Terminator - Die Erlösung

Die Zukunft, ja, die ist scheußlich. Maschine gegen Menschheit, Zeitreisen, John Connor, Kyle Reese und noch so'n Typ, der seinen Körper vor der ihm bevorstehenden Todesstrafe in der Vergangenheit an Cyberdine Systems verhökerte und in dieser Zukunft als Cyborg zurückkehrt. Von langer Hand geplant, um John Connor später einmal eine Falle zu stellen. Nein, das war jetzt kein Spoiler, der nicht schon vom Film selbst ganz zu Anfang dem Zuschauer unter die Nase gerieben würde. John Connor weiß in dieser Zukunft, daß die Maschinen in noch weiterer Zukunft dreimal einen Cyborg in die Vergangenheit schicken werden, um erst seine Mutter und schließlich ihn selbst zu töten. Die einfachste Lösung, nämlich einfach in der Zukunft vor Camerons erstem Terminator anzusetzen, haben sich die Drehbuchautoren also nicht für den Reboot der längst schon auf Notstrom laufenden Franchise ausgesucht. Und das ist auch schon die ganze Geschichte McGs großen Sommerblockbusters, der nichts anderes vorhat, als Camerons Stalkeraction zu einem Kriegs-Action-Epos auszubauen. Daß Terminator 4 in der Summe die Erwartungen an eben so einem Epos nicht erfüllen mag, liegt nicht an den teilweise bombastischen Actionszenen, der tollen Inszenierung einer apokalyptischen Welt und auch nicht unbedingt an jener fehlenden Logik, die sich spätestens seit Camerons eigener Fortsetzung durch die Geschichte schleicht. Es ist die grundlegende Seelenlosigkeit, mit der das Ganze daherkommt. In der South Park Episoden-Trilogie Imaginationland wird die Fantasie der Menschheit von Terroristen angegriffen und gerät außer Kontrolle – ja, solch geniale Autoren wünschte man auch Terminator 4. Im Pentagon bittet man unter anderem Michael Bay um Rat, wie man die Fantasie retten könnte. Der kann aber nur Special-Effects bieten, da er den Unterschied zwischen Idee und Special-Effects einfach nicht kapiert. Und genau hier liegt der Hund in Terminator Salvation begraben. Die fantasievolle Umsetzung der Geschichte ergibt sich nur in den vielen und aufwendigen Kampfszenen, die ihre Daseinsberechtigung lediglich dem Umstand verdanken, daß Cameron vor über 25 Jahren einen Grund brauchte, um Arnold Schwarzenegger Linda Hamilton nachstellen zu lassen. Die Menschheit befindet sich halt im Krieg mit den Maschinen, die hier im vierten Teil zu einem völlig gesichtslosen Gegner mutieren. So kämpfen dann Connor, Reese oder dieser leidlich spannende Marcus Wright gegen visuelle Spezial Effekte und auch mal, der aus dem Filmbaukasten für Anfänger stammenden Dramaturgie selbst willen, gegeneinander. Weil das halt so sein muß, nicht weil das die Geschichte auch nur um eine unverhoffte Nuance weiterbringen könnte. Der ganze Film gewinnt dem Thema überhaupt nichts Neues, aber auch gar nichts Neues ab. Wie sich der langhaarige und rebellische Connor zu einem Elitesoldaten entwickeln konnte, wie sich die Menschheit nach dem Judgement Day reorganisiert und all der Stoff, der einen vierten Teil vielleicht noch ein wenig Interesse und den Grundstein für ein wirkliches Epos hätte abringen können, das wird von den Autoren alles ausgeblendet. Wem wundert es da noch, daß eine Identifikation mit den Protagonisten, die dem Technokrieg auch noch durch hoffnungslos peinlich ausgefallene Dialogszenen die Krone der unfreiwilligen Lächerlichkeit aufsetzen müssen, nicht möglich ist. Da kann man sich am ehesten noch mit dem, wie schon erwähnt, an sich überflüssigen Wright anfreunden. Doch auch er bleibt letztendlich blaß, und um den Rest macht man sich schon gar keine Sorgen. Da wimmelt es nur so vor ganz schrecklichen Auffüllern aus dem gerade erwähnten Filmbaukasten. Von bösen notgeilen Männern bis zum süßen Obama-Mädchen, das im Finale dem Connor die Fernbedienung zum rettenden Bombenspektakel in die Hand drücken darf. Ich weiß gar nicht, wie man ein so fettes Budget einfach so sorglos im Ozean der Belanglosikgeit verklappen kann. „Wer bist du?“, fragt Connor Wright vor dem letztem Drittel des Filmes, und der antwortet:“Ich weiß es nicht.“ Die gleiche Frage könnte man auch dem Film stellen, und die Antwort wäre wohl:“Irgendwas mit Terminator, irgendwas mit Endzeitspektakel.“ Eine gutaussehende Szene einer anderen gutaussehenden Szene folgen zu lassen, dazu reicht es bei Musikvideoregisseur McG. Wie ein Film über fast zwei Stunden funktioniert, das muß er noch lernen. Leidensfähigen und mit allen Wassern gewaschenen Edeltrashgenießern sei der Kinogang erlaubt. Ein Grund die Kinosessel aus ihrer Verankerung zu reißen und anschließend gegen die Leinwand zu schmeißen ist McGs kümmerliches Michael Bruckheimer-Surrogat nicht geworden. Noch nicht einmal das.

4/10 Punkten

6 Kommentare:

fincher hat gesagt…

Da sind wir ja auf einer Linie.

Doc Savage hat gesagt…

Buuuu! Du Schwarzredner!!! :D

Scherz beiseite. Jetzt hab ich schon so viel schlechtes über den Film gelesen, dass ihn mir wohl doch noch anschauen muss. Und wenn, dann nur um mit zu meckern.

Leidensfähigen und mit allen Wassern gewaschenen Edeltrashgenießern sei der Kinogang erlaubt.
JUCHU! ^^

tumulder hat gesagt…

@doc
Spätestens wenn John Connor zum ersten Mal in die Funke hustet kommen auch dir die Tränen vor Lachen. Echter Edeltrash, garantiert.;)

Flo Lieb hat gesagt…

Dann sind wir tot! Dann sind wir alle TOT!

Hätte es ja bevorzugt wenn Bale ins Funkgerät geschrieen hätte: "What don't you fucking understand?!"

tumulder hat gesagt…

@flo
Der hustet doch schon gleich zu Anfang, daß er der einzige Überlebende ist.^^

sequencer hat gesagt…

Das bestärkt mich in der Meinung, das ganze höchsten auf DVD anzuschauen. Naja, ausser in "The Dark Knight" konnte ich Bale noch nie leiden. Und das liegt vielleicht daran, das er als Bruce Wayne/Batman fast immer eine Maske trägt.

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