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Kurz und Knapp - The Dark Knight

Batman Joker Forever, jawoll. The Dark Knight ist die neueste Interpretation des schwarzen Rächers, zum zweiten mal unter der Regie von Wunderkind Christopher Nolan. Batman Begins, sein erster Versuch Bruce Wayne ins neue Jahrtausend zu hieven. Bemüht die Geschichte neu zu starten, einen realistischeren und dunkleren Anstrich zu geben, aber weitestgehend inhaltsleer. Ja, ja, die Fanboys fressen alles. Und so war auch klar, daß sich um The Dark Knight im Vorfeld ein gigantischer Hype aufbauen wird. Ungefähr 36.000.000 Treffer meldet Google, ungesehen mußte der neue Batman schon als bester Film aller Zeiten herhalten. Gestern war ich im Kino um mir selbst ein Bild zu machen.

Eines vorweg, der Kinogang ist keine Enttäuschung. The Dark Knight erfüllt alle Wünsche des durchschnittlichen Kinogängers an einem Sommerblockbuster, kann sogar, ganz im Gegensatz zu seinem Vorgänger, ein wenig Epic-Feeling aufbauen. Endlich wieder ein echter Kampf zwischen Held und charismatischen Schurken im Kino. Das hat mir schon seit langem im Popcornkino gefehlt. Gegen Ledgers Darstellung des Jokers stinkt so ziemlich jeder Bösewicht der vergangenen Jahre einfach ab. Das macht Spaß, man wird im Laufe des Films fast süchtig nach den Monologen des Terroristen.

Und da sind wir auch schon an der viel zitierten und gelobten Metaebene des Filmes angelangt. Zur Handlung möchte ich nichts schreiben, da sie eigentlich unerheblich für die Wirkung des Filmes ist. Es ensteht mir der Eindruck als ginge es in The Dark Knight nur um eine Sache. Welcher Mittel muß sich ein Rechtsstaat bedienen um einer Bedrohung Herr zu werden. Es geht weniger um das Darf sondern lediglich um das Muß. Und hier enttäuscht mich Nolan auf ganzer Linie. Er rechtfertigt, vielleicht unbewußt in jedem Fall aber blauäugig, so ziemlich jedes Vorgehen seines Heimatlandes seit dem 9/11, auch wenn die Mittel im Rahmen der Dramaturgie grundsätzlich ersteinmal in Frage gestellt werden. Als erstes fällt mir da natürlich der schnell gebrochene Protest Luxio Fox gegen die Überwachung von 30.000.000 Menschen ein. Er bedient sich letzten Endes des Mittels und der Erfolg steht außer Frage. Der Zweck heiligt die Mittel, das ist die einzige Aussage des Filmes. In dem Moment in dem der Staat gegen das Unberechenbare unter Einhaltung der Regeln vorgeht kann er nur verlieren. Jetzt könnte man es Nolan zu Gute halten, daß die Verhaftung des Jokers den Tod Rachels nicht verhindern konnte und er damit aufzeigen möchte, daß Guantanamo, Folter und harte Verhörmethoden keineswegs von Erfolg gekrönt sind. Ich kann diese Sichtweise aber auch völlig umkehren indem ich behaupte der eine Anruf, der dem Joker schließlich nicht ganz freiwillig gewährt wird, der jedem Gefangenen in einem Rechtsstaat zusteht, führt erst zur Katastrophe. Hätte Batman den Joker sofort zur Strecke gebracht, hätte man ihm keine rechtsstaatliche Behandlung zukommen lassen, dann wäre das Thema schnell erledigt. Diese Angriffsfläche hätte sich Nolan durch eine stringentere und konzentriertere Inszenierung ersparen können. So vermittelt sich mir jedoch in erster Linie eine sehr zersetzende Sichtweise. Dieser Kritikpunkt paßt aber gut zum Rest des Filmes.

Denn der ist keinesfalls richtungsweisend oder die Neuerfindung des Kinos, ganz im Gegenteil. Bedient sich Nolan doch einfach nur aus dem großen Pott des schon da gewesenen. Aber nicht im Stile eines zitierenden Tarantinos, eher im Stile gut geklaut ist besser als... Bond, Matrix, Ghost in the Shell und und und. Viele Szenen konnte ich wiedererkennen, dazu die bisweilen auf Architektonik fixierte Kamera eines Michael Mann, die mittlerweile so beliebte hektische Handkamera und die schnellen Schnitte um der Action ein wenig Dynamik einzuhauchen. Neu ist das alles nicht, auch nicht frei von Fehlern und Logiklöchern. Da wird z.B. für den nächsten Tag ein Attentat auf Gothams Bürgermeister angekündigt und der hat nichts anderes zu tun als just an diesem Tage einen Trauerzug anzuführen, inmitten einer Straßenschlucht, ich schreibe hier nicht weiter. Jeder sollte wissen was gemeint ist. Auch ist der Film nicht frei von unfreiwillig komischen Dialogen, da geht es oft heftig cheesy ab. Allen voran der letzte Dialog zwischen Rachel und Harvey Dent. Mein Gott, wie kann man seine Protagonisten in solch einer Szene nur so einen Müll quatschen lassen, das erinnert eher an Soupopera als an tiefgründiges Actionkino. Und das will The Dark Knight definitiv sein. Da kann man sich nicht hinstellen und behaupten, hey das ist doch einfach nur Unterhaltungskino. Das lasse ich mir vielleicht bei einem 300 gefallen, der so gar keinen offensichtlichen Bezug zum aktuellen Weltgeschehen mit sich bringt. The Dark Knight meldet da schon andere Ansprüche an, unübersehbar.

Daß The Dark Knight wesentlich besser unterhalten kann als sein Vorgänger und so einige andere Blockbuster der letzten Jahre liegt einzig und allein am Joker. Der ist dann auch für mich der einzige Grund Nolans Gotham City Version im Kino anzuschauen. Zusätzlich hier und da ein Auge zugekniffen, das Gehirn auf Durchzug gestellt und man kann seinen Spaß haben. Um zum Schluß noch einmal auf die Metaebene zurückzukommen. Batmans Abgang zum Ende des Filmes, ja der erinnert mich stark an den Anfang nächsten Jahres kommenden Abgang eines anderen Mannes. Auch er wird nicht als Held gefeiert werden. Puuuhhh, Herr Nolan, wenn das mal kein Griff ins Klo war. Aber egal, die Fanboys fressen alles...

7,25/10 Joker

[edit]
Ich habe den Text leicht abgeändert, da es doch zu ein paar Mißverständnissen gekommen ist.