Umso perfider wenn das Haus, das eigentlich ein sicherer Ort ist, zum Ort Gefahr wird. Meist für den Besucher, oft durch seine Bewohner. Auch wenn das Haus letztendlich selbst niemanden getötet hat, so steht es doch in diesen Fällen als Symbol für den Schrecken, der sich dort abspielt. Berühmtestes Beispiel ist wohl das Bates Anwesen aus Hitchcocks Psycho. Selbst wenn man den Film nicht gesehen haben sollte, jeder assoziiert sofort den Anblick des Hauses mit Mord und Totschlag.Noch fünf weitere mehr oder weniger berühmte cineastische Fälle der Kategorie "Keiner kommt hier lebend raus."
Cannibal Man/La Semana del Assesino
Aus Marcos ärmlichen Haus kommt niemand lebend heraus. Denn Marcos kehrt seine Probleme lieber unter den Teppich oder besser gesagt stapelt er sie in seinem Schlafzimmer. Natürlich Spanien, Hitze, da fängt es schnell an zu müffeln. Und so investiert Marcos seinen kläglichen Lohn, den er in der Lebensmittelfabrik verdient, in sicherlich nicht wesentlich besser riechende Raumdeos. Doch es nutzt alles nichts. Immer wieder sucht sein Besuch nach dem Grund der übelen Gerüche, und dann greift eben das Sprichwort "Curiosity killed the cat". Ganz schön mutig was Eloy de la Iglesia da 1971 auf die Leinwand brachte. Kein Horror, kein Thriller wie Titel und Film Enzyklopädien suggerieren. Eine einzige Abrechnung mit Francos System und dessen erzkatholischer Gesellschaft. Wenn Marcos, der die Leichen in seiner Fleischfabrik entsorgt, von seiner Wirtin eine leckere Suppe mit Fleischeinlage aus eben seiner Fleischfabrik serviert bekommt ist das nur der offensichtliche Teil der Doppelbödigkeit dieses kleinen der Zensur zum Opfer gefallenen Films.

The Devil's Rejects
Das Kahiki Palms Motel steht einladend an einem Highway. Warum nicht ein Zimmer mieten und sich für ein paar Stunden ausruhen? Keine gute Idee. Eine Serienmörderfamilie könnte Sie als Geisel nehmen und erst einmal ordentlich terrorisieren bevor dann das für das Genre so unvermeintliche Ende naht. Rob Zombie spielt hier auf ganz perfide Weise mit dem Zuschauer. Natürlich ist die grafische Gewalt immens, doch spielt sich der wahre Terror eher im Kopf des Publikums ab. Wird die Geschichte doch fast ausschließlich aus der Sicht der Bösen erzählt. Durch die Flucht wird die Familie Firefly zum scheinbaren Opfer, denn der Kleinstadt-Sheriff ist nicht wirklich eine adäquate Identifikationsfigur. Quält und foltert er doch selber aus niederen Rachegelüsten anstatt die Familienmitglieder, die seinen Bruder auf dem Gewissen haben, dem Staatsanwalt zu übergeben. Auf den Gipfel treibt es Zombie in der Schlußszene. Da fahren die drei Überlebenden Fireflys in einem Cadillac Eldorado Cabriolet zu Skynard Lynards Free Bird in den sicheren Tod. Die Geschehnisse im Kahiki Palms Motel immer im Hinterkopf. Oliver Stone hat mit diesem Kniff schon seinen Natural Born Killers zu einem Skandalfilm gemacht. Doch gelingt Zombie der ambivalentere und vor allem intensivere Film. Echter Terror.

Blutgericht in Texas/Texas Chainsaw Massacre
Wirkt dieses Haus nicht einlandend? Auf dem ersten Blick könnte man meinen Pam sucht ein wenig Schatten auf der kleinen Veranda. Eine kühle erfrischende Limondade, natürlich von der guten Seele des Hauses selbst gemacht. Welch ein schöner Sommernachmittag. Aber dann fallen die dunklen Fenster auf. Im Kontrast zum unschuldigen Weiß der Fassade wirken sie irgendwie bedrohlich auf den Betrachter. Und tatsächlich, hier wohnt die wohl bekannteste Familie des Genres. Einen Namen soll sie erst 29 Jahre später in Michael Bays Remake erhalten. Tobe Hooper beschäftigt sich erst gar nicht mit solchen unwichtigen Details. Bei ihm bleibt die Familie weitestgehend anonym. Völlig losgelöst von jeglicher Empathie erschlägt sie ihre Opfer und verarbeitet sie zu Sülze. Die Kettensäge ist nur Mittel zum Zweck ohne weitere Bedeutung. Wirkt der Film heute anfangs vielleicht dated verliert sich dieser Eindruck spätestens im letztem Drittel. Terror total, nicht zuletzt wegen seiner beispielhaften Konsequenz.

Die Nacht der lebenden Toten/Night of the Living Dead
Ein vermeintlicher Ort der Rettung, das Haus in dem sich etwa 90% der Handlung George A. Romeros apokalyptischen Science Fiction Horror Films abspielt. Doch als die ersten Zufluchtsuchenden eintreffen sind seine eigentlichen Bewohner schon tot. Das Haus hat also schon zu Beginn des Filmes als Ort des Schutzes versagt, ohne daß dies dem Zuschauer auf dem erstem Blick offensichtlich wird. Während draußen die Toten wandeln und sich über die Lebenden hermachen um sie zu verspeisen, entwickelt sich im Haus ein Kleinkrieg zwischen Ben und Cooper. Beide beanspruchen die Führerschaft über die kleine Gruppe, die sich im Haus verschanzt hat. Anstatt mit vereinten Kräften vorzugehen verzetteln sie sich immer wieder in Diskussionen über die Vorgehensweise ihrer eigenen Rettung. So wird der Fluchtversuch zu einem Fiasko, die Verbarrikadierung des Hauses nur halbherzig ausgeführt. Die Nacht wird nur Ben überleben, doch der Schein trügt, auch er wird das Haus nicht lebend verlassen. Romero wird seinen verachtenden Blick auf die Menschheit nie wieder so konsequent auf die Leinwand bringen.

Bug
Agnes Appartement ist ihr letzter Zufluchtsort. Hier kann sie sich vor ihrer Vergangenheit verstecken, ihren Lebensschmerz mit Alkohol und Drogen betäuben. Nach ihrem Job als Kellnerin in der abgelegenen Bar ein wenig Zerstreuung finden. Schutz bietet das Arppartement von Anfang an kaum. Gleich zu Beginn leutet das Telefon bedrohlich, der prügelnde Ex-Ehemann kündigt sich an. Doch geht die echte Gefahr von ihrem neuem Freund Peter aus. Geschickt erschleicht er sich erst Zugang zu Agnes Appartement und danach zu Agnes Gefühlswelt. Manipuliert Agnes so, daß sie jeglichen Kontakt zur Außenwelt abbricht. In ihren eigentlichen Freunden eine Bedrohung sieht. Dem Appartement wird zwar keine echte Rolle zugeteilt, doch ist es offensichtlich, daß es Agnes durch seine Abgeschiedenheit und sein soziales Umfeld von der Gesellschaft, die sie vielleicht vor schlimmeren bewahren könnte, trennt. Es bietet Agnes und Peter die nötige Konspiration um ihre Paranoia freien Lauf zu lassen. Das von tendenziellem Overacting begleitete Ende ist hier nur Konsequent. Friedkins kammerspielartiges Spätwerk ist ein Blick auf die selbstzerstörerische Kraft von Verschwörungstheorien. Vielleicht ein wenig mehr, in jedem Fall aber wird es sein Publikum spalten.

