20

Nebenan und daneben kursiert momentan ein Filmstöckchen mit ganz vielen Fragen, die ich gar nicht abschließend beantworten könnte. Z.B. Frage Nr. 3. Weil ich halt am liebsten neue oder zumindest unverbrauchte Gesichter sehe, am besten in einem Film, den es so zuvor noch nicht gegeben hat. Der mich überrascht, der einfach Spaß macht und so weiter und so fort. Deshalb mag ich wohl keine TV Serien und halte Sequels im allgemeinen für eher überflüssig. Meistens gibt's ja doch nichts neues zu erzählen. Und über Frage Nr. 24 mußte ich eine sehr lange Zeit nachdenken. Klar, ich stehe vor allem auf Situationskomik, deshalb kann ich wohl über Stan Laurel und Oliver Hardy immer noch lachen. Da gibt es so unglaublich alberne Szenen, die mich noch heute jedesmal nach Luft schnappen lassen. Kann sich vielleicht jemand an den Kurzfilm erinnern, in denen die Beiden ein Klavier ausliefern sollen? Alleine schon wenn ich daran denke zaubert es mir ein fettes Schmunzeln ins Gesicht. Stan Laurel ist wohl einer der größten Clowns überhaupt, der aber natürlich ohne Oliver Hardy nicht funktioniert hätte. Wenn der sein Gesicht nach unten zog und zum Weinen ansetzte... Aber die Beiden spielen gar nicht in dem Film mit bei dem ich am meisten lachen mußte Der Film bei dem ich am meisten lachen mußte ist so ein regionales Phänomen. Sicher, auch in Bayern oder Hamburg wird man über den einen oder anderen Gag lachen können. Aber die Tränen in die Augen treibt er einem erst so richtig, wenn man von hier stammt. Wenn man die Lokalitäten wiedererkennt, die schrägen Typen, denen man so oder so ähnlich schon im Leben begegnet ist oder sogar im Bekanntenkreis hatte und vielleicht auch noch hat. Der so etwas von geerdet ist, aber dennoch eine einzige knapp 100 minütige Anordnung von Überspitzungen darstellt. Der einem mit seinem Humor einfach überfährt wie ein mit Laptops vollgeladener 38 Tonner aus Osteuropa oder ein gerade aus dem Knast entflohener Bankräuber mit seinem frisch auf der Kirmes erworbenen goldenen 500 SEC. In dem vor allem Til Schweiger direkt zu Anfang ganz trocken eins aufs Maul bekommt und aus dem restlichen Film fliegt. Über 90 Minuten Hardcore, echte Gefühle. So ein Film kann dann auch nur mit dem einzig möglichen Kritikerfazit beginnen. "Ist--der--geil.."



Sunshine

Die moderne Menschheit strebt seit ihrem Anbeginn nach der Unsterblichkeit. Spirituell als auch physisch. Mag der Tod aus evolutionärer Sicht der Motor aller Entwicklungen des Lebens sein, kann der Mensch sich im allgemeinen nur schwer mit der Tatsache arrangieren, daß sein Leben einmal enden wird. Der Glaube an der Auferstehung, der Wiederkehr in einem anderem Körper, dem Leben nach dem Tod auf einer spirituellen Ebene zeugen von dieser genetisch festgelegten Angst vor dem Ende. Sollte es dem wissenschaftlichen Fortschritt der Menschen tatsächlich einmal gelingen die biologische Lebensuhr anzuhalten und damit die physische Unsterblichkeit zu erlangen, wird nach heutigen Erkenntnissen dennoch in spätestens fünf bis sechs Milliarden Jahren zumindest in unserem Sonnensystem kein Leben mehr möglich sein. Dann soll die Sonne, deren Licht und Wärme Grundlage allen biologischen Lebens wie wir es heute verstehen ist, erlöschen. In Danny Boyles Science Fiction Film Sunshine kommt aber alles anders und früher.

2057, aus unerfindlichen Gründen nimmt die Kraft der Sonne ab. Der Erde droht ewige Eiszeit, der Menschheit das Ende ihres Fortbestandes. Um dies zu verhindern hat sie alles spaltbares Material der Erde in einer Bombe von der Größe Manhattans vereinigt und mit der Ikarus II auf eine Reise zur Sonne geschickt, um mit der Explosion eine Kettenreaktion auszulösen, die der Sonne neues Leben einhauchen soll. Kurz nachdem die Ikarus II die Zone erreicht, in der eine Kommunikation mit der Erde nicht mehr möglich ist, passiert sie den Merkur. Der erweist sich als Überbringer eines Funksignals, das sich als Notruf der sieben Jahre zuvor mit gleicher Mission wie die Ikaraus II gestarteten, jedoch offensichtlich gescheiterten Ikarus I herausstellt. Die Crew entscheidet den Kurs der Ikarus II zu ändern, zwei Bomben erhöhen die Aussichten auf ein gelingen der Mission. Doch wer das Genre kennt, weiß genau, daß ein Notrufsignal im Weltraum nichts Gutes verheißt und so fordert der Kurswechsel schnell sein erstes Opfer. Bei der Kurskorrektur vergißt Navigator Trey die Hitzeschilde des Raumschiffes ebenfalls neu auszurichten. Während der Reparatur der dadurch hervorgerufenen Schäden läßt Captain Kaneda sein Leben. Zusätzlich wird der Sauerstoffgarten des Raumschiffes zerstört, eine Rückkehr der restlichen Crewmitglieder zur Erde ist damit erst einmal unmöglich. Auf der Ikarus I angekommen muß die Crew feststellen, daß das Raumschiff fluguntauglich ist, da der Bordcomputer offensichtlich manipuliert wurde. Desillusioniert und enttäuscht möchte man auf die Ikarus II zurückkehren, doch derjenige, der die Mission der Ikarus I manipulierte, setzt nun alles daran auch Ikarus II scheitern zu lassen.

Boyles Film scheint auf dem ersten Blick lediglich ein sinnlich fotografierter und mit vielen Zitaten des Science Fiction Kinos gespickter Genrebeitrag, der in erster Linie an seiner partiellen Vorhersehbarkeit, seinen vielen Logikfehlern und der teils schleppenden Inszenierung krankt. Doch verbirgt sich bei genauerer Betrachtung hinter dem Altbekannten, den Verweisen, ein weitaus universellerer Subtext. So erzählt er doch im ersten Teil vom immer währenden Konflikt zwischen der Ratio und menschlicher Fehlbarkeit, bevor sie im Finale zum Kampf gegen die Spiritualität übergeht. Sunshine kann man nur schwerlich in Worte fassen, bildet die auf dünnem Eis wandelnde Handlung erst im Zusammenspiel mit den hypnotisierenden Bildern der Sonne ein höchst philosophisches Drama, das sich immer wieder der Symbolik unserer abendländisch christlichen Welt, als auch der griechischen Mythologie bedient. Als ob Boyle, der Theatermensch, Garland mit einem Buch beauftragt hätte, das ihm erlaubt die klassische Tragödie in den Weltraum zu versetzen. Das fällt dann jedoch narrativ so ungewöhnlich aus, daß es dem Zuschauer erst gelingt die Geschichte des Filmes zu erfassen, wenn er bereit ist seine gewohnte Sichtweise über den Haufen zu werfen. So muß man sich von der Vorstellung befreien, daß der Film einzelne Personen als Protagonisten und Antagonisten in die Arena wirft. Boyles Vorliebe für Konflikte innerhalb einer Gemeinschaft (→ Shallow Grave, Trainspotting, The Beach) wird hier jedoch auf den Konflikt zwischen zwei Gemeinschaften ausgeweitet. Wobei die Besatzung der Ikarus II für die moderne an die Ratio glaubende westliche Gemeinschaft steht. Dagegen vertritt die Besatzung der Ikarus I, die alte mysthisch religiöse Gesellschaft, die sich dem Willen von Göttern unterwirft und jegliches Aufbegehren gegen das Schicksal als Anmaßung der Menschheit gegenüber Gott betrachet. Cappa und Pinbaker sind lediglich die Personifizierungen dieser grundsätzlich verschiedenen gesellschaftlichen Denkmodelle, die nur schwer in Einklang zu bringen sind. In Boyles Darstellung liegt die Zukunft der Menschheit in der Ratio, doch ist er, wie schon erwähnt, nicht so blind auch auf die Fehlbarkeit des Menschen hinzuweisen. So darf der einfache, jedoch nur mit Opferbereitschaft wieder reparable Fehler des Navigators bei der Neuausrichtung des Kurses der Ikarus II als Sinnbild für die nicht zu unterschätzende Gefahr der Überheblichkeit des Menschen betrachtet werden, wie sie außerhalb Boyles Films im Einsatz der Atombombe in Hiroshima oder Nagasaki, in Umweltkatastrophen wie Tschernobyl oder Harrisburg zum Ausdruck kommt. Dagegen ist Boyles Bild der religiös bestimmten Gesellschaft der Ikarus I einfach nur apokalyptisch. Da ist nur noch Staub und Tod zu sehen, keine Hoffnung auf Überleben. Pinbaker selbst bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, mit verbrannter Haut und das Verderben bringend, auf der Basis des Glaubens, nicht des Wissens. Manipulierend, sabotierend, hinterhältig. Ganz und gar nicht gütig oder milde, wie sich die Religion gerne selbst darstellt. Doch muß hier nicht unbedingt eine grundsätzliche Abneigung Boyles gegen die Spiritualität gesehen werden, immerhin läßt er auch der Besatzung der Ikarus II ihre religiösen Momente, wenn er Schiffsarzt Searle auf dem Obversationsdeck die spirituelle Kraft des Sonnenlichts oder die Crew die Schönheit des Merkur erfahren läßt. Vielmehr stellt Pinbaker den Fanatismus einer ausschließlich religiös bestimmten Gemeinschaft dar. Die aufgrund ihrer Dogmen stagniert, die ihr den Antrieb nehmen. Ikarus I schwebt nicht umsonst still im Raum, ihre Fluguntauglichkeit ist ein nicht minder starkes Bild wie die Zerstörung des Sauerstoffgartens als Folge der überschätzten eigenen Fähigkeiten auf der Ikarus II.

In dem Moment in dem Pinbaker die Ikarus II betritt, wandelt sich der Film selbst zu einem Monster. Die zuvor von der räumlichen Kamera geprägten Bilder wechseln zu Detailaufnahmen, die zuvor langsamen Schnitte werden immer hektischer, dem Zuschauer wie der Besatzung droht der Überblick abhanden zu kommen, während Pinbaker die Kontrolle über das Raumschiff an sich zieht. Erst nachdem Capper den Kampf mit Pinbaker gewonnen hat, er sich nicht auf seine Seite hat ziehen lassen, was er ohne die Unterstützung der anderen Crewmitglieder, die dabei ihr Leben lassen, nicht geschafft hätte, werden die Bilder wieder klarer und ruhiger. Dann darf die Bombe gezündet werden und über den unbeschreiblich schönen Bildern der pulsierenden Sonne und tanzenden Fusionen legt sich John Millars fantastischer Score. Die Ratio hat den Kampf mit der Spiritualtität gewonnen ohne sie aber gänzlich auszulöschen. Denn Capper, bis gerade eben noch die Ratio in Persona, erfährt endlich zusammen mit dem Zuschauer seinen religiösen Moment. Unter diesem Gesichtspunkt ist das Ende des Filmes weniger den allgemeinen Erwartungen bedingtes Happy End als versöhnliche Botschaft. Danny Boyle ist in diesem Augenblick ein ganz Großer.

8/10 Punkte

Türchen Nr. 19



Damit mir hier keiner größenwahnsinnig wird...

Arbeit für den Rekorder - 20. - 26. Dezember

Samstag, 20. Dezember

20:15 Uhr Charlie und die Schokoladenfabrik (SAT.1)
Habe ich noch nicht gesehen und deshalb empfehle ich mal einfach so Florian Liebs Review.

20:15 Uhr Tatsächlich... Liebe (RTLII)
Das Who is Who der britischen Schauspielergilde und Heike Makatsch finden pünktlich zu Weihnachten ihr Glück in der Liebe. Angereichert mit soviel englischem Humor und Charme, daß man den gar nicht doof oder langweilig finden kann. Selbst ich nicht.

22:45 Uhr Schneller als der Tod (K1)
Sam Raimi versucht sich als Tarantino, liefert jedoch nur eine mäßige Western Zitaten Sammlung mit illustrem Cast. Wenn man nichts erwartet geht er trotzdem in Ordnung.

01:30 Uhr 2001:Odyssee im Weltraum (RTLII)
Ohhh, wenn da mal RTLII das Stammpublikum (→ Bigbrother) nicht vergrätzt. Kubricks Blick auf die menschliche Evolution in langen, sehr langen Einstellungen, im Tempo des Kontinentaldrifts erzählt und mit Johann Strauß Soundtrack unterlegt. Kann man gut finden, muß man aber nicht. Zumindest formal läßt Kubrick aber noch heute die Kinnladen so mancher FX fixierten Filmfreunde herunterklappen, der Rest ist Geschichte und Mythos.

Sonntag, 21. Dezember

20:15 Uhr Ice Age (RTL)
Ja, die Werbung ist großartig, der Film dann übliche Trickfilmkost. Nicht meine Welt, aber wer darauf steht wird bestens bedient.

Montag, 22. Dezember

20:15 Uhr Abyss (K1)
Camerons Unterwasserbegegnung mit der Dritten Art. Mir liegt die Vermutung nahe, dem Herrn Terminatorerfinder hätte es mehr an seinen technischen Tricksereien gelegen als an der eigentlichen Geschichte. Macht aber nichts, denn Cameron ist immer überduchschnittlich.

22:35 Uhr The Italian Job (ZDF)
Nein, kein als Remake des britischen Kultfilms getarnter überlanger MINI Werbespot, sondern ein durchaus kurzweiliges Remake des britischen Kultfilms. Marky Mark wird durch Charlize Theron, und MosDef durch Jason Statham ausgeglichen. Nur nicht zu ernst nehmen, dann klappt es mit dem Spaß. Brumm, bruuuuuummmm.

23:50 Uhr Blood Simple – Directors Cut (DAS4.)
Rabenschwarzer Thriller, der schon alle Gene eines Coen Filmes in sich trägt. Schräge Typen, die den Überblick verlieren, Betrug und Mord. Kann aber leider nur in einzelnen Szenen wirklich überzeugen, zu denen gehört in jedem Fall das ultra-spannende Ende. Für einen Debutfilm mehr als ordentlich.

Dienstag, 23. Dezember

20:15 Uhr The 13th Floor – Abwärts in die Zukunft (DAS4.)
Atmosphärisch dichter Cyber Noir, der im ersten Augenblick an einen Matrix Trittbrettfahrer erinnert, jedoch auf den Science Fiction Roman Simulacron-3 aus dem Jahre 1964 basiert. Leidet aber an seinem konventionellem Ende, das in keinster Weise mit dem zuvor erzähltem harmoniert.

21:00 Uhr Die Schatzinsel (ARTE)
Nicht die allerbeste Verfilmung meines liebsten Piratenabenteuers, aber immerhin mit Orson Welles als Long John Silver. Als Roman kommt die Schatzinsel immer noch am besten.

Heiligabend

21:45 Uhr Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (RBB/WDR)
Der absolute Weihnachtsfilm unter den Weihnachtsfilmen. Aller, aller, allerbestes tschechisches 70er Märchenkino, nicht nur aus Gründen der vernebelten Kindheitserinnerungen. Sowohl filmisch als auch narrativ haben Regisseur Václav Vorlíček und sein Kameramann Josef Illík so einiges auf den Kasten.

23:20 Uhr Ist das Leben nicht schön? (ZDF)
Der absolute Weihnachtsfilm unter den Weihnachtsfilmen. Aller, aller, allerbestes amerikanisches Märchenkino, nicht nur aus Gründen der vernebelten Kindheitserinnerungen. Sowohl filmisch als auch narrativ ruled Frank Capra sowieso die Scheiße fett. Auch wenn es bis 1974 keiner wissen wollte.

1. Weihnachtstag

22:00 Uhr Children of Men (RTL)
Wenn mich jemand fragen würde welche Filme mich in den letzten 20 Jahren wirklich vor Staunen aus den Latschen kippen ließen, Children of Men wäre mit Sicherheit dabei. Review folgt die Tage.

22:15 Uhr Léon der Profi (SAT.1)
Luc Bessons Neo Noir, der sich hinter viel Action und traditionellem Buddy Movie verbirgt, ist definitiv der Grundstein für den Look nicht nur des aktuellen französischen Kinos. Vor allem aber eine Ode an Jean Reno, der niemals besser war als hier.

2. Weihnachtstag

20:15 Uhr Gremlins – Kleine Monster (RTLII)
Joe Dantes zynischer Monsterspaß, eindeutig vom spielbergschem Kino beeinflußt und doch um soviel bissiger. Nicht alles was schön ist bringt auch Freude, dafür aber die Gremlins.

22:20 Uhr Gremlins 2 - Die Rückkehr der kleinen Monster (RTLII)
Noch zynischer und mit einer gehörigen Trashattitüde versehen legen die Gremlins einen Fernsehsender in Schutt und Asche. Höhö, subversiver geht’s nicht, von wegen Schrottfilm...

22:55 Uhr Armee der Finsternis (K1)
Klaatu Verata Nektu! Sam Raimis Ray Harryhausen Hommage und Abschluß der Evil Dead Triologie. Überdrehte Slapstik, Bruce Campbell at his best, alberne Zombies, Mittelalter und eine Kettensäge. Das was Planet Terror gerne wäre.

00:20 Uhr Poltergeist (RTLII)
Tobe Spielbergs Gruselmeisterwerk der frühen 80er Jahre, der so vieles besser macht als sein mäßiges Vorbild Amityville Horror. Super Tricks, super Atmosphäre und schicke Seitenhiebe auf den American Way of Life. Absolutes Must Have Seen.

Noch mehr wissen die anderen...

From Beyond, ab samstags
Blockbuster Entertainment, The Duke und Kino, TV & Co, ab sonntags

Falls Du glaubst die Fernsehtipps auf Deinem Blog könnten hier auch einmal Erwähnung finden solltest Du einfach in den Kommentaren darauf hinweisen. Falls sie mir gefallen werde ich es mir nicht nehmen lassen wöchentlich darauf hinzuweisen.

Türchen Nr. 18



Wäre auch ein nettes Weihnachstsgeschenk, wenn das Glass Candy Album Beat Box momentan erhältlich wäre.

Türchen Nr. 17

Türchen Nr. 16.



100% CGI Free and to be continued...

Das Ende


Danny Boyle und Alfonso Cúaron retten die Menschheit. Demnächst...

Türchen Nr. 15



Nichts gegen Olli Dittrich, aber...

TGV Hoffenheim vs. S 04

Auswärts Unentschieden beim Herbstmeister, da kann man sich eigentlich nicht beschweren. Sie haben gerackert, geackert und lagen sogar knappe 30 Minuten in Führung. Nach einem genialem Pass Altintops auf Asamoah, den man wohl als Gewinner der letzten Spiele betrachten kann. Aber auch Altintop selbst machte in der ersten Halbzeit als mitspielender Mittelstürmer eine gute Figur. Kevin Kuranyi wird es schwer haben zurück in die Mannschaft zu kommen, sofern er nicht über Weihnachten doch noch zu Gabriel Batistuta mutieren sollte. Hoffenheim spielte schnell, unwahrscheinlich schnell, ich weiß gar nicht wie oft Demba Ba Mladen Kristajic in der ersten Halbzeit schwindelig spielte und Hoffenheim in Führung hätte bringen können. Wie oft Benedict Höwedes im letztem Moment zur Stelle war, es tut gut zu wissen, daß er letzte Woche seinen Vertrag gleich für die nächsten sechs Jahre verlängert hat. Seine heutige Leistung war wirklich mehr als die 1,5 Millionen Euro Ablöse wert., für die er angeblich gehandelt wird. Schalke hätte trotz gefühlter 75 % Hoffenheimer Ballbesitz die knappe Führung über die Zeit bringen können, auch wenn die üblichen Verdächtigen wieder einmal mit unglaublich dummen Ballverlusten im Spielaufbau für Frust sorgten. Die Gelb Rote Karte für Jones war wohl unvermeidlich, wurde sie doch schon von Stefan Effenberg in der Halbzeitpause angekündigt. Ich kann jedoch den Trainer verstehen, der anscheinend weder den angeschlagenen Marcello Bordon, noch den zuletzt in Leverkusen ganz ganz schwachen Levian Kobiashvili für den Rot gefährdeten xXx bringen wollte. Ruttens risikoreiche Entscheidung wurde nicht belohnt. Unglaublich blöd war jedoch in diesem Augenblick Orlando Engelaar, der sich eine Gelbe Karte wegen Meckerns von Schiedsrichter Gagelmann abholte. Beide Karten in diesem Fall berechtigt, ohne wenn und aber. Jones flippte leider nach seinem Platzverweis ziemlich franzmäßig aus, Oliver Reck und Andreas Müller konnten jedoch die eigentlich fällige zusätzliche Rote Karte für den Uneinsichtigen verhindern in dem sie ihn zur Seite nahmen. Jones fühlte die Schalker anscheinend vom Schiedsrichter benachteiligt, der kurz zuvor die beste Schalker Konterchance zunichte machte, und Jefferson Farfans Alleingang auf das Hoffenheimer Tor abpfiff, da er zuvor im Laufduell zwischen Farfan und dem Hoffenheimer Abwehrspieler ein Stürmerfoul gesehen hat. Man sehe es mir bitte nach, daß ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern kann welcher Hoffenheimer Spieler den Arm Farfans zu spüren bekam. Ich vermute jedoch es war Ibertsberger, der komischerweise jedoch nicht reklamierte nachdem ihm Farfan entwischt war. Über den Hoffenheimer Ausgleich in der 72. Minute kann ich nichts berichten, da ich wie so oft bei Gegentoren komischerweise nicht vor der Glotze saß, dieses mal meinte mein Nachbar mit mir über die Parkplatzsituation auf unserer Straße diskutieren zu müssen. Ein Schalke Fan, der sich auch über BvB Siege freuen kann. Ich weiß nicht wie das gehen soll. In den Schlußminuten sah auch Engelaar die Gelb Rote Karte, nachdem er beim Trickotzupfen erwischt wurde. Das Spiel nahm mich bis zum Abpfiff extrem mit, da Schalke trotz Unterzahl immer wieder Chancen zur erneuten Führung bekam. So wie in der aller letzten Minute, die von Rakitic geschossene Ecke brachte jedoch nicht das von mir erhoffte Wunder von Mannheim. So mischt sich die Enttäuschung darüber den Anschluß an die UEFA Cup Plätze nicht hergestellt zu haben mit der Erleichterung darüber das letzte Auswärtsspiel der Hinrunde nicht verloren zu haben. Mal wieder eine Schalker Mannschaft gesehen zu haben, die nicht nach zwanzig Minuten die Köpfe hängen ließ, sondern bis zur letzten Minute um die Punkte kämpfte, wenn ich mich auch mal wieder über eine Schalker Mannschaft freuen würde, die in der Rückrunde noch zusätzlich um die Punkte spielt. Warten wir Andreas Müllers für die Winterpause angekündigte Maßnahmen-Wundertüte ab. Zumindest bin ich schon wieder soweit angefixt, daß ich mich zu mehr als zwei Zeilen zu Schalke hinreißen lasse.

Glück Auf

Türchen Nr. 14



Übrigens, alles Gute zum Geburtstag Herr Felsenheimer.

Battle for Haditha

In der Nacht auf den 10. Januar 2009 wiederholt Phoenix die außerordentlich gute und mit dem Emmy ausgezeichnete Dokumentation Reporter im Krieg des nicht nur durch seine beiden Dokumentantionen über Oscar Schindler und Anne Frank bekanntgewordenen südafrikanischen Regisseurs Jon Blair. In ihr geht es weniger um das Einzelschicksal einiger Kriegsberichterstatter als um das Zusammenspiel zwischen Militärs und Journalisten, um Zensur, falsch verstandenen Patriotismus und die Instrumentalisierung von Informationen seitens der Befehlshabenden zu ihrem eigenen Vorteil. Es geht schlicht um die Manipulation der Wahrheit.

Im November 2005 wurde eine Militärkolonne der amerikanischen Streitkräfte Ziel eines Bombenanschlags in der Aufständigenhochburg Haditha, 240 km nordöstlich Bagdads. Durch die Detonation der Bombe starben laut Militärbericht 1 Marine und 15 Zivilisten. Weitere 8 irakische Angreifer starben daraufhin im anschließenden Feuergefecht. Der Bericht der US Marines ist heute längst widerlegt. Der irakische Journalismusstudent Taher Thabet filmte nur einen Tag später den Ort des Vorfalls und leitete anschließend seine Videoaufnahmen an das Time Magazin weiter. Wie die Aufnahmen und die darauf folgende Untersuchung des US-Militärs bestätigen, starben am 19. November 2005 24 unbewaffnete Iraker, darunter 9 Frauen, 5 Kinder und ein behinderter älterer Mann im Rollstuhl. Die Opfer wurden teilweise aus nächster erschossen oder wurden durch den Einsatz von Handgranaten getötet. Das als Selbstverteidigung deklarierte Feuergefecht mit Aufständigen entpuppte sich als Vergeltungsaktion, als Massaker an irakische Zivilisten. Es gilt heute als das vielleicht schlimmste Kriegsverbrechen amerikanischer Militärs im Irak.

Nick Broomfeld, bisher ebenfalls Dokumentarfilmer, legt seinen Spielfilm über das damalige Kriegsverbrechen semi-dokumentarisch an. Dabei hält er sich vorwiegend an den Bericht des damaligen Untersuchungsausschußes, läßt jedoch die subjektiven Berichte der involvierten amerikanischen Soldaten und überlebenden Iraker gleichermaßen einfließen. Das ermöglicht es ihm die Geschehnisse um das Massaker aus den Perspektiven der Soldaten, Opfer und Attentäter zu schildern. Dadurch ergibt sich ein vielschichtiger Film, der nicht einfach in Schuldige und Unschuldige einteilt, kein Bild des menschenverachtenden Kriegsverbrechers oder religiös fanatischen Attentäters zeichnet. Vielmehr stellt sich die Situation der Beteiligten aus ihrer jeweiligen Sichtweise als unüberschaubar dar. Die Bombenleger, keine wirklichen Extremisten, sondern ein irakischer Ex-Soldat und sein Neffe, die die Amerikaner zwar hassen, doch die Konsequenzen ihres Anschlags, den sie gegen gute Bezahlung im Auftrag der politischen Drahtzieher der El Kaida ausführen, nicht überschauen können. Die Soldaten, die ihren eigentlichen Auftrag in der Höhle des Terrorismus aus den Augen verlieren und sich nur noch auf die Selbsterhaltung konzentrieren. Deren Einschätzung ihres Gegenübers vor allem durch den täglichen Drill, den gefallenen Kameraden und der allgemeinen Gefahr, der sie sich aussetzen sobald sie ihr Camp verlassen, beeinflußt ist. Die sich auf die Befehle des per Funk und Satellitenbildern verbundenen Oberkommandos verlassen, das sich wiederum auf die subjektive Berichterstattung eben der Soldaten vor Ort verläßt und lieber den Tod Unschuldiger in Kauf nimmt, als daß ein weiterer Marine stirbt. Schließlich die Opfer der Vergeltungsaktion, die die Vorbereitungen des Anschlags zwar beobachten, jedoch aus Angst vor der möglichen Bestrafung durch die Extremisten, deren Mitglieder von ihnen bezeichnend als Verrückte gesehen werden, den Amerikanern nicht von der Bombe berichten. Stattdessen wenden sie sich an ihren wahrscheinlich auch an dem Attentat beteiligten Emir und versuchen die Feierlichkeiten zur Beschneidung des jüngsten Sohnes trotz der offensichtlichen Bedrohung so normal wie möglich zu begehen. Immer wieder wechselt Broomfeld, dessen Film durch gekonnt geführte Handkamera und nicht zuletzt aufgrund seines aus wenigen eher unbekannten Schauspielern und Laiendarstellern, die sich aus Exilirakern und ehemaligen Angehörigen des US-Militärs rekrutieren, einen unglaublich authentischen Eindruck hinterläßt, die narrative Perspektive. So läßt er gar nicht erst den Eindruck einer Parteilichkeit entstehen, was dem Zuschauer einen beträchtlichen Freiraum in der Einordung des Geschehens erlaubt. Dieser darf dabei jedoch nie vergessen, daß der Film trotz aller Bemühungen um die realistische Darstellung der Geschehnisse des Kriegsverbrechens vor allem ein Drama ist. Dem es zwar auch um die Wahrheitsfindung um das Kriegsverbrechen geht, jedoch den Fokus eher auf die Beschreibung der Situation der damaligen Täter und Opfer setzt. Das trotz des dokumentarischen Stils äußerst menschlich geraten ist. Dessen Horror zum einem aus der unerträglichen Ungerechtigkeit der eskalierenden Vergeltungsaktion, zum anderen aus der Auswegslosigkeit der zivilen Bevölkerung des Landes und der trainierten Gleichgültigkeit der meist sehr jungen amerikanischen Soldaten gegenüber einem irakischen Menschenleben besteht. In einer Szene zeigt Broomfeld einen amerikanischen Soldaten im Hauptquartier, der am Bildschirm einen Mann mit einer geschulterten Schaufel oder Hacke beobachtet. Das Satellitenbild ist sehr unscharf, ob der Mann eine Bedrohung darstellt oder nicht, ist nicht auszumachen. Sicherheitshalber gibt der Soldat den Befehl zur Eliminierung des Mannes. Eine kurze Szene, die auf erschreckende Weise die Distanz zwischen den Militärs und der Bevölkerung des Landes verdeutlicht, zu dessen Befreiung sie offiziell einmarschiert sind. Der Distanz, die ein solches Massaker wie es in Haditha geschah erst ermöglichte. Daß Battle for Haditha in Deutschland nicht in den Kinos anlief, ist eine andere traurige Wahrheit. Ich halte ihn für einen der wichtigsten und besten Filme nicht nur dieses Jahres.


9/10 Punkten

Türchen Nr. 13



It's time for change... Die Szene, die Steven irgendwann einmal ein Bambi für sein Lebenswerk einbringen wird. Irgendwann.

Türchen Nr. 12 - So langsam mal an den Baum denken

Schneller als der Trainer zu prophezeien wagte

Ich wette noch vor Weihnachten wird er angeblich von Insidern auf Schalke gesichtet worden sein. Mit dieser schnellen Entwicklung rechnete selbst der Trainer nicht.

Ex Drummer

Provokation, das ist gezieltes Hervorrufen einer Reaktion des Gegenübers mittels einer bestimmten Handlung. Grob umschrieben. Herman Brusselmans ist ein Schriftsteller, der seit Anfang der 80er mit seiner autobiografisch beeinflußten Literatur der belgischen Gesellschaft den stinkenden Finger unter die Nase reibt mit dem er zuvor in den Kloaken ihres Bodensatzes herum gefingert hat. Immer mit einer gehörigen Portion Sex, Gewalt, Drogen und noch einigen anderen Dingen, die sich zur Provokation eignen, garniert. Besonders seine Novelle Ex Drummer galt bisher als unverfilmbar. Und so ist es nicht verwunderlich, daß der belgische Werbefilmer mit Kino-Ambitionen Koen Mortier über acht Jahre brauchte, um die Verfilmung des Skandalbuches zu realisieren. Als Punk Film wird sein Werk gefeiert, als Pasolinis Teorema von unten in der Begleitbroschüre zur DVD angepriesen.

Dries van Hegen ist erfolgreicher Schriftsteller, wohnt in einem sauber durchgestyltem Luxusappartement mit Blick auf Ostendes Hafen inklusive auch nackt gut anzusehender Frau. Eines Tages sitzen Koen, Ivan und Jan in seinem Wohnzimmer. Drei Verlierer mit Handicap, wie sie es ausdrücken, die eine Punkrock Band gründen möchten. Sie benötigen jedoch noch einen Schlagzeuger und dachten sich, fragen wir doch einfach mal den bekannten Schriftsteller. Da Dries eh für sein neues Buch im Unterschichtenmilieu recherchieren möchte und die Vereinbarung lediglich bis zum ersten Auftritt der Band bei einem lokalem Band Contest gelten soll, sagt er zu. Fortan streift Dries mit dem Zuschauer durch das nicht mehr am Rande der Gesellschaft, sondern schon längst in einer Parallelgesellschaft statt findende Leben seiner Bandmitglieder. Jan, dessen Arm steif blieb, nachdem ihm seine Mutter, bei der er immer noch wohnt, beim onanieren erwischt hat und dessen Vater sein Dasein gefesselt am Bett fristet. Koen, der wortbildlich an der Decke geht und seinen Hass gegen Frauen regelmäßig freien Lauf läßt und Ivan, der keine Gelegenheit ausläßt seiner Frau das Leben zur Hölle zu machen, dessen Kind im eigenen Kot aufwächst. Überspitzte Klischees präsentiert uns Mortier, Karikaturen, die einem das Lachen im Halse stecken lassen sollen. Dries selbst ist das Klischee des Bildungsbürgertums, der gut situierten Mittelschicht, arrogant bis zum Anschlag, manipulierend, sich keinen Deut um das Schicksal seiner neuen Kumpel kümmernd. Sie sind Anschauungsmaterial für den geplanten Roman, mehr nicht. Dries gefällt sich immer mehr in der Rolle des Kopfes der Band, führt sie wie ein Despot, setzt seine Vorstellungen mit Leichtigkeit durch, zur Not auch mit Gewalt. Den restlichen Bandmitgliedern ist dies offensichtlich egal, sie wollen nur den Contest gewinnen und ganz groß rauskommen. Sie hoffen auf Dries Popularität, erkennen jedoch nicht, wie Dries immer mehr ihr soziales Konstrukt auseinander nimmt und sie schließlich im Moment des kurzen Triumphs hinrichtet.


Es steht außer Frage, daß Ex Drummer existenzielle Probleme unserer europäischen Gesellschaft aufgreift. Er von ihrer Spaltung in sozial undurchlässige Schichten erzählt, vom eigentlichen Desinteresse des Bürgertums an das Leben derer ganz unten. Lediglich unterbrochen um sich dort kurz mal umzuschauen und sich anschließend über das Ungeheuerliche zu echauffieren, Betroffenheit zu bekunden oder sich als guter Engel zu profilieren. Ein Blick in die TV- oder Tageszeitung genügt, um die Dries van Hegens wieder zu entdecken. Wie lange hat es eigentlich gedauert bis die mediale Hinrichtung Mark Medlocks, der auch von ganz unten kam, begann? Wie viele Alg II Empfänger werden wöchentlich des angeblichen Betrugs überführt? Die Abbildung des Leserreporterfotos eines psychisch Kranken, der nackt auf allen Vieren über eine Berliner Straße kroch, jedoch als besoffener Puffgänger deklariert wurde, ist der vorläufige Höhepunkt. Menschenzoo-Journalismus, der Vorurteile produziert, Klischees bestätigt und damit die Spaltung der Gesellschaft vorantreibt. Moertiers Film erzählt aus der Perspektive Dries van Hegens, so bleiben Jan, Ivan und Koen immer nur Objekte mit schlechten Eigenschaften, die einfach zu doof sind ihrem Elend zu entkommen. Widerlicher Abschaum, der es nicht verdient hat ernst genommen zu werden. Dem man gar nicht erst eine wirkliche Chance einräumen sollte nach oben zu kommen und falls er es doch schaffen sollte die ersten Stufen der Kellertreppe Richtung Erdgeschoß zu meistern, dann darf man ihn von oben wieder hinunter treten.

All dies wird leider von Mortiers Herangehensweise an die filmische Umsetzung des Stoffes unterdrückt. Denn anders als Marry Harron, die mit American Psycho ebenfalls einen aufgrund seiner expliziten Gewalt und Sexdarstellungen als unverfilmbar geltenden Roman verfilmte, sich dabei jedoch auf den Kern der Vorlage konzentrierte, läßt es sich der Belgier nicht nehmen jede noch so grenzüberschreitende Metapher Brusselmans visuell auf den Zuschauer los zu lassen. Da werden Riesenschwänze bis zum Anschlag in den Anus des willigen Opfers gerammt, Politessen das Gesicht mit dem Ziegelstein zu Brei geschlagen und die psychatrische Klinik ist halt ein Irrenhaus. Überhaupt, wir sind ja Werbefilmer und wissen daher visuelle Reizpunkte zielgenau ans Volk zu bringen. Von daher sind wir uns auch nicht zu blöd Dikke LuLs dikken Lul abzuschneiden und ihn anschließend sein Statement dazu am Küchentisch mit dem Abgeschnittenen in Front verbreiten zu lassen, während eine Couch weiter das Vergewaltigungsopfer von der Sehnsucht nach dem Gefühl des zu großen Genitals des Vaters in ihrer kindlichen Vagina faselt. Ja, das ist Punk, das ist pure Wut. Das ist vor allem plump, verwehrt diese Herangehensweise doch den Blick auf die Botschaft Brusselmans, lenkt sie doch nur vom Hauptthema ab, läßt sie Dries van Hegens nihilistische Verbrechen in den Hintergrund treten. Wenn Mortier im Interview erstaunt anmerkt gewußt zu haben auf welchen Stoff er sich da einläßt, aber von der starken Reaktion auf seinen Film überrascht worden zu sein, dann kann ich ihm nur Scheinheiligkeit oder grenzenlose Naivität attestieren. Ich frage mich ob er wirklich glaubt, daß sich die, an die sich die Kritik seines Filmes richtet, mit seinem Werk abgeben. Ob er wirklich glaubt mit grafischer Drastik noch provozieren zu können. In der heutigen Zeit, in der die visuellen Grenzüberschreitungen der frühen Cravens und Romeros schon längst etablierter Teil des Unterhaltungsmainstreams sind. So bleiben lediglich wenige Szenen in denen der Film wirklich stark ist. Zum Beispiel die des Punk Rock Contestes, in denen klar wird, daß Koen und seine Kumpel doch etwas auf der Pfanne haben. In denen sie sich von Dries emanzipieren können, in denen Mortier für einen kurzen Moment Dries Perspektive verläßt und sich ein anderes neutraleres Bild ergibt. Da darf Jans Mutter Dries auch klar machen, daß er nur geduldet wird, daß er selbst benutzt wird, damit die Jungs eine Chance bekommen. Nicht zuletzt die, in denen Dries die Bandmitglieder in ihren Behausungen besucht, jegliche gut gemeinte Gastfreundschaft jedoch in einer Mischung aus Arroganz und Ekel ablehnt und damit unterstreicht, daß ihm nicht an den Menschen gelegen ist, sondern an der Sensation. Von gleicher Motivation kann ich Mortier nur aus Mangel an Beweisen freisprechen. Der Soundtrack ist damit das einzige am Film, was über jeden Zweifel erhaben ist.

5/10 Punkte

Arbeit für den Rekorder - 13. - 19. Dezember

Samstag, 13. Dezember

20:15 Uhr O Brother, Where Art Thou? (RTLII)
Die Coens machen auf Homer und schicken George Clooney mit zwei weiteren Gumps auf die Odyssee. Daß der Soundtrack zum Film weitaus erfolgreicher war als der Film selbst, ist nur richtig...

22:10 Uhr James Bond: Lizenz zum Töten (ARD)
Mindestens so gut wie „Der Hauch des Todes“. Frau Leitners Tod wird vom zweitbesten aller Bonds gerächt, aber richtig. Da können sich Foster und Craig mehr als eine Scheibe abschneiden. Die ARD zeigt dann auch wie alle Jahre wieder die geschnippelte Version, aber Hauptsache sie zeigen ihn überhaupt.

22:10 Uhr Tödliche Weihnachten (Pro7)
Heißt in Wirklichkeit The Long Kiss Goodnight und ich habe bis heute noch nicht den Grund für den deutschen Titel entdeckt. O.K. er spielt im Winter und Geena Davis hat rote Lippen. Mischung aus Bourne Identity und History of Violence ohne Metaebene. Ein Film den man schon wieder vergessen hat, sobald der Abspann läuft. Dennoch nett.

22:35 Uhr Cube 2: Hypercube (DAS4.)
Habe ich den nun gesehen oder nicht? Business as usual für den ich mich einfach nicht begeistern kann. Acht Menschen in der Dauerfalle, fehlt nur noch Jigsaw...

23:50 Uhr 24 Stunden in seiner Gewalt (ZDF)
Aber nur im Rahmen einer kleinen Mickey Rourke Retrospektive, denn eigentlich ist der Film an Dämlichkeit nicht zu übertreffen. Funny Games mit Happy End.

Sonntag, 14. Dezember

20:15 Uhr Die Patin – Kein Weg zurück (RTL)
„Klar war, daß sie mit zwei Kindern an der Hand einen Koffer mit Schwarzgeldmillionen über die Grenze schmuggeln und dabei über Hausaufgaben nachdenken soll“ Christoph Darnstädt, Drehbuchautor/TVSpielfilm 25/08
Ja, ja, der tägliche Wahnsinn einer deutschen Verbrecherwitwe. Kann mal einer bei RTL den Strom abstellen? Dauerhaft? Bitte.

20:15 Uhr Ultraviolet (Pro7)
Schafft es noch nicht einmal, daß ich mich darüber aufregen könnte. Aber schön bunt, immerhin.

20:45 Uhr Tage des Donners (ARTE)
Läuft noch nicht einmal in der Rubrik ArteTrash. Da frage ich mich doch was da in Straßbourg los ist. Die totale Vererteelisierung? Was hat ein Tony Scott Film, der sogar nur ein laues Top Gun Remake ist, auf einem Sender zu suchen, der sich ARTE nennt?

Montag, 15. Dezember

20:15 Uhr Das fliegende Auge (K1)
Roy Scheider hat als einziger den Durchblick und schlägt die Schäubles mit ihren eigenen Waffen. Schöne Orwell Variation im Actiongewand, die schon längst als Klassiker angesehen werden darf. Nö, der ist mehr als nett.

20:15 Uhr The New World (Tele5)
Englische Eroberer treffen im 17. Jahrhundert auf Powhatan Indianer. Terrence Malick, der sich auch für den sehr guten Schmalen Grat verantwortlich zeichnet, soll hier unter anderem dem Pocahontas Mythos in sehr beeindruckenden Bildern und eigenwilliger Narration nachgehen. Ich lasse mich gerne überraschen.

22:15 Uhr Con Air (ZDF)
Jerry-Bruckheimer-Kotzkino, immer noch.

23:40 Uhr Zidane – Ein Portrait im 21. Jahrhundert (ARTE)
17 Kameras beobachten Zinedin Zidan während eines Spieles mit Real Madrid. Den überschwänglich gelobten Mix aus Sportdoku und Kunstfilm hielt ich noch vor ein paar Tagen in den Händen, war dann aber doch zu geizig. Ich wußte ja, daß ich ihn sowieso irgendwann aus dem TV aufnehmen kann. Die Möglichkeit ergibt sich schneller als ich dachte.

23:55 Uhr American Fighter III (Tele5)
Ahh, das richtige Kontrastprogramm zu Malicks Philosophenkino? Och nö, kein Dudikoff – kein Spaß.

Dienstag, 16. Dezember

Johnny Depp in einem mittelmäßigen Echtzeit Thriller? Nee, ich hab eh eine Jack Bauer Allergie. Roger Moore gegen Curd Jürgens im Spion, der mich liebte? Puuhh, schon wieder?
Bill Murray auf der Suche nach seinem Sohn? Ach, der Jarmusch kam doch auch schon so oft in den letzten Monaten. Genauso wie die restlichen Wiederholungen an diesem Abend. Kiste bleibt aus.

Mittwoch, 17. Dezember

20:15 Uhr Unterwegs nach Cold Mountain (Pro7)
Längst nicht so melodramitisch wie Titel, Inhaltsangabe und Cast vermuten lassen. Wenn die Männer in den Krieg ziehen, bleiben die Frauen allein zu Hause und bekommen die Dinge trotzdem geregelt. Überraschend distanziert gezeichnet.

23:45 Uhr Als das Meer verschwand (BR)
Familienthrillerdrama aus Neuseeland um den Umgang mit der eigenen Vergangenheit. Griff weltweit Festival Preise ab, was natürlich erst einmal nichts bedeutet. Ich kenne ihn nicht, habe aber ein sehr, sehr gutes Gefühl. Eowyn Miranda Otto spielt übrigens auch mit, na da schau her.

Donnerstag, 18. Dezember

Die totale TV-Entertainment-Verweigerung. Schon mal an Kino gedacht? Ach nee, da läuft momentan ja auch nichts...

Freitag, 19. Dezember

22:20 Uhr Mimic (RTLII)
Ich schreibe die Fernsehtipps erst seit Ende Januar dieses Jahres, aber ich glaube der kommt jetzt mindestens schon zum vierten Mal. Ist aber auch so etwas von einem kurzweiligen Insektenmonster- B-Movie-Spaß vom Fantasy-Action-Movie-Spaß-Experten Guilliermo del Toro, daß das schon in Ordnung geht. Nur bitte keine Sekunde ernst nehmen.

00:10 Uhr Glen or Glenda (ARTE)
Ja, genau der mit dem großen Bela Lugosi von und mit Ed Wood.




Ich glaube zwar nicht wirklich dran, aber die Hoffnung stirbt zuletzt. Vielleicht finden die anderen auch noch was...

Sendersuchlauf, täglich (hoffentlich bald wieder)
From Beyond, ab samstags
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Türchen Nr. 11



Er kommt, er kommt und ich freue mich mal wieder wie Bolle...

Türchen Nr. 10

Link: Loriot - Weihnachten bei Hoppenstedts Teil 2/2



Für Anju und alle anderen, die noch nicht so recht in Weihnachtsstimmung sind.

Kontrolle verloren - Unter Kontrolle

Kinder berühmter Eltern haben es grundsätzlich ein wenig schwieriger, wenn sie sich entschließen auf den Pfaden ihrer Erzeuger zu wandeln. Der Vergleich ihres Schaffens mit dem ihres Vaters oder ihrer Mutter ist unausweichlich. Wenden sie dann auch noch die Methoden und handwerklichen Kniffe an, die ihre Eltern berühmt und erfolgreich gemacht haben, wird oft allzu schnell von Uneigenständigkeit gesprochen, selbst wenn das Ergebnis bei einem anderen Künstlers als Hommage oder nettes Zitat gewertet würde. Vergessen wir also einmal im Falle Jennifer Lynchs zweiten Films das Werk ihres übergroßen Vaters, das mit Sicherheit wie ein Damoklesschwert über all ihrem weiteren Schaffen baumeln wird, soweit wie irgend möglich. Einfach ist dies jedoch nicht.

Gleich zu Beginn ihres Thrillers läßt Lynch die Gewalt schonungslos von Leine. Ein Schlafzimmer nur erhellt durch das unruhige Taschenlampenlicht des Einbrechers. Schreie, dumpfe Schläge, spritzendes Blut und eine Frau, die in die Dunkelheit der Nacht fliehen kann. Der Täter und seine Motivation bleibt unerkannt. Die drastischen Bilder sorgen für eine gehörige Portion beklemmende Atmosphäre, die Lynch im weiteren Verlauf des Filmes beibehalten und immer wieder auch zu steigern vermag. Schnell wird klar, daß wir es hier mit der Tat eines Serienmörders zu tun haben, der nun im ländlichen, nördlichen mittleren Westen der USA sein Unwesen treibt und die Mordrate schneller in die Höhe schießen läßt als die Kaffeemaschine des Sheriffbüros für Nachschub sorgen kann. Ein Fall für das FBI, die zwei Ermittler Elizabeth Anderson und Sam Hallaway werden ersteinmal vordergründig dem Klischee entsprechend widerwillig von den örtlichen Gesetzeshütern empfangen. Nur Captain Billings scheint erfreut über die Hilfe der übergeordneten Behörde. Drei Zeugen überlebten das letzte Massaker. Officer Jack Bennet, der bei dem Einsatz seinen Partner verlor. Bobby Prescott, eine noch unter ihren offensichtlichen Drogenkonsum stehende junge Frau und Stephanie, ein neunjähriges Mädchen, das den Tod ihrer ganzen Patchworkfamilie auf der verlassenen Straße ansehen mußte. Nach den üblichen kleinen Anlaufschwierigkeiten werden alle drei Zeugen von einander getrennt befragt. Während sich FBI Agentin Anderson des kleinen Mädchens annimmt, Billings seinen Kollegen Bennet und der unerfahrene Officer Wright mit seinem zynischen Kollegen Degrasso Bobby vornehmen, steuert Hallaway die Befragung der drei mittels dem mitgebrachten Videoequipment von einem anderem Raum aus. Alle drei Zeugen erzählen ihre Version der Geschehnisse, was den Kritiker nur allzu schnell mit dem Verweis auf Kurosawas Klassiker Rashomon kokettieren läßt. Doch trifft dies nicht den Kern der Sache, denn die Tatsachen werden von den Zeugen im Groben nicht unterschiedlich erzählt, sie lassen bis auf Stephanie, die nichts zu verheimlichen hat, lediglich die Dinge aus, die ihre eigene Situation noch verschlimmern könnten. So verschweigt Bobby den exzessiven Drogenkonsum und den Tod ihres Dealers. Officer Bennet verschweigt den perversen Zeitvertreib, dem er und sein nun toter Kollege in der Einöde nachgegangen sind. Es geht weniger um die Wahrheitsfindung über den Tathergang, als um die Geheimnisse, die die Figuren der Geschichte in sich tragen. Um Schein und Sein, um Identität. Das Thema, welches sich wie ein roter Faden durch die Werke Jennifer Lynchs Vater zieht. Da denkt man schnell an die großartige TV-Serie Twin Peaks, Mulholland Drive, Lost Highway und nicht zuletzt Blue Velvet, in denen es letztendlich um nichts anderes ging, als um die Geheimnisse der Identität, um die Leichen im Keller.

Auch handwerklich orientiert sich Lynch an ihren Vater, wenn sie auch um Längen nicht so surreal bzw. expressionistisch, sondern eher nüchtern vorgeht. Da untermalt in einigen Szenen das gewohnt unheimliche Brummen auf der Tonspur die Atmosphäre, da bedient sie sich der auf den Zuschauer unvorbereitet einschlagenden Gewalt, wählt für den Soundtrack ähnliche Stücke, wie es wohl auch ihr Vater getan hätte. Da fehlt eigentlich nur noch Angelo Badalamenti, aber das wäre des Guten wohl zu viel. Formal ist Jennifer Lynch kein großer Vorwurf zu machen, daß der Film lediglich dreieinhalb Millionen Dollar gekostet hat, ist nicht unbedingt auf dem ersten Blick ersichtlich. Gekonnt konzentriert sie sich auf wenige Schauplätze, baut in den Szenen im Sheriffbüro auf solides Kammerspiel und in den Rückblenden auf die Szenen auf der verlassenen Straße. Und auch der Cast läßt nicht unbedingt auf Low Budget schließen, hat er doch mit Bill Pullman, Julia Ormond und Michael Ironside zumindest vom Papier her ordentliches zu bieten. Da erweist sich der Film selbst als Teil der Maskerade, die seine Handlung vorgibt. Die Demaskierung des Ganzen findet dann schließlich im miesem Finale statt. Das ist nicht etwa schlecht weil es genau den Plottwist bemüht, den der Zuschauer schon seit der Mitte des Filmes erwartet, sondern weil es einfach so desaströs und stümperhaft inszeniert wurde, daß es all das, was Lynch in mühsamer Kleinarbeit zuvor aufgebaut hat, zusammen fallen läßt wie ein Kartenhaus. Unglaublich wie sich ihre Schauspieler der Lächerlichkeit preisgeben müssen, wie sie die wahren Täter zu Witzfiguren verkommen läßt und damit dem ganzen Film seiner bedrohlichen Atmosphäre beraubt. Nicht zu fassen, wie sie noch in der Schlußszene den pathologischen Serienmörder zu einen Furz von einem obersmarten Bösewicht degradieren muß. Dabei hätten wir Jennifer Lynch bis dahin doch so einiges verziehen, daß sie Bill Pullman immer wieder in eine unpassende Fred Madison Pose verfallen läßt. Daß sie die Officer Bennet und Conrad schräger zeichnet als nötig, daß sie in der Inszenierung ein wenig den Faden hinsichtlich des Titels des Films verliert. Und auch noch die eine oder andere nicht ganz runde Szene. All das hätte einer weitaus höheren Bewertung nicht im Wege gestanden.

4,5 /10 Punkte

Türchen Nr. 9



Da ringt der Verstand mit der Verdauung... Desweiteren empfehlenswert Folge 3. und 5. und den genauso guten Rest findet Ihr garantiert selbst.

Mutantenstadl Doublefeature

The Mutant Chronicles

2700 und ein paar Zerquetschte. Die Ressourcen der Erde neigen sich dem Ende zu, die Menschheit hat sich schon lange im Sonnensystem breit gemacht. Genauer gesagt auf dem Mars, doch das ist eigentlich egal, spielt die Handlung des Filmes doch komplett auf unserem Heimatplaneten. Kriege werden nun von den Konzernen geführt, Staaten wie wir sie kennen gibt es augenscheinlich nicht mehr. Während im Prolog die Soldaten in herrlichen Retro WW1 Schützengräben und Uniformen die Angriffe der Gegner inklusive Giftgaseinsatz abwehren, macht sich ein neuer Feind auf dem nebeligen Schlachtfeld breit. Außerirdische Mutanten, die Ihre Opfer nach dem Kampf fein säuberlich einsammeln, um sie zu ihrer Mutantenproduktionsanlage tief unter Erde zu schaffen. Nein, der neue Feind ist von keiner Armee der Welt zu besiegen und so muß der Klerus für einen Spezialtrupp sorgen, der die Maschine unter der Erde zerstören soll. Ach so, geht wohl doch. Steht aber auch alles im alten Buch, das zwar keiner wirklich lesen kann, an dessen Inhalt die Mönche aus den Bergen jedoch glauben wie Ratze in Rom an die unbefleckte Empfängnis. Erinnern tut das ganze Setting ein wenig an die nur im Handbuch nachzulesende Vorgeschichte des id Klassikers Quake 2 plus einer Priese Orwell und ordentlich, hüstel, Tolkiens Herrn der Ringe, ist dann aber tatsächlich der Film zum in Deutschland recht unbekannten gleichnamigen Table Top Rollenstrategiespiel, wenn ich das alles richtig verstanden habe. Gruselig sind weniger die durchgehend ausreichenden bis mangelhaften CGI Effekte, die stereotypen Figuren oder der mit Ron Perlman, John Malkovich, Thomas Jane und Devon Aoki halbwegs prominent besetzte Cast, als das ärgerlich langweilige Drehbuch und die fast schon bemitleidenswerte Dramaturgie. Dabei fallen die wenigen Kämpfe noch am dynamischsten aus. Schade, denn die Welt in der Mutant Chronicles spielt und in der Benno Führmann überraschender Weise nicht die allerschlechteste Figur abgibt, hätte eigentlich mehr zu bieten als mit bedeutungschwangerer Ernsthaftigkeit vorgetragene religöse Prophezeiungen und Rumgeschleiche in unterirdischen Katakomben. Vieles wird angerissen, nur um danach ins Nichts zu laufen und das auch noch über fast hundert Minuten lang. Für Trashfreunde eventuell interessant, obwohl es eindeutig an Kurzweiligkeit mangelt.

4/10 Punkte

Mutant – Das Grauen im All
Es macht doch immer wieder Spaß in der großen verstaubten Filmplagiatkiste des Roger Corman zu wühlen. Da weiß man wenigstens was man hat. Großes Vorbild zur Forbidden World von 1982 ist natürlich Ridley Scotts genialer Alien Horror aus dem Jahre 1979, verwendet wurden zu einem nicht unerheblichen Teil Kulissen und Stockfootage des nur ein Jahr älteren und für Cormans Verhältnisse sehr erfolgreichen Planet des Schreckens, der sich selbst des Alien Themas bediente. Nachdem er von seinem treuen Roboter Sam aus dem Hypercryodingsbumsschlaf erweckt wurde, muß Max Colby sich nur noch eines Piratenangriffes erwehren und dann geht es schon auf nach Xarbia. Dort forscht ein geheimes Wissenschaftlerteam im Auftrag der Föderation an der Lösung der galaktischen Hungersnot. Ja, ja, Saturn 3 ick hör Dir trappsen, Star Wars, 2001 und Co. bis zu diesem Zeitpunkt im übrigen auch. Doch erfunden wird nicht etwa Soylent Green, sondern ein Mutantenwesen, daß die Gene seines Futters absorbiert, oder wie auch immer man es nennen mag. Kurz vor Colbys Ankunft hat es sich schon in der Nagetierabteilung der Forschungsstation selbst bedient. Ein ziemlich blutiger Anblick, wie auch so manche noch folgende Szene, Gore und Meltingfreaks kommen definitiv auf ihre Kosten. Die Wissenschaftler konnten ihr Mutantenmonster aber glücklicher Weise noch einmal einfangen und so kümmert sich Colby zu allererst um die weibliche Besatzung bevor das Monster natürlich wieder ausbricht, um den größten Teil der Stationsbesatzung zu verschmackofatzen. Selbstredend ist dem Ungetier, oder besser gesagt dem tödlichen Genhaufen, auf konventioneller Art überhaupt nicht beizukommen und so wird es im Finale auf wirklich göttlich schräge Weise besiegt. Oder etwa nicht? Wie schon erwähnt geht es recht blutig zu, so daß man sich doch ein wenig über die FSK 16 Freigabe wundern muß. Mad Scientists, Nudity en masse, ein wunderbar fantasievolles Alien und typisches Sci-Fi Synthie Gedudel runden die Chose zu einem kurzweiligen B-Movie Spaß ab. New World Pictures liefert hier ein astreines Guilty Pleasure Ungeheuer.

6/10 Punkten