Fast Forward >> Apocalypse Now Redux

Die Kinofassung der Apocalypse soll sich nicht wesentlich von dem Workprint unterscheiden, den Coppola 1979 in Cannes präsentierte. Für ein Workprint ist Apocalypse Now jedoch ein verdammt guter Kriegsfilm, frei von jeglicher politischer Aussage und Rationalität. Willards Reise ins Herz der Finsternis ein sich stetig steigernder Bilderreigen des Absurden, der Unwesentliches offen läßt und sich eben ganz auf das Eintauchen in eine nicht mehr nachvollziehbare böse Welt konzentriert. Die Kinofassung beherbergt durchaus einige formale Ungereimtheiten, aber wen störten diese schon gemessen an der schieren Kraft, die der Film ausstrahlt? Selbstverständlich darf man Coppola gestatten den Film noch einmal umzuschneiden, um Anschlußfehler und daraus resultierende Ungereimtheiten zu minimieren und vielleicht noch die eine oder andere gelungene Szene hinzuzufügen. Doch sollte durch so einen Directors Cut nicht das Wesen des ganzen Filmes verändert werden. Leider ist dies Coppola nicht gelungen, zwar können einige Sequenzen durchaus von der neuen Montage profitieren. Ich denke hier vor allem an jene, in denen Willard sich mit Kurtz Dossier befaßt, die jetzt viel stärker für sich stehen und den Kontrast zwischen Kurtz militärischer Laufbahn und seinem am Ende gezeigten Hort der Degenartion heraustellen. Aber schon mit Willards Surfboard Diebstahl vergeht sich Coppola an seinen eigenem Film, auch wenn diese Szenen nicht so tiefgreifend den Gesamteindruck verändern, wie die später folgenden gestrandeten Playboy Bunnys oder französischen Kolonisten. Coppola gestattet Willard hier Charaktereigenschaften, die Kilgores Absurdität vielleicht ein klein wenig mehr unterstreichen, jedoch den eigentlichen, nur schwer erreichbaren und lediglich auf seinen Auftrag konzentrierten, Willard ein gutes Stück seiner schwermütigen Ernsthaftigkeit berauben. Viel schlimmer noch, ihn plötzlich zum Gönner werden lassen. Was später während der Begegnung mit der gestrandeten Playboy Crew -, die der Geschichte nicht nur in keinster Weise neue Aspekte abgewinnen kann, sondern auch peinlich erscheint - noch einmal unverständlicher Weise von Coppola intensiviert wird. Waren es nicht Willards Professionalismus und Distanziertheit, die in der ursprünglichen Kinofassung den Wahnwitz der Ereignisse zu steigern wußten und seiner Figur, trotz der durchaus zwiespältigen Funktion des von der Regierung angeheuerten Mörders, so etwas wie Verstand und Anstand einverleibten? Was Willards Figur letztendlich so schwer verdauchlich machte. Doch beteiligt Coppola diesen Willard plötzlich am Wahnsinn. Drei Fässer Sprit für ein paar Stunden Vergnügen mit dümmlichen Playmates, denen Coppola noch nicht einmal ein wenig Würde zugesteht. Warum sollte Willard den Auftrag für ein Schäferstündchen der Crew gefährden? Das paßt einfach vorne und hinten nicht zu seinem Charakter. Diese Szenen sind wirklich einfach nur ein großes Ärgernis. Da kann man eher noch den neu eingefügten Teil verstehen, in dem Coppola versucht seinem Film dann doch noch die politische Aussage anzuheften, für deren Fehlen er in der Vergangenheit oftmals kritisiert wurde. Doch leider gerät der Ausflug auf die Plantage der französischen Kolonisten nicht nur viel zu lang, er stört auch noch den Rhythmus des Filmes ungemein. Was in der Kinofassung so gut funktionierte, das langsame Abgleiten in die Irrationalität, die immer größer werdende Entfernung zum Kriegsfilm, wird durch die völlig aufgesetzt wirkende Geschichtsstunde in Indochinaproblematik aufgebrochen. Da wird der Film aufgebläht und eines guten Stückes seiner Intensität bestohlen, der Spannungsbogen völlig zerstört. Nur schwerlich kann er danach wieder aufgebaut werden, zu leichtfertig stellt Coppola die Geduld des Zuschauers auf die Probe. Zumal auch dieser neue Teil des Filmes der Geschichte nichts neues hinzufügen kann. So kann Apocalypse Now Redux lediglich mit den anfangs erwähnten neuen Montagen, die ein paar Anschlußfehler beseitigen, glänzen. Die neuen Szenen sind vielleicht für Kenner und Liebhaber des Filmes interessant, schaden ihm in seiner (eh schon oft angezweifelten) Stringenz und Ausdruckskraft jedoch mehr als ihm lieb sein kann. Ich kann hier nur zur wesentlich stärkeren Kinofassung raten.

7/10 Punkte

16 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Hast du den gestern im Fernsehen gesehen?

Flo Lieb hat gesagt…

Hast du die REDUX-Version zum 1. Mal gesehen?

C.H. hat gesagt…

Hm, ich glaube für mich ist da der erkenntnisleitende Zug abgefahren. Ich habe den Film bislang immer nur in der Redux-Version gesehen, und kenne die Kino-Version gar nicht. Ich fürchte mal das ich die Kinofassung durch meinen schon vorhandenen Kenntnis-Stand der Redux nicht in dem Maße wertfrei sehen kann, wie es einer kann, der die Filme in der "richtigen Reihenfolge" gesehen hat. Es sei denn, ich erleide morgen ne Amnesie, was ich nicht hoffen will. ;-) Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass die zusätzlichen Szenen dem Film gut zu Gesicht stehen, aber warum meine Meinung in diesem Fall unter Vorbehalt zu sehen ist, hab ich ja eben begründet.

Rajko Burchardt hat gesagt…

Für mich gibt es auch nur die Kinofassung.

tumulder hat gesagt…

@Flo
Nein, zum zweiten Mal. Das erste Mal kurz nachdem die DVD erschien, wobei ich sicherlich wie viele andere erst einmal auch von den neuen Szenen fasziniert war. Dennoch hatte ich immer die Kinoversion im Kopf, da ich sie vorher bestimmt schon fünf oder sechs Mal gesehen hatte. Ich habe dann jetzt nochmal die DVD eingeworfen (@anonym: damit wäre die Frage beantwortet;))und war geradezu davon erschrocken, wie sehr Coppola den Fokus im neuen Schnitt auf die Kritik an der Militärführung setzt. Auch mit den kleinen Änderungen an Willards Figur hat er dem Film meiner Meinung nach keinen Gefallen getan. Es ist schlichtweg ein anderer Film.

@C.H.
Paperlapapp, solltest Du die Chance haben den Film in der KV zu sehen, nutze sie. Die ist nicht umsonst teurer.;)

Flo Lieb hat gesagt…

Naja, das ergibt Sinn, dass du die neue Fassung schlechter findest, als die, mit der du aufgewachsen bist.

tumulder hat gesagt…

Das hat weniger damit zu tun mit der alten Fassung aufgewachsen zu sein. Ich finde der alte Schnitt konzentriert sich eher auf den psychologische Moment des Krieges, das unbekannte, mystische, verstörende. Der Aushebelung aller Moral. Macht Redux natürlich immer noch im gewissen Maße, aber gerade die Begegnung mit den Franzosen, in der auch Kritik an der Außenpolitik der USA zu lesen ist, nimmt ihm die für mich wichtige Ambivalenz. Das ist tatsächlich nicht mehr der Anti-Kriegsfilm.

orangedoe hat gesagt…

Gibt es die Kinoversion eigentlich auf einer ordentlichen DVD? Hab zwar den Redux in der Sammlung, finde aber die KV besser.

tumulder hat gesagt…

Mir ist nur die Version in der Paramount Widescreen Collection bekannt (die ich leider nicht besitze), soll neu bei diversen Händlern noch für ca. 50 Euro erhaltlich sein, was wohl Bände spricht.;)

orangedoe hat gesagt…

argh :(

tumulder hat gesagt…

Für 20 Euro schenke ich Dir den Link zu einer ebay Versteigerung Artikelzustand neuwertig.;) Quatsch, hier der Link.

Flo Lieb hat gesagt…

Wenn du auf die deutsche Tonspur verzichten kannst (was ich bei Brando ohnehin immer empfehle), dann kriegst du die Version, die ich habe, aus England für 8€. Verfügt über KF und DC: http://www.play.com/DVD/DVD/4-/5274712/Apocalypse-Now-Collector-Edition/Product.html?cur=258

Flo Lieb hat gesagt…

Das mit den BB-Codes klappt bei mir immer noch nicht. Keine Ahnung wieso. Muss The Gaffer einfach den Link kopieren und einfügen, dann klappts auch so.

tumulder hat gesagt…

Sehr schöne DVD, hat die auch german subs?

Flo Lieb hat gesagt…

Nein. Nur Englisch und Italienisch.

orangedoe hat gesagt…

danke für die hinweise, sehen beide sehr gut aus. mal gucken was bei eBay rauskommt... ^^

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