Public Enemy No. 1 - Mordinstinkt

Staatsfeind Nr. 1. Dazu braucht es schon etwas mehr als 39 zugegebene Straftaten. Jacques Mesrine war in den 1970er Jahren Frankreichs Staatsfeind Nr. 1. Ein Status, den er sich mit zahlreichen Banküberfällen, Morden, Gefängnisausbrüchen und einer fragwürdigen medialen Präsenz über Jahre hinweg erarbeitete, und der 1979 schließlich in seiner Hinrichtung durch die Polizei auf offener Straße mündete. Geboren wurde Mesrine 1935 als Sohn einer bürgerlichen Familie, in der Kindheit und Jugend wegen seiner Aggressivität aufgefallen und von der Schule verwiesen. Mit 19 schon verheiratet und nur ein Jahr später wieder geschieden, um dann in den Algerienkrieg zu ziehen. Eines der dunkelsten Kapitel französischer Kolonialgeschichte, dessen Unmengen an Opfern auf beiden Seiten zu finden sind. Vor allem in der Zivilbevölkerung, die unter der unglaublichen Brutalität französischer und algerischer Militärs und Untergrundorganisationen zu leiden hatte. Ein schmutziger Krieg, der ohne Zweifel das Verhältnis eines Menschen zu Recht und Unrecht beeinflußt, die Moral eines Menschen prägt. Die Moral ist das Resultat des selbst Erlebten, der eigenen Erfahrung, der eigenen Wünsche. Ein interessantes Kapitel in Jacques Mesrines Biographie, von Richet jedoch nur in einer kurzen Szene anfangs des Filmes angedeutet. Für den Zuschauer, der eine psychologische Analyse der Figur Mesrine erwartet, vielleicht eine Enttäuschung, für einen Regisseur, der die Figur Mesrine in keinem Fall als eine tragische darzustellen versucht, eine weise Entscheidung. Und so beginnt Richets filmische Rekonstruktion eines Verbrecherlebens, die jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder vollkommene Wahrheit erhebt, mit Mesrines Rückkehr aus eben jenen Krieg, der Frankreich noch so viele Jahre politisch fordern wird und dessen Wunden bis heute noch in der französischen Gesellschaft immer wieder aufplatzen.

Richet spult Mesrines Verbrecherkarriere in schnellen Schritten ab. Verläßt sich dabei auf die chronologische Abfolge einschneidender Erlebnisse und Gegebenheiten in Mesrines Leben. Von den ersten Kontakten mit der Pariser Unterwelt bis hin zu seiner Haftstrafe in Kanada, die er von sich aus mit einer gewagten Flucht aus dem Hochsicherheitsgefängnis beendet. Vom kleinen gewitzten Einbrecher bis hin zum skrupellosen Mörder im Gewand eines idealistischen Freibeuters, der er natürlich nie wirklich war. Dessen Anschein er sich jedoch gerne in der medialen Öffentlichkeit bediente. Richet zeichnet das Bild eines Mannes, dessen Respekt und Loyalität man sich sicher sein kann, solange man auf seiner Seite steht. Das kennt man natürlich aus der Filmwelt Scorceses oder Copollas. Doch verweigert Richet dem Zuschauer weitestgehend eine Identifikation mit seiner Hauptfigur, indem er es vermeidet, zwischenmenschliche Beziehungen und Konflikte über das erzählerisch Notwendige hinaus darzustellen. Überhaupt läßt er dem Zuschauer viel Freiraum zur Interpretation Mesrines Lebensgeschichte und Wesen. Wie er schon in der Anfangsszene Mesrines Erlebnisse in Algerien nur andeutet, spart Richet im großen Rahmen Mesrines direkte oder indirekte Verbindungen zur rechten Szene der Untergrundorganisation OSA aus. Da bietet der Film lediglich Puzzlestücke in Form des Unterweltboßes Guido, der vom mittlerweile gesetzten Gerard Depardieu mit einer beachtenswerten Zurückhaltung im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert wird. Vom anfangs eingeschlagenen Erzähltempo weicht Richet die vollen 115 Filmminuten nicht ab, hält dabei immer wieder kleine Überraschungen für den Zuschauer bereit. Szenen entwickeln sich anders, als man es erwarten könnte, was Mordinstinkt trotz seiner durchaus konventionellen Art überaus kurzweilig und spannend hält. Selbst im letzten Drittel des Filmes, das Mesrines menschunwürdige Isolationshaft im kanadischen Staatsgefängnis ausführlich dokumentiert, und in der schon eine unterschwellige Kritik an den Staat, der sich seine Feinde selbst erschafft, gesehen werden kann, ändert Richet nicht den Rhythmus seiner Erzählung, die ein abruptes Ende findet. Ein Cliffhanger, der den Appetit auf den zweiten Teil deutlich in die Höhe treibt. In dem sich der einstige Ganove zu einem militanten Schwerstverbrecher gewandelt haben wird.

Richet siedelt die Figur Mesrines irgendwo zwischen Genreklischee und ernsthafter Charakterstudie an. Immer wieder durchbricht die gefährliche, durchaus als psychopathisch zu bezeichnende Seite Mesrines den Gangstermythos, den Richet ebenso gerne und oft in seinen Film Einzug halten läßt. So entsteht letztens Ende eine sehr ambivalente Haltung des Films gegenüber der Hauptfigur, die sie zwar nicht als menschliches Monster darstellt, jedoch auch immer wieder Mesrines überaus kriminelle Natur in den Vordergrund stellt. Getragen wird der Film, trotz aller erzählerischen Lücken, von einem gnadenlos stringent aufspielenden Vincent Cassel, der es ebenso versteht den charmanten und geheimnisvollen Herzensbrecher zu geben, wie auch den impulsiven, kaum einzuschätzenden Schurken. Mit seiner Darstellung erinnert Cassel an die großen Darsteller des französischen Kinos. Belmondo, Ventura und auch Delon schimmern da immer ein wenig durch, doch versucht Cassel keinesfalls eine Kopie zu sein. Das ist schon alles sehr selbstständig. Nicht zuletzt ist Mordinstinkt dann auch einfach nur schön anzusehen. Richets Spiel mit den Farben, gerade zu Anfang, wenn er das Pariser Milliue in Rot und Blau, gleich den Leuchtreklamen auf dem Boulevard de Clichy in Montmartre, taucht und damit einen Kontrast zur bürgerlichen Welt der elterlichen Wohnung setzt. Die ambitionierte Kamera, der es immer wieder gelingt nicht in überflüssiger Spielerei abzudriften, auch wenn sie sich einige Male knapp davor bewegt und ein ganz starker Score, der vor allem dadurch auffällt, genau das zu erzeugen, wofür er im jeweiligen Moment gedacht war. Meistens dient er zur Unterstützung der Spannung, hält sich aber weitestgehend im Hintergrund. Das alles läßt Public Enemy No. 1: Mordinstinkt zu den starken Filmen des noch jungen Kinojahres 2009 gehören. Wer dem klassischen Gangsterkino ebenso wenig abgeneigt ist wie dem klassischen Erzählkino, der kann hier ganz beruhigt die Kinokarte lösen. Man darf gespannt sein, ob Todestrieb, so heißt der zweite Teil, die Versprechen Richets einlöst. Der wahren Brisanz des Stoffes wird er nicht mehr aus dem Weg gehen können, so wie es ihm hier noch zu gelingen scheint.

8/10 Punkte

Schau ins Netz

Was schreiben denn die anderen so? Mal schauen ...

Wenn er keine Lust zum Arbeiten hat, schaut Stefan Niggemeier bei RTL.de vorbei. Da gibt es für ihn immer etwas zu entdecken. Diesmal hat er sich RTLs Rubrik zum 60. Geburtstag der Bundesrepublik vorgenommen. Und ja, es gibt wirklich haufenweise Erheiterndes ...

Ich bin immer versucht, die Texte, die dort erscheinen, dadurch zu erklären, dass sie von indischen Kindern neben ihrer Teppichknüpfarbeit geschrieben werden, aber dann wären sie besser. Wahrscheinlicher ist die Theorie, dass es sich um Rückübersetzungen aus dem Klingonischen handelt.

So konnte es in München ja nicht mehr weitergehen. Der Phrasendrescher ist nun endlich weg, und Bild.de konnte es kaum erwarten, dem ersten Training unter Interimstrainer Jupp Heynckes beizuwohnen. Die ersten Eindrücke sind überwältigend. Ich meine, besser hätte es die Titanic auch nicht schreiben können.

Vorm Training ordnet Gerland Markierungshütchen so an, wie es Heynckes ihm auf einem DIN-A4-Zettel notiert hat. Doch zum Start der Einheit ist der Chef unzufrieden, korrigiert die Hütchen-Anordnung.

Der Wortvogel stellt fest, daß der halbfertige Workprint von X-Men Origins: Wolverine, der schon seit Wochen in den Tauschbörsen kursiert, wohl doch kein halbfertiger Workprint, sondern tatsächlich nahezu die finale Version des Film ist.

Einige von euch werden es dank eines Artikels bei AICN mitbekommen haben: Die ganze Sperrfristen-Regelung von Fox diente augenscheinlich nur dazu, die beinahe Deckungsgleichheit von Workprint und fertigem Film zu verschleiern. Wochenlang hatte man behauptet, der im Netz aufgetauchten Arbeitskopie fehlten 10 Minuten und signifikante Szenen der Reshoots. Alles Nebelgranaten: ...

Ist mir aber egal, ich habe dieses Jahr schon genug schlechte oder mäßige Filme im Kino gesehen. Heute Abend steht Public Enemy No. 1: Mordinstinkt an, mein versprochenes Review erscheint dann wahrscheinlich spätestens am Samstag. Raphael von Double Feature schreibt etwas, was meine Erwartungen an den Film doch sehr in die Höhe treibt.

Allerdings gelingt es Richet, Mesrine weder zu idealisieren, noch als verachtenswerten Psychopathen darzustellen. Denn das ist nicht das Ziel dieses Films. Das ist vielmehr, Mesrines Leben von einem neutralen Standpunkt zu zeigen und dem Zuschauer zu überlassen, wie er dazu steht.

[edit]

Und Doc Savage hält für alle, die auf Stallones Expendables warten, noch ein schönes Goodie bereit.

Ein Herz für Desktops

Windows XP
Bildschirmauflösung 1920x1200
Wallpaper Darker Wood
by thekuro
XP Theme Alduin Visual Style
Rocket Dock
Desktopmanager Yod'm 3D
Windows Desktop Search

... und jetzt will ich Eure Desktops sehen.







Hier könnt ihr Eure Desktop Screenshots alternativ hochladen (nach der obligatorischen Registrierung). Ich schalte sie dann, nachdem ich sie überprüft habe, frei. Nicht eure Blog URL oder e-mail in der Beschreibung vergessen. Unter allen Desktop-Exhibitionisten, die bis zum 31. Mai 2009 teilnehmen, verlose ich:

Night of The Living Dead (NEWKSM)
Bullitt (Warner Brothers)
Die Libelle (Warner Brothers)
Die Klapperschlange (Süddeutsche Zeitung/Cinemathek)
Kleine Morde unter Freunden (EuroVideo)
Hollywood Boulevard (Anolis Entertainment)
Saturn3/Star Crash (MiB Doppel DVD)

alle DVDs mit leichten Gebrauchsspuren, da ich sie selbst gebraucht erworben habe.

Mitmachen kann und soll übrigens jeder, ein eigener Blog ist nicht erforderlich. Zur Not einfach eine e-mail mit entsprechenden Anhang an zeitverschwenderblog[at]web[dot]de.

Desktop Parade:

occcus ubuntu ist bereit für den englischen Landadel klick
davids xp steht ganz im Zeichen von Street Fighter IV (Yeah!!) klick
anjus xp liefert endlich den ersten Katzen-Content (keine Angst, relativ stilvoll^^) klick
candides wildkatze zeugt von guten Filmgeschmack klick
gekos schmusekater, Pixar-Traum klick
orangedoes vista auf Strandausflug klick
flo liebs xp ist fit für X-Men Origins: Gambit klick
stefans vista sehr rot und ... wer ist das eigentlich? In jedem Fall sein eigener Avatar ... klick
c.h.s vista erinnert daran, den Umstieg auf Full HD endlich in Angriff zu nehmen klick
rajkos xp ... na klar ... Burton. Was auch sonst? klick
kaiser_sozes vista läßt uns an No Country for Old Men denken klick
murdocks vista, oh mann. Das Sequel ist immer noch nicht sicher klick
willems vista ist dann auf dem zweiten Blick weniger technokratisch als selbstreferenziell klick
jmks xp, Nacht am Strand, nächste Inspektion teuer klick
doc savages xp macht einen auf Windows 2000, Keine Panik! klick
björns xp beherbergt ein wahrlich subversives Element klick während
andreas xp sich ganz dem eigenem Blogdesign hingibt klick
yjgallas xp läßt den Zufall entscheiden, welches der ungefähr 15 Bilder ihren Desktop ziert klick
dieters xp, endlich snoopy klick
finchers xp Schreibtisch ist dann auch endlich mal eingetrudelt. klick
samploos xp? assoziiere ich irgendwie mit den Disco Boys. klick

Walking on a dream

Nemesis

Albert Pyun, kaum zu glauben, daß der hawaianische Garant für zweit- und drittklassige Videotheken-Fließbandware tatsächlich in Akira Kurosawas Lehre ging. Pyuns Filme sind vor allem eines, ziemlich schlecht. In Zahlen ausgedrückt pendelt sich die durchschnittliche Bewertung seines an die 45 Filme zählenden Lebenswerkes in der IMDB irgendwo zwischen 3 und 3,5 von 10 Punkten ein. Da kann man nicht mehr von einigen wenigen Ausrutschern sprechen, die die Wertung seines Gesamtwerkes nach unten ziehen. Und obschon ich der trashigen Seite des Kinos keinesfalls abgeneigt bin, würde ich doch behaupten, daß nur die allerwenigsten seiner Werke soetwas wie ein Lächeln auf des Zuschauers Gesicht zaubern dürften. Dabei setzen seine Filme nicht selten auf bekannte und vor allem nicht unbeliebte Namen der Branche. Von Van Damme bis Seagal, von Hopper bis Lambert, erstaunlich, wer schon alles in einem Albert Pyun Debakel mitwirken durfte. Wer Dr. Uwe Boll für einzigartig im Geschäft hält, kennt Albert Pyun nicht.

2027 AD, Polizist Alex jagt im Auftrag des L.A. Police Departments Terroristen, dabei wird er mal wieder ordentlich in seine extenziellen Einzelteile zerlegt. Macht aber nichts ist er doch die Luxusvariante des Sechs-Millionen-Dollar-Mannes und besteht zu großen Teilen aus mechanischen und elektronischen Implantaten. Wie er versichert, ist er aber noch zu 87,4 % menschlich. Cyborgs gegen Menschen gegen Roboter. Kein uninteressantes Science-Fiction Genre, das mit Blade Runner, Terminator und Robocop drei echte Großkaliber des fantastischen Kinos in den 80er Jahren hervorbrachte. So hält sich Pyun dann auch in den knappen 90 Minuten an die großen Vorbilder, ohne jedoch mehr als deren Oberflächen abzubilden. Film Noir, poliertes Metall, Action, Muskeln und fette Ballermänner. Viel Farbfilter sorgt für einen edlen Look, der die von Pyun gewählten Drehorte bei weitem sensationeller aussehen läßt, als sie es in Wirklichkeit sind. Doch, das sieht alles in allem schon sehr endzeitlich aus. Gerade zu Anfang, wenn der Maestro des schlechten Films seinen Protagonisten in einem herzerfrischenden Oldschool Shootout inmitten einer industriellen Abrißszenerie mit viel Schwung und schmackhaften Detonationen gegen avantgardistisch kostümierte Terroristen Weibsbrut antreten läßt. Nach dem verlorenen Kampf muß Alex erst einmal wieder zusammengeflickt werden, das L.A.P.D. gönnt ihm Rehabilitation in der Wüste, bevor es Alex in den nächsten Einsatz schicken möchte. Und schon befinden wir uns in den Abgründen eines Pyun Drehbuchs. Alex rächt sich per Zufall an der Kontrahentin, die ihn zuvor noch in die Werkstadt schoß, erkennt dabei, daß ihre letzten Worte seinen Status als Mensch betreffend Wahrheit beinhalten, und sagt dem L.A.P.D. Adieu, ihr Lieben. Er hat keinen Bock mehr auf Menschen töten und schlägt sich in New Rio de Janeiro als Datenschmuggler durch, bei dem die Mehrzahl seiner Geschäftspartner ins Gras beißen müssen. Das Drehbuch und die Logik sind halt Pyuns ärgste Feinde, was aber nicht bedeutet, daß Nemesis als Film nicht funktioniert. Viel zu kurzweilig stellt sich die Cyberterroristen Jagd auch im Mittelteil dar. Nachdem Alex von Polizeichef Farnsworth zu einer erneuten Zusammenarbeit per transplantierter Bombe gezwungen wird, Escape from New York läßt grüßen, fliegt er nach Java, wo er in einem Kaff seine mittlerweile zu den Terroristen übergelaufene Ex-Partnerin, ein echter Roboter, aufspüren und den Saft abdrehen soll. Alex bekommt es am Zielort schnell mit den Terroristen namens Red Hammerheads zu tun und, na klar, kommt dabei einer schrecklichen Verschwörung auf die Spur. Die Roboter planen alle Menschen durch ihresgleichen auszutauschen.

Albert Pyuns Steckenpferd ist eindeutig die Action, die er gekonnt und gut dosiert über die ganze Lauflänge seines Endzeit-Cyborgstreifens verstreut. Das liegt insbesondere an den durchweg gelungenen Special Effects, für die sich mitunter Schwergewichte wie Fantasy II FX, die nicht nur für James Camerons Terminator Filme zuständig waren, sondern auch in diesem Jahrzehnt z.B. Underworld und Hellboy die richtige Würze verliehen, gewonnen werden konnten. Natürlich darf man in Anbetracht des zwischen zehn und zwanzig Millionen Dollar geschätzten Budgets keine Wundertaten erwarten, Cameron sprengte zwei Jahre zuvor die 100.000.000 $ Marke, doch kann kaum ein Effekt dank Widescreen und überaus elegischer Kamera nicht überzeugen. Sicherlich, das Finale im Stop-Motion-Verfahren erinnert mehr an King Kong 1933 als an Cyborgfilm im letzten Jahrzehnt vor der Jahrtausendwende, aber irgendwie unterstreicht es auch die fantastische Komponente des Films und verleiht ihm eine Prise Oldschool Science-Fiction Kinomagie. Höhepunkt bleiben jedoch die schönen Ballerein durch Wände, Türen und Fußböden. Immer pompös mit fetten automatischen Kanonen, die die Umgebungen in Kleinholz verwandeln. In einer meiner liebsten Szenen des Films schießt sich Alex während seiner Flucht aus einem Hotel durch drei Etagen ins Erdgeschoß. Womit wir auch schon bei den Darstellern wären. Eigentlich hatte Albert Pyun für Nemesis Bundfaltenhosen Fighter Jean-Claude Van Damme vorgesehen, doch letztendlich erhielt Olivier Gruner den Zuschlag für die Hauptrolle. Ich weiß nicht, ob es an Van Dammes Gagenforderung oder an der unglaublich schrecklichen Perücke lag, die das Drehbuch in einigen Szenen für die Hauptrolle vorsah. Ich denke jedoch, daß Gruners unverbrauchtes Gesicht einen Gewinn für den Film darstellt, zumal er seinen Job für die erste Hauptrolle recht gut macht und erstaunlich sympathisch rüberkommt. Auch wenn er in den wenigen Szenen, die Schauspielerei erfordern doch arg an die Grenzen seiner Fähigkeiten stößt. Die mit namhaften B-Film Akteuren wie Brion James, Tim Thomerson, Deborah Shelton oder Thomas Jane besetzten Nebenrollen können vollends überzeugen und lassen keine Wünsche an einem ordentlichen Science-Fiction Reißer offen. Insgesamt ist Albert Pyun mit Nemesis ein doch recht ansprechendes Kleinod der B-Movie-Geschichte gelungen, das auch heute noch in keiner gut sortierten Videothek fehlen sollte. Atmosphäre, Look und Verve stimmen, Drehbuch, Logik und feine Dialoge dürfen auch mal außen vorbleiben. Interessierte, die bisher noch keinen Kontakt mit dem 80er Jahre - nicht vom tatsächlichen Drehzeitpunkt verwirren lassen - Actionkino hatten, sollten dennoch Vorsicht walten lassen. Zum Genuß des Filmes gehört schon eine gewisse Liebe zum Genre und natürlich zum B-Film überhaupt.

7/10 Punkte

Immer mehr Menschen glauben



siehe auch die andere Seite der Medaille.

Barbarella

1968. Die erste bemannte Umkreisung des Mondes. Der Mensch wird nur ein Jahr später zum ersten Mal in seiner Geschichte Boden betreten, der nicht auf der Erde liegt. Stanley Kubricks wegweisender Science-Fiction Film erregt bei seiner Uraufführung in Washington D.C. großes Aufsehen. Space Age, ausgelöst durch den Wettlauf zweier politischer und gesellschaftlicher Systeme, die ihre Vormachtsstellung auf der Erde mittels technischen Fortschritts untermauern wollen. Einen Kilometer unter der Erde erschüttert die bis dahin größte atomare Detonation die Wüste Nevadas und verdeutlicht die Kehrseite dieses technischen Fortschritts. Heute streiten sich Experten über die wirkliche Gefahr einer atomaren Apocalypse, ob dieses Horrorszenario, ausgelöst durch das Wettrüsten der mittlerweile verfeindeten Siegermächte des Zweiten Weltkrieges und ihrer konventionell geführten Stellvertreterkriege in Korea, Vietnam und Afghanistan, tatsächlich hätte stattfinden können. In Kubricks Zukunftsvision findet der Kalte Krieg immer noch statt. Zwar teilen sich Ost und West die äußerst beeindruckende Weltraumstation, doch gehen die Beziehungen der russischen und amerikanischen Wissenschaftler nicht über das höfliche Gespräch hinaus, der Fund des Beweises einer außerirdischen Intelligenz auf dem Mond wird vor der anderen Partei geheimgehalten.

In Roger Vadims Science-Fiction Welt hingegen scheinen die Wünsche der '68er Friedensbewegung wahr zu werden. Love and Peace und Lavalampen im ganzen Universum. 40.000 Jahre nach Christi Geburt ist Krieg keine Option mehr. Barbarella ist geradezu erstaunt, daß auf dem fernen Planeten, auf dem der abtrünnige Erdenwissenschaftler Durand-Durand mit seinem Raumschiff havariert ist, genau dieser eine Super-Waffe entwickeln sollte. Warum? Was hätte das für einen Sinn? Ausgerüstet mit allerlei Schießwerk aus dem Kriegsmuseum macht sich die Astronavigatrice auf den Weg, um die Unterjochung der Milchstraße zu verhindern. Wir merken schon, so ganz ernst meint es das Drehbuch des Filmes, der großzügig und ganz locker auf Jean-Claude Forest gleichnamigen Erwachsenen-Comics basiert, mit dem Frieden nicht. Der Status quo kann anscheinend doch nur mit Kriegsgerät aufrecht erhalten werden, auch wenn es dazu im Museum lagern muß. Aber da hätten wir ja noch die Liebe, und von der macht Barbarella im Verlauf der Handlung noch genug Gebrauch. Nettigkeiten wie die Rettung aus der Gefangenschaft einer äußerst bösen Kinderbande, die Barbarella ihren fleischfressenden Puppen zum Abendbrot anrichten, gleicht sie gerne mit einer Runde Beischlaf aus. Da Barbarella bisher nur die moderne Methode mittels Verzückungspillen und Handkontakt kannte, ist sie vom Liebesakt in der traditionellen Art und Weise mit Austausch von Körperflüssigkeiten, der eigentlich nur noch von den ganz Armen auf der Erde praktiziert wird, da sie sich die Pillen nicht leisten können, ganz angetan. Das Alte ist halt doch immer noch das Beste. Und des weiteren lernen wir auch, daß im Jahr 40.000 A.D., trotz intergalaktischen Friedens, Armut immer noch die Gesellschaft aufzuteilen scheint. Nachdem Barbarella durch einen erneuten Defekt an ihrem Raumschiff mitten im Labyrinth vor der Stadt Sogo aufschlägt, trifft sie auf Pygar, einem Engel, der nicht mehr fliegen kann. Er wurde, wie auch alle anderen Bewohner des Labyrinths, aus Sogo verbannt da er zu gut ist. In Sogo leben nur die Bösen, deren negative Aura als Nahrung für das Matmos dient. Das Matmos ist die Materie unter der Stadt, die ihr wiederum als Energiequelle dient. Nach einem Schäferstündchen mit Barbarella kann Pygar wieder fliegen und so geht es aufgerüstet mit den Museumswaffen gegen die Luftsicherheitsstaffel des großen Tyrannen auf nach Sogo. Pygar wird gefangen genommen und gequält, Barbarella korpuliert sich abseits der Kamera bis in den Schlafsaal des Tyrannen und kann schließlich auch Durand-Durand das Handwerk legen.

Das ist schon ein schräger Film, den Jane Fondas damaliger Gatte auf die Menschheit losläßt. Ständig zwischen herzerfrischender Naivität, psychedelischem Firlefanz und subtiler Ironie gegenüber der Flowerpower Generation schwankend. Da läßt er die Untergrundrebellen Sogos als chaotisch trotteligen Haufen Gutmenschen auflaufen, der noch nicht einmal den richtigen Ausgang aus seinem geheimen Versteck findet, was gerne als gelungener Seitenhieb auf so manch unorganisierten Aufstand gegen das Etablishment der damaligen Studentenunruhen gesehen werden darf. Auf der anderen Seite läßt er jedoch seine Barbarella, der Gegenentwurf zur Apple Pie backenden, treuen und artig nur zwecks Zeugungsabsichten ins Bett steigenden Hausfrau wie sie seit Jahren von Doris Day verkörpert wurde, dann leider doch die sexuelle Selbstbestimmung zugunsten rein männlicher Phantasie ausüben. So eignet sich Barbarella wohl eher als Vorreiterin des aufkeimenden Sexploitation Kinos, als zum Sinnbild der neuen Frau in einer selbstbestimmten Gesellschaft. Immerhin, der schreckliche Durand-Durand schafft es nicht sie zu Tode zu orgeln. Der gute Wille ist durchaus erkennbar. Witzigerweise war Jane Fondas Bruder nur ein Jahr später in Easy Rider zu sehen, der Film, der bis heute in der allgemeinen Auffassung als Sprachrohr seiner Generation gilt. Vadim hingegen orientiert sich dann auch inszenatorisch eher am alten Studiofilm und erinnert in weiten Teilen an frühe italienische Science-Fiction Werke, obwohl Vadim zu keiner Sekunde an den künstlerischen Genius eines Mario Bava anzuknüpfen vermag. Viel zu schludrig kommt Barbarella gerade von der technischen Seite daher. Beleuchtung und Kamera lassen einem oftmals die Haare zu Berge stehen, gerade in Anbetracht der teilweise wirklich gelungenen und phantasievollen Studiobauten, Kostüme und sonstigen Einfälle. Dino de Laurentiis hat eine Reihe handwerklich wirklich hervorragender Werke in seinem Produzentenportfolio, Barbarella gehört garantiert nicht dazu. Was doch recht schade ist, denn Barbarella hat eigentlich mehr Potenzial als zur 68er Trashikone. Ein ganz dunkles Kapitel ist der Score, selten findet er die richtigen Töne, besonders gegen Ende des Filmes mutiert er vollends zum kontraproduktiven nervtötenden Gedudel, das überhaupt nicht mehr zum Geschehen passen möchte. Ob das damals modern war, möchte ich bezweifeln. Warum läßt dann aber Barbarella, bei all ihren Unzulänglichkeiten, immer noch die Herzen so mancher Filmfreunde höher schlagen? Die Story ist haarsträubend, die technische Ausführung in weiten Teilen mangelhaft und dann, wie schon erwähnt der gruselige Score. An seinen Trashqualitäten allein kann es nicht liegen. Es ist natürlich Jane Fonda, immer knapp bekleidet in mindestens fünf verschiedenen Kostümen verströmt ihre unbeschwerte Nudity eine zeitlose und einzigartige Erotik, wie sie nur selten im Kino anzutreffen ist. Von der ersten Sekunde an übernehmen Jane Fondas Schönheit und Körper die Herrschaft über Vadims mäßigen Film und lassen alle Unzulänglichkeiten so erträglich, ja nahezu den ganzen restlichen Film zur Nebensächlichkeit werden. Das ist Vadim zuvor schon einmal gelungen. 1956 ließ seine erste Ehefrau Brigitte Bardot einen ähnlich mäßigen Film zum Erfolg werden ... und ewig lockt das Weib. Roger Vadim wußte es zu nutzen.

5,5/10 Punkte

Arbeit für den Rekorder - 25. April - 1. Mai

Samstag, 25. April

20:15 Uhr Die Bären sind los (Sat.1)
Ich kann mich noch gut an die TV Serie mit dem unvergeßlichen Jack Warden in der Hauptrolle erinnern. Sagen wir es einmal so, ein Knaller war die Serie damals nicht. Doch irgendwie habe ich sie dann doch immer wieder eingeschaltet. Der Kinofilm aus dem Jahre 1976 mit Walter Matthau und das hier ausgestrahlte Remake mit Billy Bob Thornton sind mir jedoch unbekannt. Interessiert bin ich schon.

23:15 Uhr Predator 2 (K1)
Natürlich im TV gehörig gekürzt, macht aber irgendwie nicht viel aus, denn kurzweilig ist der phantasievolle Neuaufguß im Serienmörder-Thriller Gewand des Großstadtdschungels allemal. Zumal Danny Glover beweisen kann, daß er auch ganz gut ohne den Australier zurecht kommt. Echtes B-Movie der Sonderklasse.

01:40 Uhr Punch-Drunk Love (Pro7)
Einer der P.T. Andersons, die ich noch nicht gesehen habe. Wahrscheinlich liegt es einfach an Adam Sandler, dessen Filme ich bisher nie zu Ende schauen konnte. Wenn ich nur an diesen Nervensägenfilm mit Jack Nicholson denke. Fürchterlich. Vielleicht siehts unter Andersons Regie ja besser aus.

Sonntag, 26. April

20:15 Uhr Der Unbeugsame (DAS4.)
Ganz bestimmt ein ganz großes Stück Paul Newman himself und leider immer wieder vergessen in den Toplisten der besten Gefängnisfilme. New Hollywood nimmt Formen an, ganz großes Kino in allen Belangen.

20:15 Uhr Get Rich of Die Tryin' (Pro7)
Was macht eigentlich 50 Cent?

21:45 Uhr Westside Kanaken (3Sat)
Doku über Kölns Gangsta-Rap Szene mit den La Honda Boys aus Ossendorf und Eco Fresh. Ich bin gespannt und erwarte interessantes Ungutes aus dem Milieu.

22:25 Uhr Running Scared (Pro7)
Hält sich für witzig und unglaublich clever. Ist aber unwitzig und unglaublich bauernschlau. Gähn.

00:00 Uhr Im Zeichen des Bösen (SWR)
Puh, Orson Welles unheimlich dichter, heißer und vor allem wirklich böser Noir Klassiker. Absolut empfehlenswert und meisterlich. Läuft hier in der normalen Kinofassung, was ich jedoch nicht als Nachteil empfinde. Angucken.

00:40 Uhr Saw (Pro7)
Anfangs richtig spannender Versuch der Neujustierung des Serienmörder-Krimis, der leider mit fortschreitender Laufzeit droht im Sumpf der nicht mehr vorhandenen Logik zu versinken und sich nur mit aller größter Anstrengung wieder aus ihm befreien kann. Insgesamt dennoch kurzweilig, auch wenn Danny Glover hier ziemlich abkacken muß.

Montag, 27. April

Ganz viel, aber nicht so gut, um darüber etwas schreiben zu müssen . Natürlich blond 2, Die Bounty von Roger Donaldson mit Mel Gibson und Anthony Hopkins, Der Zodiac-Killer (nicht der von Fincher) und son Zeugs...

Dienstag, 28. April

00:35 Uhr Hollow Man – Unsichtbare Gefahr (ZDF)
Ich weiß gar nicht was alle gegen diesen netten – zugegeben, die eine oder andere Länge hat er ja schon – B-Movie von Paul Verhoeven haben. Elisabeth Shue, Kevin Bacon, Josh Brolin und ein paar verunfallte CGI. Das geht doch ganz gut, oder will mir hier tatsächlich jemand erzählen, daß das Original von 1933 wirklich besser wäre? Naja, o.k., ihr habt gewonnen. Dennoch lustig.

Mittwoch, 29. April

20:15 Uhr American Beauty (K1)
Der Film enthält so viele einfach umwerfend lustige Szenen und Wahrheiten, den muß man einfach lieb haben. Obwohl er sich ruhig hätte ein ganzes Stückchen noch mehr auf Lester hätte konzentrieren können. Kevin Spacey ist mehr als die halbe Miete, da haben die anderen keine wirkliche Chance.

22:30 Uhr Die üblichen Verdächtigen (K1)
Habe ich jetzt endlich lange genug nicht mehr gesehen, um eine erneute Sichtung in Betracht zu ziehen. Sehr gut ausgeklügelte Rashomon Variante, in der es wieder einmal Kevin Spacey ist, der heraussticht. Doch diesesmal kommt er ohne die anderen nicht aus.

22:50 Uhr Das Appartement (RBB)
Jack Lemmon und Shirley MacLaine sind das Traumpaar schlechthin. Absolut herzlich und leider auch immer wieder vergessen. Mehr als sehenswert. Billy Wilder, wo sind nur Deine Nachkommen?

Donnerstag, 30. April

20:15 Uhr Schwer verliebt (VOX)
Jack Black und Gwyneth Paltrow sind einfach unwiderstehlich, auch wenn das Drehbuch dann doch die eine oder andere Länge bereithält. Trotzdem, die Kracher sind in der Überzahl.

22:25 Uhr Spurlos (VOX)
Man liest ja immer wie toll doch das niederländische Original im Vergleich zu Sluizers Remake daher kommt. Doch wenn ich ehrlich bin, ist dies eine der wenigen Amerikanisierungen, die mit ihrem ausländischen Vorbild gleich auf liegen. Jeff Bridges und Donald Sutherland gleichen so einige Verharmlosungen aus. Gut.

01:50 Uhr Todesmelodie (ARD)
Zum 30. Todestag Sergio Leones bringt die ARD den Sergio Leone, den ich nie gesehen habe. Find ich gut.

Freitag, 1. Mai

Eigentlich ist ja eh kaum einer zu Hause, aber diese Rubrik heißt ja auch Arbeit für den Rekorder...

20:15 Uhr Charlie Brown und seine Freunde + 21:45 Uhr Snoopy (Super RTL)
Finde ich ehrlich gesagt super was Super RTL hier macht. Kann man dann bei schlechtem Wetter Samstag Nachmittag auf der Couch in einem weggucken, ein wenig schmunzeln, eindösen, sich was zu essen zu machen, wieder eindösen. Perfekt.

20:15 Uhr Godzilla vs. Spacegodzilla (Tele5)
Wollte ich nur erwähnt haben, obwohl der nicht gerade zu den besseren gehört. Aber Godzilla ist halt Godzilla. Und muß dann auch noch gegen sich selbst kämpfen. Wenn das mal nicht die Obergranate an Plot ist.

22:15 Uhr Deep Blue Sea (Pro7)
Extreme heavy heavy Monster Show von Arthouse Filmer Renny Harlin. Wer den nicht kennt hat die Welt verpennt. 12 Rounds kenne ich noch nicht, aber ich behaupte mal Deep Blue Sea ist Harlins mit Abstand bester und kurzweiligster Spaß. Töfte, quatsch, Mega Töfte!

22:25 Uhr The Call (Tele5)
Wenn Takashi Miike mal einen Moment inne halten, mal einfach anstatt gefühlter zehn nur einen Film gleichzeitig drehen und dabei all seine Konzentration auf das eine Projekt beschränken würde. Ich möchte nicht wissen welch ein Meisterwerk dabei herum kommen könnte. Aber so hatten bisher alle Filme, die ich von ihm gesehen habe das Makel der mal weniger mal stärker ausgeprägten Schludrigkeit. Der hier gehört zu den mauen Miikes. Dennoch für Freunde des J-Grusels ganz annehmbar, obwohl hier auch nichts wirklich neues geboten wird.

00:55 Uhr Quiet Earth – Das letzte Experiment (Arte)
Ui, da freuen wir Endzeitfreunde uns aber den Allerwertesten ab. Geoff Murphys Ultra Low Budget Neuseeland „Ich bin der einzige Mensch auf der Erde“-Psychoanalyse. Die kann zwar nicht wirklich die Spannung bis zum Ende aufrecht erhalten, aber diese verlassene Welt, dieses Gefühl von absoluter Einsamkeit, die hat schon was verdammt beänstigendes. Leider verläßt Murphy in der zweiten Hälfte den eingeschlagenen Weg. Wir sind trotzdem dankbar.

mehr wissen die anderen...
From Beyond, Blockbuster Entertainment, The Duke, Kino, TV & Co und (wenn er denn mal Zeit hat) immer wieder ab samstags.

Fahrplanauskunft



Barbarella (1968), Robocop (1987), So finster die Nacht (2008), Public Enemy No. 1 - Mörderinstinkt (2008), Diary of the Dead (2007), Nemesis (1993)

Yeah, yeah, yeah, wow

Trash as Trash can. Marvel stellt seit einiger Zeit immer mal wieder eine Episode Toei's Spiderman ins Netz. Leider lief die Serie nie im deutschem TV, wäre doch genau die richtige Auflockerung zwischen amerikanischen Vorabendserien wie Ein Colt für alle Fälle, Trio mit vier Fäusten und Hart aber Herzlich gewesen. Ich glaube da geht doch (nicht nur) jedem 6 bis 12 Jährigen das Abendbrot am Allerwertesten vorbei, oder?

Gastreview: Team America - World Police

Ey Leute, ich hab da gerade voll den krassen Film gesehen. Team America: World Police. Der handelt von einer total super geilen und geheimen Sondereinsatztruppe. Team America. Die operieren von ihrer geheimen Basis im Mount Rushmore aus und ballern alle Terroristen einfach über den Haufen. Dabei geht auch schon mal was kaputt. Der Louvre, der Eiffelturm oder der Triumphbogen in Paris zum Beispiel. Egal, Freiheit ist nicht umsonst. Für den nächsten Auftrag brauchen sie den besten Schauspieler der Welt, der muß nämlich glaubhaft einen Terroristen spielen. Damit man ihn nicht erkennt werden ihm ganz viele Haare ins Gesicht operiert und ein Handtuch um den Kopf gewickelt. Jetzt sieht er aus wie ein Terrorist und der Auftrag wird dann auch wieder ein Erfolg. Sphinx, Cheopspyramide und noch so ein paar andere ägyptische Kulturdenkmäler, die ich aber nicht kenne, gehen dabei auch drauf. Und natürlich ein paar andere Leute, die sehen aber auch alle wie Terroristen aus. Egal, Freiheit ist nicht umsonst. Der Schauspieler verliebt sich in die blonde vom Team Amerika, und nachdem sie ihm erklärt, daß er nicht Schuld am Tod seines Bruders ist, sondern die Gorilla ihn auf dem Gewissen haben, verspricht er ihr niemals zu sterben. Ab in die Kiste, aber so richtig, mit allem drum und dran. Das wirkt verdammt lustig, da ja alles nur Puppen sind. Es geht ein Gerücht um, daß Trey Parker und Matt Stone, die beiden Regisseure und Erfinder vom Team Amerika, die Sexszene kürzen mußten. Die MPAA, wir kennen das ja schon. Aber egal, ist ja auch so ganz lustig geworden ohne Natursekt und Kaviar. Auf jeden Fall besser gefickt als sonst bei Top Gun oder so. Und die Freiheit ist ja auch nicht umsonst, klar. Die Terroristen bomben dann aus Rache für Kairo den Panamakanal weg, während der Schauspieler das Team verläßt, da er meint er sei ja nur ein Schauspieler und kein echter Held. Die restlichen Team Mitglieder sind sehr enttäuscht. Aber der nächste Einsatz ruft. I.N.T.E.L.L.I.G.E.N.C.E., der Supercomputer und das Hirn von Team America, hat nämlich herausgefunden, daß Kim Jong II die Terroristen mit Massenvernichtungswaffen versorgt. Team America fliegt jetzt nach Nord-Korea, um das zu verhindern, oder so. Zu Hause machen ein paar Schauspieler aber Team America für den Terroranschlag auf den Panamakanal verantwortlich, weil Team America gegen die Terroristen kämpft. Alec Baldwin, der beste Schauspieler der Welt, führt die Schwuchteln an. Die wollen auch die Welt retten, aber nicht mit Krieg, sondern mit Frieden und BlaBla. Sean Penn sagt, daß bevor Team America im Irak war dort alles o.k. gewesen wäre. Flüsse aus Schokolade und solche Sachen. Team America wird dann über dem Meer in einen Luftkampf mit Terroristen und Nordkoreanern verwickelt, erst läuft alles gut. Ein Böser nach dem anderen wird abgeballert. Doch dann stürmt Michael Moore die Zentrale im Mount Rushmore und begeht einen Selbstmordanschlag. Plötzlich steht Team America ohne Gehirn da, weil I.N.T.E.L.L.I.G.E.C.E. zerstört wurde. Sie verlieren natürlich den Kampf und geraten in die Gefangenschaft von Kim Jong II. Viel mehr kann ich jetzt nicht mehr verraten, da ja sonst die ganze Spannung bei denen flöten geht, die den Film noch nicht gesehen haben. In einer Szene sagt so ein Typ in der Kneipe, daß es halt Schwänze, Pussys und Arschlöcher gibt und die Schwänze wären halt die unbeliebtesten, weil sie Pussys und Arschlöcher ficken. Aber darum sind sie auch die besten. Der Schauspieler sagt das dann später auch vor großem Publikum, aber ein bisschen anders. Der sagt nämlich, daß auch die Pussys gut sind, da sie den Schwänzen auch mal sagen, daß es nicht gut ist die Arschlöcher zu hart zu ficken. Rache und Menschenrechte und son Zeugs, wenn ich das richtig kapiert habe. Der Film ist wie schon gesagt komplett mit Puppen gespielt, was alles noch ein wenig witziger macht. Und er ist auch wie ein Film von Jerry Bruckheimer, aber nicht so doof wie einer von Jerry Bruckheimer. Eigentlich geht es glaube ich sehr viel um Schauspielerei, Bigotterie und daß sich einige Schauspieler zu wichtig nehmen. Zu Dingen Dinge sagen, von denen sie eigentlich überhaupt keine Ahnung haben können. Die Schauspieler aber meinen, weil sie schon mal in einem Actionfilm mitgespielt haben, können sie auch kämpfen und so. Politiker bekommen eher indirekt eins auf die Fresse. Der Film will wohl sagen, daß nicht alles so ist wie die einen meinen und schon gar nicht so wie die anderen behaupten. Jedenfalls ist er voll krass und lustig. Das reicht ja wohl. Hier noch eine krasse und lustige Szene aus dem Film, die man als Referenz an Michael Bay Filme interpretieren kann.



Weil nicht alles so super am Film ist wie die geilen Lieder und man auch die Fäden der Puppen sehen kann, gibt es von mir nur 9/10 Punkte. Und dann kann man auch noch etwas über das Filme machen lernen. Wenn man nämlich nach einer Montage das Bild langsam ausblendet, erzeugt man den Eindruck es wäre eine lange Zeit vergangen. Cool.

Euer Eric Cartman
(aus dem Englischen übersetzt von einem Computerprogramm aus dem Internet von I.N.T.E.L.L.I.G.E.N.C.E.)

electric shaka

Crank: High Voltage

Zweimal habe ich in meinem Leben eine Kinovorstellung vorzeitig verlassen. Ganze zweimal in was weiß ich wie vielen Jahren. Man zählt die besuchten Kinovorstellungen ja gar nicht mehr mit. Zugegeben, an die Mehrzahl der vorsichtig geschätzen 300 oder 400 Kinobesuche - oder waren es doch nicht so viele, oder doch viel mehr? - kann ich mich nicht mehr wirklich erinnern. Und ich habe auch eine ganze Reihe der Filme nicht ganz gesehen, da ich als Spätvorstellungsliebhaber auch einfach mal eingeschlafen bin, aber an die beiden Kinovorstellungen in denen ich freiwillig vorzeitig den Saal verlassen habe, an die kann ich mich ganz genau erinnern. Das erste mal geschah das vor sieben Jahren, Darkness war dann später im TV aber gar nicht so schlimm, wie er mir im Kino vorkam. Sicherlich kein Meilenstein, der Film ist schlecht, aber die Kinovorstellung hätte ich nicht vorzeitig verlassen müssen, zumal meine Begleitung damals ganz schön stinkig war. Ich hätte ihm vielleicht die volle Stunde Zeit geben sollen, manchmal kann das Finale dann ja doch noch so einiges raushauen. Ein wenig versöhnen. Gestern Abend habe ich dann zum zweiten mal eine Kinovorstellung vorzeitig verlassen, und diesmal bin ich mir sicher, daß ich die Flucht aus dem Kino nicht bereuen werde. Was mir Mark Neveldine und Brian Taylor bis zur etwa siebzigsten Minute vorsetzten gleicht einer öffentlichen Verbrennung der Kreativität. O.K., die meisten Sequels erzählen den ersten Teil noch einmal neu, und niemals war dies vor dem Erscheinen eines zweiten Teils so offensichtlich und auch erwünscht wie im Falle von Crank 2. Natürlich versuchen die meisten Fortsetzungen ihren Vorgänger zu überbieten, aber mir fällt beim besten Willen keine Fortsetzung eines Films ein, die schon auf den ersten Metern der Filmrolle dabei dermaßen verkackt wie eben Crank: High Voltage. Alle Zutaten, die Crank so lustig, kurzweilig, political incorrect und einfach nur sympathisch Gaga machten, werden von Neveldine und Taylor in einem nur noch als impertinent zu bezeichnenden Schwall von Einfalt über die Grenzen zur Peinlichkeit ins Land des Fremdschämcontents hinüber gespült. Mehr als noch mehr Wackelkamera, noch mehr Schnitte, noch abstrusere Einstellungen sind den beiden Regisseuren nicht zum Thema Steigerung eingefallen. Zynismus verkommt zum platten Eiertreterhumor. Das ist alles nur noch ein einziges spekulatives Anbiedern an einen Geist und Geschmack, der vielleicht im Web in vereinzelten Foren und sozialen Netzwerken in geballter Form vorzufinden ist, in der real existierenden Welt jedoch lediglich ein Dasein in einer Nische fristet, die so klein ist, daß man sie noch nicht einmal mehr als Nische wahrnimmt. Oder halt in den Köpfen pubertierender Jugendlicher, die es auch immer schwerer haben mögen gegen die Erwachsenenwelt zu rebellieren, da so viele Erwachsene nicht mehr erwachsen werden wollen. Die Macher des Filmes darf man hier als einfachsten Beweis dieser Annahme gelten lassen. Falls mir jemand zum Vorwurf machen möchte, ich könne mir kein Urteil über Crank 2 erlauben, da ich den Film nicht bis zum Ende ertragen konnte, dann soll er mir ersteinmal erklären seit wann man Pornos ganz schauen muß, um sich ein Bild von ihrer Qualität machen zu können.

Knowing

O.K., jeder macht mal Fehler. Zum Beispiel grundsätzlich auf den letzten Drücker an der Kinokasse zu erscheinen, keine Karten für die Vorstellung reserviert zu haben, obwohl das mittlerweile ja auch online ganz gut funktioniert. In einer Mischung aus Trotz und kindlichem Übermut dann Karten für die Filmvorführung zu kaufen, vor der alle, zumindest diejenigen, die man ernst nehmen kann, ausnahmslos gewarnt haben. Allein aus der Erwartungshaltung heraus sich wenigstens knappe zwei Stunden über unfreiwilligen Humor köstlich amüsieren zu können. Zum Lachen ist man schließlich im Kino erschienen. Man ist Profi, kann mit schlechten Filmen umgehen, und schließlich ist auch noch Kinotag. Der Eintritt im Verhältnis zu Parkhausgebühr, Bier und Popcorn zusammen nicht mehr als ein Trinkgeld. Was soll da schon schief gehen?

Ab hier wird nur noch gespoilert. Das muß sein, damit der Leser die Ausmaße Alex Proyas neuesten Film verstehen kann. Damit er verstehen kann an welchem Punkt das Blockbusterkino mittlerweile angekommen ist. Es geht hier nicht um bayschen Schwachsinn, nicht um Spielbergkitsch, nicht um ein billiges Drehbuch. Es geht hier nicht um Blödsinn aus Emmerichs CGI Werkstatt. Es geht hier um etwas größeres, es geht hier um den totalen Krieg gegen den Verstand.

John Koestler ist trotz seiner nicht hinnehmbaren Frisur Universitätsprofessor für Astrophysik, alleinerziehender Vater und glaubt fest an den Zufall der Natur. Sein neunmalkluger Sohn ist ein ganz lieber und schaut ausschließlich Discovery Channel. Ist klar. Vor 50 Jahren malten Kinder Bilder der Zukunft, die in einem feierlichen Akt zur Einweihung ihrer Schule mittels Zeitkapsel im Boden versenkt wurden. Zum jetzigen Jubiläum werden sie wieder ausgegraben und an die heutigen Schüler verteilt. Caleb, Koestlers Sohn, der die selbe Schule besucht, bekommt das Bild von Lucinda Embry überreicht. Doch darauf sind keine Ufos und Raumschiffe zu sehen, sondern Zahlenreihen. Einen Whiskeyfleck und eine durchgegooglete Nacht später weiß Koestler dann schließlich, daß die Zahlenreihen auf Lucinda Embrys Bild Datums- und Opferangaben der schlimmsten Katastophen der letzten 50 Jahre sind. Davon berichtet er seinen Freund und Kosmologen Phil, der jedoch ganz der Dramaturgie dienend Koestlers Entdeckung als hanebüchen abkanzelt. Schließlich sind auf dem Stück Papier auch noch eine ganze Reihe Zahlen, die nicht zugeordnet werden können. Nach einem wirklich beeindruckenden Flugzeugabsturz weiß Koestler dann auch diese Zahlen einzuordnen. Es handelt sich um die Längen- und Breitengrad Koordinaten der prophezeiten Katastrophen. Soweit Hollywood, soweit X-Files, soweit absehbarster Hochglanz Trash. Doch was Proyas danach zu bieten hat, ist nur schwerlich in Worte zu fassen. Koestler fährt nach New York, wo er Zeuge eines weiteren beeindruckend inszenierten Unglücks wird, er lernt Lucinda Embrys Tochter kennen, die ebenfalls alleinerziehend ist und eine Tochter in Calebs Alter hat. Koestler versucht Diana von den Prophezeiungen ihrer Mutter zu überzeugen, Dianas Tochter Abby versteht sich gut mit Caleb. Man findet heraus, daß die nächste vorausgesagte Katastrophe der Weltuntergang sein wird. Sonneneruptionen gigantischen Ausmaßes stehen bevor, deren Flamen bis zu einer Meile tief ins Innere der Erde eindringen werden. Die dunklen Männer entführen Caleb und Abbey, Diana hinterher, Autounfall, sie ist tot. Koestler fährt zu Lucinda Embrys Haus, die schwarzen Männer tauchen auf, Koestler fordert mit vorgehaltenem Revolver die Herausgabe der Kinder. Die Kinder erscheinen im Gebüsch mit zwei weißen Kaninchen auf dem Arm. Papa, die dunklen Männer sind hier, um uns zu retten. Wir dürfen mit. Papa darf nicht mit, er hat keine Stimmen im Kopf. Die dunklen Männer reißen sich die Klamotten vom Leib und entpuppen sich als engelsgleiche Wesen, die dem Raumschiff, oder was immer es sein soll, auf ihren Schwingen hinter her eilen. Papa bleibt zurück. Wer jetzt glaubt, daß ihm der Unterkiefer nicht mehr weiter nach unten fallen kann, wird von Proyas eines besseren belehrt. Koestler fährt wieder nach New York, wo seine streng gläubige Familie wohnt, mit der er sich vor Jahren anscheinend verkracht hat. Die Straßen sind voll von Militär, Menschen, Apokalypsenstimmung. Langsam fährt er durch die panische Menge und steht dann endlich vor dem Elternhaus. Er schafft es rechtzeitig zur Versöhnung mit seinem Vater, seines Zeichens Pfarrer, er schafft es rechtzeitig zu glauben. New York, und damit die Erde, wird von den Eruptionen erfaßt. Flamentodestsunamie. Nein, es ist noch nicht aus. Proyas kann noch härter. Schnitt. Klein Adam Caleb und klein Eva Abby laufen im neuen Garten Eden mit ihren weißen Kaninchen in den Armen auf den Baum des Lebens zu. Abspann. Ich mache mir Sorgen um Hollywood, um das Kino. Wie kann so ein Film in die zweite Woche starten? Was läuft verkehrt? Man möchte darüber lachen, doch es geht nicht. Zu ernst trägt Proyas den religiösen Unfug zwischen harmloser Esoterik und Marketingfilm christlicher Ufo-Sekten vor. Man möchte den Produzenten schwere Hirnschäden unterstellen, Proyas in einer psychatrischen Klinik unterbringen. Doch ein Blick auf die Box Office Zahlen läßt erst wirklich erschaudern. Knowing hat bisher 95 Millionen Dollar eingespielt, mehr als das dreifache des bisherigen Einspielergebnisses eines Battlefield Earth. Knowing ist wahrscheinlich erst der Anfang.

1/10 Punkte

Soo...alles klar...

Arbeit für den Rekoder - 18. - 24. April

Samstag, 18. April

Schon mal nix wofür es sich lohnen würde zu Hause zu bleiben. Echt nicht. Und komme mir hier keiner mit der Tarkowski Nacht ab 23.35 Uhr auf RBB. Ich mag Solaris einfach nicht, und ich mag Tarkowski einfach nicht.


Sonntag, 19. April

20:15 Uhr Der talentierte Mr. Ripley (Arte)
Ja, der ist als das was er ist schon recht gelungen und stammt aus einer Zeit, in der man von Matt Damon noch nicht genug hatte und Gwyneth Paltrow noch als Supertalent galt. Ich will hier auch gar nicht auf die fantastische Erstverfilmung mit dem ungleich charismatischeren Alain Delon verweisen, der einzige Wermutstropfen an Minghellas psychologischen Kriminalfilm ist die unnötige Überlänge.

00:00 Uhr Der dritte Mann (SWR)
Ganz klassisch geht es dann auch mit Carol Reeds Meisterwerk weiter. Ich kann mich immer noch nicht seiner Faszination entziehen, und hoffe irgendwann einmal doch einer Aufführung im Wiener Burgkino beizuwohnen. Zeitlos.

00:50 Uhr Michael Bay's Texas Chainsaw Massacre (Pro7)
Völlig infantiles und balangloses Remake Hoopers Alptraums von 1974, das nicht ansatzweise versteht worum es eigentlich geht. Dafür aber kurzweilig. Wenn sich Pro7 treu bleibt auch diesmal wieder ungekürzt.

Montag, 20. April

22:00 Uhr Predator (K1)
Einer meiner absoluten Lieblings-Arnies, meines Erachtens schwer unterschätzt. John McTiernan läßt erst eine ganze Spezialeinheit im Dschungel von einem außerirdischen Jäger abmetzeln, um dann den Königstiger aus den Käfig zu lassen. Das hat schon fast etwas von einem Tierschutzfilm. Natürlich gekürzt, dennoch mehr als kurzweilig.

01:05 Uhr Bowling for Columbine (ARD)
Michael Moore ist halt das Original wenn es um ausnahmslos polemische Pseudodokumentationen geht. Macht aber nichts, denn ein Stückchen Wahrheit schwingt ja immer durch. Ich mag Bowling for Columbine und irgendwie auch den Spinner aus Flint, Michigan.

01:30 Uhr The Stuntdriver (Tele5)
„Stuntman (Michael Madsen) soll den Präsidenten (Roy Scheider) kidnappen.- Blindgänger mit Angie Everhart.“ (Daumen nach unten). Also bitte liebe TV-Spielfilm Redaktion, wo bleibt denn da euer Humor? Wenn ich jetzt so an eure Tagestipps der vergangenen 14 Monate denke, - ja tatsächlich, solange beschäftige ich mich schon mit den Fernsehtipps – dann weiß ich nicht was Ihr an einen Film mit Roy Scheider, Michael Madsen und einer Darstellerin, deren Name allein schon oscarreif ist, auszusetzen haben könntet. Kenne ich zwar noch nicht, läßt mich aber auf eine weitere Trasherfahrung hoffen. Wird aufgenommen und für schlechtes Wetter archiviert.

Dienstag, 21. April

23:00 Uhr Die Wolke (NDR)
Würde ich ja gerne drauf herumhacken, aber ich habe den Film des Regisseures, der sich sonst noch für Doppelter Einsatz, Hitzewelle – Keiner kann entkommen und noch mehr TV Unfug zu verantworten hat, nicht gesehen.

23:00 Uhr Videogramme einer Revolution (3Sat)
Hört sich sehr interessant an und wäre bestimmt auch was für unsere Geschichtsblogger von nebenan. Medienkritische Montage von TV Bildern und Amateuraufnahmen der 89er Revolution in Rumänien. Ich bin gespannt.

Mittwoch, 22. April

20:15 Uhr Mystic River (K1)
Ein Film, der mich doch sehr unentschlossen zurückgelassen hat. Clint Eastwoods Fähigkeiten als Regisseur sind nicht wegzudiskutieren. Seine Filme sind absolut amerikanischer Natur und beherbergen jedesmal von neuem eine tiefe Milde gegenüber ihren Charakteren. Das Thema ist schwierig, mir aber zu sehr auf den Oscar geschielt vorgebracht. Sorry, nicht wirklich mein Ding.

23:30 Uhr Der freie Wille (Arte)
Matthias Glasners Drama um Theo Stoer, der drei Frauen vergewaltigte und nun nach neun Jahren Haft versucht eine Beziehung einzugehen, hört sich sehr interessant an. Zwar wurden hier knappe sechs Stunden Filmmaterial auf 165 Minuten zurechtgeschnitten, doch lesen sich die Kritiken im allgemeinen recht gut. Zumal Glasner mit dem Pilotfilm zum KDD bewiesen hat, daß auch heute noch anspruchsvolles deutsches TV möglich ist. Wird programmiert.

Donnerstag, 23. April

20:15 Uhr Die neun Pforten (Sat.1)
Sehr europäischer Okkult-Thriller mit Johnny Depp, der seine Versprechen aus der Exposition im Finale jedoch nicht einhalten kann. Dennoch, Polanski ist einer von den Guten.

21:00 Uhr Mein Führer (ARTE)
Darf man über Hitler lachen? DARF MAN ÜBER HITLER LACHEN???? ÜÜÜÜBER HITTTTLERRRRR? Natürlich darf man. Leider weiß Levy aber nicht was er wirklich möchte, und so verkommt der Film dann doch zur angestrengten Satire zwischen Klamotte und Rührstück. Ulrich Mühe und Helge Schneider sind gut, der Rest deutsches Mittelmaß.

22:20 Uhr Pulp Fiction (VOX)
Es gibt tatsächlich Meinungen über Tarantino, die die Auffassung vertreten, Tarantino würde „nur kopieren“, hätte eigentlich überhaupt keinen eigenen Stil usw., etc. und so fort. Da frage ich mich dann immer wie es sein kann, daß jemand kopiert wird, der selbst „nur kopiert“? Tarantino macht Filme über Filme, und das auf ganz eigene Art und mit ganz eigenem Stil. Mit welch einer Brillanz, kann man nicht nur an Pulp Fiction ablesen, dieser fantastischen und immer wieder begeisternden B-Movieopera, sondern an all seinen Werken. Das schönste an Tarantinos Filmen ist jedoch die Tatsache, daß er sie nur für sich selbst dreht und nicht für ein kalkuliertes Zielpublikum. Das kann man an den langen Gesichtern derjenigen ablesen, die nach Jackie Brown enttäuscht den Kinosaal verließen, da sie Pulp Fiction erwarteten. Die nach Kill Bill II enttäuscht den Kinosaal verließen, da sie Kill Bill erwarteten. Die nach Death Proof enttäuscht den Kinosaal verließen, da sie den Trailer von Planet Terror erwarteten. Und ich bin mir auch ganz sicher, daß diesen Sommer wieder ganz viele den Kinosaal mit einem langen Gesicht verlassen werden, da Tarantino wieder einen Film über Filme gedreht hat, die sie eigentlich gar nicht mögen...

Freitag, 24. April

Siehe Samstag.

mehr wissen die anderen...
From Beyond, Blockbuster Entertainment, The Duke, Kino, TV & Co und (wenn er denn mal Zeit hat) immer wieder ab samstags.

Irgendwie fast schon Sommer

Fast Forward >> A Scanner Darkly

Orange County, Kalifornien. Die Nahe Zukunft. Bob Arctor arbeitet als verdeckter Ermittler des Drogendezernats. Zum eigenen Schutz bewegen sich die Beamten innerhalb der Behörde mittels eines Tarnanzugs, um ihre wahre Identität zu verbergen. Der Kampf gegen die Drogenmafia wird von der Regierung repressiv geführt, da schon ein erheblicher Teil der Bevölkerung von einer neuen Droge namens T abhängig ist. Jeder Bürger kann von der Behörde per Satellit und Handyortung überwacht werden. Auch Bob Arctor, der unter seinem Decknamen Fred agiert, ist T Konsument. Der ständige Konsum der Droge scheint erste Schäden an seinem Hirn zu verursachen, im Rahmen seines aktuellen Falls bekommt „Fred“ den Auftrag Bob Arctor, also sich selbst zu überwachen. Richard Linklaters Film basiert auf Philip K. Dicks Roman Der dunkle Schirm, mit dem der Autor die eigenen Erfahrungen in der Drogenszene zu verarbeiten versuchte, zu der er auch sich selbst zählte. Bob Arctor entwickelt im Laufe der Handlung Persönlichkeits- und Wahrnehmungstörungen aufgrund des eigenen starken Drogenkonsums, den sein Job unweigerlich mit sich bringt. Er kann schon bald nicht mehr zwischen seiner Identität als Ermittler Fred und Bob Arctor unterscheiden. Linklater beschäftigt sich zu einem großen Teil mit der Paranoia seiner Charaktere, die sie meist davon abhält Situationen richtig einzuschätzen und unweigerlich in unnötigem Stress endet. Leider geschieht das in einem Wust von schon bald langweilenden Drogentrashtalk, der die Handlung nur bedingt voran bringt, der gerade im ersten Teil des Films einfach durch die Skurrilität der Charaktere über das Ziel hinausschießt und für den schließlichen Plot absolut unnötig erscheint. Da schwankt der Film einfach zu sehr zwischen Cheech und Chong und ernsthaftem Drama, mit großer Tendenz zu ersterem. Erst auf der Zielgeraden kann Linklater aufholen und den Stoff in die richtige Bahn lenken, doch insgesamt hat der Film bis dahin schon zu viele interessante Möglichkeiten liegen lassen. Daran ändert auch die durchgehende Verfremdung des Realfilms durch das Rotoscope-Verfahren nichts, welches Linklater ohne offensichtlichen Grund gnadenlos anwendet. Sicherlich kann man es als künstlerischen Ausdruck der Wahrnehmungsstörungen der Protagonisten einordnen, doch ergibt es keinen inhaltlichen Sinn. Der an einen Photoshopfilter erinnernde Effekt kann der Geschichte nichts hinzufügen. Der Film sieht halt einfach wie ein Animationsfilm aus. Ständig ertappt man sich bei dem Gedanken, hier wäre mehr drin gewesen... So bleibt nur ein in Teilen nettes Stück Drogenkrimidrama, das sein Potenzial als Kritik an dogmatischer Drogenpolitik in Äußerlichkeiten und viel unnützem Geschwafel versenkt.

6/10 Punkte

Who watches the Watchmen Motion Comic?

Ich möchte hier gar nicht erst um den heißen Brei herumschreiben. Zack Snyders Adaption Allan Moores Watchmen saugt. Auch wenn der Film in meinem kürzlichen Review noch mit einem blauem Auge davon kam, ist wohl unbestritten, daß Snyder dem wichtigen Ende des Epos eine komplett andere Bedeutung gibt. Adrian Veidts Zweifel außen vorläßt und den verbliebenen Watchmen dann eben doch eine gehörige Prise echtes Superheldenflair mit auf den Weg gibt. Das ist einfach das größte Ärgernis neben seiner formalen Auslegung der Geschichte, die nicht zuletzt auch unter dem schrecklichen Soundtrack zu leiden hat. Wer sich dennoch für Moores Graphic Novelle interessiert, da er unter Snyders filmischen Make-Up etwas tiefgründiges vermutet, jedoch Angst hat sich durch die 12 Kapitel des Comics zu wälzen, der kann sich jetzt dank Warner Home Video die schon seit letztem Jahr über iTunes und Amazon per Video on Demand vertriebene Miniserie auch als DVD oder Blu-ray Ausgabe zulegen. Leider nur wenn er im Besitz einer Kreditkarte ist, denn über Amazon Deutschland sind die Scheiben noch nicht erhältlich. Der Aufwand lohnt jedoch in jedem Fall, selbst für Besitzer des Comics. Panel für Panel wird animiert, wobei man keine Animation nach aktuellem Standard erwarten sollte. Das Ganze erinnert dann doch eher an Zeichentrickserien der 50er, 60er oder 70er Jahre, was dem Comicfeeling jedoch nicht abträglich ist, zumal auch auf die Sprechblasen nicht verzichtet wurde. Wie meinte noch Ozymandias? „Its Nostalgia“. Insgesamt machen die 12 Episoden einen sehr hochwertigen Eindruck, auch wenn einzelne Szenen nicht immer den Detailreichtum der Originalzeichnungen halten können. Ein weiterer Minuspunkt ist die Tatsache, daß alle Rollen ausschließlich von Tom Stechschulte gesprochen werden, was gerade bei den Frauen der Geschichte ein wenig bitter aufstößt. Doch auch daran kann man sich im Laufe der etwa fünfeinhalb Stunden gewöhnen. Viel wichtiger erscheint mir da der klassische und wirklich gelungene Score mit dem das Geschehen unterlegt ist, und der immer genau dann einsetzt, wenn er benötigt wird. Die Melancholie, die aussichtslose Atmosphäre, das Gefühl des bevorstehenden Endes der Erde, all die Dinge, die Snyder nicht schaffte in seinem Film unterzubringen, transportiert das Motion Comic mit Bravour. Wenn die Produzenten diese einmalige Qualität halten, dürfen sie in Zukunft gerne mehr Comics mit dieser Technik auch Lesefaulen zugänglich machen. Sehr empfehlenswert.

Far Cry

Erinnert sich noch jemand an Michael Edwards? Das war dieser sympathische Brite, der es tatsächlich schaffte in seiner Sportart für Furore zu sorgen, obwohl er seine Sportart nur bedingt beherrschte. Während der Olympischen Winterspiele 1988 war er Publikumsliebling und Gesprächsthema Nr. 1. Jedesmal, wenn er oben auf der Skisprungschanze in der Spur in die Hocke ging, um dann mit der garantiert langsamsten Anfahrt dem Schanzentisch entgegen zu kriechen, den richtigen Absprungpunkt garantiert zu verfehlen, und um dann so mit Ach und Krach irgendwo weit, weit, weit vor der aktuellen Bestmarke wieder festen Boden unter den Füßen zu spüren, war die Aufmerksamkeit der Zuschauer größer als bei den Athleten, die die Medaillenränge nur um wenige Punkte verfehlten, ihren Sport jedoch ausgesprochen gut beherrschten. Die Meinungen in der Fachwelt über Michael „Eddie the Eagle“ Edwards waren gespalten. Die einen schrieben, laßt ihn doch weiter machen. Der Mann führt seinen Sport mit der gleichen Profession aus, wie die großen Sieger. Dabei sein ist alles. Die anderen sahen in ihm eine Beleidigung, eine Verhöhnung der Sportart, der Olympischen Spiele. Am Ende änderte das IOC die Regeln zur Qualifizierung für den Wettbewerb. Ich muß jedesmal an Edwards denken, sobald der Name Dr. Uwe Boll fällt. Ich kann nicht abstreiten, daß Boll seinen Beruf mit der gleichen Ernsthaftigkeit angeht, wie seine Kollegen. Ich kann nicht abstreiten, daß seine Leistungen weit, weit, weit hinter denen seiner Konkurrenten liegen. Bolls Attraktivität liegt nahezu ausschließlich in seinem Nichtkönnen, in der Erwartung einer schlechten Leistung. Und auch die Meinungen über Boll sind in der Fachwelt ebenso gespalten. Die einen erkennen seinen Mut, sein Selbstbewußtsein an, auf eigene Rechnung im großen Zirkus der Filmwelt mitspielen zu wollen. Die anderen sehen seine Werke als Beleidigung für das Filmgeschäft und würden ihm die Teilnahme an eben diesem nur allzu gerne verbieten. Aber Boll ist immer noch dabei, da die einzige Regel zur Teilnahme an dem Wettbewerb, in dem er startet, die Sicherung der Finanzierung seiner Filme ist. Genau die beherrschte Boll bisher mit einem unglaublichen Mut zum Risiko, einem festen Glauben an seinen Erfolg, an seiner Arbeit und natürlich mit seinen unerbittlichen Marketingmethoden. Michael Edwards machte sich abseits der Schanzen auch mal gerne zum Affen, um in den Medien zu bleiben.

Jetzt steht mit Far Cry also Bolls 16. Film in den Regalen der Videotheken und sein 7. Film, der auf einer Videospiel Lizenz basiert. Graben wir gar nicht erst nach Gemeinsamkeiten zum Shooter aus deutschen Landen, die sind zwar tatsächlich in Spuren vorhanden, doch könnte eine genauere Betrachtung natürlich nur in Unmut enden, schließlich sind sie auch für den Unterhaltungswert des Filmes völlig egal. Jack Carver dümpelt jetzt also in Kanada mit seinem Ausflugsboot über das Wasser, um Touristen Wale und die schöne Gegend vorzuführen. Warum er dabei ein Hawaihemd tragen muß? Ach, ... ich wollte ja nicht graben. Eines Tages soll Carver die Reporterin Valerie zur Insel Dr. Kriegers schippern, deren Onkel Max dort die geheimen und verbotenen Genversuche des Mad-Scientist an Soldaten ausspioniert. Wie es natürlich nicht anders sein kann, ist Onkel Max schon längst selbst Opfer Dr. Kriegers Versuche, die selbstredend vor allem das Hirn der Probanden schädigen, selbstverständlich wird Valerie bei ihrer Ankunft von Kriegers Privatarmee empfangen und Carvers Boot per Rakete in kleine Stücke zerlegt. Wie es natürlich auch nicht anders sein kann, zerlegt Carver daraufhin große Teile Kriegers Privatarmee samt Vehikel ebenfalls in kleine Stücke und kann Valerie natürlich wieder sofort befreien. Aber nur für kurze Zeit, denn es muß ja nicht nur ein Weg weg von der Insel gefunden, sondern auch Onkel Max befreit werden und dabei... Klar, business as usual..., wenn es eben nicht ein Boll KG Film wäre. Der Dr. weiß unumstritten, was er da auf die Leinwand bringen möchte - schließlich ist nicht zu übersehen, daß er wohl die meisten Actionfilme der letzten 30 Jahre gesehen hat -, hat aber doch arge Probleme bei der Umsetzung seines Wunsches einen schmuddeligen 80er Jahre Actioner nach Cannon Machart mit dem Humor des 90er Jahre Buddie Movie zu verbinden. Während die Action für eine derartige Low Budget Produktion in Ordnung geht, sofern man als Zuschauer das Gehirn auf Humor und Gelassenheit schaltet, sie sogar teilweise mit recht effektiver CGI aufgemöbelt wurde, hapert es dann doch gewaltig an den Gags, die Boll mit einer fast schon liebenswerten Naivität immer wieder versucht in seinem bisher tatsächlich besten Film unterzubringen. Nicht nur daß kein einziger von ihnen zünden möchte, sie wirken in den meisten Fällen auch noch völlig deplaziert. Boll fehlt es einfach am richtigem Timing, was er ja schon mit Postal eindrucksvoll unter Beweis stellte. Ich sehe hier wirklich sein größtes Defizit, und das will schon was heißen, bedenke ich die Größe all seiner anderen Defizite als Regisseur. Man muß dennoch immer wieder schmunzeln, denn gerade Bolls vergebliche Versuche für gewollten Humor zu sorgen katapultieren Far Cry zusätzlich in ungeahnte Höhen der Trashskala, deren Zeiger schon allein durch die Wahl des Hauptdarstellers ordentlich ausschlagen. Nichts gegen Till Schweiger - man muß seine Filme nicht anschauen-, aber worin zum Teufel noch einmal sieht Boll in ihm die Befähigung zum Actionstar? Sicherlich, Far Cry erfordert keine Charakterdarsteller, doch braucht so eine Hauptrolle als Jack Carver, der immerhin Ex-Mitglied irgendeiner ultraharten Spezial Kampftruppe sein muß, doch auch irgendwie eine echte Grundcoolness und nicht irgendeine angestrengte Grundspitzbubenhaftigkeit. Mein Gott, da hampelt immer noch der Manni aus Manta Manta über Dr. Kriegers Schreckensinsel, die sich auch nur als ein Sägewerk entpuppt, und nicht ein adäquater Dudikoff- oder Norrisersatz. Schon allein Schweigers Näseln konterkariert doch jeglichen Ansatz einer ihm innewohnenden Gefährlichkeit. Unglaublich wie gnadenlos Schweiger als Actionhero, trotz annehmbarer Physis und Ottokatalogantlitz, auf der Strecke bleibt. Man kann das alles nur mit Humor nehmen, mit viel Humor. Dagegen macht der Rest des Casts eine recht ordentliche Figur. Emmanuelle Vaugier ist leckeres Püppchen, Natalie Avelon gemeines Püppchen, Ralf Moeller halt Ralf Moeller - man erwartet ja schon eh gar nichts mehr von ihm – und Chris Coppola als bedauernswerter Versuch eines Sidekicks eben das ärmste Schwein. Die Spreu vom Weizen vermag dann aber wieder einmal Udo Kier zu trennen. Es ist einfach nur göttlich, wie er sich da mit all seiner Professionalität noch durch den dümmsten C-Movie Quark spielt. Welch eine Würde er noch der albernsten Rolle verleihen kann. Allein Udo Kier ist Grund genug Bolls Film anzuschauen. Aber bei allen Makeln, die Far Cry gar nicht erst zu vertuschen versucht, die er so offensichtlich zur Schau stellt, wie ein Typ in Jogginghosen und Cowboystiefeln, Far Cry ist grundsätzlich kurzweilig und kann sich eines gewissen Unterhaltungsfaktors nicht erwehren. Echter Trash halt, nicht diese auf Trash gebürstete Postmoderne. Ein Dr. Uwe Boll Film ist wie ein Skisprung Michael Edwards. Die Spannung ergibt sich aus der Sorge, daß jemand verletzt werden könnte.

5/10 Punkte

Fast Forward >> Doublefeature

Religulous

Was darf die Satire? Alles. Bill Maher - Stand Up Comedian, Schauspieler, Late Night Talker und Produzent – nimmt sich nun die Religion vor. Auf dem Weg zur satirischen Erkenntnis interviewt er allerhand Randgestalten der Glaubenswelten. Vom ehemals homosexuellen Familienvater, der nun mit den Exchange Ministries „noch nicht fertige“ Menschen auf den einzig richtigen heterosexuellen Weg leiten möchte bis hin zur Kiffer-Kirche in Amsterdam, deren Offizieller dann auch ganz schnell zum Opfer eines müden Kurzzeitgedächtnis Gags werden darf. Ja, die Welt wäre eine bessere ohne diese Religion, das versucht uns Maher anhand der schwachsinnigen und oftmals auch gefährlichen Ausschweifungen religiös verwirrter Individuen klar zu machen. Und tatsächlich, da muß man schon schmunzeln, wenn Maher im jüdischen Spezialgeschäft steht, das allerhand technische Skurrilitäten zur Erleichterung des wöchentlichen Sabbats anbietet, oder eine Besucherin des Holy Land Vergnügungsparks in Florida frei von der Leber weg erklärt, sie wäre so gerne Christin, da ihr die Juden so leid täten. Würde jedoch auch an ein Wunder grenzen, in einem solchen Etablissement intelligentes Leben anzutreffen. Alles nette Menschen, aber sie haben einen an der Waffel. Das ist Mahers eigentliche Botschaft, die Religiösität ist nur der Aufhänger für 100 Minuten harmloses Vorfürtheater, in dem Maher selbstredend immer der besser vorbereitete Gesprächspartner bleibt. Ärgerlich wird das ganze aber, wenn Maher ausgerechnet den niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders auffährt, um den Islam als kriegerische Religion zu entlarven. Was darf die Satire? Alles, sofern sie den Kern trifft.

6/10 Punkte

Leatherface: Texas Chainsaw Massacre 3

Drei goldene Regeln für das Reisen durchs amerikanische Hinterland. 1. Volltanken, weiterfahren. 2. Nie das Klo der Tankstelle benutzen. 3. Abkürzungen sind immer der direkte Weg in den Tod. Von Hoopers und Hinkels Idee ist natürlich nur noch das Grundgerüst geblieben, aber das reicht ebenso natürlich für knappe 80 Minuten Kannibalen-Redneck-Exploitation. Der Versuch Jeff Burs dem Ganzen wieder ein schockierendes Antlitz zu verleihen versickert dabei unweigerlich im Sumpf des unfreiwilligen Humors und der undynamischen Action. So kann man vielleicht noch darüber hinwegsehen, daß Texas Wüste nachts ziemlich feucht daher kommt, während am Tage die dunklen Wälder noch nicht einmal am Horizont zu erblicken sind. Leider sind es dann nicht zuletzt die dürftigen Dialoge und das recht schlechte Spiel der Protagonisten, die dem blutigen Psychoschock entgegenstehen und den Film nicht über den typisch unterdurchschnittlichen Videothekenslasher hinaus kommen lassen. Schade, denn ein paar nette Einfälle kann der Film schon neben Genre Darling Ken Foree und den immer ansprechenden Viggo Mortensen bieten, für Kannibalennachwuchs wurde jedenfalls gesorgt. Don't mess with Texas ist der Schlußgag, Don't mess with Hooper das Fazit.

5,5/10 Punkten

Na aber jetzt, ääähhh WTF?

Why not die Ledertrousers?

Arbeit für den Rekoder - 11. - 17. April

Samstag, 11. April

22:30 Uhr Mad Max (K1)
George Millers Zukunfts-Cop-Rache-Thriller-Meilenstein. Inszenatorisch und dramaturgisch eine wahre Wonne, obwohl er doch so wenig kostete. Was alles mit einer guten Kamera, intelligentem Musikeinsatz und klasse Autostunts heraus geholt werden kann... Soll erstmals in einer 86 minütigen Schnittfassung ausgestrahlt werden, was immer noch 7 Minuten zu wenig wären. Demnächst etwas ausführlicher auf diesem Blog.

Sonntag, 12. April

20:15 Uhr Blood Diamond (Pro7)
Was durchaus ambitioniert beginnt, endet leider im durchaus konventionellen Actioneinheitsbrei hollywoodscher Genregesetze. Eigentlich schade drum, dabei wäre da doch soviel mehr drinn gewesen. Ich mag Di Caprio trotzdem, schon allein weil er immer seine Oma hier ganz in der Nähe besucht hat. Guter Junge.

22:20 Uhr Crank (RTL)
Gehört zu meinen absoluten Actionlieblingen dieses Jahrzehnts. Völlig befreit von medizinischen und physikalischen Realismus ballert und fährt Jason Statham dem Game Over Bildschirm entgegen. Der pure Spaß der Situation. Garniert mit hervorragenden Soundtrack und der perfekten Prise Humor. Mehr davon, ach ja, Nachschlag gibt’s ja bald im Kino. Die ersten beiden Teile der inoffiziellen Vorlage gibt es mittlerweile als kostenlosen Download. Cool.

22:25 Uhr Open Water (K1)
Naja, die Neuerfindung des Rades ist der Film nicht gerade, aber dennoch mochte ich ihn aufgrund seines Mutes eine alptraumhafte Szene bis auf's äußerste auszureizen. Vorsicht, könnte durchaus als langweilig angesehen werden. Geschmackssache.

Montag, 13. April

20:15 Uhr Prestige – Meister der Magie (Pro7)
Hollywoods Wunderkind Christopher Nolan dreht einen wunderbar nostalgischen Historien-Sci-Fi-Krimi-Mix, der vor allem auch von der Inszenierung der Bühnenkunststücke zu leben weiß, ganz im Gegenteil zu The Illusionist. Dennoch vergißt man Nolans bisher besten Film nach dem Abspann genauso schnell, wie seine übrigen. Trotzdem gut.

22:35 Uhr Gothic (Tele5)
Obwohl ich Ken Russells Filme alles andere als perfekt bezeichnen würde, mag ich sie doch alle. Auch hier spielt der Brite wieder in ganz surrealistischer Art und Weise mit den rauschhaften Alpträumen seiner Protagonisten. Herrlich viktorianische Horrorgroteske.

Dienstag, 14. April

22:05 Uhr 11:14 (Tele5)
Sehr sympathischer Episodenfilm, dessen immer durch und durch schwarzhumorige Handlungsstränge am Ende in einem einzigem Ereignis münden. Ohne unnötigen Ballast und mit für einen Film in dieser Größenordnung überraschenden Cast, absolut stringent stilvoll vorgetragene Unterhaltung. Wird ohne größere Mängel durchgewunken.

Mittwoch, 15. April

Nix

Donnerstag, 16. April

22:05 Uhr Der verbotene Schlüssel (VOX)
Ja, nein, ach doch, nee, um Gottes Willen. Teenie Mystery Schmock der einfältigsten Art. Rette sich wer kann. Der taugt wirklich überhaupt nicht, für die TV Spielfilm reicht's zum Tip des Tages.

Freitag, 17. April

20:15 Uhr Nur noch 60 Sekunden (Pro7)
Ja, ja, ich weiß. Prolokino, blablabla. Aber seien wir doch mal ehrlich, wann sah Angelina Jolie schon einmal bescheuerter als hier aus? Dagegen geht die Cage Frisur doch diesmal glatt durch, über die Handlung muß man kein Wort verlieren, die finale Verfolgungsjagd geht in Ordnung. Trotz einiger Längen - dabei ist das ja schon eine besondere Leistung, in einem solchen Film tatsächlich Längen einzubauen –, Trashpotential wird ausgeschöpft.

22:05 Uhr Alien 3 (RTLII)
Leider nicht die Special Edition, aber immer noch überdurchschnittliches Regiedebut David Finchers. Über die religiöse Brimborium Symbolik sehen wir doch mal gnädig hinweg und erfreuen uns an den ganz normalen Alpträumen einer werdenden Mutter.

22.25 Uhr Das Auge (3Sat)
Auf den bin ich jetzt wirklich einmal gespannt. Ich kenne nämlich leider nur die zwar sympathische, aber auch ultrakitschige Neuverfilmung mit McGregor und Ashley Judd. Das hier ausgestrahlte Original soll um Längen besser sein.

Ja, ich weiß. Eine ganze Menge guter Filme bleiben wieder einmal unerwähnt, und deshalb unbedingt auch bei den Kollegen vorbeischauen.

Da kommt noch so einiges mehr dem ich mich diesmal aus Zeitmangel nicht widmen konnte. Deshalb unbedingt auch bei meinen Kollegen vorbeischauen...
From Beyond, Blockbuster Entertainment, The Duke, Kino, TV & Co und immer wieder ab samstags.

Super Hero

Ich war mir bisher gar nicht bewußt, daß Jackie Chan die meisten seiner Titel Themes selbst gesungen hat. 1999 erschien sogar ein Best Of Album, welches ich mir jedoch garantiert nie zulegen werde, obwohl ich zugeben muß, daß sich dieses wohl bestens zum Angeben und Verblüffen auf der nächsten Party eignen könnte.



Jacky Chan, Hero Story (Police Story OST), 1985

Ich habe mir ja schon fast den Ar... abgegooglet...

..., aber wie war das noch mit Hoeneß, Ribery und von wegen nicht Marseille, sondern FC Bayern und das sei wie Real Madrid, Manchester oder Barcelona? Dagegen muß ich Phillip Lahm recht geben, wenn er in der Adidas Kampagne "Follow The Stars" anmerkt:"Nicht wo, nur wie du spielst ist wichtig." Zu finden z.B. in der 11Freunde Ausgabe Oktober 2008 auf Seite 13. So Gedrucktes hat dann ja doch noch seine Vorteile.

Fast Forward >> Texas Chainsaw Massacre Part II

Tobe Hooper ist ein Schlitzohr. Das kann man nicht anders sagen, wenn man sein Sequel zum - ich wiederhole mich hier nur all zu gerne – neben Psycho wohl einflußreichsten Film des Genres kennt. Wohlwissend, daß eine ernsthafte Fortsetzung um die texanische Kannibalenfamilie aus Texas unmöglich gewesen wäre, der Terror seines naturalistischen Erstlingswerk wohl kaum durch explizite Gewaltdarstellungen zu steigern ist, dreht er den Spieß um und inszeniert einen Horrorcomic, eine Groteske. Dem sollte sich jeder bewußt sein bevor er in Erwägung zieht sich Hoopers Achterbahnfahrt des zu keiner Zeit als nervenzerreißendes Horrorerlebnis angelegten Films anzuschauen. Das wird schon gleich zu Anfang seines Werkes offensichtlich, als Stretch, die Radiomoderatorin, in ihrer Call In Show die beiden ersten Opfer unentwegt bittet das Telefongespräch zu beenden, während ihr Techniker verzweifelt an Schaltern und Kabeln herumwerkelt, um genau dieses zu erreichen. Realismus und Authentizität sind dann auch im weiteren Verlauf der Chose lediglich in homöopathischen Dosen zu entdecken. Nur der Spaß am Einriß schon damals wieder festgefahrener Genrekonventionen ist zu finden. Ohne Rücksicht auf Verluste. Und das ist es dann auch, was Texas Chainsaw Massacre Part II mit Hoopers Erstlingswerk verbindet. Hooper läßt Dirty Harry auf die böse Version der Marx Brothers treffen, denen Alice in ihren Hasenbau gefolgt ist. Hier ist nichts unmöglich. Da wird die Kettensäge nicht nur zum Phallus, nein, Leatherface darf sich auch in das Opfer verlieben. Leider verläßt Hooper an einigen Stellen des Filmes das Gefühl für das richtige Timing, und so kommt er dem infantilen Humor einiger Genrekollegen seiner Zeit erschreckend nahe, läßt Szenen seines Comics dann doch fast in unbeholfenen Trash umschlagen. Egal ob gewollt oder nicht, vielleicht war der Einfluß der Produktionsfirma Cannon zu groß. Dennoch, die positiven Seiten des Films sind in der Überzahl, nicht zuletzt kann Texas Chainsaw Massacre Part II mit einem der wohl schönsten Kulissen des Genres protzen. Die Höhle der Kannibalen-Familie ist ein einziges Meer aus Licht und sensationell arrangierten Symbolen des Todes. Ja, sein 74er Neuentwurf des Horrorfilms hat sich hin zur bunten Jahrmarktsattraktion entwickelt, zur oftmals unfreiwilligen Komödie. Das ist Hoopers Botschaft, Party-Film deluxe.

7,5/10 Punkte

Bevor ich es noch einmal vergesse

Unforgivable Blackness: The Rise and Fall of Jack Johnson

Burns gelingt es in seinem Film nicht nur vom Boxer Jack Johnson zu erzählen, sondern auch deutlich zu machen, warum ihn die weiße Gesellschaft vernichten wollte. Er war seiner Zeit weit voraus, war ein Popstar, lange bevor es den Begriff überhaupt gab. Er kämpfte nur für sich und die Verwirklichung seines persönlichen Traumes. Der größte Skandal war, dass er dabei vergaß, dass er schwarz war. Ja, noch mehr, es war ihm egal, dass er schwarz war. (wdr)
Ken Burns Zeitdokument lief gestern Abend im WDR und ich habe natürlich die Hälfte verpaßt. Zum Glück gibt es aber auch noch Phoenix, das die Biogrophie der schon wieder vergessenen Legende mit unheimlich viel originalem Archivmaterial, welches vor allem mit beeindruckenden Photos und Filmschnipseln zu glänzen weiß, am Freitag den 17. April um 22:15 Uhr noch einmal wiederholt. Wer wissen möchte warum ich den ersten Rocky Filmen die Befriedigung eines grundsätzlich rassistischen Bedürfnisses vorwerfe, sollte unbedingt einschalten. Aber keine Angst, Ken Burns erzählt nur eine wahre Geschichte. Auch Phoenix strahlt den Film unter seinem etwas rührigen deutschen Titel Er wollte kein Sklave sein aus.