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This time it's war - Aliens - Die Rückkehr Special Edition

In space no one can hear you scream. Alien gehört bis heute zu den spannendsten und faszinierendsten Vertretern des Genrekinos, wenn ihm in diesen Disziplinen nicht sogar die Krone allein gehört. Und das schaffte Scott tatsächlich mit einer sehr simplen Story, die er lediglich perfekt zu inszenieren wußte. Der realistische Touch des Filmes, der nicht nur aus dem detailverliebten Setting besteht sondern vor allem auch von den hervorragenden darstellerischen Leistungen der Schauspieler getragen wird ist nur ein Aspekt für das immer noch funktionierende Grauen, das so manchen Zuschauer auch heute noch wie Lambert kurz vor ihrem Filmtot zum Hyperventilieren veranlassen wird. Die von H.R. Giger entworfene, von Scott sehr bedacht und effektiv eingesetzte außerirdische Lebensform, die obwohl irdischer Kreativität entsprungen fremder und sensationeller nicht wirken könnte, ist nur auf dem ersten Blick der Motor für den unglaublichen Erfolg des Filmes, der ihm drei Fortsetzungen bescherte. Das was Alien wirklich so außergewöhnlich macht, ihn eben nicht wie einen weiteren zwar grandiosen aber üblichen Monsterflick aussehen und anfühlen läßt, ist seine Hauptfigur. Ellen Ripley. Nie zuvor und auch nur seltenst danach durfte eine Hauptdarstellerin im Kino mit so einer Selbstverständlichkeit ihre eigene Haut retten wie Sigourny Weaver in Scotts - ich glaube ich darf den Ausdruck bemühen, ohne auf große Gegenwehr zu stoßen - cineastischen Meisterwerk. Nicht eine Sekunde läßt Scotts Film daran Zweifel aufkommen, daß Ripley aufgrund ihres Geschlechts im prinzipiellen nicht anders handelt als eine männliche Hauptfigur. Dabei verrät er aber nicht ihre natürliche Weiblichkeit, läßt seine Protagonistin weder männlichen Habitus noch eine amazonenartige Kriegerin nachäffen. Ellen Ripley ist vielleicht die natürlichste und selbstverständlichste Heldin im fantastischen Kino überhaupt. Insofern kann man Alien auch als eine Vision echter Gleichberechtigung betrachten, in der der Mensch seinen Status allein aus seiner Kompetenz und nicht aus seinem Gender, also einem soziokulturellen Konstrukt, bezieht.

Als Walter Hill und David Giler den Alien Fan James Cameron mit einem Script zu einer Fortsetzung zu ihrem unerwarteten Erfolg beauftragen gaben sie ihm lediglich zwei Vorgaben mit auf den Weg. Soldaten und Ellen Ripley sollten in der Geschichte vorkommen. So kann man davon ausgehen, daß Aliens - Die Rückkehr voll und ganz dem kreativen Genie James Camerons entspringt, der glücklicherweise auch die Regie von Hill und Giler zu diesem filmischen Großprojekt angeboten bekam. Dies ist in besonderem Maße bemerkenswert, da es die Risikobereitschaft Hills und Gilers unterstreicht. Terminator war zu diesem Zeitpunkt noch nicht abgedreht und Camerons bis dahin einzige Regiearbeit an einem abendfüllenden Film mit Piranha II - Fliegende Killer eher als desaströs zu bezeichnen.

Die Geschichte, die Aliens - Die Rückkehr erzählt, ist ebenso schnell zusammengefaßt wie die seines Vorgängers, obwohl Cameron einen völlig anderen Film mit einem völlig anderen Fokus erschafft als Ridley Scott. Sie beginnt mit der Rettung Ripleys aus ihrem lautlos im Weltraum treibenden Rettungsschiff. Doch ihre Rettung ist nicht die von ihr erhoffte Erlösung sondern ganz im Gegenteil der Anfang eines neuen Martyriums. Der Begriff des Martyriums scheint mir an dieser Stelle in übertragenem Sinne ganz angebracht. Denn die Auswirkungen ihres Handels auf der Nostromo, das nicht nur dazu diente ihr eigenes und das Leben der Crewmitglieder zu retten, vielmehr auch die Bewahrung der ganzen Menschheit vor der aggressiven Spezies zum Ziel hatte, entziehen ihr nicht nur den Status eines ranghohen Offiziers in der Handelsmarine. 57 Jahre befand sie sich in der Cryostasis, in der Zwischenzeit verstarb ihre Tochter im Alter von 62 Jahren an Krebs. Schwere Schicksalsschläge, die ihr Cameron gleich zu Anfang in nicht groß dramatisierten Szenen mit auf den Weg gibt und der nun ihm gehörenden Hauptfigur Ripley erstmals eine emotional nachvollziehbare Charakterisierung verleihen. Die Ripley ein Leben vor den schrecklichen Geschehnissen auf LV-426 und der Nostromo zugestehen. Ripley, ihres Offiziers Status enthoben, fängt an als Laderoboterpilot auf den Docks der Raumstation zu arbeiten, was der Zuschauer jedoch nur aus einem Dialog zwischen ihr und Carter Burke erfährt. Burke möchte, das Ripley ihn und eine Spezialeinheit der Marines bei einer Rettungsaktion beratend zur Seite steht. Zur der vor dreißig Jahren auf LV-426 angesiedelten Kolonie bestehe kein Funkkontakt mehr. Ripley könnte bei einer Zusammenarbeit ihren verlorenen Offiziersrang zurückerhalten und gleichzeitig erhielte sie eine Chance ihre Erlebnisse besser zu verarbeiten. Obwohl Ripley erst ablehnend reagiert willigt sie schließlich ein unter der Voraussetzung das die Xenomorphen auf dem Planeten bedingungslos zu vernichten sein.

Die Kolonie finden Ripley und die Soldaten halb zerstört auf, von den Kolonisten ist zunächst keine Spur zu finden. Alles deutet darauf hin, daß sie den Aliens zum Opfer fielen. Durch Zufall stoßen sie auf die halbverwahrloste Newt, einem Mädchen, das ungefähr in dem Alter ist, in dem Ripleys Tochter ihre Mutter zum letzten mal sah. Doch auch die Kolonisten können mittels ihrer aus sicherheitstechnischen Gründen angebrachten Notpeilsender im Fusionsreaktorgebäude ausgemacht werden. Als die Marines feststellen, daß der Fusionsreaktor den Aliens als eine Art Brutkammer dient und sie sich schon längst inmitten der Xenomorphen aufhalten, kommt es zur Katastrophe. Nach den Kampfhandlungen gegen die Aliens, bei der die Hälfte der Marines umkommt, ist der Reaktor dermaßen beschädigt, daß er in vier Stunden explodieren wird, was die atomare Vernichtung von allem im Umkreis von dreißig Quadratkilometer bedeutet. Zu allem Überfluß fällt auch das Landungsschiff den Aliens zum Opfer. Die Situation ist aussichtslos und Ripley schon lange nicht mehr nur Beraterin der Rettungsmission.

Cameron geht bei seiner Fortsetzung nicht den Fehler ein Ridley Scott nachzuahmen, noch mal das gleiche zu inszenieren. Dabei verzichtet er jedoch nicht auf die wichtigen Spannungsmomente, die auch Alien bis zum Anschlag ausnutzte. Z.B. die Bewegungsmelder, die ein nicht zu unterschätzendes Wiedererkennungsmerkmal der Geschichte darstellen. Doch im Gegensatz zu seiner Vorlage ist Aliens nicht das Hochspannungskino, das in erster Linie von seiner Suspension lebt, sondern reines Actionkino. Daran läßt Cameron von Anfang an keinen Zweifel, wenn er die Kamera durch die Sulaco, dem Militärraumschiff, gleiten läßt und mit sehr metallischen Bildern von den Sturmgewehren und Spinden der Marines deutlich macht, daß die Menschheit den Xenomorphen, was nichts anderes als fremartige Gestalten bedeutet, den Krieg erklärt hat. Und die Menschen schicken nicht irgendwelche Soldaten zum Planten LV-426, sie schicken die Marines, die wie keine andere militärische Einheit für kompromißlose Kampfkraft, Sieg und Loyalität steht. Kampfmaschinen ohne Gnade, die ohne darüber nachzudenken jeden Kampfbefehl ohne Rücksicht auf eigene Verluste durchführen. An ihrer Überlegenheit gegenüber dem Feind nicht zu zweifeln wagen. Semper fidelis! Doch genau diese Einstellung läßt sie in ihr Verderben laufen. Diese Arroganz gegenüber der Bedrohung, dieses Gottvertrauen auf die eigenen Fähigkeiten. Cameron inszeniert auf subtile Art seinen Vietnamkriegsfilm. Die Schlacht ist verloren und den Marines bleibt nur noch der Rückzug. Das ist der Moment in dem Aliens zu Ripleys Film wird. Ganz selbstverständlich übernimmt sie die Führung, kann die Marines mit Hilfe Corporal Hicks davon überzeugen, daß ihre einzige Chance darin besteht, den Planeten zu verlassen und das Gebiet aus dem Weltraum heraus atomar zu zerstören. Doch die Gefahr für die Marines und Ripley geht nicht nur von der außerirdischen Bedrohung aus, genauso bedrohlich erweisen sich die Pläne Carter Burkes, der eines der Aliens auf die Erde schmuggeln möchte, um mit seiner Hilfe neue Waffen zu entwickeln. Dabei scheut er sich nicht das Leben der Besatzung aufs Spiel zu setzen. Dies war von Anfang an seine einzige Motivation LV-426 aufzusuchen. Streng genommen erzählt Aliens die gleiche Geschichte, die auch schon Scott 1979 in seinem Film dem Publikum präsentierte. Der Konzern wußte von Anfang an von der außerirdischen Spezies, denn auch die dortige Rettungsaktion entpuppte sich als perfider Plan ein Alien zur Erde zu schleusen, um wirtschaftlichen Gewinn zu generieren. Der wahre Feind der Menschheit sind also die Konzerne, die im Hintergrund ohne Rücksicht auf moralische Grundsätze ihrem Ziel der Gewinnmaximierung nachgehen. Die Xenomorphen, deren einziges Ziel die Vermehrung ihrer Spezies zu sein scheint, ergeben bei genauerer Betrachtung eine Allegorie zu dem Verhalten der Konzerne. Zumindest scheint dieser Denkansatz nicht unbedingt aus der Luft gegriffen und sei dem Rezensenten an dieser Stelle erlaubt.

Was jedoch Camerons Alien Beitrag von Scotts Vorlage unterscheidet, ist nicht nur der Anteil der Actionszenen, das Militärische sondern vor allem die Ausarbeitung Ellen Ripleys Charakters. Sie übernimmt Verantwortung, kann sich voll und ganz ihren instinktiven Muttergefühlen hingeben, wenn sie nicht nur Newt unter ihre Obhut nimmt. Sie möchte nicht wieder ein Kind verlieren und dafür nimmt sie es sogar mit den Aliens direkt auf. Das ist aber nicht nur ein dramaturgischer Kniff des Filmes, das ist sein Alleinstellungsmerkmal, das ihn von den anderen Monsterhatzen Hollywoods abhebt. Diese Ellen Ripley, die so verbissen um Newt und ihr eigenes Dasein kämpft. Die selbst im Endkampf immer noch menschlicher wirkt als die meisten anderen Helden im Sujet, von ihrem Instinkt geleitet erscheint anstatt von der Aussicht auf Ruhm und Ehre. Die sich ihren eigenen Dämonen stellt, das Leben dieses Mädchens rettet und damit ihrem Leben einen neuen Sinn verleiht.

Das Finale ist dann eines der bestinszenierten in der Geschichte des Genrefilms überhaupt. Bombastische Explosionen untermalt vom metallischen Klang der Filmmusik, Ripleys Endkampf im Laderoboter gegen die Alien Königin. Unvergeßliche Bilder, die da die Leinwand füllen. Obschon der restliche Film nicht mit beeindruckenden Momenten geizt. Doch ... Aliens – Die Rückkehr ist die beeindruckende Fortsetzung eines der besten Genrefilme der Kinogeschichte und kann sich sogar selbst in diese Kategorie der Alltime Favourites einordnen. Und wenn sich Cameron dann vielleicht doch das eine oder andere Mal ganz ungeniert bei seinen Kollegen bedient hat, ich denke da gerade z.B. an Romero, dann soll das nicht den kulturellen Wert seines Filmes schmälern.

8,5/10