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Größt anzunehmender Unfall

Ich bin ja kniepig. Ach nee, ich möchte nur kein Premiere Abo abschließen weil Schalke gerade in der Champions League im Achtel Finale spielt. Das wird auch in Zukunft so bleiben, selbst wenn Schalke regelmäßig CL spielen sollte. Kneipe, Freunde, P2P, Stadion oder halt das Radio sind bei mir angesagt. Gestern waren Kneipe, Freunde und Stadion keine Option, also dachte ich der WDR Event wird es richten und gut ist. Bei der Gelegenheit wollte ich die Fernsehtipps für die nächste Woche vorbereiten. Aber erstens kommt es ja anders und zweitens als man denkt.

Der WDR stellte Sabine Töpperwien ab um vom 100. Europapkalspiel der Schalker zu berichten. Ich finde Sabine Töpperwien ist sehr kompetent, liebt den Fußball und sie ist auch nicht gerade unsympathisch. Doch leider läßt mich ihre Stimme jedesmal erzittern, wenn sie von Spielen mit Schalker Beteiligung berichtet. Meistens sieht Schalke in diesen Spielen nicht sehr gut aus und verliert. Ob dies jetzt statistisch belegbar ist oder nicht, spielt für mich keine Rolle. Ich empfinde es halt so und das reicht dann ja auch um schlimmste Befürchtungen in mir zu beschwören.

Da ich in Sachen Fußball auch gerne einmal ein wenig abergläubisch bin, entschloß ich mich dann doch auf die Chinesen zurückzugreifen. Schnell war der entsprechende Link gefunden und Schalke - FC Porto flimmerte in guter Qualität und mittels stabilen Stream über mein LCD. Aber das größte war, daß der Stream ohne jeglichen Kommentar daherkam. Einfach nur Bild und Stadionton. Genial! Kein nervender Laberkopf, der einem, der Stadionfußball gewohnt ist, das Spiel vermiest.

War dann ja auch eine spannende Geschichte, dieses Spiel. Nach anfänglicher Überlegenheit der Schalker gewann der FC Porto immer mehr Spielanteile. Doch Schalke setzte nach, kämpfte um jeden Meter und erspielte sich gute Chancen in der ersten Halbzeit. Das 1:0 erlebte ich leider noch im Radio. Aber generös wie die Chinesen sind, wurde es mir in der Halbzeit nachgeliefert. An die Vorbereitung der Fernsehtipps war schon lange nicht mehr zu denken. In der zweiten Hälfte gab es viele Unterbrechungen und man merkte, daß die Schalker in der ersten Hälfte an ihre Grenzen gegangen sind. Und dann gab es die Szene, die den GAU einleiten sollte. Ein Porto Spieler fummelt Asamoah ständig am Nacken rum, Asamoah fällt darauf rein und anstatt einfach wegzugehen schlägt er mit dem Ellenbogen nach hinten. Der Provozierer fällt daraufhin in Laiendarsteller Qualität zu Boden, hält sich das Gesicht. Wie von der Tarantel gestochen springe ich von der Couch auf. Zum einen weil ich mich über Asamoahs Dummheit ärgere und zum anderen in der Gewißheit, daß der Stream bestimmt ein oder zwei Minuten verspätet bei mir ankommt. Ich möchte also sofort wissen ob Asamoah die Rote Karte für diese dumme Aktion bekommen hat. In der Hektik stoße ich natürlich mein Glas Wasser um, dessen Inhalt sich natürlich im vollen Umfang über meine komplette Tastatur verteilt. Arrrrrghhh. Mein Handy kann ich gerade noch rechtzeitig aus der Gefahrenzone retten.

Die Tastatur drehe ich sofort um und das Wasser läuft nur so aus ihr heraus auf den Teppich. Ist ja zum Glück nur Wasser und kein Rotwein oder klebrige Cola. Das Fußballspiel interessiert mich in diesem Moment überhaupt nicht nicht mehr. Aber nebenbei bekomme ich noch mit, daß der Schiedsrichter zum Glück nicht der dümmste ist und die Sache auf sich beruhen läßt. Handtuch, Fön, vielleicht ist noch etwas zu retten. Aber erst einmal schaue ich noch das Spiel zu ende.
Es blieb ja auch noch in der Endphase ein Herzinfarktrisikofaktor. Das knappe 1:0 konnte aber über die Zeit gebracht werden. Ich war glücklich.

Doch meine mittlerweile 6 Jahre alte Logitech Cordless Desktop MX was weiß ich Tastatur ist dahin. Die Hochstelltasten liefern ein Y, andere Tasten nehmen überhaupt kein Signal mehr an. Echt ärgerlich, ich hatte mich doch so an sie gewöhnt. Sauberer Anschlag, gute Ergonomie, fette und gut zu bedienene Mediatasten. Alles was mein Herz begehrt. Sie liegt jetzt im Schrank. Ich lasse sie noch einmal eine Woche trocknen bevor ich den nächsten Reanimationsversuch starte.

Bis dahin erledigt der heute Mittag neuerworbene Ersatz seine Arbeit auf meinem Schreibtisch. Er hat noch nicht einmal ein Siebentel der Anschaffungskosten meiner geliebten alten gekostet. Sieht auch ganz schick aus und während ich diese Zeilen schreibe, bin ich schon gar nicht mehr so traurig. Kann sein, daß ich auf die geplanten Reanimationsversuche verzichte. Nein wirklich, das Tippen geht flott von der Hand. Vielleicht muß ich mich noch an die kürzeren Anschläge gewöhnen. Die neue Tastatur wird ihrem Namen gerecht und ist sehr leise. Wer es wissen möchte. Speed Link Silent Keystroke Blue. Ist irgendwie, als steigt man von seinem 20 Jahren alten Benz auf einen nagelneuen Toyota um. Ungewohnt, aber gar nicht mal so schlecht.