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E tu vivrai nel terrore - L'aldilà aka Über dem Jenseits

Lucio Fulci, der Vielfilmer. Nicht selten weißt seine Filmographie mehr als einen Film pro Jahr auf, eigentlich waren zwei Filme in zwölf Monaten bei ihm Standard, gerne auch mal drei. Nein, ein Auteur des Kinos, wie seine Ziehväter Fellini oder Visconti es waren, war dieser Fulci nie. Er blieb Zeit seines Lebens eher der Pragmatiker, der Handwerker der sich der künstlerischen Mittel bediente, um seine Filme effektiver zu gestalten, jedoch nie um der Kunst willen. Sein Ziel war es seit je her das Publikum neunzig Minuten zu unterhalten, nicht das Herr der Filmkritiker.

Louisiana 1927. Langsam gleiten die Boote durch die Nacht, Fackeln erleuchten die angespannten Mienen der Männer und das nahe Ufer, außer dem leisen Plätschern der Riemen beim Eintauchen in das ruhige Wasser und dem Zirpen der Grillen herrscht Stille. Kein Wort wird geredet, auch nicht als sie sich mit den anderen Männern der Stadt vor dem großen Haus treffen, das in seiner Erscheinung ein wenig an das Bates Anwesen erinnert. Ein Lynchmob, fest entschlossen der nicht beachteten Warnung die angedrohte Strafe folgen zu lassen. Das Opfer weiß wie es um ihn geschehen wird, doch wird es bis zum letzten Augenblick nicht davon ablassen sein Werk zu vollenden, während die Prophezeiungen des Buch Eibon vom Ende künden. Die schweren Ketten der Männer reißen das Fleisch des Malers auf, das Gesicht, die Brust. Schwere Fleischwunden. Dann treibt der Mob große Eisennägel durch die Unterarme seines Opfers, begleitet vom grandiosen Score Fabio Frizzis. Doch es reicht den Männern nicht den Frevler an der Wand zu kreuzigen, um das Leid zu steigern, sein Gesicht auf immer zu entstellen, übergießen sie ihn mit ungelöschten Kalk. Das Fleisch löst sich von seinen Knochen, schmilzt dahin. Dann mauern sie ihn ein.

„And you will face the sea of darkness, and all therein that may be explored.“

Vierundfünzig Jahre später erbt die New Yorkerin Lisa Merrill das alte Hotel und beginnt mit der Renovierung. Knapp bei Kasse geht diese aber nur nach und nach vonstatten. Nachdem der Anstreicher vor Schreck über eine Geistererscheinung im Fenster des Hotels vom Gerüst fällt und sich dabei das Genick bricht, stößt Joe der Klempner (kein Witz) im Keller des Anwesens auf den eingemauerten Maler Schweick, der ihm, auferstanden von den Toten, kurzerhand nicht nur ein Auge sondern auch das Lebenslicht auskratzt. Von nun an geben sich Untote und mysteriöse Todesfälle die Klinke in die Hand. Das Hotel wurde laut dem Buch Eibon auf einem der sieben Tore zur Hölle erbaut, das Joe durch die Freilegung des einst gekreuzigten Malers geöffnet hat.

Es gibt wohl nur wenige Horrorfilme, die eine ähnlich dichte Atmosphäre aufbauen und sie auch bis zum Ende durchhalten – ja, sie sogar noch permanent steigern können. Das war unumstritten Fulcis Ziel für das er konsequent Logik, Handlung oder gar ein schlüssiges Drehbuch in den Hintergrund stellt. Streng genommen ist Über dem Jenseits nichts anderes als ein Remix seiner beiden vorherigen Filme Ein Zombie hing am Glockenseil und das Haus an der Friedhofsmauer, indem er nun vollends seinen Hang zum Surrealismus austobt. In dem nicht nur Fulcis oftmals schräge Kamera mit Groß- und Detailaufnahmen mit der Unterstützung des schon erwähnten creepingen Scores für ein entrücktes Filmerlebnis sorgt, sondern auch eines der skurrlisten Sounddesigns der Horrorfilmgeschichte für die Aufhebung der Grenzen zwischen irdischen und übersinnlichen Erfahrungen. Da hört sich das Zerschneiden eines Totenhemdes in der Pathologie des örtlichen Krankenhauses in etwa so an als ob dickes Papier zerrissen wird und die Spinnen, die Lisas Freund Martin im Katasteramt ins Reich der Toten holen als ob sie von einem mechanischen Aufziehmechanismus angetrieben werden, fünf Kilo wiegen und gerade über irgend etwas knautschiges krabbeln. Herrlich wie es im nassem riesengroßen Keller Plitschert und Plätschert wie an einem Gebirgsbach. Das alles im Zusammenspiel mit den natürlich ungemein gorerigen Momenten, an denen Fulci auch dieses Mal nicht spart, erinnert an eine zirkuseske Horroroperette deren Charme man sich nur schwer entziehen kann. Da darf man ein im wahrsten Sinne des Wortes traumhaftes Setdesign bewundern. Ob es die völlig leere Autobahnbrücke mitten im Meer ist, auf der Lisa zum ersten Mal Emily begegnet. Diesem warnenden Geist, den Lisa aufgrund des Hundes für eine blinde Frau hält. Oder eben Emilys romantisch vom Grün überwuchtertes Südstaatenhaus. Im Kontrast dazu die sterilen Krankenhausräume, deren Persilweiß auch gleich von Fulci für einige tolle Szenen genutzt werden kann. Zuvorderst natürlich diese, in der des Klempners Witwe vor Schreck bewußtlos auf dem Boden liegend von einer ätzenden Lösung in ein schäumendes Gemisch aus Blut und Fleisch aufgelöst wird, dessen Rot sich langsam über den Fußboden verteilt. Blutende Wände, Nebel und Gewitter zur rechten Zeit und aus dem Nichts auftauchende Untote, die ihre Opfer mit der typischen Fulci Ruhe zerlegen. Gemälde, die die Hände derer bluten lassen, die sie berühren. Und natürlich das unvergeßliche Finale, indem die Gesetze von Zeit und Raum vollends aufgehoben werden und sich die Protagonisten in einer neuen Dimension wiederfinden. Wessen romantisches Horrorherz geht hier nicht auf? The Beyond ist eine Achterbahnfahrt auf dem Rummel des Surrealen und supernaturalen Horrors. Wer möchte sich da über die sprunghafte Erzählweise aufregen, wenn gerade diese dazu führt, daß das Ganze in einem absolut außergewöhnlichen und vielleicht Fulcis eigenständigsten Film endet. E tu vivrai nel terrore - L'aldilà kann kaum in Worte gefaßt werden, der muß gesehen werden.

8,5/10 Punkte

Der New York Ripper

Ende der 70er sorgte eine neue Spielart des Horrorfilms für Furore. John Carpenter und Sean S. Cunningham sollten mit ihren Filmen Halloween und Freitag der 13. eines neues Subgenre definieren, das bis weit in die 80er hinein für volle Kino- und Videothekenkassen sorgte. Erstmals durfte der pathologische Serienmörder ein Messer in die Körper Jugendlicher rammen, die sich in den meisten Fällen eines unmoralischen Verhaltens schuldig gemacht hatten, selbstredend war dies das ziehen am Joint oder vorehelicher Sex. Aus konventioneller Sicht symbolisierten die Morde natürlich die Bestrafung für das unzüchtige Verhalten der Jugendlichen. Aus der wesentlich künstlerischen Sichtweise können die Morde auch als Metapher für das Verlassen des Kindesalters gesehen werden. Der Schutz der Kindheit ist aufgehoben, das Leben des Erwachsenen ist voller Gefahren. Zumindest im Hinblick auf Carpenters Werk ist diese Sichtweise plausibler, denn Carpenter ist alles andere als der von reaktionären Gedankengut getriebene Typus eines Regisseurs. Inspiration für ihre Filme fanden sowohl Carpenter als auch Cunningham nach eigenem Bekunden in den italienischen sexuell konnotierten Serienmörderfilmen Mario Bavas oder Sergio Martinos, den Gialli, die wiederum von Hitchkocks Psycho und – man höre und staune – von den deutschen Krimis, insbesondere der Edgar Wallace Reihe, beeinflußt waren. So finden Hans Joachim Fuchsberger, Eddi Arent, Heinz Drache oder Siegfried Lowitz doch noch ihre filmhistorische Bedeutung. Im Sog der Erfolge der amerikanischen Slasher versuchte auch der Giallo, der seinen Höhepunkt Anfang der 80er längst überschritten hatte, wieder den Weg in die Kinos zu finden. Dario Argento lieferte mit Tenebre einen vielversprechenden Neuanfang. Lucio Fulci legte im gleichem Jahr mit The New York Ripper vor.

In New York geht ein Serienmörder um, der junge Frauen auf bestialische Weise ins Jenseits befördert. Lieutenant Williams leitet die Ermittlungen, und da der Täter keine Spuren außer den Verstümmelungen primärer und sekundärer weiblicher Geschlechtsorgane hinterläßt, sucht er Dr. Paul Davis um Rat auf. Der Täter ist davon überzeugt niemals entdeckt zu werden, sucht sogar telefonischen Kontakt zu Williams um ihn in ein Spiel zu verwickeln, das mit dem Tod der Freundin Williams endet. Als daraufhin überraschend der Hauptverdächtige Mickey Scellenda tot aufgefunden wird, scheint der Fall für Williams gelöst, doch der Tod Scellendas trat fünf Tage vor dem Mord an Kitty ein.

Lucio Fulci hatte sich 1982 gewiß nicht nur aufgrund seines künstlerischen Hangs zum Surrealismus, den er ein Jahr zuvor mit The Beyond fast schon meisterlich unter Beweis stellte, einen Namen im Filmgeschäft gemacht. Die exzessive Ausstellung von Gore und Blut in seinen Filmen darf da mit Sicherheit schon eher als Grundstein seiner großen Fanbasis betrachtet werden, und gerade diese war und ist auch heute noch der erste Kritikpunkt, den seine Gegner im Diskurs um sein filmisches Lebenswerk anführen. Jetzt ist es nicht so, daß er der einzige Regisseur war, der sich damals schon nicht mehr damit begnügte die Destruktion von menschlichen Körpern anzudeuten, sondern sie dem Zuschauer auch soweit wie möglich in ihrer Gänze realistisch darbot. Während das amerikanische Horrorkino jedoch im Allgemeinen den Schrecken der Tat an sich und ihr Ergebnis in den filmischen Mittelpunkt stellte, konzentrierte sich das italienische Horrorkino schon früh auf die detaillierte Darstellung der Grausamkeiten. Lucio Fulci zelebriert geradezu die Herbeiführung des Todes mit seinen Großaufnahmen und dem vom Zuschauer erwarteten jedoch ausbleibenden Schnitt im letzten Moment. Doch kann das, was in seinen übernatürlichen Filmen so gut funktionierte, da es in einem absolut fiktiven Sujet stattfand, auch auf das viel realistischere Genre des Giallos übertragen werden? In dem nicht Geister, Dämonen, Untote und andere Kräfte des Übersinnlichen die Lebenden auf grausamste Art und Weise zu sich ins Jenseits holen, sondern es ein pathologischer Fall von einem Serienmörder in Anlehnung an das Jack the Ripper Motiv vor allem auf die primären und sekundären Geschlechtsorgane junger freizügiger Frauen abgesehen hat, dessen tricktechnischer Höhepunkt das Zerschneiden einer Brustwarze darstellt, nachdem der Mörder dem Opfer zuvor schon das weit aufgerissene Auge in Gedenken an Bunuels andalusischen Hund mittels Rasierklinge in der Detailaufnahme in zwei Hälften trennte?

Der Giallo war schon vor Fulcis Skandalfilm dem Vorwurf der latenten Frauenfeindlichkeit allein durch seine in nahezu allen Fällen sexuell konnotierte Thematik und seinem dramaturgischen Aufbau ausgesetzt, doch Fulci scheint mit dem New York Ripper das Genre den Kritikern mit voller Wucht vor die Füße werfen. Schon direkt am Anfang seines Filmes läßt er den Mörder mit der Entenstimme einer Fahrradfahrerin in Großaufnahme und ausgiebig bebildert das Messer in die Brüste rammen. Daß genau solche Szenen nicht nur Moral und Sittenwächter auf den Plan rufen, sondern auch die Mysogoniemeter der Frauenrechtler über den Anschlag hinaus kollabieren lassen, ist sicherlich keine Überraschung. Gesellen sich noch andere Szenen des Filmes dazu, die weniger der Handlung als der puren Sexploitation dienen, wie zum Beispiel Mrs. Lodge abenteuerlich ausgelebtes Sexualleben oder die oberflächlich betrachtet grundlegende Dämonisierung der Sexualität an sich, dann ist man schnell geneigt, in den Chor der Kritiker einzustimmen. Doch wäre dies ein vorschnelles Urteil. Denn Fulcis Film ist in seiner Gesamtheit weitaus ambivalenter, als der Zuschauer aufgrund der dargebotenen Exploitation auf den ersten Blick glauben möchte. Da wird er schnell Opfer seiner eigenen Kognition, und mit dieser spielt Fulci unentwegt, indem er die Regeln des Genres ein ums andere mal aufbricht. Da rekrutiert er die Opfer aus dem Rotlichtmilieu, verleiht ihnen jedoch keinesfalls negative Attribute. Ganz im Gegenteil, die Hure Kitty ist die Bettgefährtin Lieutenant Williams. Da bezeugt er eher seine Sympathie zu den Opfern, wenn er die Hure als loyale Freundin skizziert, die Darstellerin der Live-Sex Bühnenshow als selbstbewußte Frau darstellt, die gerade einen normalen Job erledigt hat. Mrs. Lodge, gespielt von Alexandra Delli Colli, die zuvor in einigen Softsex Filmen mitspielte und auch dem skurrilen Zombie Holocaust das Quentchen Sexploitation einhauchte, ist dann auch gar nicht die Ehegatten betrügende Nymphomanin, ganz im Gegenteil, Mr. Lodge hat Anteil an ihrer selbstbestimmten freizügigen Sexuallität, spricht von ihr in ehrlicher Weise in den höchsten Tönen. Es sind eher die Männer, die Fulci hier nicht gut wegkommen läßt. Die Mrs. Lodge anfänglich harmlosen Flirt als Aufforderung zur sexuellen Nötigung und Demütigung verstehen. Da erscheint dann auch die überharte Inszenierung der Morde in einem ganz anderem Licht. Der Zuschauer soll nicht im geringsten Spaß an ihnen empfinden. Da ist keine Spur von Ironie zu finden, kein versteckter Humor, sie sollen schocken, sie sollen den Zuschauer die Hände vor das Gesicht halten lassen. Wenn Fulci hier vorgeworfen wird er ergötze sich an der Zerstümmelung von Frauenkörpern, wird außer Acht gelassen, daß er vor allem die Tat in ihrer gänzlichen Abscheulichkeit schildert. Warum sollte er sich an den Morden seiner Sympathieträgerinnen erfreuen? Man darf behaupten die Inszenierungen sind zu viel des Guten, übertrieben in ihrer Brutalität, fehl am Platze. In ihnen jedoch einen Ausdruck Fulcis frauenfeindlicher Ideologie zu sehen, halte ich für zu kurz gedacht, aber für verständlich. Viel zu sehr unterdrückt eben jene Radikalität der Bilder die Details, die in ihnen zu finden sind. Da muß man schlicht von einer schlechten Regie sprechen, wenn die Intention des Regisseurs nicht zum Ausdruck kommt. Er sie sogar immer wieder ad absurdum zu führen scheint, da er oftmals zu plump vorgeht. Da installiert er den geheimnisvollen Mickey Scellenda als falschen Hasen, der Zuschauer hat den Köder schon längst geschluckt, aber Fulci muß unbedingt noch einen draufsetzen indem er die Bleibe des Verdächtigen mit Tonnen von draufsetzen, indem er die Bleibe des Verdächtigen mit Tonnen von Pornos und Heroinspritzen ausschmückt. Unnütz. Oder spielt Fulci hier doch nur mit der Voreingenommenheit des Zuschauers? An einer anderen Stelle gelingt ihm das recht gut, da kann er ihn sogar auf galanter Weise seiner eigenen Homophobie überführen. Daß diese natürlich von nicht wenigen sofort wieder auf Fulci selbst projiziert wird, kann nicht verhindert werden. Dabei läßt Fulci Dr. Davis einfach ein Schwulenmagazin am Kiosk kaufen und sich später im Selbstgespräch über die limitierte Denkweise des Stadtpolizisten in verdächtiger Art und Weise amüsieren. Ein Schlitzohr dieser Fulci, und auch noch gleichzeitig einen Verweis auf Friedkins Cruising untergebracht.

Dennoch, Der New York Ripper bleibt ein zweischneidiges Schwert, das sich nur schwerlich von den Vorwürfen seiner Kritiker befreien kann und höchstens für Genreliebhaber von Interesse sein wird. Fulci hat hier schlampig gearbeitet. Nicht nur das Drehbuch erzeugt den Eindruck unter höchster Eile entstanden zu sein, was sich nicht nur aber vor allem im recht hanebüchenen Plot zeigt, der in der letzten Einstellung dem Zuschauer von Williams und Davis während einer Autofahrt erklärt werden muß. Auch dieser Fulci ist ein Low-Budget Monster, doch wirken sich hier die Limitierungen einer solchen Produkion recht negativ auf den Gesamteindruck aus, da Fulci es dieses mal nicht versteht, den Zuschauer mit einer außergewöhnlichen Atmosphäre zu versöhnen. Zwar bietet die Kamera wieder einige Leckerbissen, doch muß der Score von Francesco De Masi als absolut kontraproduktiv angesehen werden. Da dudelt mehr die nervige musikalische Untermalung einer 70s Krimiserie, als das die Musik auch nur ansatzweise an einen Thriller, geschweige denn Giallo erinnern würde. Teilweise glaubt man Kojak läuft gleich durchs Bild, da fehlen dann nur noch die quietschenden Reifen Telly Savallas Einsatzwagens. Insgesamt läßt sich der Eindruck eines Schnellschußes nicht leugnen. Als ob Fulci oder die Produzenten den Film unbedingt noch vor Dario Argentos Tenebre in die Kinos bringen wollten. Das ist schade, denn eigentlich hat Fulci hier ein recht ordentliches Schauspielerensemble zur Verfügung, welches bis auf wenige Ausnahmen durchweg gute, zumindest aber durchschnittliche Arbeit abliefert. Hätte Fulci dem Drehbuch die gleiche Aufmerksamkeit zukommen lassen wie seiner Inszenierung der Morde, wer weiß. Zumal Fulci mit dem New York Ripper beweißt, daß das postmoderne Zitatenkino keine Erfindung eines Quentin Tarantinos ist, denn sein Film ist gespickt mit Verweisen auf Genreklassiker. Eine Szene enthält der Film aber, die mir wirklich gut gefällt, die ich dann auch für die gelungenste des ganzen Filmes halte. In der Fulci seine ganze Kreativität und seinen zynischen Humor zum Ausdruck bringen kann. Fay Majors, Fulcis Referenz an Carpenters Laurie Strode in Halloween, trifft abends allein in der U-Bahn auf Mickey Scellenda, der sie in der Art anlächelt wie der böse Mann, vor dem uns unsere Mütter im Kindesalter immer gewarnt haben. Fay ist sichtlich eingeschüchtert und verläßt die Bahn an der nächsten Station. Scellenda eilt ihr nach, wunderbar bedrohlich von Kameramann Luigi Kuveiller eingefangen. Fay flüchtet immer noch verfolgt in ein dunkles Kino, irrt herum und plötzlich blitzt das Messer im flackernden Licht des Projektors auf, fährt auf sie nieder, Fay kann kurz das Gesicht des Angreifers erkennen und schon wacht sie im Krankenhausbett aus ihrem Alptraum auf. Im Kino stirbt niemand wirklich. Herrlich Lucio, hättest Du doch nur auch dem restlichen Film soviel von Deinem Können geschenkt.
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5,5/10 Punkten

Woodoo - Schreckensinsel der Zombies aka Zombi 2

Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist kommen die Toten..., oder wie war das nochmal? George A. Romero hat da im Jahre 1968 mit seiner Nacht der lebenden Toten etwas losgetreten... Quatsch, hat er gar nicht. Zwar ist sein B-Movie unumstritten einer der besten Filme des letzten Jahrhunderts und man darf wirklich darüber staunen, daß dieser in so vielen Top-Listen, Top-Rankings und Auflistungen der besten, tollsten, wichtigsten Filme aller Zeiten so oft übergangen wird, aber – und das wird immer wieder gerne von uns Geeks und Filmnerds übersehen – erfolgreich war er nicht wirklich. Lange dümpelte er wie so viele andere heute als Kult geltende Filme in den Mitternachtskinos herum. Goutiert von einem eher kleinem studentischen Publikum und keinesfalls von der großen Masse. Zu größerer Berühmtheit schaffte es erst seine 1978 entstandene Fortsetzung Dawn of the Dead, die wohl weniger aufgrund ihrer herrlich subversiven Konsumkritik als vor allem mit den für damalige Verhältnisse unglaublichen Körperdestruktionen aus der Hand Tom Savinis für Aufmerksamkeit und gut gefüllte Kinokassen sorgen konnte. Da durfte es an Untotennachschub aus Italien natürlich nicht fehlen.

New York (wo auch sonst?), vor der Lower Manhattan Skyline treibt eine offenbar herrenlose Segeljacht den Hudson River hinauf. Die Freude der beiden Cops der Wasserschutzpolizei über ihren Fund – sie gehen davon aus, daß das Boot nun ihnen gehört – währt jedoch nicht lange. Auf Deck hat der Unrat das Kommando übernommen und in der Kajüte traumatisiert das Bild von verfaulenden Essensreste, Maden, Würmern und Kampfspuren. So verlassen ist die Jacht dann doch nicht, denn einer der Cops wird plötzlich von einem schrecklich entstellten großen Mann angegriffen und dabei in tödlicher Art und Weise in den Hals gebissen. Sein Partner kann den Angreifer in letzter Sekunde mit mehreren Schüssen aus seiner Dienstwaffe über die Reling schicken. Schnell ermittelt die Polizei den Eigner der Jacht, kann jedoch nur die Tochter Anne Bowles ausfindig machen. Die weiß auch nicht wo ihr Vater steckt, vermutet ihn lediglich auf der Karibikinsel Matool. Nach ihrer Bekanntschaft mit dem Zeitungsreporter Peter West machen sich beide auf ihren Vater zu finden. Matool, das ist die Insel der Verdammten, wie Brian und Susan zu berichten wissen bevor sie die beiden New Yorker dann doch übersetzen werden. Auf der Insel indes sucht Professor Menard nach einem Heilmittel gegen die geheimnisvolle Seuche, die nicht nur die Einwohner der Insel sterben läßt wie einst der schwarze Tod, sondern sie nach dem Ableben aus unerklärlichen Gründen aus den Sterbebetten der kleinen Mission wieder auferstehen läßt.

Lucio Fulci kam zum Horrorfilm wie die Jungfrau zum Kind. Vor Woodoo hatte Fulci zwar schon etliche Filme gedreht, war vor allem für seine Commedia all´Italiana und einige überdurchschnittliche Gialli bekannt, doch mit Erscheinungen aus dem Jenseits hatte der Regisseur zuvor noch nie etwas am Hut. Umso erstaunlicher ist es, daß er mit dem knappen Budget von gemunkelten 500.000 Dollar gleich einen der besten Zombiefilme ablieferte, die bis heute erschienen sind. Woodoo – Schreckensinsel der Zombies, der wie so viele andere italienische Horrorproduktionen gleich unter mehreren Namen vertrieben wurde, ist zwar eindeutig im Sog von Romeros Erfolg entstanden, jedoch keinesfalls als Ripoff, als billiges Plagiat, zu betrachten. Angeblich lag das Script zum Film, welches wiederum von einem italienischem Comic inspiriert sein soll, schon über zwei Jahre in den Schubladen der Produzenten. Aber eigentlich ist das völlig egal, denn Fulcis Zombiefilm sprüht nur so vor sichtbarer Eigenständigkeit und inszenatorischer Kreativität. Während Romeros Filme ganz offensichtlich ihren Fokus auf das Verhalten der Menschen innerhalb des apokalyptischen Szenarios legen, bedient sich Fulci frei von der Komplexität einer Gesellschaftskritik der reinen Grusel- und Horrorelemente, baut mehr auf eine vor allem morbid tragische Geschichte an deren Ende Fulci Romeros Dawn of the Dead höchstens Respekt zollt anstatt inhaltlich mit ihm in Konkurrenz zu treten. Da konstruiert Fulci eher klassische Kost wie etwa White Zombie aus den 30ern Jahren angereichert mit damals modernen Splatter und Gore. Fast wie ein Drama kommt der Film in den Szenen daher, in denen Professor Menard die in weißen Leichentüchern eingewickelten untoten Freunde noch einmal mit seinem Colt ins Jenseits schickt. An Depression kaum zu steigernde Bilder inszeniert er wenn er das eiligst ausgehobene Massengrab vor dem Krankenhaus zeigt und in der nächsten Szene Professor Menard am Strand die ausweglose Traurigkeit darüber mit Whisky wegzuspülen versuchen läßt. Hier gibt es nichts mehr zu tun. Verlassene Dörfer in denen sich höchstens herrenloses Vieh herumtreibt. Keine Menschen weit und breit. Fulcis Rechnung geht auf. Mit Leichtigkeit verschafft er seinen Figuren ein extrem endzeitliches und bedrohliches Umfeld. Die unentwegt zu hörenden Trommeln der Voodoopriester verleihen dem jüngstem Gericht zusätzlich ein nicht zu unterschätzendes Mondofilmflair, was dem Ganzem wiederum eine Note Abenteuerfilm aufsetzt. Das macht Fulcis Zombiefilm in gewisser Weise, wie auch seine späteren Filme mit Untotenthematik, einzigartig. Der Wiedererkennungswert der Chose ist enorm, ganz im Gegenteil zu so manchem anderen Zombiflick aus jener und gerade heutiger Zeit. Narrativ profitiert Woodoo ungemein von Fulcis Art die Sensationen der Geschichte gekonnt über die ganze Laufzeit des Filmes zu verteilen. Immer wieder bietet er zur rechten Zeit eine neue Ungeheuerlichkeit, die Jugend- und Moralschützer jedoch erst viel später auf die Palme bringen sollen. Dabei fällt auf wie herrlich virtuos und wirkungsvoll er diese in Szene zu setzen weiß. Ob es nun der erste Zombie in New Yorks Gewässern ist, diese monströse 120 Kilo Erscheinung, die Fulci an Deck der Jacht leinwandfüllend im Gegenlicht der Sonne auf den Zuschauer zukommen läßt oder das traumatische Erlebnis der Reisegruppe wenn sie Menards Haus betritt und dabei auf die Untoten trifft, die sich über die sterblichen Reste seiner Frau in geradezu phlegmatischer Weise hermachen. Einzigartige Bilder, die man wohl so in keinem anderem Film wiederfinden wird. Weit von dem entfernt was man Trash nennen darf. Auch wenn ich Fulci nicht gänzlich von diesem freisprechen möchte, wenn er Peter West und Anne Bowles in eine kurze Liebesszene auf einen alten Friedhof der einstigen spanischen Eroberer der Insel verwickelt, kurz nachdem sie eben Zeuge des alptraumhaften Zombiegelages wurden. Aber vielleicht ist das auch nur Ausdruck seiner Art von Humor, den der Regisseur auch gerne mit kleinen Cameos immer wieder unter Beweis stellte. Hier ist er zu Beginn des Filmes als Inbegriff eines Chefredakteurs zu sehen, der Peter West daran erinnert sich nicht auf der Tatsache auszuruhen der Sohn des Verlegers zu sein.

Formal ist Fulci, gerade in Anbetracht des minimalen Budgets, kein Vorwurf zu machen. Sicherlich hier und dort ein unsauberer Schnitt, Tisa statt Mia Farrow und auch mal ein Laiendarsteller. Dafür kann Fulci mit herrlichen Karibikaufnahmen protzen, läßt sogar einen Hai auf Lebende und Untote los, auch wenn dieser zuvor offensichtlich mit mindestens zehn Robben und drei Liter Betäubungsmittel ruhig gestellt wurde und der Szene dadurch ein wenig an Dynamik fehlt. Da verliert auch die wohl berühmteste Szene des Films marginal an Wirkung, wenn der Splitter des berstenden Türrahmens in das Auge einer jederzeit als solche zu erkennenden Gummipuppe getrieben wird. Aber all das macht nicht viel aus, kann der Atmosphäre des Filmes nichts anhaben, denn Fulci liefert eine wirklich gute Arbeit ab, konzentriert sich jederzeit auf das mögliche. Maden, Würmer und Schlachtabfälle sind nicht teuer und effektive Großaufnahmen kosten weniger als ein großes Set. Was aber nicht bedeuten soll, daß diese irgendwie billig daher kommen, ganz im Gegenteil. Woodoo sieht wesentlich teurer aus als er letztendlich war. Dazu trägt natürlich auch die durchweg gute Kameraarbeit Sergio Salvatis bei, die auch später Fulcis Paura und L'adilà das gewisse Etwas verleihen wird, wie auch wieder der Score von Fabio Frizzi, der zusammen mit Giorgio Cascio einen durchweg passenden Klangteppich austüftelt. Ja selbst Fulcis Zombies scheinen furchteinflößender als die seines amerikanischen Kollegen, aber fairer weise muß man hier anmerken, daß diese auch einen ganz anderen Zweck erfüllen. Fulcis Woodoo – Schreckensinsel der Zombies aka Zombi 2 aka Gli Ultimi Zombi muß man einfach jedem ans Herz legen, der etwas für das Genre übrig hat. Am besten aufgrund seines Endes als Einstimmung auf Dawn of the Dead. Glatte...

8/10 Punkte

Paura nella città dei morti viventi aka Ein Zombie hing am Glockenseil

Die Seele die die Ewigkeit erstrebt muß sich dem Spiel des Todes unterwerfen. Darum oh Wanderer am Rande der Finsternis komme. Dunwich.

Seltsame Dinge, die sich im kleinen Ort Dunwich abspielen seitdem sich Pater Thomas auf dem örtlichen Friedhof erhängt hat. Da zerspringen Spiegel in der kleinen Bar und Wände reißen auf aus denen ein seltsamer Nebel entweicht. Der nie abklingende Wind wirbelt den Staub der Straßen auf und aus der Ferne erklingt die Geräuschkulisse eines Tropenwaldes. Während einer Séance hat die junge New Yorkerin Mary Woodhouse die Vision Pater Thomas Todes samt sich aus der Erde erhebender Toter. Im wahrsten Sinne des Wortes zu Tode erschreckt erwacht sie erst Tage später im geschlossenen Sarg, kann jedoch durch Reporter Peter Bell gerettet werden, der ihren vermuteten Tod recherchiert. Die Antworten stehen im Buch Enoch. Dunwich wurde auf den Trümmern der einstigen Hexenstadt Salem erbaut und sollte dort auf dem Friedhof ein Geistlicher Suizid begehen, dann wird sich Schlag 12 Aller Seelen das Tor zur Hölle öffnen. Peter und Mary machen sich auf nach Dunwich, um das Schreckliche zu verhindern, während in dem nur schwer aufzufindenden Ort der Geist Pater Thomas weitere Opfer mit seinem hypnotisierenden Blick Blut weinen und Eingeweide erbrechen läßt, oder ihnen auch weit weniger subtil einfach mit seinen Händen durch die Schädeldecke hindurch das Gehirn zerquetscht.

An die sechzig Filme hat Lucio Fulci bis zu seinem Tode 1996 gedreht, doch keiner sollte in Deutschland so eine Berühmtheit erlangen wie Paura nella città dei morti viventi, dessen Titel übersetzt ungefähr Angst in der Stadt der lebenden Toten bedeutet, der in Deutschland jedoch aus Vermarktungsgründen unter dem Titel Ein Zombie hing am Glockenseil erschien. Eine Szene enthält der Film, die in den achtzigern Jahren Deutschlands Jugendschützer erboste und Aufhänger einer ZDF Dokumentation mit dem Titel Mama, Papi, Zombi wurde, die eine weitere Mediengewaltdebatte auslöste mit dem Ergebnis der Novellierung des Jugendschutzgesetztes und einer Erweiterung des § 131 StGB, der auch dieser Film zum Opfer fiel. Neben den Untoten treibt sich in Dunwich nämlich auch noch Bob herum, nicht der typische Dorftrottel, eher der entrückt wirkende Typ, der sich die Zeit mit Gummipuppen in verlassenen Häusern vertreibt, immer auf der Flucht vor den anderen Bewohnern der Stadt. Warum er so ist wird nicht weiter thematisiert, doch für die ungewöhnlichen Vorkommnisse und den Tod der ersten Opfer wird er schnell von den Männern Dunwichs verantwortlich gemacht. In der Bar erzählt einer der Männer davon diesen Bob mit seiner Tochter vor einem Jahr allein im Wald erwischt zu haben, zum Glück kam er noch rechtzeitig dazu, wer weiß was dieser Bob mit seiner Tochter angestellt hätte. Genau dieser Mann spannt Bob später auf die Drehbank in seiner Garage und jagt ihm in der wohl berühmtesten Szene des Films bei lebendigen Leibe einen ziemlich dicken Bohrer durch den Schädel nachdem er ihn dort zusammen mit seiner Tochter angetroffen hat. Fulci selbst begründete diese Szene angeblich als Visualisierung des Faschismus, der unter den Männern Dunwichs herrsche, die all das Böse und unheimliche auf den unschuldigen und schwachen Bob projizieren. Darüber mag man zwar im ersten Moment lachen, denn die restliche Handlung des Films ist fern eines jeglichen gesellschaftskritischen Subtextes, doch bei genauerer Betrachtung des Handlungsstrangs Bobs wird Fulci dies vielleicht wirklich so gesehen und beabsichtigt haben. Zumal zu jener Zeit kaum einer der bekannten und erfolgreichen Horrorfilme aus den USA einer gesellschaftskritischen Metaebene entbehrte. Hier sei nur an Romero, Craven oder Carpenter erinnert, die das Genre revolutionierten bzw. neu erfanden. Und für den amerikanischen Markt wurde damals in Italien produziert. Das Böse ist schon da, da machen die paar Untoten den Kohl auch nicht mehr fett. Daß dies in einem eher den klassischen Horromotiven entlehnten Film nicht recht funktionieren möchte, ist eine andere Geschichte.

Pater Thomas und die anderen erscheinenden Untoten sind weiter von den Zombies in Romeros Sinne oder auch Fulcis eigenen ein Jahr zuvor in Woodoo gezeigten Exemplaren entfernt als der deutsche Titel glauben machen möchte. Verbrannt sehen sie aus, direkt aus dem Fegefeuer kommend. Augen ohne Lider, mal mit aufgerissenen Mündern, immer schön an das klassische Horrokino erinnernd von unten beleuchtet. Sie stehen einfach nur da, bewegen sich per Sprung oder Jumpcut, erscheinen plötzlich vor dem Fenster und mit ein wenig Glück verschwinden sie auch wieder wenn man die Augen vor ihnen verschließt. Das riecht dann doch schon ein ganzes Stück mehr nach biblisch höllischen Inferno gespickt mit Geisterscheinung als nach außerirdischer Virusinfektion. Paura nella città dei morti viventi kann getrost als wilder Mix verschiedenster Horror- und apokalyptischer Elemente gesehen werden. Angefangen bei dem Eingangs erwähnten Buch Enoch, welches sich nicht nur auf die tatsächlich existierenden aus der Bibel ausgesonderten apokryphen (geheimen) Bücher Henochs bezieht, in denen sich erste Beschreibungen einer Hölle finden lassen, sondern auch genau wie der Ort Dunwich auf H.P. Lovecrafts Kurzgeschichten verweist, die laut Fulci die Quelle seiner Inspiration zum Film waren. Weiter über Edgar Allan Poes Horror des lebendig Begrabenen, bis hin zu den an den Vampirmythos erinnernden Untoten, die aus ihren Särgen auferstehen und am Ende verbrennen werden nachdem Pater Thomas ein klaffendes Loch in den Rumpf getrieben wurde. Da läßt Fulci seine Schauspieler in einem Sturm von (lebendigen) Maden stehen, Blut durch die Zimmerdecke tropfen und die Helden nachts in die herrlich mit unzähligen Skeletten und ordentlich mit Spinnenweben ausstaffierte Familiengruft hinabsteigen.

Auch wenn dem Film die Low-Budget Herkunft jederzeit anzusehen ist - die Beule in Peter Bells Auto, die teilweise als solche zu erkennenden Spezialeffekte oder größtenteils minder talentierte Darsteller sind eindeutige Zeugen der für einen fantastischen Film dürftigen Produktionsbedingungen - detailliert und liebevoll hergerichtet sind seine Sets. Egal ob New Yorker Appartement, Bestattungshalle oder die fantastisch ausgeleuchteten Straßenzüge der Stadt mit ihren weißen Bürgerhäusern. Wenn die Kamera an ihnen in der nebeligen Nacht vorbeifährt, unterlegt von der nie unterbrochenen gespenstischen Geräuschkulisse des heulenden Winds vermischt mit Urwaldklängen, dann sind das die atmosphärischsten Bilder des Filmes und man wünscht sich mehr von ihnen. Neben der schon geschilderten sehr drastischen Bohrerszene und Marys Befreiung aus dem Sarg anfangs des Filmes, in der die Spitzhacke ihren Kopf nur um Zentimeter verfehlt, eindeutig die Szenen, die sich auf immer in die Erinnerung des Zuschauers einnisten werden. Nicht nur hier beweist Fulci einmal mehr sein Talent, seine gute Ausbildung unter Visconti, Bava, Rosselini und Fellini, um nur die bekanntesten zu nennen. Da muß man einfach jenen Kritikern Fulcis widersprechen, die behaupten er wäre lediglich ein dürftig befähigter Auftragsregisseur, der mit diesem Film nur einen Haufen unzusammenhängender möglichst brutaler Szenen ablieferte. Dieser Eindruck entsteht vielleicht durch die drei Handlungsstränge, die Fulci parallel verfolgt und zwischen denen er immer wieder ohne weitere Erklärung hin und her wechselt. Die er jedoch bis auf Bobs Geschichte zum Finale des Films zusammenführt. Für den aufmerksamen Zuschauer sollte dies kein Hindernis sein der Geschichte des Films zu folgen. Diejenigen, die aber generell Probleme damit haben mehreren Handlungsträngen gleichzeitig zu folgen seien gewarnt, auch wenn Fulci hier strikt chronologisch vorgeht. Wer dem italienischem Horrorfilm der 70er und anfänglichen 80er Jahre eh nicht abgeneigt ist, sich gegenüber immer mal wieder hundsmiserablen Schnitten gütig zeigt, unter Zeitdruck entstandenen Anschlußfehlern und anderen typischen Macken einer solchen Low-Cost Produktion gelassen gegenüber steht, den Italien Shot, also die detaillierte Großaufnaufnahme von Augen - die Fulci nicht nur hier gerne auch auf seine Schlachtplatten anwendet - liebt, der darf sich über einen äußerst außergewöhnlichen, morbid atmosphärischen und kreativen Horrorflick freuen. Dessen Score aus Fabio Frizzis Feder ein wenig an John Carpenters Synthiekompositionen, an einem aus der Schmiede der italienischen Goblins erinnert und dann doch auch wieder wundervoll zu einem Spagettiwestern passen würde. Da sollte sich der Interessierte nicht von den zwar durchaus vorhandenen aber weitaus nicht so tragischen Logikfehlern ablenken lassen, die Fulci gerne hin und wieder tolleriert, um noch eine weitere wirkungsvolle Szene einzubauen. Sicherlich, so schrecklich und ekelerregend wie damals auf die Jugendschützer und so manchem Zuschauer wirken diese heutzutage nicht mehr, dennoch wird sich das Herz eines jeden Genrefans an ihnen erfreuen, wenn es sich ersteinmal Fulcis Sichtweise auf das Genre des Horrorfilms geöffnet hat. Alle anderen dürfen gerne zwei oder mehr Punkte abziehen, aber denen dürfte der Film so wie so am Allerwertesten vorbeigehen.

7/10 Punkte

Zwischen Kunst und Trash


In loser Reihenfolge demnächst auf diesen Blog...