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Demnächst auf diesem Blog

Jaha, ich weiß. Hier sollte langsam mal wieder ein Filmreview erscheinen ... Also in den nächsten Tagen gibt es hier etwas zu High Tension, Shutter Island, Inception (ja, ich war sogar schon im Kino und bin nicht eingeschlafen) und The Beach zu lesen. Versprochen! Der Di Caprio Anteil ist eher zufällig.


Fast Forward >> Surrogates - Mein zweites Ich

Ein Surrogat ist ein Ersatzerzeugnis. Zum Beispiel die Margarine oder der Malzkaffee, die in Kriegszeiten Butter und Bohnenkaffee ersetzten – ich weiß, es gibt tatsächlich Menschen, die schmieren sich Margarine ohne Not aufs Brot und schlürfen dazu einen Carokaffee -, ein zweifelhaftes Vergnügen, wie ich letztens in einem Anflug von Nostalgie feststellen konnte. Das kann man mal machen, aber so richtig befriedigend sind Margarine und Malzkaffee dann doch nicht, sofern man weiß wie Butter und echter Bohnenkaffee schmecken und die Geschmacksnerven noch intakt sind. In Johnathan Mostrows Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel der beiden Autoren Robert Venditti und Brett Wedel ersetzt sich der Mensch gleich selbst durch androide Avatare, die er bequem von zu Hause aus durch die reale Welt steuert und für ihn machen läßt. Arbeiten, urlauben, tanzen, lieben. Second Life lässt grüßen und ist auch offizielle Inspirationsquelle der Vorlage Mostrows Films. Ein soziologisch äußerst aktuelles Thema, das sich durchaus von der ersten Welle der sich vom Computer erschaffenen Welten annehmenden Filme in den 90ern unterscheidet. Es geht nicht mehr um die Authentizität der Umwelt, sondern um die Authentizität des in der Umwelt agierenden Gegenüber. Leider wissen Mostrow und seine Autoren diese abgrundtiefe Prämisse höchstens in homöopathischen Dosen zu nutzen und servieren ansonsten lediglich einen immerhin soliden, jedoch konservativen Cyberkrimi, der es wahrscheinlich nur aufgrund seiner prominent besetzten Haupt- und Nebenrollen in die Kinos geschafft haben wird. Bis auf die formal gelungene Umsetzung der Avatare mit ihrer gephotoshopt wirkenden Aura hat Surrogates – Mein zweites Ich nichts, aber auch gar nichts bieten, was einen Gang ins Kino rechtfertigen könnte. Da fragt man sich doch des öfteren was John Mostrow mit den restlichen 60 Millionen Dollar seines großzügigen 80 Millionen Dollar Budgets angestellt hat. In weiten Strecken wirkt Surrogates wie eine Direct to DVD- oder Fernsehproduktion für den Sci-Fi Kanal, und selbst da findet sich schon seit Jahren qualitativ Höherwertigeres. Mag sein, dass Mostrow vieles an seinem Film absichtlich künstlich gestaltet hat, doch wirkt die eine oder andere CGI Spielerei einfach nur auf den Stand von vor zehn Jahren. Bleibt festzustellen, dass Surrogates selbst nur ein Ersatzerzeugnis für großes inspirierendes Science-Fiction-Kino sein kann, Magarine statt Butter, Malzkaffee statt Bohnenkaffee, und sich Bruce Willis Karriere nun endgültig auf ihr Ende zu bewegt.

6/10 Punkte

Gamer

Die Sims sind vielleicht das erfolgreichste Stück Computerspielsoftware überhaupt. Seit der Markteinführung im Februar 2000 ging das Game samt Nachfolger und unzähliger Erweiterungen über 100.000.000 Mal über den Ladentisch. Ganz zu schweigen von den quantitativ kaum auszumachenden gecrackten Kopien, die der Erfahrung nach wahrscheinlich die Verbreitung des Spiels noch einmal mindestens verdoppeln dürften. Dabei geben die Sims noch nicht einmal ein spezifisches Spielziel vor, es gilt den selbst erstellten Sim bei Laune zu halten. Ein Dach über dem Kopf, Freunde, Party, Schlaf, schicke Möbel und natürlich einen Partner finden. Zwar kann der Spieler den Sim nicht direkt steuern, jedoch durch Veränderung der Umwelt beeinflussen. Die Freiheiten, die Maxis und EA Games ihm dabei mit auf den Weg geben sind phänomenal. Bis auf Nudity scheint bei den Sims alles erlaubt, sogar gleichgeschlechtliche Beziehungen und der Tod im Swimmingpool. Unzählige Videos auf Youtube zeugen von der sadistischen Ader, die das eigentlich gewaltfreie Game bei Spielern offensichtlich frei legt.

In Gamer hat Ken Castle dieses Spielprinzip revolutioniert und ein eigenes Unterhaltungsimperium aufgebaut. Der Spieler darf hier echte Menschen durch eine bunte Feel Good Welt steuern, die die Befehle direkt in ihre Hirnsynapsen gesendet bekommen. Bioelektronik sei dank. Anders als bei den Sims sind die Darsteller, laut Stellenbeschreibung Schauspieler, jedoch dem Willen des Gamers völlig ausgesetzt. Was das bedeuten kann, siehe Einleitung. Was soll's, ist ja nur ein Job. Nicht nur eine Nummer härter, sondern gleich die oberste Stufe menschlicher Verwerflichkeit stellt aber Castles neues Spiel Slayer dar. Hier werden freiwillige Todeskandidaten des Justizsystems in einen Multiplayer-Online-Shooter geworfen. Echte Waffen, echtes Blut, der Frag bedeutet realen Tod. 30 Runden Deathmatch als Avatar überleben, und es winkt die Freiheit.

Natürlich sollte man vom Duo Neveldine und Taylor keine tiefgründige oder überhaupt eine Unterhaltungsmedienkritik erwarten. Ihr selbst vergebener Auftrag lautet seit jeher die Experience der elektronischen Unterhaltung auf das Kino zu übertragen. Und mit keinen anderen ihrer beiden vorherigen Filme gelingt es ihnen so gut wie mit Gamer. Die Kamera ebenso wild und ungeordnet, wie die Ego-Perspektive ihres verhandelten Objekts auf einen passiven Zuschauer nur wirken kann, die Narration so abgehackt und der Storyline lediglich das erhebliche zufügend, wie in jenen der als Schmuddelunterhaltung kolportierten Millionenseller. Der Plot, selbst auf das nötigste begrenzt, als Zwischensequenz zu verstehen, die dem Spieler die Ladezeiten der nächsten Map verkürzt. Die Verhinderung der Weltherrschaft eines Superschurken. Zwar sind die Grundlagen der Handlug in oberflächlich betrachtet ähnlichen gelagerten Filmen wie Deathrace, Battle Royal und ganz besonders Running Man zu finden, doch spielt der in ihnen liegende sozial-apokalyptische Kern eher als Formfaktor eine Rolle, als grundsätzliches Anliegen zu sein. Wäre ja auch noch schöner, wenn ein Game die eigenen Mechanismen in Frage stellen würde. Gamer erzählt nicht über ein Game, Gamer ist das Game. Und das viel pointierter und auch geradliniger durchgezogen, als noch Crank oder Crank 2 es konnten.

Das wird nicht jedem gefallen, da Taylor und Neveldine sich nicht nur noch weiter vom klassischem Kino entfernen, als sie es schon mit ihren ersten Filmen taten. Sie wechseln auch das Genre. Lustiges Oneplayer Action Adventure ist etwas völlig anderes als düsterer und roher Online Shooter, der nur mit Schnittauflagen die Freigabe der USK erhält. Zudem spielen die beiden vermeintlichen Anarcho-Regisseure, die ja gar nicht so anarchistisch vorgehen wie man annehmen möchte, noch wunderbar mit den Klischees und Vorurteilen der Killerspielkritiker, wenn sie den Gamer des brutalen Ego-Shooters als fairen und aus guten Verhältnissen stammenden Saubermann darstellen, und den Spieler des so niedlichen und absolut gesellschaftlich akzeptieren Tamagotchi Derivats als sozialverkümmerten Fettwanst, der in Real Simcity seinen dunklen Allmachtsfantasien fröhnt. Das kann als kritischer Blickwinkel missverstanden werden, ist jedoch allenfalls eine Zusammenfassung einer Diskussion, in der selbst ernannten Experten, die zu wissen glauben der Mensch könnte nicht zwischen Pixel und realem Fleisch unterscheiden, mehr Redezeit geboten und Gehör verschafft wird, als der realen Wissen- und Gesellschaft, die die Thesen der Kritiker tagtäglich widerlegen. Neveldine und Taylor überschreiten zwar gerne Grenzen, aber nicht die Grenze zur Dummheit. Da würde man sie einfach unterschätzen.

7/10 Punkte

Fast Forward >> Avatar

Nein, ein schlechter Film ist James Camerons 250 … 300 … oder gar 500.000.000 Dollar Esoterik-Öko-CGI Demonstration ganz bestimmt nicht. Im Vergleich zu den mauen Blockbustern des letzten Jahres darf man ihn sogar als ganz bezaubernd bezeichnen. Wie das Katzenvolk da im Einklang mit der farbenfrohen, manchmal gefährlichen, aber alles in allem ganz gut zu beherrschenden Natur Pandoras lebt, das hat tatsächlich einen Unterhaltungswert zu bieten. Auch wenn die Bilder trotz des sensationellen 3D Effektes und der atemberaubenden Computeranimationen natürlich nicht ihre künstliche Herkunft verbergen können. Eine Künstlichkeit, die am Ende die einzige Attraktion seines Werkes darstellen soll. Da verhält es sich mit Camerons Avatar ähnlich wie mit so vielen Titeln der texanischen Softwareschmiede id Software, deren später erschienene Spielesensationen auch nur noch über ihre Visualität begeistern konnten, während Spielmechanik und Inhalt im Vergleich zur Konkurrenz erschreckend konservativ und altbacken ausfielen. Es kann nur die Visualtität sein, die die Massen in die Kinos strömen lässt, als sei es gerade erst erfunden worden. Jenseits Camerons Detailverliebtheit, Räumlichkeit und einer Flora und Fauna, die deutlich von seinen Tiefseeabenteuern inspiriert scheint, gibt es auf Pandora nicht viel zu entdecken. Schon gar nichts ausserirdisches. Inhaltlich bemüht Avatar einen naiv altruistischen Plot, der Camerons Wunschfilm mit den technischen Möglichkeiten der 90er Jahre nur hätte crashen lassen können, wie einst Kevin Costners Biggest Movies ever Waterworld oder Postman. Erschreckend leer und flach gibt sich Camerons Film in allen Elementen, die über das Visuelle hinausgehen. Dramaturgie, Dialoge, musikalische Untermalung und Charakterisierung seiner Figuren können nur die nötigsten Ansprüche eines angepeilten Sci-Fi-Fantasy Epos erfüllen. Eines modernen und richtungsweisenden nicht einmal ansatzweise. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Wer jetzt jedoch glaubt, Cameron würde solch einen pathetischen Schmock längst vergangener Tage mit der nötigen Prise Humor entschärfen, liegt völlig falsch. Da tappt er genau wie einst Costner ein um ein anderes Mal in die Falle der unfreiwilligen Komik, von der im nächstem Moment jedoch wieder die Brillanz der Technik abzulenken vermag. Ein Film für den kurzen visuellen Moment, der übermorgen schon wieder vergessen sein wird, da die Entertainmentbranche schon mit ganz anderen Zauberein locken kann. Keines Falls für die Analen der Filmgeschichte, dazu fehlt ihm einfach der nötige Unterbau abseits des Technischen. Aber da geht Camerons Werk mit den Blockbustern der letzten 10 Jahre nur konform.

6,5/10 Punkte

Halloween 2007

Rob Zombie landete vor 7 Jahren mit seinem ersten Spielfilm Haus der 1000 Leichen einen Überraschungserfolg. Die als Konsolidierung des Genres zu verstehende Achterbahnfahrt des schlechtes Geschmacks avancierte trotz einiger in der zweiten Hälfte deutlich erkennbaren Macken zum Geheimtipp unter Horrorfilm-Fans. So richtig in Fahrt kam Zombie doch aber erst mit der Fortsetzung The Devil's Rejects, in der er die kindliche Gore- und MTV Clip Attitüde seines Debütfilms gegen die Rückkehr des echten Schmuddel-Terrors des 70er Jahre Redneck-Horrors einzutauschen wusste und dem Zuschauer obendrein noch gekonnt einen Gewissenskonflikt aufhalste, indem er ihn mit seinem Hang zur Faszination mit dem unterbewusst als Outlaw empfundenen Serienmörder konfrontierte. Ted Bundy, Charles Manson, Dahmer ... Als John Carpenter Zombie 2007 für ein Remake des vielleicht wichtigsten Film seiner eigenen Karriere verpflichtete, war die Erwartungshaltung dementsprechend groß. Zumal Zombie mit seinem Fake-Trailer für Tarantinos und Rodriguez Grindhouse Doublefeature auch noch eine Art Ritterschlag der Gralshüter des postmordernen Genrekinos erfuhr, von dem sich Zombies Filme jedoch so erfrischend distanzierten. Zombie erhielt mit Halloween eine völlig neue Aufgabe, denn obwohl Mord und Totschlag immer Mord und Totschlag bleiben, sind die Topoi des Teenslashers doch völlig andere als die des von Zombie bisher so verstörend auf den Punkt gebrachten Backwoodslashers.

Halloween unterschied sich 1978 von den bis dahin manifestierten 70er Jahre Horrorfilmen, die von der Gesellschaft selbst erschaffenen Monstern am Rande der Zivilisation erzählten. Filme, die zu einem guten Stück von der bitteren Erkenntnis des Scheiterns der Ziele der Studentenbewegungen in den 60ern, von den verstörenden Bildern des Krieges in Vietnam und der gefühlten Resistenz des amerikanischen Konservatismus motiviert waren. In Halloween kommt das Grauen nicht vom Rande der Gesellschaft, ist das Grauen nicht die Rache der Vergessenen, die sich selbst überlassen in den hintersten Winkeln des Landes hausen. In Halloween ist das Grauen Teil der eigenen gutbürgerlichen amerikanischen Suburbia. Michael Myers Name, seine anonyme Erscheinung mit gesichtsloser Maske und nichtssagendem Overall, ein Symbol für die Konformität Laurie Strodes und der anderen Teenagers Vorstadtumwelt. Konformität in der Architektur, den Garagenauffahrten, den Mittelklasse Autos, in ihren Werten und Regeln. Auch wenn Carpenter es vielleicht gar nicht im Sinn gehabt haben könnte, Halloween ist ein Film über das Erwachsenwerden in einer gesellschaftlich stark reglementierten Welt, in der Regelverstöße streng überwacht und aufs fürchterlichste bestraft werden. Das Ausbrechen aus der eigenen Kindheit, die Pubertät mit all ihren Regelüberschreitungen als Sinnbild der Rebellion gegen diese Konformität. Myers beobachtet die Teenager im Film minutenlang aus seinem Auto, fährt durch die Straßen der Siedlung, belauscht mit dem Zuschauer die Gespräche der Jugendlichen. Laurie Strode darf am Ende nur überleben, da sie lediglich mit den Gedanken spielte die Regeln zu brechen. Diejenigen, die es wirklich taten bekamen Myers blitzendes Küchenmesser zu spüren.

Rob Zombie scheint diesen Kern Carpenters stilistisch perfekten Horrorfilms jedoch nicht verstanden zu haben. Sein Michael Myers ist nicht mehr der anonyme Schrecken, zwar von Grund auf böse – ja, das kann Zombie sehr gut -, aber bis Myers in Haddonfield angekommen ist, haben wir ihn schon bestens kennengelernt. Ein unverstandener Junge, aufgewachsen am Rande der Gesellschaft in einer Unterschichtenfamilie. Von der Mutter, die abends in der Tabledancebar die paar Kröten verdienen muss, um sich und ihre Kinder über die Runden zu bringen, ihrem besoffenen Freund und der Schwester vernachlässigt. Später in der Psychiatrie von den Wärtern misshandelt, verhöhnt. Zombie wandelt Carpenters Symbol einer Gesellschaft zu einem bösartigen Opfer der Gesellschaft. Macht aus Michael Myers einen Jason Vorhees, einen Leatherface. Gleichsam abgewrackt und monströs dann auch Myers Erscheinung. Michael Myers Maske ist nicht mehr weiß, Weiß die Farbe der Unschuld, sie ist braun, schwarz oder was auch immer. Zombie versteht Myers Maske als Zeichen seiner individuellen Bösartigkeit, seines Zorns, der so offenkundige Gründe hat . Für sie hätte es doch aber gar kein Symbol mehr gebraucht, so wie er sich da nach Haddonfield durchslasht.

In der zweiten Hälfte liefert Zombie dann endlich was sich die meisten Zuschauer wohl unter einem Teenslasher vorstellen. Der böse Mann kommt in den Vorort und schlitzt unartige Teenager auf. Völlig losgelöst von der ersten Hälfte Zombies Michael Myers Vision, völlig losgelöst von Carpenters Grundthema, das Zombie schon in der ersten Hälfte mit seiner Neuausrichtung – nicht zu verwechseln mit einer Neubetrachtung des Themas – ad absurdum führt. Es fällt schwer Zombies Film in dieser zweiten Hälfte überhaupt noch Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Ist das Gezeigte doch nur eine weitere Wiederholung schon gefühlt tausendmal gesehener Mordszenen. Sicherlich, mit Zombies eigener Wucht inszeniert, jedoch aller psychologischen Kraft über den Goregehalt hinaus befreit. Die Mittelschichtjugendlichen, denen Carpenter 1978 soviel Aufmerksamkeit schenkte, scheinen Zombie gar nicht zu interessieren. Sie sind nur Mittel zum Zweck, Futter für Zombies eigentliches Opfer. Seinem urbanisierten Backwoodslasher.

4/10 Punkte

Das schwarze Buch

In Robocop wird der Polizist Murphy zu Beginn des Filmes bis zur Unkenntlichkeit von Maschinengewehren zerschossen, bis nur noch ein Haufen Knochen und Fleischbrei auf dem Boden der alten Industrieanlage liegen bleibt. In Interviews auf die explizite Form der Gewaltdarstellung in seinen Filmen angesprochen, erklärt Paul Verhoeven diesen Umstand mit seinen Erfahrungen während der deutschen Besatzung der Niederlande im Zweiten Weltkrieg. Immer wieder. Er sei damals als 6 oder 7 jähriger Junge durch die Straßen gegangen und habe Tod und Gewalt in ihren schrecklichsten Formen gesehen. Er könne Gewalt nicht anders als drastisch darstellen, da Gewalt nun einmal verstörend ist. Verhoeven drückt sich in den Interviews jedoch wesentlicher nüchterner aus. Er ist halt nüchterner als man es aufgrund seiner fiktionalen Filme während seiner Zeit in Hollywood annehmen könnte. In Das Schwarze Buch, seinem ersten europäischen Film seit Flesh & Blood, erzählt er die Geschichte der Jüdin Rachel Stein, die als Ellis de Vries in den niederländischen Widerstand geht und sich während ihrer Spitzeltätigkeit im Hauptquartier der SS in Hauptmann Müntze verliebt.

Obwohl Verhoevens Geschichte, die laut dem Vorspann auf wahren Begebenheiten beruht, von Anfang an über unglaubliche seelische und körperliche Qualen erzählt, darf erst nach über einer Stunde die erste Träne fließen. Da sterben die Männer des Widerstands im Kugelhagel der Nazis. Nicht dass nicht schon vorher Menschen unvorhergesehen im Kugelhagel der Nazis sterben würden - Rachels ganze Familie wird gleich zu Beginn während eines Fluchtversuchs nach Belgien auf der Maas von einem Schnellboot der SS aufgebracht und stirbt im Maschinengewehrfeuer -, doch diesmal ist der Grund ihres Todes in den eigenen Reihen zu suchen. Offensichtlich kollaboriert ein Mitglied des Widerstands mit den Deutschen und hat die Aktion an sie verraten. Der Verrat aus den eigenen Reihen darf beweint werden, die Verbrechen der Besatzer werden ausgehalten. Auch eine Form von Widerstand. Wie eigentlich Verhoevens ganzer Film, der die Verbrechen der letzten Tage deutscher Besatzung der Niederlande in einem burlesken Agentenfilm verarbeitet, ohne jedoch die Ausmaße der Katastrophe zu verharmlosen. Ganz im Gegenteil, gerade durch den ständigen Stilbruch erhalten sie erst ihre verstörende Wirkung und damit eine Aussagekraft über ihre Abscheulichkeit hinaus. Wenn gerade noch gelacht werden durfte, über den deutschen Bürokratiewahn, und Verhoeven im Gegenzug ganz nebenbei die blutigen Fußsohlen und zermatschten Gesichter der von der SS verhörten Widerständler zeigt. Seht her, trotz all des Leids, trotz all der Verbrechen, trotz all der Verzweiflung haben wir das Lachen nicht verlernt.

Doch Verhoevens Film geht noch einen Schritt weiter. Der Genozid ist in Das Schwarze Buch nicht wie so oft geschildert ein einzig rassistisch motiviertes und begangenes Verbrechen der Nationalsozialisten, er geschieht in Verhoevens Erzählung aus vor allem materiellen Gründen, an denen auch die niederländischen Nicht-Nazis partizipieren. Es wird nicht wenige geben, denen angesichts Verhoevens ambivalenter Sichtweise auf die Geschichte und ihrer Figuren die Schamesröte ins Gesichts steigen wird. Die Provokationen Verhoevens sind nur oberflächlich in der Nacktheit seiner Hauptdarstellerin und ihrem blondierten Scharmhaar zu finden, sie sitzen viel tiefer unter der Oberfläche. Vielleicht gegen Ende seines Films am deutlichsten erkennbar, wenn der Mob die angeblichen Kollaborteure durch die Straßen treibt und sie ohne nachzufragen mit Scheiße übergießt. Für Rachel ist der Krieg noch lange nicht vorbei.

8,5/10 Punkte

Das Kabinett des Dr. Parnassus

Imagination. Vorstellungskraft. An der hat es Terry Gilliam und seinen Filmen nie gefehlt. Egal ob nun Brazil oder Fear and Loathing in Las Vegas, Time Bandits oder Tideland. Gilliams Figuren haben ihre Kämpfe in einer surrealistischen Fantasie auszutragen. Das ist oftmals chaotisch, wirkt manchmal überambitioniert, ist aber immer ein schräger Gegensatz zum Mainstreamkino mit seinen vorgegebenen Rahmenbedingungen. Jeder Gilliam Film spaltete bisher die Filmgemeinde, man muss Gilliams Art Filme zu drehen einfach mögen, um überhaupt einen Zugang zu ihnen zu finden. Vor allem wenn das Drehbuch aus seiner eigenen Feder stammt. Eine Schwäche Gilliams, so sehr man auch seine Filme für den anderen Blickwinkel, den sie immer wieder einnehmen, lieben darf.

Fast Forward >> The Inglorious Bastards

Ich habe es ja schon öfters erwähnt, mir ist kein unbefangeneres Kino, als das italienische am Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre bekannt. Castellari dreht kurz vor dem letzten und bombastischsten New Hollywood Streifen, Apocalypse Now, einen Kriegsfilm, der aussieht und sich anfühlt, als hätten die vorherigen 15 Jahre gar nicht stattgefunden. Krieg ist Abenteuer, vor allem wenn man ihm entfliehen möchte. Die Nazis werden nicht Opfer eines Spezialtrupps der Alliierten, sondern eines Haufen von Deserteuren auf den Weg in die vom Krieg verschonte Schweiz, ausgeschaltet mit Pfeil und Bogen. Der Kampf ums Überleben im als schrecklichste Katastrophe der Menschheitsgeschichte betrachteten WWII, ein Cowboy- und Indianerspiel voller politischer Unkorrektheiten, das sich am exploitativen Gehalt der Nazitopoi und einmal auch an nackten Frauenkörpern labt. Da sprechen Amerikaner dialektfrei deutsch und italienische Partisanen dialektfrei amerikanisch. Die Gegner stürmen, als ob es sich lediglich um eine Kissenschlacht handelt, in die Maschinengewehrsalven der verwegenen Hunde, und ein Leck im Tank kann dann auch mal mit einem Kaugummie gestopft, der Selbstzerstörungsmechanismus der Nazi-Bombe mit einem Bleistift sabotiert werden. Der hollywoodtypische Pathos zur satirischen Überspitzung verkehrt, zu finden im grandiosen Score und der von allen Geistern verlassenen zu scheinenden Coolness der Protagonisten. Nein, auch wenn Castellari auf eine realistische Ausstattung seines Films großen Wert legt, seine Geschichte möchte den Zuschauer nicht mit den Monstren der Kriegsrealität die gute Laune verhageln. Auf der Seite der unfreiwilligen Befreier wird letztendlich auch gestorben, weniger selbstlos, als tragisch. Solch unbefangene Kriegsfilme wird es nie mehr geben. Wenn man The Inglorious Basterds überhaupt als Kriegsfilm bezeichnen kann.

7/10 Punkte

Fast Forward >> Doghouse

Wenn ich Doghouse in einem Satz zusammenfassen müsste, würde mir nur dieser einfallen: B-Movie mit den bewährten Zutaten des Genres plus als schwarzer Humor getarnter Mario-Barth-Witz, der jedoch aufgrund seiner sympathischen Figuren und Darsteller vieles von dem wieder gut macht, was ihn unter einer strengeren Betrachtungsweise, gerade im Hinblick auf die noch junge männliche Zielgruppe, eigentlich zu einem Ärgernis werden lassen müsste. Aber ich will heute mal nicht so sein, denn Spaß macht Jake West jederzeit ersichtlich als Shaun of the Dead Light konzipiertes Männersterben durchaus. Wenn es auch nur für den einen oder anderen Schmunzler reicht. Vince hat gerade die Scheidungspapiere unterschrieben, also organisieren seine Kumpels einen Wochenendausflug in das Londoner Umland. In Moodley gibt es den Gerüchten nach einen gehörigen Frauenüberschuss in der Bevölkerung, was Vince die Trauer über seine gerade Verflossene erleichtern soll. Mal wieder so richtig einen drauf machen, ganz wie in den alten Tagen vor ihrer Domestizierung durchs weibliche Geschlecht. Gerade angekommen, erweist sich das Reiseziel jedoch als Kaff mit weniger als 10 Häusern, zudem scheint die Bevölkerung gerade nicht anwesend. Der Pup leer, das Spielwarengeschäft geschlossen. Dass Moodley aber nicht geschlossen zur Viehauktion ins Nachbardorf gereist ist, erfahren die Großstadtjungs ziemlich schnell und schmerzhaft. Das Militär – so viel sei verraten, da unerheblich – testet gerade eine neue biologische Waffe, die die mit XX Chromosomen gesegneten Menschen zu zombieesken Furien mutieren und XY-Menschen jagen läßt. Dabei erweisen sich Bräute, Emos und Adipöse Furien als die gefährlichsten, die lediglich niedlichen und ganz gut mit dem Autobus zurechtkommenden, als die leicht auszuschaltenden und harmloseren. Was folgt, sind sich immer wiederholende Belagerungsszenen, einige harmlose Gags, die auf das Kind im Manne abzielen und gar nicht mal soviel Blut und Eingeweide. Immerhin hält West das Tempo seines Zombiespaßes recht hoch, läßt aber ausgerechnet just in dem Augenblick den Abspann los, in dem es mal wirklich lustig wird. Für zwischendurch recht ordentlich.

6,5/10 Punkte

Bronson

Wenn ein Mensch die meiste Zeit seines Lebens im Gefängnis verbringt, in Zahlen 34 Jahre und ein Ende ist nicht in Sicht, ohne jemals einen anderen Menschen umgebracht zu haben, dann muss es sich schon um einen besonderen Häftling handeln. 30 von den 34 Jahren verbrachte Michael Gordon Petersen bisher in Einzelhaft, einer weiteren Disziplinierungsmaßnahme innerhalb des Gefängnissystems. Man könnte meinen er genießt die Bestrafung, er ist ein Masochist oder möchte als Märtyrer in die Geschichte eingehen, der die Isolation sucht, um auf Missstände im Strafvollzug aufmerksam zu machen. Nein, das ist er nicht. Die Schläge, die Bronson im Knast einsteckt, sind nicht die ungerechten jener sadistischen Aufseher und Direktoren, wie wir sie aus den üblichen Gefängnisdramen kennen. Sie sind eher Ausdruck einer Ohnmacht. Bronson lässt sich nicht beherrschen, er weiß was auf ihn zukommt, wenn er wieder einmal eine Geisel in einer seiner vielen Zellen, die er selbst als Hotelzimmer bezeichnet, genommen hat und am Ende selbst nicht weiß mit welchem Ziel über die Provokation und Inszenierung eines erneuten Gewaltausbruchs hinaus.

… and all my life I want to be famous. So die ersten Worte Bronsons, der seine Geschichte selbst auf der Bühne eines virtuellen Theaters vor dem von ihm erwünschten Publikum erzählt. Es applaudiert, lacht, zeigt sich erstaunt, genau an den Stellen, die er dafür auserkoren hat. Und darum geht es ihm letztendlich, er möchte Anerkennung, Berühmtheit. Und wenn es die äußerst zweifelhafte Berühmtheit als Englands gefährlichster und bekanntester Häftling ist. Im Gefängnis scheint die Selbstinszenierung um ein Vielfaches einfacher. Hier kennt sich Bronson mit seinem Publikum aus, weiß um dessen Vorlieben. Ganz im Gegenteil zu seinen Erfahrungen mit der Welt da draußen. Wie schwer es dort ist mit seinen Künsten ein Publikum zu finden, zeigt sich in der kurzen Bewährungszeit, die für ihn schon wieder nach nur 69 Tagen beendet ist. Es hat Spaß mit ihm gemacht, aber die großen Künstler sind dort die anderen. Die extraordinären Bosse und Prostituierten aus den Genre beeinflussenden Gangsterkomödien Tarantinos, Ritchies oder Lasse Spang Olsons, die Bronson sehr schnell die Nebenrolle verdeutlichen, die er in ihrer Welt einnimmt. Aber Bronson möchte keine Nebenrolle, er möchte die Hauptrolle und so landet er natürlich wieder im Knast. Auf der kleinen Bühne kann er doch noch am besten performen. Ihre Regeln sind halt überschaubarer.

Nicolas Winding Refns Filme konnten bisher mit einer wunderbaren Offenheit gegenüber ihres Milieus und Genres begeistern. Verbanden sie doch immer die tragikomischen Figuren des postmodernen Gangsterfilms mit dem echten Drama. Obwohl Bronson sich inszenatorisch kaum mit Refns früheren Arbeiten vergleichen läßt, er vor allem mit surrealen Überspitzungen arbeitet – nein, genauer gesagt ist der ganze Film eine surreale Überspitzung -, gelingt ihm dieses Kunststück auch diesmal. Das ist schon erstaunlich, denn Refn bedient sich durchgehend jener Mittel, die solch ein Projekt ganz leicht der künstlerischen Überforderung preisgeben könnten. Und tatsächlich, da wirkt manch eine Szene zuallererst lediglich der Sensation geschuldet, die erste Hälfte des Filmes könnte mit einem platten Clockwork Orange Zitat verwechselt werden, lediglich Wagner und Puccini statt Ludwig Van. Doch Refn weiß anscheinend ganz genau, wann und wie er seine Referenzen zu brechen hat, setzt die Gewalt seiner Figuren, trotz ihrer einnehmenden Körperlichkeit, gerne eine inhaltlich lächerliche Attitüde auf, ohne sie jedoch der Lächerlichkeit auszusetzen. Das ist verwirrend und faszinierend zugleich, ganz der Hauptfigur des Filmes entsprechend. Vielleicht ist Bronson weniger als satirisches Biopic Englands gefährlichsten und bekanntesten Häftling anzusehen, sondern viel mehr noch als Essay über die Inszenierung der Gewalt im Film.

7,5/10 Punkte

Fast Forward >> Wo die wilden Kerle wohnen

Manchmal wartet das Kino dann doch noch mit einer Überraschung auf. Liefert etwas anderes, als das, was wir aufgrund des lustigen Trailers und der Konventionen des kinderkompatiblen Familienfilms erwarteten. Da sitzt man dann im Kinosessel und grübelt, was soll das eigentlich, wo führt das alles hin? Es ist ja so schwer sich auf Neues und Ungewohntes einzulassen. Für einen kleinen Jungen bestimmt noch schwieriger. Gerade hat der Vater die Familie verlassen, die Schwester ist in einem Alter, in der sie nun wirklich andere Interessen als die an ihren jüngeren Bruder entwickelt, und die Mutter ist mit ihrer beruflichen Situation maßlos überfordert. Als sie dann auch noch eines Abends ihre neue Bekanntschaft mit nach Hause bringt, muss für Max die Welt endgültig zusammenbrechen. Nach einer kurzen Revolte gegen die eigene Mutter und den Eindringling flüchtet sich Max in seine Fantasiewelt. Die ist da, wo die wilden Kerle wohnen. Die wilden Kerle sind ein Haufen knuddeliger Monster, die sich jedoch gar nicht als die opportunen und optimistischen Fantasiegestalten aus Kindergeschichten erweisen, sondern als Abbild Maxs Gefühlswelt, die vor allem von Verlustängsten beherrscht wird. Das ist ein mutiger Schritt von Spike Jonze, lässt er doch eine alles andere als gewohnt selbstgefällige Reflexion der realen Erlebnisse Maxs zu. Antworten auf die vielen Fragen kann er nicht bieten, nur die Gewissheit, dass man auch geliebt wird, wenn man es nicht allen recht machen kann. Ein wundervoll weiser Film, der sich genauso widerspenstig, wild und auch verletzlich wie sein Protagonist gibt.

8/10 Punkte

Fast Forward >> Ghost Rider

Die Motorradindustrie befindet sich seit einigen Jahren in der Krise, nur noch wenige junge Menschen lassen sich heutzutage von der Freiheit auf zwei Rädern begeistern. So kann man dann auch Mark Steven Johnson zur Besetzung des Hauptcharakters Johnny Blaze mit dem Mittvierziger Nicolas Cage gratulieren. Das ist aber auch schon das einzige, was Ghost Rider einer objektiven Betrachtung standhalten lässt. Man darf gerne spekulieren, wieso die Produzenten ausgerechnet diesem Johnson, dessen vorherige Arbeit Elektra nur mit Mühe und Not einen minimalen Gewinn einfahren konnte, ein recht ordentliches Budget von 110 Millionen Dollar in die Hand drückten. Und man kann auch nur spekulieren, was Johnson letztendlich mit diesem Haufen Kohle wirklich angestellt hat. In Ghost Rider kann er sie unmöglich gesteckt haben, dafür sieht das Endergebnis einfach zu sehr nach B-Klamotte aus. Ohne Frage ist dies zu einem gewissen Teil gewollter Stil, denn inhaltlich wird der Look von eben einer geradlinigen B-Klamotten Story begleitet. Doch kann Ghost Rider den echten Trash hinter seinem gewollten Trash kaum verbergen. Da werden Dialoge der Kategorie „Ein Mann muß tun, was ein Man tun muß“ von einer unglaublich lächerlichen Dramaturgie abgelöst, die dem langersehnten Finalkampf unerklärlicher Weise genauso wenig Interesse zukommen läßt, wie etwa ihren durchaus illustren Nebendarstellern Peter Fonda und Sam Elliot. Aber Bela Lugosi hat ja auch nicht wirklich in Plan 9 from outer Space mitgespielt. Und wenn am Ende das angebetete und so eben vor Belzebubs Sohnemann gerettete Gretchen die erneute Abfuhr ihres feurigen Geliebten mit einer Gelassenheit hinnimmt, als sei ihr gerade lediglich der Lidschatten verwischt, dann verwundert gar nichts mehr. Aber wollen wir heute mal nicht so sein, denn als unfreiwillig komische Grundlage für einen geselligen Bierabend im Freundeskreis funktioniert Ghost Rider immerhin perfekt.

5/10 Punkte

Zombieland

Was macht man eigentlich in Zombieland? Genau, auf der Suche nach einem Zuhause durch die Gegend fahren und dabei ein paar Regeln zum Überleben befolgen. Die Regeln kann man sich leicht merken, scheinen sie doch im Wesentlichen auf dem Grundsatz „Misstraue Allem und Jedem“ aufzubauen. Ach ja, fit bleiben sollte man auch. Schließlich hat es die Dicken als erste erwischt, diese 21th Century Zombies sind wie zu erwarten verdammt schnell. Ab und an muß man auch aus seinem Hummer steigen, um ein ausgebranntes Autowrack zur Seite zu schieben. damit die Fahrt mit unbekanntem Ziel weitergehen kann. Oder man hält an einem Supermarkt an, vielleicht kann man noch einen Twinkie abstauben bevor das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. Dann ist jedoch allerhöchste Vorsicht geboten, in Supermärkten und an Tankstellen wimmelt es nur so von Zombies. Aber auch das ist kein größeres Problem, wenn man einen solchen Haudegen wie Tallahassee an seiner Seite stehen hat. In unzähligen Kämpfen hat sich Tallahassee zu einem Performance-Zombie-Schlächter entwickelt. Das hilft Columbus und ihm jedoch überhaupt nicht weiter, sobald sie auf echte Menschen treffen. Schwupps ist der fahrbare Untersatz samt Waffenarsenal im Besitz der treuäugigen Schwestern Emma und Wichita, die sich vernünftiger Weise in dieser Zombiegesellschaft auch nur an die sich wieder einmal offensichtlich selbst bestätigende wichtigste Regel „Misstraue Allem und Jedem“ halten.

Ruben Fleischer hat seinen eigenen Angaben nach vor Zombieland bis auf Danny Boyles 28 Days Later keinen einzigen Zombiefilm gesehen. Vielleicht ist das ganz gut so, denn so frei und frisch wie Zombieland fühlte sich schon seit ungefähr 40 Jahren kein Film des Genres mehr an. Das mag natürlich auch zu einem gutem Teil an seiner Form der Komödie liegen, aber selbst die bisherige Nr. 1 der Zombiekömdien Shaun of the Dead – die für Zombieland als Inspirationsquelle betrachtet werden darf – konnte sich dem obligatorischen Belagerungskampf nicht entziehen. Nicht dass Ruben Fleischers Film nicht auch mit unzähligen Referenzen und Verweisen an die Zombiehistorie geizen würde, vor allem das Finale wird den einen oder anderen im Genre Bewanderten ein fettes Schmunzeln ins Gesicht zaubern, doch schafften es die Autoren all diese aus dem postmodernen Genrekino nicht mehr wegzudenkenden Zitate äußerst galant und trocken zu variieren, sodass sie sich übergangslos in die Geschichte einfügen, deren Gehalt nicht versteckt im doppelten Boden lauert, sondern jederzeit ganz offen ausgesprochen wird. Ruben Fleischers Zombies dienen tatsächlich endlich wieder als Synonym für eine gesellschaftliche Bedrohung und nicht lediglich nur als Filmmonster.

Das allein ist schon allerhand genug, um Zombieland eine Ausnahmestellung in der seit Jahren nicht mehr abebbenden Flut der Splatterkomödien und Horrorremakes zuzugestehen. Wären da nicht noch die absolut sympathischen und alles andere als dem Klischee des Teenhorrors entsprungenen Charaktere, deren größte Herausforderung die Überwindung ihrer eigenen Ängste scheint. Da verwundert es auch gar nicht mehr, dass Zombieland ihnen gerne Räume schafft, in denen sie sich konträr zum Medium Horrorfilm verhalten dürfen. Einfach mal vordergründig sinnlos Dinge zerstören, in die Luft ballern, um Spaß zu haben und ein wenig Dampf abzulassen. Wunderbar, wie Fleischer die Grenzen des Films missachtet und die Möglichkeiten der Videogamewelten in seiner Inszenierung mit einbezieht, ohne dass Zombieland selbst zu einer Videogameinszenierung mutiert, sondern immer wieder zu seinem eigentlichen Kern zurückfindet. So gestaltet sich die Inszenierung Zombielands als weitere Ebene seiner grundlegenden Botschaft und nicht etwa als bloße Stilfrage. In Zombieland geht es schließlich selbst immer wieder um selbst auferlegte Grenzen und Regeln, die seine Protagonisten überwinden müssen, um einen Schritt auf der Suche nach ihrem Zuhause weiterzukommen. Ruben Fleischer hat einen herrlich abgeschmeckten Cocktail aus Situationskomik, Persiflage, Coming of Age, Genrezitaten, Road Movie und in der Auflösung überhaupt nicht skurrilen, sondern einzig und allein menschlichen Figuren geschaffen. Der in seiner Gesamtheit vielleicht nicht so wirklich über den stupid fucking mummy movie with a threat of underlying social satire hinausgeht, aber genug Herz und Mut mit sich bringt, um ganz von allein seinen Weg in die Herzen der Zuschauer zu finden. Romero soll einmal gesagt haben, jede Generation bekommt den Zombiefilm, den sie verdient. Die des ausgehenden ersten Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts scheint wirklich töfte zu sein. Hoffentlich to be continued ...

8,5/10 Punkte

Fast Forward >> SAW VI

Die SAW Franchise wurde in der Vergangenheit schon zu genüge verrissen. Folterporno, Voyeurismuskino und so weiter und so fort. Die Vorwürfe lassen sich natürlich nicht von der Hand weisen. Schließlich geht es bei SAW nur um den Nervenkitzel, die Mutprobe, die Herausforderung sich Bildern äußerster Destruktion menschlichen Fleisches zu stellen. Ohne Frage spielt die SAW Franchise in Sachen Gewaltdarstellung in der ganz oberen Liga der grafisch mach- und dem Kinogänger zumutbaren Abscheulichkeiten. Zumindest im Bereich des Mainstreamkinos, der exploitative Independentfilm hat sicherlich noch viel unvorstellbarere Grausamkeiten auf Lager. Gerade wenn der Blick nach Asien gerichtet wird. Die Vorwürfe, denen sich die SAW Reihe in der Vergangenheit aussetzen mußte, sind natürlich ein Witz, schließlich will sie nichts anderes als brutale und schockierende Exploitation darstellen. Da müßte man sie eigentlich für ihr regelmäßiges Ausloten der Grenzen zum Unaushaltbaren loben. SAW VI beginnt dann auch mit dem Herausschneiden des eigenen Bauchfleisches und der Selbstamputation eines Unterarms. Die SAW-Autoren geben sich offensichtlich auch weiterhin größte Mühe auf ihrem Weg zum Olymp der abscheulichsten Horrorserien. Doch all ihr Bemühen ist für die Katz, da es auch SAW VI nicht schafft sich aus dem dramaturgisch engen Korsett des Folterpornos zu befreien, das den dem Zuschauer kaum bekannten Opfern, im Gegensatz zum klassischem Horrorfilm, überhaupt keine Chance zur Flucht offen hält und ihm dadurch kaum einen Ansatzpunkt zum Mitfiebern läßt. Der Plot einer jeder Szene ist nicht vorhersehbar, er ist durch die Natur der beschränkten Dramaturgie schon zu Beginn jeder Szene vorgegeben. Das ist schlichtweg ermüdend und keinesfalls spannend, im nunmehr sechsten Teil schon gar nicht mehr schockierend oder herausfordernd. Wurde diesem dramaturgischen Manko in der Vergangenheit der Serie vielleicht noch durch die schon immer fahrig wirkende Rahmenhandlung mit ihren Thrillerelementen entgegengewirkt, wird die Möglichkeit eines Endes der Morde in SAW VI gleich ganz fallen gelassen. Es gibt nun überhaupt niemanden mehr, der die weitere Ausführung Jigsaws Masterplans verhindern könnte. Natürlich darf man in der Auswegslosigkeit ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Ohnmacht gegenüber all der kaum zu bewältigenden Probleme unserer Zeit wie Klimakatastrophe, Terrorismus oder Weltwirtschaftskrise und menschenverachtenden Turbokapitalismus entdecken. Gerade letztere Herausforderungen machen sich die Autoren zu eigen, doch wirkt das alles einfach zu aufgesetzt und lieblos umgesetzt, als daß man hier Tiefsinn unter den Bodenschwellen der Exploitation erwarten dürfte. Machen wir uns da doch nichts vor.

4/10 Punkte

Fast Forward >> Tödliche Entscheidung - Before the Devil Knows You're Dead

Es ist nicht die unspektakuläre Story eines mißglückten Raubüberfalles und auch nicht die Rücksichtslosigkeit, mit der Andy Hanson seine eigene Familie letztendlich zerstört, die Sidney Lumets Alterswerk aus dem großen Meer der 08/15 Thriller hervorstechen lassen. Lumet erzählt in Tödliche Entscheidung bestimmt nichts Neues. Lug und Betrug, Mord und Vaterhass. Alles alte Bekannte des kriminologischen Familiendramas. Erst recht die auf ständige Rückblenden zurückgreifende Narration ist kein Handkniff, mit dem der Zuschauer nicht schon unzählige Male konfrontiert worden wäre. Überhaupt wirken die Rückblenden in Lumets bisher letzten Film eher wie eine künstlerische Bestätigung der Vorahnungen des Zuschauers. Und auch der Fortgang des Films möchte grundsätzlich diese Vorahnungen untermauern. Keine Wendungen, keine Überraschungen, kein tricky Plottwist, mit dem der Genrespezialist Sidney Lumet und Drehbuchautor Kelly Masterson den Zuschauer am Ende an der Nase herumführen. Alle Dinge gehen ihren Weg. Ein Old School Thriller. In der detailreichen Beschreibung seiner Charaktere, im Spannungsaufbau, in seiner fast schon als reaktionär zu bezeichnenden Anklage fehlender Werte. Es sind die jungen, die neuen, für die in Lumets Film Moral und Ethik vernachlässigbare Größen darstellen. Jedenfalls wenn es ums Geld geht. Und ums Geld dreht es sich in Hank und Andy Hansons Welt ausschließlich. Egal ob das Verhältnis zur geschiedenen Frau und dem gemeinsamen Kind allein von der pünktlichen Zahlung der Alimente abhängt, oder die Schuld am Tod des Schwagers mit einer Tantieme in der richtigen Höhe wieder aus der Welt zu schaffen ist. Das geplante Verbrechen? Es zahlt doch die Versicherung, niemand kommt zu Schaden. Nein, die alten sind auch nicht frei von Fehlern, aber damals ging es um das Über die Runden Kommen, um das nackte Überleben, während heute die Existenz am Erhalt und Ausbau des materiellen Status hängt. Aber so leise und kaum wahrnehmbar, wie Lumet diese Romantik in seinen Film einbaut, man könnte meinen er glaubt selbst nicht wirklich daran. And may you be in heaven half an hour before the devil knows you're dead.

8/10 Punkte

Spider-Man 3

Spider-Man, das ist der Superman des anderen Comicverlags. Ebenfalls Waisenkind, blau-rotes Superheldenkostüm, bei der Zeitung beschäftigt und mit den Frauen läuft es auch nicht so richtig. Louis Lane oder Mary Jane, Peter Parker oder Clark Kent, egal. Nein, nicht wirklich. Peter Parker wirkt trotz seiner auch schon 48 Jahre, die er mittlerweile bei Marvel erscheint, immer noch eine ganze Ecke jünger, frecher und moderner als der stramm auf die 80 zugehende Kryptonier. Das gilt auch für die noch nicht allzu alten Hollywoodausgaben dieses Jahrzehnts auf der großen Leinwand. Während Bryan Singer Clark Kent in Superman Returns äußerst konventionell auf die Erde zurückkehren ließ, was die Kinogänger mit eher mäßigen Zahlen an den Boxoffices quittierten, scheint der Erfolg Sam Raimis Spider-Man Version ungebrochen. Das mag vielleicht daran liegen, da Peter Parker auch im Kostüm nie echter Superheld ist, sondern ein augenscheinlicher Normalo, der sich unter größtem Einsatz seiner spärlichen Spinnenkräfte weniger den Gefahren der Verbrecherjagd stellt, als den Gefahren der moralischen Versuchung. Dadurch bietet er mehr Identifikationspunkte, als die üblichen Milliardäre mit all ihrem Technoschnickschnack im Dienste der örtlichen Polizei oder die guten Mutanten im Kampf gegen die bösen Mutanten. Peter Parker ist unter all den Comic- und Leinwandsuperhelden der offensichtlichste 16 jährige pubertierende Junge von nebenan, der nachts im Schutz der Maskierung seinen Peinigern vom Tage zeigt wo der Hammer hängt und dabei Gefahr läuft, sich selbst Schuld aufzuerlegen. Sam Raimi wußte diesen inhaltlichen Kern der Comics schon in seinem ersten Spinnenfilm überaus offensiv an die Oberfläche seiner Erzählung zu spülen. Das wirkte in Anbetracht der vorherigen Comic-Blockbuster erfrischend und altmodisch zugleich. Enttäuschte die, die sich auf ein pures Effektspektakel eingestellt hatten und ließ die, die noch kurz zuvor Raimi aufgrund seiner mythologischen TV-Serien – inhaltlich freilich nicht so weit entfernt vom $ 140 Mio Blockbuster - belächelten, in den höchsten Tönen von einer überraschend tiefgründigen Wiederkehr der Werte ins Effektkino schreiben und sprechen.

Fast Forward >> Man-Eater aka Antropophagus aka The Grim Reaper

Obwohl Joe D'Amato selbst davon überzeugt war, daß Man-Eater zu den schlechtesten seiner insgesamt mit schlechten Filmen durchsetzten Filmographie gehört, ist Man-Eater garantiert das bekannteste Werk des italienischen Exploitation-Filmers, dessen filmisches Talent fast ausschließlich in der Erzeugung manch einer atmosphärischen Szene durch teilweise erstaunlich ambitioniert erscheinende Kameraarbeit zu suchen ist. Und natürlich in seiner Fähigkeit aus AA Gold zu machen. Wenn ich jetzt schreibe, daß Man-Eater D'Amatos bekanntester Film ist, dann meine ich damit jedoch eher den Filmtitel als den eigentlichen Film, von dem die meisten im Zweifel lediglich von der finalen Szene durch stetiges weitererzählen erfahren haben dürften. Das ist ja auch so ein schönes Element des Exploitation-Films. Mindestens eine Szene muß schon in der Beschreibung so unglaublich sein, daß man sie unbedingt sehen möchte. Hier ist es der durch eine Tragödie zum Kannibalen mutierte Familienvater, der einst auf hoher See aus Überlebensnot den toten Sohn und tote Frau verspeiste und nun auf dem mit der Außenwelt nur sporadisch in Kontakt kommenden griechischen Eiland für Bevölkerungsschwund sorgt. Im Endkampf wird ihm mit der Spitzhacke der Bauch aufgerissen und Nikos Karamanlis, so der Name des tragischen Monsters, schenkt sich selbst eine Henkersmahlzeit aus den Fetzen seines eigenem Verdauungstraktes. Natürlich ist das nicht die einzige an inszenatorische Grenzen stoßende Szene, die D'Amatos Film seiner Zeit fast zum Mythos aufsteigen ließ und die Beschlagnahmungs- und Indizierungsbehörden zum sofortigen handeln veranlassen sollte. Denn Nikos Karamanlis darf ungeheuerlicher Weise auf D'Amatos Geheiß in seiner Höhle einen seiner Mutter aus dem Bauch entrissenen Fötus verspeisen. Da nehmen die angeblichen Scharen von sich übergebenden Kinobesuchern, die der Legende nach sogar als Grund für eine Anzeige wegen Körperverletzung gegen D'Amato herhalten sollten, doch schon realistischere Züge an. In Anbetracht des ansonsten technisch äußerst schlampigen, mit unerträglich dümmlichen Dialogen nebst fürchterlichsten Synthiegeklimper vollgestopften und allenfalls in homöopathischen Dosen spannenden Films, kann man sich jedoch kaum vorstellen, daß die Kinobesucher nicht schon lange vor den exploitativen Höhepunkten in ebenso großen Scharen das Kino fluchtartig verlassen hatten. Nein, der Hype ist wahrlich keine Erfindung des viralen Marketings des Internetzeitalters. Anders betrachtet, in welchem filmischen Sujet war der Hype jedoch jemals tiefer verankert als in dem der Exploitation? Freunde des schlechten Geschmacks dürften sich daher eh nicht von diesen Zeilen abhalten lassen.

2,5/10 Punkte

Dune - Der Wüstenplanet

Unverfilmbar. Sicherlich wird auch Frank Herberts Science Fiction Zyklus Dune dieses Prädikat noch eine ganze Weile für sich beanspruchen dürfen. Nicht daß man es nicht schon längst versucht hätte, diese Zeilen sind ja nur aufgrund eines Versuches entstanden, aber verfilmt wurde Herberts wegweisende Zeitgeistbetrachtung noch nie wirklich. Jodorowsky, Scott, um nur die bekanntesten zu nennen, versuchten sich lange am Stoff. Doch am Ende standen entweder ein zu langes Script, Zerwürfnisse mit den Produzenten oder abgelaufene Filmrechte. Die Liste der Unwägbarkeiten ist lang. Schließlich, Dino de Laurentiis besaß inzwischen die Rechte, wurde das Projekt dem jungen David Lynch angetragen. Der hatte zuvor den Elefantenmensch gedreht und ein Angebot zu Georges Lucas Rückkehr der Jedi Ritter ausgeschlagen. Warum er sich ausgerechnet Laurentiis Angebot zu Dune annahm, ist fraglich, denn eigentlich hatte Lynch nach eigenen Aussagen überhaupt kein Interesse an Science Fiction und kannte schon gar nicht Herberts Werk. Es wird wahrscheinlich für immer sein Geheimnis bleiben, Lynch spricht nicht über Dune. Jodorowsky plante zuvor einen 10 stündigen Film, um dem Stoff gerecht zu werden. Scott hingegen sah die einzige Möglichkeit Dune ins Kinoformat zu bringen in einem Zweitteiler, Lynch dampfte Dune schließlich auf knappe vier Stunden ein. Noch immer zu lang für Laurentiis. So sorgten Nachdrehs und eine unglaublich grobe Schere für die endgültige etwas länger als zweistündige Kinoversion Herberts literarischen Meisterwerks, das in seiner detaillierten Erschaffung einer vollkommen fiktionalen Welt mit all ihren Metaphern zur Realität vielleicht noch am ehesten mit Tolkiens Herr der Ringe zu vergleichen ist.

The beauty of Film noir

breathtaking

2012

Nicht eine Sekunde drüber nachdenken. Aber bitte doch nachdenken, denn sonst dürfte man wohl von Roland Emmerichs neuesten Katastrophenfilm trotz bombastischer Zerstörungswut der CGI Spezialisten in der Summe nicht gerade gut unterhalten werden. Der Unterhaltungswert des 160 Minuten Monsters 2012 erschließt sich erschreckender Weise ausschließlich aus der unfreiwilligen Komik der Alles wird Gut Attitüde des Drehbuchs und weniger aus der Sensation der Bilder vom Ende der Welt. Soviel vorweg zu einem Film, der Ende 2009 in den Kinos läuft, sich mit dem Ende der Menschheit befaßt, sich technisch up to date zeigt und sich doch irgendwie so anfühlt, als hätten wir gerade einmal … Man weiß es nicht wirklich. Die Welt, wie wir sie kennen, wird es bald nicht mehr geben. Das teilt der US Präsident, wer auch sonst, den Oberhäuptern der G8 Mitgliedsstaaten schon zwei Jahre vor dem Ende mit. Sonneneruptionen, Neutrinos, Erdkrustenverschiebung. Aber eigentlich ist das auch alles egal, denn die Apocalypse werden wir eh nicht mehr verhindern können. Diesmal keine Ökobotschaft, wie noch in Emmerichs The Day after Tommorow. Es gilt allein den eigenen Arsch und den Fortbestand der Spezies Mensch zu retten. Wer am Ende zu den 400.000 glücklichen Arche-Passagieren gehören wird, die Archen, die von den fleißigen Chinesen dort oben im Himalaya auf dem Dach der Welt für harte Euros in Windeseile zusammengeschustert werden, das entscheidet allein der Kontostand.

Was sich jetzt nach zynischer Satire anhört, sich auch in der ersten Hälfte dem Anschein nach so gibt, als sei es zynische Satire, ist es am Ende aber gar nicht. Emmerich dreht Abenteuerfilme für die ganze Familie, da bleibt er sich treu. Da haben schlechte Botschaften nur den Zweck der dramaturgischen Einbindung der Sensation zu erfüllen. Aufgefüllt mit bemitleidenswerten Klischees, die vielleicht augenzwinkernd so ziemlich jedes filmische Vorurteil der Geschichte aufs Korn nehmen wollen, am Ende jedoch nicht den Mut aufbringen, sich selbst zu entlarven und dem Film eher schaden als dienen können. Kann man in der ersten Hälfte noch herzlich über den Witz einer vor den aufreißenden Straßen, zusammenstürzenden Gebäuden und Feuerbrünsten flüchtenden Stretchlimousine lachen, darf spätestens in der zweiten Hälfte über Emmerichs besorgniserregenden und leider nur in Dilettantismus endenden Größenwahn der Kopf geschüttelt werden. Unser Mann in Hollywood läßt mit einem Mal all den immer doch harmlosen Spaß, den man an seiner erfreulicherweise erfrischend unpathetischen Vergnüngungspark-Attraktion haben könnte, in seinem Plan James Camerons Titanic und Ronald Neames Höllenfahrt der Poseidon übertrumpfen zu müssen versumpfen. Das kann nicht gut gehen. Wie soll man plötzlich auf das bevorstehende Schicksal all der Knallchargen, Klischees und Spitzen Ellenbogen aus der ersten Hälfte emotional reagieren? Immerhin haben die doch selbst das bevorstehende Ende ihrer Existenz über zwei Stunden hinweg aufgenommen, als ob sie lediglich noch den letzten Flug vor dem angekündigten Fluglotsenstreik am Wochenende erreichen müßten. Gaben sich so künstlich und unnatürlich, daß so etwas wie Spannung, die aus der Sorge um ihr Überleben entstehen soll, gar nicht erst aufkommen kann. Und so bleibt am Ende natürlich nur der bombastischste B-Movie aller Zeiten. Das ist bei einem Budget von $ 200 Mio zwar auch schon eine Leistung, aber lange keine einzigartige mehr.

5/10 Punkte