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Fast Forward >> Avatar

Nein, ein schlechter Film ist James Camerons 250 … 300 … oder gar 500.000.000 Dollar Esoterik-Öko-CGI Demonstration ganz bestimmt nicht. Im Vergleich zu den mauen Blockbustern des letzten Jahres darf man ihn sogar als ganz bezaubernd bezeichnen. Wie das Katzenvolk da im Einklang mit der farbenfrohen, manchmal gefährlichen, aber alles in allem ganz gut zu beherrschenden Natur Pandoras lebt, das hat tatsächlich einen Unterhaltungswert zu bieten. Auch wenn die Bilder trotz des sensationellen 3D Effektes und der atemberaubenden Computeranimationen natürlich nicht ihre künstliche Herkunft verbergen können. Eine Künstlichkeit, die am Ende die einzige Attraktion seines Werkes darstellen soll. Da verhält es sich mit Camerons Avatar ähnlich wie mit so vielen Titeln der texanischen Softwareschmiede id Software, deren später erschienene Spielesensationen auch nur noch über ihre Visualität begeistern konnten, während Spielmechanik und Inhalt im Vergleich zur Konkurrenz erschreckend konservativ und altbacken ausfielen. Es kann nur die Visualtität sein, die die Massen in die Kinos strömen lässt, als sei es gerade erst erfunden worden. Jenseits Camerons Detailverliebtheit, Räumlichkeit und einer Flora und Fauna, die deutlich von seinen Tiefseeabenteuern inspiriert scheint, gibt es auf Pandora nicht viel zu entdecken. Schon gar nichts ausserirdisches. Inhaltlich bemüht Avatar einen naiv altruistischen Plot, der Camerons Wunschfilm mit den technischen Möglichkeiten der 90er Jahre nur hätte crashen lassen können, wie einst Kevin Costners Biggest Movies ever Waterworld oder Postman. Erschreckend leer und flach gibt sich Camerons Film in allen Elementen, die über das Visuelle hinausgehen. Dramaturgie, Dialoge, musikalische Untermalung und Charakterisierung seiner Figuren können nur die nötigsten Ansprüche eines angepeilten Sci-Fi-Fantasy Epos erfüllen. Eines modernen und richtungsweisenden nicht einmal ansatzweise. Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Wer jetzt jedoch glaubt, Cameron würde solch einen pathetischen Schmock längst vergangener Tage mit der nötigen Prise Humor entschärfen, liegt völlig falsch. Da tappt er genau wie einst Costner ein um ein anderes Mal in die Falle der unfreiwilligen Komik, von der im nächstem Moment jedoch wieder die Brillanz der Technik abzulenken vermag. Ein Film für den kurzen visuellen Moment, der übermorgen schon wieder vergessen sein wird, da die Entertainmentbranche schon mit ganz anderen Zauberein locken kann. Keines Falls für die Analen der Filmgeschichte, dazu fehlt ihm einfach der nötige Unterbau abseits des Technischen. Aber da geht Camerons Werk mit den Blockbustern der letzten 10 Jahre nur konform.

6,5/10 Punkte

This time it's war - Aliens - Die Rückkehr Special Edition

In space no one can hear you scream. Alien gehört bis heute zu den spannendsten und faszinierendsten Vertretern des Genrekinos, wenn ihm in diesen Disziplinen nicht sogar die Krone allein gehört. Und das schaffte Scott tatsächlich mit einer sehr simplen Story, die er lediglich perfekt zu inszenieren wußte. Der realistische Touch des Filmes, der nicht nur aus dem detailverliebten Setting besteht sondern vor allem auch von den hervorragenden darstellerischen Leistungen der Schauspieler getragen wird ist nur ein Aspekt für das immer noch funktionierende Grauen, das so manchen Zuschauer auch heute noch wie Lambert kurz vor ihrem Filmtot zum Hyperventilieren veranlassen wird. Die von H.R. Giger entworfene, von Scott sehr bedacht und effektiv eingesetzte außerirdische Lebensform, die obwohl irdischer Kreativität entsprungen fremder und sensationeller nicht wirken könnte, ist nur auf dem ersten Blick der Motor für den unglaublichen Erfolg des Filmes, der ihm drei Fortsetzungen bescherte. Das was Alien wirklich so außergewöhnlich macht, ihn eben nicht wie einen weiteren zwar grandiosen aber üblichen Monsterflick aussehen und anfühlen läßt, ist seine Hauptfigur. Ellen Ripley. Nie zuvor und auch nur seltenst danach durfte eine Hauptdarstellerin im Kino mit so einer Selbstverständlichkeit ihre eigene Haut retten wie Sigourny Weaver in Scotts - ich glaube ich darf den Ausdruck bemühen, ohne auf große Gegenwehr zu stoßen - cineastischen Meisterwerk. Nicht eine Sekunde läßt Scotts Film daran Zweifel aufkommen, daß Ripley aufgrund ihres Geschlechts im prinzipiellen nicht anders handelt als eine männliche Hauptfigur. Dabei verrät er aber nicht ihre natürliche Weiblichkeit, läßt seine Protagonistin weder männlichen Habitus noch eine amazonenartige Kriegerin nachäffen. Ellen Ripley ist vielleicht die natürlichste und selbstverständlichste Heldin im fantastischen Kino überhaupt. Insofern kann man Alien auch als eine Vision echter Gleichberechtigung betrachten, in der der Mensch seinen Status allein aus seiner Kompetenz und nicht aus seinem Gender, also einem soziokulturellen Konstrukt, bezieht.

Als Walter Hill und David Giler den Alien Fan James Cameron mit einem Script zu einer Fortsetzung zu ihrem unerwarteten Erfolg beauftragen gaben sie ihm lediglich zwei Vorgaben mit auf den Weg. Soldaten und Ellen Ripley sollten in der Geschichte vorkommen. So kann man davon ausgehen, daß Aliens - Die Rückkehr voll und ganz dem kreativen Genie James Camerons entspringt, der glücklicherweise auch die Regie von Hill und Giler zu diesem filmischen Großprojekt angeboten bekam. Dies ist in besonderem Maße bemerkenswert, da es die Risikobereitschaft Hills und Gilers unterstreicht. Terminator war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgedreht und Camerons bis dahin einzige Regiearbeit an einem abendfüllenden Film mit Piranha II - Fliegende Killer eher als desaströs zu bezeichnen.

Die Geschichte, die Aliens - Die Rückkehr erzählt, ist ebenso schnell zusammengefaßt wie die seines Vorgängers, obwohl Cameron einen völlig anderen Film mit einem völlig anderen Fokus erschafft als Ridley Scott. Sie beginnt mit der Rettung Ripleys aus ihrem lautlos im Weltraum treibenden Rettungsschiff. Doch ihre Rettung ist nicht die von ihr erhoffte Erlösung sondern ganz im Gegenteil der Anfang eines neuen Martyriums. Der Begriff des Martyriums scheint mir an dieser Stelle in übertragenem Sinne ganz angebracht. Denn die Auswirkungen ihres Handels auf der Nostromo, das nicht nur dazu diente ihr eigenes und das Leben der Crewmitglieder zu retten, vielmehr auch die Bewahrung der ganzen Menschheit vor der aggressiven Spezies zum Ziel hatte, entziehen ihr nicht nur den Status eines ranghohen Offiziers in der Handelsmarine. 57 Jahre befand sie sich in der Cryostasis, in der Zwischenzeit verstarb ihre Tochter im Alter von 62 Jahren an Krebs. Schwere Schicksalsschläge, die ihr Cameron gleich zu Anfang in nicht groß dramatisierten Szenen mit auf den Weg gibt und der nun ihm gehörenden Hauptfigur Ripley erstmals eine emotional nachvollziehbare Charakterisierung verleihen. Die Ripley ein Leben vor den schrecklichen Geschehnissen auf LV-426 und der Nostromo zugestehen. Ripley, ihres Offiziers Status enthoben, fängt an als Laderoboterpilot auf den Docks der Raumstation zu arbeiten, was der Zuschauer jedoch nur aus einem Dialog zwischen ihr und Carter Burke erfährt. Burke möchte, das Ripley ihn und eine Spezialeinheit der Marines bei einer Rettungsaktion beratend zur Seite steht. Zur der vor dreißig Jahren auf LV-426 angesiedelten Kolonie bestehe kein Funkkontakt mehr. Ripley könnte bei einer Zusammenarbeit ihren verlorenen Offiziersrang zurückerhalten und gleichzeitig erhielte sie eine Chance ihre Erlebnisse besser zu verarbeiten. Obwohl Ripley erst ablehnend reagiert willigt sie schließlich ein unter der Voraussetzung das die Xenomorphen auf dem Planeten bedingungslos zu vernichten sein.

Die Kolonie finden Ripley und die Soldaten halb zerstört auf, von den Kolonisten ist zunächst keine Spur zu finden. Alles deutet darauf hin, daß sie den Aliens zum Opfer fielen. Durch Zufall stoßen sie auf die halbverwahrloste Newt, einem Mädchen, das ungefähr in dem Alter ist, in dem Ripleys Tochter ihre Mutter zum letzten mal sah. Doch auch die Kolonisten können mittels ihrer aus sicherheitstechnischen Gründen angebrachten Notpeilsender im Fusionsreaktorgebäude ausgemacht werden. Als die Marines feststellen, daß der Fusionsreaktor den Aliens als eine Art Brutkammer dient und sie sich schon längst inmitten der Xenomorphen aufhalten, kommt es zur Katastrophe. Nach den Kampfhandlungen gegen die Aliens, bei der die Hälfte der Marines umkommt, ist der Reaktor dermaßen beschädigt, daß er in vier Stunden explodieren wird, was die atomare Vernichtung von allem im Umkreis von dreißig Quadratkilometer bedeutet. Zu allem Überfluß fällt auch das Landungsschiff den Aliens zum Opfer. Die Situation ist aussichtslos und Ripley schon lange nicht mehr nur Beraterin der Rettungsmission.

Cameron geht bei seiner Fortsetzung nicht den Fehler ein Ridley Scott nachzuahmen, noch mal das gleiche zu inszenieren. Dabei verzichtet er jedoch nicht auf die wichtigen Spannungsmomente, die auch Alien bis zum Anschlag ausnutzte. Z.B. die Bewegungsmelder, die ein nicht zu unterschätzendes Wiedererkennungsmerkmal der Geschichte darstellen. Doch im Gegensatz zu seiner Vorlage ist Aliens nicht das Hochspannungskino, das in erster Linie von seiner Suspension lebt, sondern reines Actionkino. Daran läßt Cameron von Anfang an keinen Zweifel, wenn er die Kamera durch die Sulaco, dem Militärraumschiff, gleiten läßt und mit sehr metallischen Bildern von den Sturmgewehren und Spinden der Marines deutlich macht, daß die Menschheit den Xenomorphen, was nichts anderes als fremartige Gestalten bedeutet, den Krieg erklärt hat. Und die Menschen schicken nicht irgendwelche Soldaten zum Planten LV-426, sie schicken die Marines, die wie keine andere militärische Einheit für kompromißlose Kampfkraft, Sieg und Loyalität steht. Kampfmaschinen ohne Gnade, die ohne darüber nachzudenken jeden Kampfbefehl ohne Rücksicht auf eigene Verluste durchführen. An ihrer Überlegenheit gegenüber dem Feind nicht zu zweifeln wagen. Semper fidelis! Doch genau diese Einstellung läßt sie in ihr Verderben laufen. Diese Arroganz gegenüber der Bedrohung, dieses Gottvertrauen auf die eigenen Fähigkeiten. Cameron inszeniert auf subtile Art seinen Vietnamkriegsfilm. Die Schlacht ist verloren und den Marines bleibt nur noch der Rückzug. Das ist der Moment in dem Aliens zu Ripleys Film wird. Ganz selbstverständlich übernimmt sie die Führung, kann die Marines mit Hilfe Corporal Hicks davon überzeugen, daß ihre einzige Chance darin besteht, den Planeten zu verlassen und das Gebiet aus dem Weltraum heraus atomar zu zerstören. Doch die Gefahr für die Marines und Ripley geht nicht nur von der außerirdischen Bedrohung aus, genauso bedrohlich erweisen sich die Pläne Carter Burkes, der eines der Aliens auf die Erde schmuggeln möchte, um mit seiner Hilfe neue Waffen zu entwickeln. Dabei scheut er sich nicht das Leben der Besatzung aufs Spiel zu setzen. Dies war von Anfang an seine einzige Motivation LV-426 aufzusuchen. Streng genommen erzählt Aliens die gleiche Geschichte, die auch schon Scott 1979 in seinem Film dem Publikum präsentierte. Der Konzern wußte von Anfang an von der außerirdischen Spezies, denn auch die dortige Rettungsaktion entpuppte sich als perfider Plan ein Alien zur Erde zu schleusen, um wirtschaftlichen Gewinn zu generieren. Der wahre Feind der Menschheit sind also die Konzerne, die im Hintergrund ohne Rücksicht auf moralische Grundsätze ihrem Ziel der Gewinnmaximierung nachgehen. Die Xenomorphen, deren einziges Ziel die Vermehrung ihrer Spezies zu sein scheint, ergeben bei genauerer Betrachtung eine Allegorie zu dem Verhalten der Konzerne. Zumindest scheint dieser Denkansatz nicht unbedingt aus der Luft gegriffen und sei dem Rezensenten an dieser Stelle erlaubt.

Was jedoch Camerons Alien Beitrag von Scotts Vorlage unterscheidet, ist nicht nur der Anteil der Actionszenen, das Militärische sondern vor allem die Ausarbeitung Ellen Ripleys Charakters. Sie übernimmt Verantwortung, kann sich voll und ganz ihren instinktiven Muttergefühlen hingeben, wenn sie nicht nur Newt unter ihre Obhut nimmt. Sie möchte nicht wieder ein Kind verlieren und dafür nimmt sie es sogar mit den Aliens direkt auf. Das ist aber nicht nur ein dramaturgischer Kniff des Filmes, das ist sein Alleinstellungsmerkmal, das ihn von den anderen Monsterhatzen Hollywoods abhebt. Diese Ellen Ripley, die so verbissen um Newt und ihr eigenes Dasein kämpft. Die selbst im Endkampf immer noch menschlicher wirkt als die meisten anderen Helden im Sujet, von ihrem Instinkt geleitet erscheint anstatt von der Aussicht auf Ruhm und Ehre. Die sich ihren eigenen Dämonen stellt, das Leben dieses Mädchens rettet und damit ihrem Leben einen neuen Sinn verleiht.

Das Finale ist dann eines der bestinszenierten in der Geschichte des Genrefilms überhaupt. Bombastische Explosionen untermalt vom metallischen Klang der Filmmusik, Ripleys Endkampf im Laderoboter gegen die Alien Königin. Unvergeßliche Bilder, die da die Leinwand füllen. Obschon der restliche Film nicht mit beeindruckenden Momenten geizt. Doch ... Aliens – Die Rückkehr ist die beeindruckende Fortsetzung eines der besten Genrefilme der Kinogeschichte und kann sich sogar selbst in diese Kategorie der Alltime Favourites einordnen. Und wenn sich Cameron dann vielleicht doch das eine oder andere Mal ganz ungeniert bei seinen Kollegen bedient hat, ich denke da gerade z.B. an Romero, dann soll das nicht den kulturellen Wert seines Filmes schmälern.

8,5/10

No Fate - Terminator 2: Judgement Day Special Edition

Als James Camerons Terminator 1984 erschien, wurde das Science Fiction Genre dermaßen durcheinander geschüttelt, daß schnell von einem Meisterwerk die Rede war. Science Fiction, das war in den Köpfen der meisten Kinobesucher Star Wars, Star Trek, Buck Rogers, außerirdische Lebensformen und Raumschiffe, hatte jedoch mit der Gegenwart und knallharter Action soviel zu tun wie Ronald Reagan mit Freundlichkeit gegenüber dem Kommunismus. Arnold Schwarzenegger gelang durch Camerons hoffnungslos dystopischen Actionfilm der Durchbruch zum Star nicht nur in den USA, sondern auch im muttersprachlichen Raum. Hier wurden seine vorherigen Versuche in Hollywood Fuß zu fassen mehr als belächelt. Und auch wenn nun amüsiert darüber geflachst wurde, daß Arnie im Film lediglich 17 Sätze spricht war sich jeder darüber im klarem wie viel noch kommen sollte. Jedenfalls nahm man Schwarzenegger jetzt endlich als neuen aufgehenden Stern des Actionkinos auch in Österreich und Deutschland wahr. Wenn ich heute darüber nachdenke wie er einst bei Hans-Joachim Fuchsberger während der großen Samstagabend Familienunterhaltung Auf Los geht's los auf der Couch saß, man stolz Ausschnitte des Films präsentierte, muß ich mehr als schmunzeln. In Deutschland vollzog sich just zu diesem Zeitpunkt eine hitzige Mediengewaltdebatte. Fulci und dem Video Home System sei Dank, wurden nicht nur Jugendschutzgesetze novelliert, und da wird doch tatsächlich in einer Familienshow, die regelmäßig eine nicht unerhebliche Reichweite erlangte, ein brutaler Low Budget! Science Fiction Action Film beworben, der später auf dem Index der BPjM landen sollte. Heute unvorstellbar.

Doch auch für James Cameron, dem Autodidakt ohne Filmhochschulabschluß, war der Terminator die Initialzündung für seine weitere Karriere. Walter Hill und David Giler waren von Camerons Drehbuch zu Terminator derart begeistert, daß sie unbedingt mit ihm zusammenarbeiten wollten und ihm letztendlich mit der Fortsetzung ihres damals schon als Kult geltentenden Erfolgs Alien betrauten. Daß Cameron mit Aliens - Die Rückkehr einen weiteren Kultfilm erschuf, der bis heute maßgeblich für das Bild der Franchise in der Öffentlichkeit verantwortlich ist, sollte keine Neuigkeit darstellen. Nachdem sein nächster Film The Abyss, eine Mischung aus dem Alien Thema und ein wenig E.T. bzw. Unheimliche Begegnung der dritten Art, vom Puplikum sträflich unterschätzt wurde und an den Kinokassen hinter den Erwartungen zurückblieb wendete er sich der Fortsetzung seines Gesellenstücks Terminator zu. Es war klar, daß Cameron, der zuvor der eben erwähnten Alien Franchise eine andere Richtung verpaßte ohne sie zu verraten, auch seinem Kind, dem Terminator ein anderes Gesicht überstülpen würde. Und auch wenn The Abyss zuvor keinen großartigen Erfolg darstellte stand Cameron für die Fortsetzung seines apokalyptisch metallischen Technikalptraums mit 100 Millionen Dollar das damals größte Budget der Kinogeschichte zur Verfügung.

Die Story, die T2 erzählt ist schnell in ein oder zwei Sätze zusammengefaßt. Ist sie doch nichts anderes als eine Variation des ersten Terminator Filmes. Hofften nicht wenige, mich eingeschlossen, bei der Ankündigung der Fortsetzung Cameron ließe die Résistance in der Zukunft gegen Skynet kämpfen, erfüllte er diesen Wunsch lediglich im kurzen jedoch beeindruckenden Prolog des Filmes. Los Angeles verstopfte Highway Perepherie, nur kurz in einer versmogten Einstellung, Auto an Auto, die Luft flimmert vor Hitze, der epische, gleichsam bedrohliche Score Brad Fiedels läßt nicht eine Sekunde Zweifel daran aufkommen, daß es sich um einen großen Film handeln könnte. Ein Spielplatz vor der Skyline Los Angeles, schaukelnde und lachende Kinder in Zeitlupe versinken im gleißendem bläulich weißen Licht. Schnitt. Nacht, ausgebrannte Autowracks, ein verbrannter Kinderspielplatz, überall Totenköpfe und Sarah Connor beginnt aus dem Off die Geschichte der Zukunft der Menschheit zu erzählen. Schon in den ersten Sekunden werden die Ambitionen Camerons jedem Zuschauer deutlich vor Augen geführt. Dies wird der größte, beste, wichtigste Actionfilm aller Zeiten. In den nächsten knappen 150 Minuten wird die Zukunft der Menschheit entschieden und Du als Zuschauer wirst daran teilhaben. An der Klimax des Action Genres und darüber hinaus, alles was Du bisher gesehen hast wird für Dich an Relevanz verlieren, falls Du dich nicht sofort aus dem Sessel erhebst und das Kino verläßt. Der Film ist keine Minute alt und Cameron beginnt seine Versprechen der ersten Sekunden einzulösen. Die letzte Schlacht der Menschheit gegen die Maschinen ist im vollem Gange. Explosionen, Laser, Flugmaschinen, Hochglanz polierter Stahl. Was T2 schon hier dem Rezipienten an den Kopf wirft, würde anderen Filmen an Aufwendigkeit und Action als Höhepunkt gut zu Gesicht stehen. Wir befinden uns immer noch im Prolog, der von einer Leinwand füllenden Explosion, brennendem Spielgerät und einem im Feuer erscheinenden T-800 abgeschlossen wird. Wer nicht spätestens jetzt verstanden hat, wie ernst es um die Zukunft der Menschheit steht, wie bedrohlich die nächsten zweieinhalb Stunden werden, dem ist nicht mehr zu helfen.

Jede Kriegspartei schickt einen Terminator zurück in die Gegenwart der 90er Jahre, der genaue Zeitpunkt ist nicht näher bestimmt. Der eine soll John Connor, den Jungen, der später einmal Anführer der Résistance sein wird, terminieren, der andere soll ihn beschützen. Obwohl jedem klar sein sollte, wer der Attentäter und wer der Beschützer ist, schafft es Cameron dennoch die Spannung diesbezüglich bis zur Szene im Mall, in der T-800 und T-1000 zum ersten mal auf John Connor treffen, aufrechtzuerhalten und den Zuschauer noch einmal an seinem Vorwissen, das er durch die Vorberichterstattung erlangt hat, zweifeln zu lassen. Ist diese Szene doch eine Umkehrung des ersten Aufeinandertreffens Kyle Reeses mit dem T-800 im Tech Noir des ersten Teils. Cameron nutzt diesen Kniff gut dosiert in mehreren Szenen über den ganzen Film verteilt ohne jedoch in die Falle der Abnutzungserscheinung zu tappen. Ähnlich Tarantinos Kino, das so gekonnt nichts anderes macht als die Filmgeschichte zu zitieren, zitiert Cameron durchgehend einfach seinen eigenen Terminator. Spielt mit den vertauschten Rollen. Böse Zungen sprechen von einer ausgeschmückten Nacherzählung für den Mainstream. Das kann man jedoch nicht unwidersprochen stehen lassen. Zwar unterscheidet sich die Story von T2 nicht maßgeblich von Camerons erstem Erfolgsfilm, die Ausgangslage, die Dramaturgie, ja selbst das Ende zeigte er schon 1984. Doch die Aussage des Films ist eine komplett andere.

War in Terminator das Schicksal der Menschheit vorbestimmt, Sarah Connors und Kyle Reese Kampf gegen den T-800 lediglich eine Flucht vor der unabwendbaren Apokalypse, hatte er also eher eine fatalistische Grundhaltung, tritt Judgement Day allen Fatalisten in den Allerwertesten. No Fate. Unsere Zukunft wird nicht vom Schicksal entschieden, wir haben sie selbst in der Hand und können das augenscheinlich vorgegebene Schicksal verändern. Auch wenn für die großen Ziele große Steine aus den Weg geräumt werden müssen und der Mensch aufpassen muß nicht von den großen Steinen zermalmt zu werden. Sicherlich drückt die Botschaft die Hoffnung der westlichen Welt nach dem Ende der Sowjet Union und dem Fall der Berliner Mauer in eine sichere, glückliche Zukunft ohne Kriege aus, doch ist sie auch Ausdruck für Camerons eigenen Werdegang. Hätte er sich auf dem Weg zum Erfolgsregisseur nicht ständig ehrgeizig all den Hindernissen wiedersetzt, von Rückschlägen nicht desillusionieren lassen, er wäre vielleicht heute noch im LKW unterwegs oder auf ewig Kabelaffe unter Roger Cormans Aufsicht, was vielleicht nicht das schlechteste wäre, jedoch kein Vergleich ist zu dem was er durch sein Wirken in Hollywood erreicht hat.

Terminator 2: Judgement Day ist Camerons Herzensangelegenheit, keine von irgendeinem Filmstudio in Auftrag gegebene Cash Cow, wie es bei Fortsetzungen doch regelmäßig in der Branche üblich ist. Kein Blender, der die Möglichkeiten des modernen Kinos prätentiös und selbstzweckhaft einsetzt. Sich dem geneigtem Publikum durch eingehaltene Konventionen anbiedert. Auch wenn er an mancher Stelle den Eindruck erweckt. Wenn John Connor seinen T-800 anweist Unschuldige nicht zu töten ist dies aber nur konsequent und kein Ausdruck politischer Korrektheit. John Connor wird einmal der Erretter der Menschheit, wie würde es sich dazu verhalten würde er seine Maschine auf den Weg dahin jeden der sich ihm in den Weg stellt über den Haufen knallen lassen? Nein, die Patchworkfamilie, die auf dem Weg zum Erhalt unserer eigenen Spezies durch die Wüste Kaliforniens in schrottreifen Autos unterwegs ist, in zerfallenen Tankstellenruinen übernachtet und bei Freunden Unterschlupf findet, die allem anderem als dem puritanischem Weltbild entspringen, ist höchst subversiv. Die Mutter eine gerade aus der Nervenheilanstalt entsprungene Psychopathin, der Sohn verfügt über ein Vorstrafenregister, das Roland Koch eine Steilvorlage für die nächste Wahlkampagne liefern könnte und der Vater... Eine umprogrammierte Maschine aus der Zukunft, deren ursprüngliche Aufgabe es eigentlich ist, die Menschheit zu vernichten. Das ist kein kalkuliertes Mainstreamkino, aber Kino, das auch dem Mainstream gefällt.

Camerons ganzes virtuoses Können entlädt sich in der Action, die vornehmlich in den Fluchtszenen stattfindet. Nie wird es für den Zuschauer unübersichtlich, an keiner Stelle wird Dynamik durch schnelle Schnittfolgen oder lautes musikalisches Getöse vorgetäuscht. Die Dramaturgie der einzelnen Szenen ist puristisch, Score und Specialeffects unterstützen lediglich das was Cameron in der jeweiligen Szene erzählen möchte. Ob es der aus dem brennenden LKW Wrack kommende CGI T-1000 ist, der in dieser Szene seine Unzerstörbarkeit und Unnachgiebigkeit in der Verfolgung John Connors ankündigt oder Brad Fiedels T-1000 Theme, das an ein Alarmsignal erinnert und die Gefahr unterstreicht in der sich die Protagonisten gerade befinden. Camerons Aufmerksamkeit gehört ganz seiner Geschichte, der er durch seine Inszenierung eine Einzigartigkeit verleiht die nur selten im Kino zu sehen ist. Terminator 2: Judgement Day gehört zu den ganz großen Erlebnissen des Fantastischen Kinos, mindestens.

9/10 Punkte