Arbeit für den Rekorder 25. - 31. Juli

Work in progress!

Mein Elektronenmikroskop sucht noch nach Spuren von guten Fernsehprogramm in der nächsten Woche. Ich bitte um ein wenig Geduld.


Na, ist ja doch noch was geworden. Mein Dank geht wie schon in den letzten Wochen an meinen Tele-Buddy JMK, der sich auch diese Woche wieder die Mühe gemacht hat, das tiefe Tal der Sommerlochtränen nach brauchbaren Programm zu durchforsten.

Samstag, 25. Juli

Freitag, 24.07.09, 02.55, ARD: Lake Placid (Also heute Nacht)
Sehr gelungene Horrorkomödie mit Bill Pulman und Bridget Fonda über ein Riesenkrokdil, das zum Frühstück gerne mal eine Kuh verspeist. So macht Tierhorror Spass.

Ach, den habe ich ja immer noch nicht gesehen. Dachte immer das wär so ein schnödes Chrystal Lake Plagiat. Tierhorror lese ich gerade zum ersten Mal. Kommt wohl davon, wenn man sich DVD Deckel Texte nie durchliest.

Samstag, 25.07.09, 15.55 Uhr, 3sat: Die Rückkehr der Musketiere
Richard Lesters Musketier-Trilogie ist immer noch die gelungenste Umsetzung des Themas, gerade weil er seine Figuren ernst, aber das Genre aufs Korn nimmt. Auch wenn die beiden Vorgänger wesentlicher spritziger daherkommen, macht es immer noch Spass den "alten Recken" beim Fechten zuzuschauen.

Aber doch bitte am Sonntag und dann nachmittags. Wer hat denn schon samstags Zeit für Mantel und Degen?

20:15 Uhr Die fabelhafte Welt der Amélie (VOX)
Wollen wir heute mal gnädig sein. Damals, also kurz nach dem Millenium, da hat Jeunets Schnitt- und Montage Massaker einfach Spaß gemacht. Natürlich wird Audrey Tatous Augenaufschlag nach der dritten Sichtung einfach nur noch unerträglich, aber dafür entschädigen doch die wunderbar schrägen Figuren in diesem Gute Laune Sommerblockbuster. Ist halt wie mit Zuckerwatte, die schmeckt auch nur am ersten Kirmestag. Zuckerwatte …, kennt ihr doch noch, oder?

Samstag 25.07.09, 23.15, Pro7: The Descent
Was soll man dazu sagen? Als ich den Film auf dem Fantasyfilmfest das erste Mal sah und der Abspann schon lief, saß ich immer noch mit Herzpochen und in der Lehne festgekrallten Fingern im Kinosessel. Selten hat mich ein Film dermassen physisch gepackt und gefordert. Auf der Suche nach Abwechslung und Ablenkung sucht eine Gruppe Frauen das Abenteuer im Höhlenklettern. Dominiert in der ersten Hälfte noch die klaustrophobisch Umgebung, bricht in der zweiten sprichwörtlich die Hölle los. Ein Meisterwerk des modernen Horrorfilms, der natürlich nicht nur auf billige Effekte setzt, seinen Figuren endlich auch mal glaubhafte Wandlungen gestattet und mit einigen Referenzen zu Klassikern wie Carrie oder Alien aufwartet, sowie in Konsequenz, Kompromisslosigkeit und Fatalismus seinesgleichen sucht. Solche Filme kommen nur einmal in einer Dekade, wer ihn also noch nicht gesehen hat … Läuft wohl gekürzt.

Ich schließe mich hier gerne an, möchte jedoch betonen, daß meine Begeisterung "A Little Bit" (habe gerade irgendwie Lothar Matthäus im Kopf, fragt mich nicht warum) gedämpfter ausfällt, da auch dieser Film, wie bei Marshall üblich, in der zweiten Hälfte abfällt. Zwar nicht so stark wie Dog Soldiers oder Doomsday (wenn der überhaupt noch abfallen konnte), aber er fällt ab.

23:35 Uhr Fear – Wenn Liebe Angst macht (RTL)
Reese Witherspoon verknallt sich in Marky Mark, Mammi findet ihn auch ganz nett. Nur Pappi hat den Durchblick und vermiest die Laune, denn Marky Mark ist in Wirklichkeit ein ganz böser Schurke. Mädels, laßt euren neuen Stecher also immer erst von Pappi durchchecken, bevor ihr den Schlüpfer lüftet. Alles klar, näh...? Ein Filmstoff, den ich jetzt so ganz ad hoc in den 50ern oder 60ern verorten würde.

Sonntag, 26. Juli

22:10 Uhr Teufelskreis Alpha (DAS4.)
Ich schrieb es ja schon öfter, Uri Geller war in den 70ern ein Hit. Und so kam natürlich auch Brian De Palma nicht um einen Telekinese-Schocker herum. Habe ich leider immer noch nicht gesehen, jedenfalls nicht daß ich mich daran erinnern könnte. Da De Palma jedoch genau der richtige Mann für Hochglanztrash zu sein scheint, und auch so kaum Konkurrenz am Sonntagabend zu entdecken ist (nein, Tony Scotts Domino um 22:35 Uhr auf Pro 7 werde ich mir auch diesmal trotz Mickey Rourke und Keira Knightly – was macht die eigentlich momentan, außer vom Fleisch fallen? - nicht gönnen), werde ich granantiert zuschlagen. Wenn der nur halb so gut ist, wie Schrecken der Medusa oder Cronenbergs Scanners, hat es sich schon gelohnt.

23:55 Uhr A.I. Künstliche Intelligenz (ARD)
Uuuuiiiiiii. Spielberg bringt Kubricks Wunschprojekt auf die Kinoleinwand. Es scheint, daß Spielberg hier einmal die Kritiker bestätigen wollte, die ihm vorwerfen der Master of Kitsch zu sein. Aber so richtig, mit Anlauf, volle Lotte. Sollte hier noch einer einen Röhrenfernseher besitzen, ist Vorsicht geboten. Die Bildröhre könnte vor lauter Tränencontent einem Kurzschluß erliegen. Ich weiß gar nicht, wie man den Film bis zum Ende durchhalten könnte. Pilze? Heroin? LSD? Retsina?

Montag, 27. Juli

21:00 Uhr Das Verhör (ARTE)
Hat mein Tele-Buddy natürlich komplett übersehen. Das großartige Original zum mäßigen Remake mit Gene Hackman und Morgan Freeman, erinnert sich noch jemand? Genau, aber diesen hier wird man nicht vergessen. Absolute French-Thriller-Feinkost mit Lino Ventura, Romy Schneider (was macht eigentlich das groß angekündigte Biopic mit der Hautcreme-Comercial- Schmuse-Chansonette aus Erfurt?) und natürlich den ebenso unvergessenen Michel Serrault. Also wer hier nicht zugreift, ich weiß auch nicht … Absolut Top! (und das habe ich an dieser Stelle schon lange nicht mehr geschrieben)

Dienstag, 28. Juli

Dienstag, 28.07.09, 22.15 Uhr, das Vierte: Die Fliege 2
War schon Cronenbergs Version des Mückenfilms eine mittlere Katastrophe, ist das Sequel eine reine Effektorgie, die sich nun Brundles Sohn vornimmt, der naürlich dasselbe durchmacht wie sein werter Papa. Das kommt dabei raus, wenn der FX Spezialist auf dem Regiestuhl Platz nimmt.

Auf das dir morgen früh die Zähne ausfallen und dicke Borsten auf dem Rücken wachsen. Cronenbergs Fliege gehört nun wirklich ohne Wenn und Aber in die Hall of Fame Abt. Horror. Daß dir die ultratrashige Fortsetzung nicht genehm ist, lasse ich ja noch durchgehen. So gerade eben. Aber der Name Cronenberg und das Wort Katastrophe vor dem ersten Satzzeichen, ... wie lächerlich gedenkst du dich hier eigentlich machen zu wollen?

Mittwoch, 29. Juli

20:15 Uhr Dumm und Dümmer (K1)
Ja, was soll ich machen? Ich liebe ihn halt. Allein wenn ich jetzt schon wieder an die Fußnägel denke …

22:25 Uhr America 3000 (DAS4.)
Zitat. „ (USA 1985) Im 30. Jahrhundert halten sich rauflustige Amazonen Männer als Sklaven … [Daumen nach unten]“ Das sind ja so die Texte in der TV-Spielfilm, die mich veranlassen am nächsten Tag bei OnlineTVRecorder.com vorbei zuschauen. Da kann man doch gar nicht anders.

Aber hier …
00:45 Uhr Es reicht! (ARTE)
„Politdrama. Zwei starke Frauen auf einer Odyssee durchs Bürgerkriegs-Algerien [OmU, Daumen nach oben]“ … Hallo? Wer schaltet denn da freiwillig ein? Ich meine, es ist ja offensichtlich, daß beide Filme den gleichen Themenkomplex abhandeln, aber wer will schon einen Film sehen, der Es reicht! heißt? Das assoziiert doch sofort jeder mit J Lo, und Genug wollte wirklich niemand sehen. Verständlicherweise. Also Arte, ZDF, 3Sat und die deutschen Filmverleiher überhaupt. Im Zweifel einfach den Original Titel des Filmes übernehmen. Bakarat! Weckt doch gleich ganz andere Erwartungen. Irgendwas mit zaubernden Super Vixens aus Tausendundeine Nacht.

Davor kommt aber noch
Mittwoch, 29.07.09, 00.00 Uhr, HR, Erik der Wikinger
Lustig. Mehr muss man nicht sagen, ich mag den Film. Tim Robbins in jungen Jahren blödelt sich durch Jones' Wikingerepos. Natürlich reicht das nicht an die Pythons heran, macht trotzdem Laune, wenn man dieser Art Humor nicht abgeneigt ist. Immerhin erscheint auch noch die wunderbare Imogen Stubbs.

Naja, die Hänger, die die Chose mit sich bringt, sind doch irgendwie nicht wirklich akzeptierbar. Gut gemeint, aber mehr als ein paar Schmunzler sind nicht drinn. Und ja, ich stehe natürlich grundsätzlich auf Jones Humor.

Donnerstag, 30. Juli

23:50 Uhr Begierde (HR)
Ein sichtlich auf die Visualität seines Bruders orientierter Tony Scott versucht fast gekonnt das Vampir Drama der 90er Jahre vorwegzunehmen. Stilistisch interessant zwischen New Wave (She's in Partys von Bauhaus zu Beginn des Filmes wirkt wie eine Einstiegsdroge) und David Hamiltons Fotografiestil angelegt, kämpfen Catherine Deneuve, David Bowie und Susan Saradon gegen das eher mäßige Drehbuch an. Dennoch gebe ich gerne grünes Licht, auch wenn es sich sicherlich um die schwächste der drei Strieber Verfilmungen (Die Besucher, Wolfen) handelt.

Freitag, 31. Juli

Freitag, 31.07.09, 20.15 Uhr, HR, Die Murmeltiere von Kasachstan
Eine der besten Tierdokus der letzten Jahre. Tobias Mennie beobachtete ein Jahr eine Murmeltierfamilie in der Steppe Kasachstans. Auch wenn wieder mal eine unnötige Dramaturgie eingebaut wurde, sticht Mennies Doku vor allem durch die die nüchterne Bildsprache heraus und natürlich der Blick über den Tellerrand zu den Menschen in dem riesigen Land. Und wenn die dicken Nager am Ende des Sommers in den Sonnenuntergang blicken, ist das auch ein Plädoyer für die Schönheit dieses Planeten.

Dem kann ich dann auch nichts mehr entgegensetzen. Wie jede Woche, mehr Tipps auf:

Blockbuster Entertainment, Kino, TV & Co und immer wieder ab samstags. Und sonntags gibts den ultimativen Filmtipp der Woche von Kaiser_Soze.

8 Kommentare:

Nachtfalke hat gesagt…

Zustimmung zu The Descent. Der, wie ich finde, schlicht beste Horrorfilm seit Halloween und Nightmare on Elmstreet. :)

JMK hat gesagt…

ich verstehe ja nicht wie man die Exposition (nichts anderes ist ja die erste dreiviertel stunde) bei The Descent besser finden kann. Das Argument wird ja seltsamerweise oft gebraucht.
Das eine bedingt hier doch zwangsläufig das andere und wenn im zweiten Teil die Hölle losbricht, ändert sich zwar das Tempo, aber nicht die Intensität.

Begierde habe ich auch gelesen, aber das ist ja eewig her, dass ich den sah. Werde ich bestimmt mal wieder reingucken (Wolfen könnte aber auch mal wieder laufen).

und zu Cronenbergs Fliege sag ich schon gar nix mehr:-). Das ist so ein Film, der nur vom Namen des Regisseurs lebt, hätte Alan Smithee den gedreht würde kein Hahn danach krähen.

orangedoe hat gesagt…

Ich frage mich, warum überhaupt noch jemand über die Kitschbombe "Amélie" redet. "Un long dimanche..." ist doch viel besser.

tumulder hat gesagt…

@nachtfalke
So ungefähr, aber ich muß auch lange überlegen, wenn es darum geht etwas gleichwertiges aufzustöbern.

@jmk
The Descent hat doch kaum eine Exposition. Das geht sofort los mit dem Horror. Wenn Marshall völlig auf das Zeigen seiner Monster verzichtet hätte, dann wäre noch mehr drinn gewesen. Aber ich kann nicht wiederum nicht verstehen, wie man ein Horror-Meisterwerk wie Die Fliege so verkennen kann.

tumulder hat gesagt…

@orangedoe
Ich fand die ersten 20 Minuten sehr anstrengend und bin dann eingeschlafen. Müßte eigentlich nochmal einen Versuch starten, obwohl ich Madame Tautou mitlerweile einfach nur noch blass finde.

Mr. Hankey hat gesagt…

Sorry übrigens, dass ich es wieder nicht mit den TV-Tipps geschafft habe. Ich hoffe mal, dass diese Woche endlich mal klappt.

Ansonsten sei gesagt, dass ich "Fear..." irgendwie schon was abgewinnen konnte und schon jetzt gespannt bin, was eigentlich Rajko zu Deinem "Descent"-Kommentar sagen wird! :-)

JMK hat gesagt…

@tumulder
Descent staffelt sich doch offensichtlich in zwei Teile. die erste Hälfte beschäftigt sich doch nur mit den Frauen und lotet ihre Beziehungen aus. wo geht das denn hier mit dem Horror los. Die Unfallszene mal ausgenommen?
Und das Auftauchen der Monster ist doch nur der Katalysator um die Verhältnisse zurechtzurücken.
Wie schon gesagt, das kombiniert mit der Konsequenz und dem Fatalismus die Marshall an den Tag legt ist das inhaltlich grosses Kino. Und die formale, technische Seite tut ihr übriges.
Die Fliege ist ein toller Film, nur das doofe Cronenberg-Remake nicht.-)
Was war das nochmal, dass ihn so aussergewöhnlich macht? Mir fällt da leider nichts ein.

tumulder hat gesagt…

Wie schon gesagt, das kombiniert mit der Konsequenz und dem Fatalismus die Marshall an den Tag legt ist das inhaltlich grosses Kino.

Das will ich ihm doch gar nicht absprechen. Also wirklich.

Und zur Fliege werde ich mich demnächst vielleicht mal ausführlicher äußern. Vielleicht in einer Cronenberg Reihe, wenn ich den Gilliam abgearbeitet habe.;)

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