Fast Forward >> Surrogates - Mein zweites Ich

Ein Surrogat ist ein Ersatzerzeugnis. Zum Beispiel die Margarine oder der Malzkaffee, die in Kriegszeiten Butter und Bohnenkaffee ersetzten – ich weiß, es gibt tatsächlich Menschen, die schmieren sich Margarine ohne Not aufs Brot und schlürfen dazu einen Carokaffee -, ein zweifelhaftes Vergnügen, wie ich letztens in einem Anflug von Nostalgie feststellen konnte. Das kann man mal machen, aber so richtig befriedigend sind Margarine und Malzkaffee dann doch nicht, sofern man weiß wie Butter und echter Bohnenkaffee schmecken und die Geschmacksnerven noch intakt sind. In Johnathan Mostrows Verfilmung der gleichnamigen Graphic Novel der beiden Autoren Robert Venditti und Brett Wedel ersetzt sich der Mensch gleich selbst durch androide Avatare, die er bequem von zu Hause aus durch die reale Welt steuert und für ihn machen läßt. Arbeiten, urlauben, tanzen, lieben. Second Life lässt grüßen und ist auch offizielle Inspirationsquelle der Vorlage Mostrows Films. Ein soziologisch äußerst aktuelles Thema, das sich durchaus von der ersten Welle der sich vom Computer erschaffenen Welten annehmenden Filme in den 90ern unterscheidet. Es geht nicht mehr um die Authentizität der Umwelt, sondern um die Authentizität des in der Umwelt agierenden Gegenüber. Leider wissen Mostrow und seine Autoren diese abgrundtiefe Prämisse höchstens in homöopathischen Dosen zu nutzen und servieren ansonsten lediglich einen immerhin soliden, jedoch konservativen Cyberkrimi, der es wahrscheinlich nur aufgrund seiner prominent besetzten Haupt- und Nebenrollen in die Kinos geschafft haben wird. Bis auf die formal gelungene Umsetzung der Avatare mit ihrer gephotoshopt wirkenden Aura hat Surrogates – Mein zweites Ich nichts, aber auch gar nichts bieten, was einen Gang ins Kino rechtfertigen könnte. Da fragt man sich doch des öfteren was John Mostrow mit den restlichen 60 Millionen Dollar seines großzügigen 80 Millionen Dollar Budgets angestellt hat. In weiten Strecken wirkt Surrogates wie eine Direct to DVD- oder Fernsehproduktion für den Sci-Fi Kanal, und selbst da findet sich schon seit Jahren qualitativ Höherwertigeres. Mag sein, dass Mostrow vieles an seinem Film absichtlich künstlich gestaltet hat, doch wirkt die eine oder andere CGI Spielerei einfach nur auf den Stand von vor zehn Jahren. Bleibt festzustellen, dass Surrogates selbst nur ein Ersatzerzeugnis für großes inspirierendes Science-Fiction-Kino sein kann, Magarine statt Butter, Malzkaffee statt Bohnenkaffee, und sich Bruce Willis Karriere nun endgültig auf ihr Ende zu bewegt.

6/10 Punkte

8 Kommentare:

Kaiser Soze hat gesagt…

Glaub ich dir net^^

tumulder hat gesagt…

Na dann überzeuge dich am besten selbst.:)

Mr. Hankey hat gesagt…

Stimme ich soweit zu, wenngleich ichs noch nen Tick schlechter fand. Bin persönlich so bei 4,5/10 Punkte. Das Ende rettet IMO so einiges, ansonsten aber ziemlich mager das Ganze! :(

Kaiser Soze hat gesagt…

Nein, für son Dreck geb ich mein Geld nicht aus, sorry. Schon der Trailer sieht unendlich bekackt aus. Man verzeihe mir meine vulgäre Ausdrucksweise, aber wenn ich son Möchtegern-Matrix sehe mit nem Willis in der Hauptrolle, der eine ne oberfurchtbare Perücke trägt, dann krieg ich echt das Kotzen.

tumulder hat gesagt…

@Hankey
Ich würde schreiben, das Ende reist den Film endgültig in die Belanglosigkeit. Aber immerhin funktioniert er über weite Strecken als einfacher eben einfacher Cyber-Krimi.;)

@kaiser
Der Willis ist ja höchstens 20 Minuten mit der Perücke zu sehen. Dann kommt der übliche Willis mit Stirnwunde, damit der Zuschauer checkt, dass er jetzt der menschliche Willis ist. Soviel zur Symbolik.^^

JMK hat gesagt…

wie die Historie lehrt, geht Willis mit Perücke gar nicht

C.H. hat gesagt…

So, der war ja nun echt noch mal wirklich schlimmer als "Gamer" (der war wenigstens unterhaltsam). Jetzt hab ich erst mal genug von der Thematik. Bitte erst wieder, wenn da einer auch mal wirklich was zu erzählen hat.

barbara.dietz hat gesagt…

Das Thema ist heutzutage bestimmt sehr aktuell. In unserem grauen Alltag träumen wir alle heimlich manchmal von einem zweiten Ich, das alles was uns belästigt, statt uns zu machen, nicht wahr?

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