Kevin und die Pfeiffen

Es ist ja mittlerweile Tradition auf Schalke, daß sich Teile des Publikums genau einen Spieler heraussuchen um an ihm ihre eigene Misere des Nichterfolges fest zu machen. Lange vorbei die Zeiten in denen man auf der Tribüne über nicht erfolgreiche Spieler lachen konnte. Ich erinnere an Bent Christensen, Michael Prus oder die angolanische Allroundwaffe Miguel Pereira. O.K. letzerer kam in fünf Jahren auf Schalke lediglich zu 15 Bundesligaeinsätzen was an sich ja eigentlich schon ein Kuriosum darstellt. Aber spätestens Ende der 90er Jahre hatte sich dieser lockere Umgang mit dem Mißerfolg geändert. Ich glaube es war Nico van Kerkhoven, der zuvor auf der linken Seite mit Enfant terrible, um mal den Ausdruck Fußball Asi gepflegt zu umschiffen, Jörg Böhme kongenial Fußball spielte und nach einer langen Verletzung mehrere male formschwach auflief. Schon damals tat Rudi Assauer seinen Unmut über den Teil der Zuschauer, die van Kerkhoven in dieser Phase gnadenlos auspfiffen kund. Es hat nichts genutzt, genau wie zuvor bei Martin Max, dem das gleiche Schicksal nach einer Verletzung ereilte. Nun ist es Kevin Kuranyi der in einer solchen Formkrise steckt, dem nicht einmal mehr die Ballannahme gelingen will geschweige denn der Treffer ins quasi leere Tor. Das Publikum auf Schalke scheint wieder eine Sau gefunden zu haben, die sie durchs Dorf treiben kann.

Jahrelang habe ich mich über solch ein Verhalten gegenüber Spielern der eigenen Mannschaft aufgeregt. Ich rege mich eigentlich heute noch darüber auf, da es einfach nicht mit meinem Verständnis vom Besuch eines Fußballspieles zu vereinbaren ist, wenn ein einzelner Spieler einer Mannschaftssportart vom eigenem Anhang zur Minna gemacht wird. Doch habe ich mittlerweile auch erkannt, daß man wohl nichts dagegen unternehmen kann. Appelle an die Vernunft derjenigen, die dies anders sehen sind zwar ehrbar und auch bitter nötig, doch glaube ich, daß damit höchstens temporär etwas erreicht werden kann. Denn das Auspfeifen von schwachen Spielern auf dem Fußballplatz ist eher ein Spiegelbild unserer Gesellschaft in der mittlerweile der Schwache ganz ungeniert zum Sündenbock für das Versagen der Gemeinschaft gemacht werden darf. Perversion in Vollendung wenn die Bildzeitung eine Kampagne gegen Arbeitslosengeld II Empfänger fährt oder Dieter Bohlen verirrte Jugendliche im Superstar TV zur Sau macht und dafür auch noch Applaus erhält, seine beleidigenden Sprüche in Form eines Taschenbuches verlegt werden. Noch schlimmer, nicht nur von seinem Haussender hofiert sondern auch noch regelmäßig im öffentlich rechtlichen Fernsehen von Johannes B. Kerner zum Tet-â-Tet gebeten wird. Da könnte man ja glauben es wäre normal auf diejenigen einzutreten, die gerade eh schon am Boden liegen. Ekelhaft.

8 Kommentare:

Matthias hat gesagt…

Dem ist nichts hinzuzufügen.

TheRudi hat gesagt…

Würde dich glaub ich relativ wenig stören, wenn die Cottbuser Sörensen auspfeifen :P Meine Meinung zu Kävin ist ja bekannt.

tumulder hat gesagt…

@therudi
Würde es wahrscheinlich, ja. Ich würde mich eher darüber wundern als Gästefan. Ich würde die Cottbuser für bescheuert erklären. Lachen würde ich.

TheRudi hat gesagt…

Selbst wenn die Reaktion etwas überzogen ist, kann man sie denke ich nachvollziehen. Wenn man sein Leben nach einem Verein ausrichtet und da wenn man eh schon nicht viel Geld verdient auch noch alle zwei Wochen was reininvestiert und dann so ein lispelnder Panameser (oder wie die heißen) das leere Tor nicht trifft, obwohl er in einer Woche mehr verdient als die ganze Südkurve in einem Monat zusammen - da kann man schonmal pfeifen. Und wenn er nächste Woche 3 Tore schießt, ist alles wieder heile. So ist eben Fußball.

tumulder hat gesagt…

Es geht nicht darum, das ein Spieler ausgepfiffen wird. Es geht darum, das auf Schalke Spieler vom eigenen Publikum gezielt zur Minna gemacht werden. Und das in regelmäßigem Abstand seit Jahren. Und im Fall Kuranyi ist das noch beschämender, da er trotz technischer Defizite immer noch mehr Tore pro Saison geschossen hat als z.B. ein Ebbe Sand, der unumstritten Liebling Nr. 1 auf Schalke war und immer noch ist. Aber wie Du schon so schön schreibst, er lispelt, ist für viele kein richtiger Deutscher (was immer das auch heißen mag), macht in einem Werbespot als Mitglied der Nationalmannschaft Werbung für Nutella. Der muß ja doof sein.

TheRudi hat gesagt…

Naja, ihr im Pott tickt eben anders, als normale Menschen :P

tumulder hat gesagt…

Ja wer will denn schon normal sein?;)

TheRudi hat gesagt…

Da ist was Wahres dran.

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