Fast Forward >> The Illusionist

Ich habe ein Problem mit Edward Norton. Nicht daß ich ihn überhaupt nicht mögen würde, soweit geht es noch nicht, aber Norton ist halt seit gefühlten fünfzig recht dürftigen Filmen immer nur Norton geblieben. Sie verstehen? Der Mann hat nur schauspielerisches Talent für genau eine Rolle, die des schauspielenden Edward Norton. Starres Gesicht, spitzer Mund und die Augen schmal. Als ob er da immer was am planen dran wär, würde Schlucke sagen, der aber mit Edward Norton, Hollywood und auch mit diesem Film nichts zu tun hat. Das macht Norton fortwährend wenn er im Film weinen muß, verbissen sein muß oder sich seinem Gegenüber überlegen fühlen muß. Nicht daß er der einzige Schauspieler mit limitierten darstellerischen Fähigkeiten wäre. Da wäre ja auch noch Jessica Biel, die sich zwar ganz ordentlich vom Mann mit der Kettensäge verfolgen lassen und dabei ihren Hintern nett ins Objektiv der Kamera halten kann, aber ansonsten doch lieber gleich FHM Modell oder Hauptdarstellerin in einer Daily Soup geworden wäre. Reiten, dumm aus der Wäsche gucken und knutschen, dafür reicht es gerade noch. Und Gott Lob verlangt The Illusionist auch nicht mehr von ihr ab. Ganz im Gegenteil zu Edward Norton, der sich zusammen mit Paul Giamatti die Hauptrollen teilt. Paul Giamatti macht sein Ding recht ordentlich als Kommissar, der langsam einsieht, daß er doch lieber dem Volke als dem angehenden Kaiser Österreichs dienen sollte. Gespielt von Rufus Sewell, den man aber damals in Dark City auch schon besser gesehen hat. Und irgendwie beschleicht mich das Gefühl, daß die Beteiligten alle nicht so rechtes Vertrauen ins mäßige Drehbuch des Regisseurs gehabt hätten und von vornherein ein wenig unambitioniert an die Sache heran gegangen sind. Das Drehbuch ist nämlich von der ersten Sekunde an selbst für Nicht-Magier unerträglich vorhersehbar. Liebende Kinder ihres Standes wegen getrennt. Er geht auf Reisen und kommt als großer Illusionist nach Wien zurück, wo er ihr während einer seiner Vorstellungen wieder begegnet. Und sie, wir erahnten es schon während ihrer beider Trennung im Kindesalter, ist nun Verlobte des bösen, bösen Kronprinzen. Welch eine Tragödie, wenn Edward Eisenheim nicht eben der größte aller Illusionisten wäre. Das liest sich nicht nur wie der Groschenroman in der Krankenhaus Cafeteria, das ist es auch am Ende. Wenn dann doch wenigstens die Regie zum wirklich bemerkenswerten Production Design und zur nach der Einführung immer wieder wunderschöne Bilder findenden Kamera passen würde. Die kann dann zwar den Zuschauer ganz gut zwischen Glauben und Wissen über Eisenheims tatsächliche magische Fähigkeiten halten, entwickelt jedoch kein rechtes Gefühl für Eisenheims Kunststückchen. Vergißt sogar am Ende, daß sie dem Zuschauer schon längst genügend Hinweise zur Auflösung des Plots lieferte und knallt ihm die Fakten noch mal im Zeitraffer um die Ohren. Da hatte wohl selbst der Regisseur kein Vertrauen mehr in seine Fähigkeiten. Dennoch, und das ist das magischste am ganzen Film, unterhält die Geschichte trotz aller Macken an einem verregnetem Sonntagnachmittag ganz gut, was dann nicht zuletzt doch wieder an ihrem trivialen Touch und Paul Giamatti liegen dürfte.

6/10 Punkte

5 Kommentare:

Flo Lieb hat gesagt…

Echt erschreckend schwaches Teil. Speziell, wenn man bedenkt, dass es zeitgleich mit PRESTIGE damals in den Kinos lief.

Ach ja: Sie verstehen? --> Sie brauchen mich nicht Siezen, werter Tumulder. ;)

tumulder hat gesagt…

Echt erschreckend schwaches Teil.

Zumal Burger von der Produktion ja wirklich an einen reichlich gedeckten Tisch gesetzt wurde.

Sie brauchen mich nicht Siezen, werter Tumulder. ;)

Wer siezt Sie denn?;)

JMK hat gesagt…

naja...hab vorgestern nochmal Prestige geglotzt und da Uri Geller wieder am Start ist, werd ich dem auch mal eine Chance geben

Anonym hat gesagt…

Naja, ich mag Edward Norton. Weiß zwar nicht wieso, aber ich mag ihn. Wenn aber jemand immer dasselbe Gesicht hat, immer und zu jeder Zeit angestrengt überlegend aussehen will, dann ist das doch eher Christian Slater.

tumulder hat gesagt…

Christian Slater? Das ist schon so lange her, daß ich einen Film mit ihm gesehen habe, ich glaube Alone in the Dark war das. Aber wenn Du das so schreibst dann achte ich nächste mal drauf.

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