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Who watches the Watchmen Motion Comic?

Ich möchte hier gar nicht erst um den heißen Brei herumschreiben. Zack Snyders Adaption Allan Moores Watchmen saugt. Auch wenn der Film in meinem kürzlichen Review noch mit einem blauem Auge davon kam, ist wohl unbestritten, daß Snyder dem wichtigen Ende des Epos eine komplett andere Bedeutung gibt. Adrian Veidts Zweifel außen vorläßt und den verbliebenen Watchmen dann eben doch eine gehörige Prise echtes Superheldenflair mit auf den Weg gibt. Das ist einfach das größte Ärgernis neben seiner formalen Auslegung der Geschichte, die nicht zuletzt auch unter dem schrecklichen Soundtrack zu leiden hat. Wer sich dennoch für Moores Graphic Novelle interessiert, da er unter Snyders filmischen Make-Up etwas tiefgründiges vermutet, jedoch Angst hat sich durch die 12 Kapitel des Comics zu wälzen, der kann sich jetzt dank Warner Home Video die schon seit letztem Jahr über iTunes und Amazon per Video on Demand vertriebene Miniserie auch als DVD oder Blu-ray Ausgabe zulegen. Leider nur wenn er im Besitz einer Kreditkarte ist, denn über Amazon Deutschland sind die Scheiben noch nicht erhältlich. Der Aufwand lohnt jedoch in jedem Fall, selbst für Besitzer des Comics. Panel für Panel wird animiert, wobei man keine Animation nach aktuellem Standard erwarten sollte. Das Ganze erinnert dann doch eher an Zeichentrickserien der 50er, 60er oder 70er Jahre, was dem Comicfeeling jedoch nicht abträglich ist, zumal auch auf die Sprechblasen nicht verzichtet wurde. Wie meinte noch Ozymandias? „Its Nostalgia“. Insgesamt machen die 12 Episoden einen sehr hochwertigen Eindruck, auch wenn einzelne Szenen nicht immer den Detailreichtum der Originalzeichnungen halten können. Ein weiterer Minuspunkt ist die Tatsache, daß alle Rollen ausschließlich von Tom Stechschulte gesprochen werden, was gerade bei den Frauen der Geschichte ein wenig bitter aufstößt. Doch auch daran kann man sich im Laufe der etwa fünfeinhalb Stunden gewöhnen. Viel wichtiger erscheint mir da der klassische und wirklich gelungene Score mit dem das Geschehen unterlegt ist, und der immer genau dann einsetzt, wenn er benötigt wird. Die Melancholie, die aussichtslose Atmosphäre, das Gefühl des bevorstehenden Endes der Erde, all die Dinge, die Snyder nicht schaffte in seinem Film unterzubringen, transportiert das Motion Comic mit Bravour. Wenn die Produzenten diese einmalige Qualität halten, dürfen sie in Zukunft gerne mehr Comics mit dieser Technik auch Lesefaulen zugänglich machen. Sehr empfehlenswert.

Watchmen

Wenn dann endlich nach über zweieinhalb Stunden der Abspann über die Leinwand läuft, ist man hin und hergerissen zwischen der Zufriedenheit darüber, endlich mal wieder einen Film gesehen zu haben, der sich optisch und narrativ traut ein Comic zu sein und der Enttäuschung über die Oberflächlichkeit mit der er den Inhalt seiner Vorlage in bewegte Bilder umzusetzen versucht. 12 Bände gönnen Alan Moore und Dave Gibbons ihrer Reflexion des amerikanischen Superheldenmythos, eingebettet in einer alternativen Welt des kalten Krieges, deren nahendes Ende mittels einer großen Uhr, deren Zeiger sich unaufhaltsam auf die Zwölf zu bewegen, symbolisiert wird. Gespickt mit unzähligen Ver- und Hinweisen auf das Genre und seiner Geschichte, untergebracht in den Biographien der Superhelden, die durch ihre Charakterisierung zu normalen Bürgern werden dürfen. Mit all ihrer Menschlichkeit und derer Makel. Es wäre zu einfach Zack Snyder zum Vorwurf machen zu wollen, Moores Vorlage Seite für Seite einfach abgefilmt zu haben, zeugt dies doch auch vom Respekt vor dem Werk. Doch es ist genau dieses Vorgehen Snyders, welches dem Zuschauer, der Moores Watchmen nicht kennt, den Zugang zum Stoff verwehrt. 12 Bände in einem Kinofilm. Da bleibt kaum Zeit über das gerade Gesehene nachzudenken, es tatsächlich aufzunehmen. Das Comic gewährt einem die Zeit, um einmal inne zu halten, zurückzublättern, den Hinweisen nachzugehen. Der Film läßt einem aufgrund seiner Natur dazu keine Chance. Auch wenn er sich hauptsächlich mit den für die Geschichte wichtigsten Figuren und Elementen beschäftigt. Er schafft nicht den Bruch mit dem Medium, spult einfach alles nacheinander ab. Das mag vielleicht mit der Verfilmung Sin Citys schon einmal gelungen sein, doch ist Millers Vorlage selbst eine filmische und ihr Szenario weitaus unkomplexer als Alan Moores Watchmen. So ist z.B. die für die Watchmen so existenzielle endzeitliche Atmosphäre zwar vorhanden, doch gelingt es dem Film nicht sie auch wirklich inhaltlich zu begründen. Kalter Krieg, Richard Nixon, die Sowjets. Das setzt beim Zuschauer eine wesentlich größere historische Kenntnis voraus, als ein einfaches Szenario, indem ein geschminkter Spaßmacher ein Krankenhaus in die Luft jagt. Man erahnt das Potenzial des Filmes, doch kann er es zu keiner Sekunde über den optischen Reiz hinaus transportieren. Snyder und das Drehbuch versuchen zwar immer wieder sich die Zeit für das Wesentliche der Geschichte zu nehmen, doch kann sie nicht ausreichen, um den Zuschauer wirklich in die Welt der Watchmen eintauchen zu lassen. So bleibt sie über die gesamte Spieldauer des Filmes eine fremde, nur schwerlich greifbare, die eine tiefere Auseinandersetzung mit ihren Figuren verwehrt und nur an der Oberfläche des Stoffes kratzen kann. Bei aller Opulenz, deren Hochglanz das geringste Problem zu sein scheint, kommt kaum das epische Gefühl auf, das Moores Geschichte im Comic soviel ihrer Faszination schenkt. Watchmen ist wahrlich kein schlechter Film, immer wieder gelingt es ihm sich vom Einheitsbrei der üblichen leicht zu rezipierenden Comic Mainstreamer der letzten Jahre zu distanzieren. Aber das gelingt ihm nicht wirklich aus eigener filmischer Kraft, sondern eher durch die ungewöhnliche Geschichte, die er erzählt. Die deutlich mehr Zeit benötigt hätte, als die, die ihm das Medium Spielfilm bereit ist zu gewähren, um ihre wahrhaftige Größe zu entfalten. Die noch nicht einmal Zeit findet die wahren Ausmaße ihres Endes ins rechte Licht zu rücken, dem Plot die ganze Brisanz nimmt, indem Snyder sich nicht traut zu zeigen was es heißt Millionen von Menschenleben für den guten Zweck zu opfern. Da hocken sie in der Antarktis und fabulieren über das Ergebnis. So ist Watchmen im Kino ein ebenso zweischneidiges Schwert wie die Charaktere, von denen er erzählt. Das Formale ist dabei lediglich Geschmackssache.

4,5/10 Punkte