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fast forward zapping >> Von konsumierbar aber daneben bis daneben aber empfehlenswert

Dawn of the Dead (2004)
Das aktuelle Jahrzehnt wird als Jahrzehnt der Horrorfilm-Remakes in die Analen der Filmgeschichte eingehen. Weniger wegen der Remakes selbst, als aufgrund ihrer Anzahl. Von Cravens Hügel der blutigen Augen bis hin zu Hoopers Kettensägenmassaker. Einstiger halb intellektueller Independentstoff wird 30 Jahre später zum Mainstream Konsumprodukt. Das entbehrt nicht eines gewissen Zynismus, folgt aber den Regeln der Verwertungskette. Egal. Zack Snyder hat sich gleich den König des 70er Jahre Bahnhofs- und Studentenkinos herausgepickt und versagt inhaltlich natürlich auf ganzer Linie. Seine Zombies sind Monster und keine Menschen, sein Kaufhaus ist nicht subversiver Schauplatz einer subversiven Konsumweltkritik. Ist sein gutes Recht, soll er sich jedoch nicht wundern, wenn er dafür nicht gerade von der großen Romero Fangemeinde geliebt wird. Läßt man die inhaltliche Schwäche inhaltliche Schwäche und ein paar infantile Peinlichkeiten infantile Peinlichkeiten sein, bleibt letzten Endes ein durchaus unterhaltender und stringent inszenierter Action-Flick mit einem mehr als ordentlichen Cast. Keine schreienden Teenager, keine verlorenen Autoschlüssel, kein ausgefallenes Cellphone-Netz. Das ist schon einmal mehr als man erwarten konnte.

7/10 Punkte

Cinema Paradiso (internationale Fassung)
Oscar, Golden Globe, Großer Preis der Jury in Cannes und was weiß ich nicht noch alles hat Giuseppe Tornatores Hommage an ein altes Dorfkino abgeräumt. Damit protzt er noch gleich vor dem Vorspann. Darf er ruhig, denn eine Enttäuschung ist Cinema Paradiso garantiert nicht. Eigentlich erzählt er gar nicht vom Kino, sondern von der Sehnsucht und der Liebe seiner Besucher. Das Cinema Paradiso ist der Ausgangspunkt für Totos Geschichte. Hier freundet er sich schon in der Kindheit mit Alfredo dem Filmvorführer an, findet seine erste jedoch unerfüllte Liebe, an der er sein ganzes Leben tragen wird, und hier wird er auch letztendlich seinen Frieden finden. Ganz der Zeit verpflichtet über die Tornatore erzählt, wandelt der Film zwischen Fragmenten aus Neoliberalismus und Commedia all'Italiana. Cinema Paradiso lebt von der Nostalgie, mit der er in jedem Zentimeter seiner 124 Minuten Zelluloid um sich schlägt, von seinem melancholischen Rückblick auf das Kino als gesellschaftliches Ereignis. Und natürlich von seinem Hauptdarsteller Philippe Noiret, der hier eine seiner besten Darbietungen überhaupt in der Rolle Totos Freund und Mentor abliefert. Der um knappe 50 Minuten längere und hoffentlich im Mittelteil etwas rundere Directors Cut ist schon bestellt.

7,5/10 Punkte

The Pervert's Guide to Cinema
Slavoj Zizek hat ebenso viele Anhänger wie Kritiker. Ja, und vielleicht mag es auch stimmen, daß er sich gerne selbst inszeniert, seine Analysen des modernen Kinos vielleicht ab und an ein wenig zu banal und an den Haaren herbeigezogen daherkommen. Aber, wer das Denken und Sinnieren in andere Richtungen generell verschmäht, hat eigentlich schon selbst verloren. Man mag nicht immer mit Zizeks Ansichten einverstanden sein, ihn auch mal gerne in den Sphären bedauernswerter Küchenpsychologie orten, aber schwer unterhaltsam ist der Slowene schon, wenn er in liebevoll nachempfundenen und orginalen Filmkulissen in radebrechendem Englisch über Intention und Metapher des modernen Kinos referiert. Lynch, Chaplin, Hitchkock, Coppola, an ihnen arbeitet er sich ab, die Europäer sind anscheinend nicht sein Ding. Ach doch, Tarkowski bekommt auch noch seine 5 Minuten Ruhm. Schade, aber verschmerzbar. Leider ist die DVD in Deutschland nicht erschienen, aber wer die 22 britischen Pfund nicht ausgeben möchte, sollte einfach mal in der örtlichen Bibliothek vorbeischauen. In meinem Fall war man sehr froh das hiesige DVD Angebot mit einem witzigen Titel aufbessern zu können.

7/10 Punkte

Going to Pieces
Während Rob Zombies H2 in Kürze die Wartezeit auf Wes Cravens erst nächstes Jahr startende Scream Fortsetzung verkürzt, Michael Bays Produktionsfirma Platinum Dunes nach Freitag der 13. nun auch die Nightmare Franchise durch den postmodernen Teenie Häcksler jagen wird, stehen die großen Vorbilder immer noch auf den Zensurlisten wohlmeinender doch übereifriger Jugendschützer. Und genau um diese Ungeheuer aus dem großen 80er Horrorwandschrank geht es in Jeff McQueens bemühtem Versuch den Slasher aus der Schmuddelecke zu befreien. Dabei geht es in einem Wahnsinnstempo vorran, da klappert er alle wichtigen und unwichtigen Filme, darunter auch einige, die in Deutschland nie erschienen sind, und ihre Macher in großer Hetze ab. Savini, Carpenter und Cunningham verraten nicht viel neues, jedenfalls nicht für den im Genre Bewanderten. Aber ehrlich scheinen sie zu sein, wenn Cunningham Friday vor allem für das Haus am See liebt, das der Film ihm beschert hat. Dafür protzt Going to Pieces mit unzähligen Auschnitten aus den alten Lieblingen, was ihn aus der Sicht der Horrorfan-Fraktion nicht unattraktiv geraten läßt. Für eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Genre reicht das aber bei weitem nicht, vielleicht hätte sich McQueen dann doch auf die wenigen wirklich guten konzentrieren sollen. Dennoch empfehlenswert.

6,5/10 Punkte

Watchmen

Wenn dann endlich nach über zweieinhalb Stunden der Abspann über die Leinwand läuft, ist man hin und hergerissen zwischen der Zufriedenheit darüber, endlich mal wieder einen Film gesehen zu haben, der sich optisch und narrativ traut ein Comic zu sein und der Enttäuschung über die Oberflächlichkeit mit der er den Inhalt seiner Vorlage in bewegte Bilder umzusetzen versucht. 12 Bände gönnen Alan Moore und Dave Gibbons ihrer Reflexion des amerikanischen Superheldenmythos, eingebettet in einer alternativen Welt des kalten Krieges, deren nahendes Ende mittels einer großen Uhr, deren Zeiger sich unaufhaltsam auf die Zwölf zu bewegen, symbolisiert wird. Gespickt mit unzähligen Ver- und Hinweisen auf das Genre und seiner Geschichte, untergebracht in den Biographien der Superhelden, die durch ihre Charakterisierung zu normalen Bürgern werden dürfen. Mit all ihrer Menschlichkeit und derer Makel. Es wäre zu einfach Zack Snyder zum Vorwurf machen zu wollen, Moores Vorlage Seite für Seite einfach abgefilmt zu haben, zeugt dies doch auch vom Respekt vor dem Werk. Doch es ist genau dieses Vorgehen Snyders, welches dem Zuschauer, der Moores Watchmen nicht kennt, den Zugang zum Stoff verwehrt. 12 Bände in einem Kinofilm. Da bleibt kaum Zeit über das gerade Gesehene nachzudenken, es tatsächlich aufzunehmen. Das Comic gewährt einem die Zeit, um einmal inne zu halten, zurückzublättern, den Hinweisen nachzugehen. Der Film läßt einem aufgrund seiner Natur dazu keine Chance. Auch wenn er sich hauptsächlich mit den für die Geschichte wichtigsten Figuren und Elementen beschäftigt. Er schafft nicht den Bruch mit dem Medium, spult einfach alles nacheinander ab. Das mag vielleicht mit der Verfilmung Sin Citys schon einmal gelungen sein, doch ist Millers Vorlage selbst eine filmische und ihr Szenario weitaus unkomplexer als Alan Moores Watchmen. So ist z.B. die für die Watchmen so existenzielle endzeitliche Atmosphäre zwar vorhanden, doch gelingt es dem Film nicht sie auch wirklich inhaltlich zu begründen. Kalter Krieg, Richard Nixon, die Sowjets. Das setzt beim Zuschauer eine wesentlich größere historische Kenntnis voraus, als ein einfaches Szenario, indem ein geschminkter Spaßmacher ein Krankenhaus in die Luft jagt. Man erahnt das Potenzial des Filmes, doch kann er es zu keiner Sekunde über den optischen Reiz hinaus transportieren. Snyder und das Drehbuch versuchen zwar immer wieder sich die Zeit für das Wesentliche der Geschichte zu nehmen, doch kann sie nicht ausreichen, um den Zuschauer wirklich in die Welt der Watchmen eintauchen zu lassen. So bleibt sie über die gesamte Spieldauer des Filmes eine fremde, nur schwerlich greifbare, die eine tiefere Auseinandersetzung mit ihren Figuren verwehrt und nur an der Oberfläche des Stoffes kratzen kann. Bei aller Opulenz, deren Hochglanz das geringste Problem zu sein scheint, kommt kaum das epische Gefühl auf, das Moores Geschichte im Comic soviel ihrer Faszination schenkt. Watchmen ist wahrlich kein schlechter Film, immer wieder gelingt es ihm sich vom Einheitsbrei der üblichen leicht zu rezipierenden Comic Mainstreamer der letzten Jahre zu distanzieren. Aber das gelingt ihm nicht wirklich aus eigener filmischer Kraft, sondern eher durch die ungewöhnliche Geschichte, die er erzählt. Die deutlich mehr Zeit benötigt hätte, als die, die ihm das Medium Spielfilm bereit ist zu gewähren, um ihre wahrhaftige Größe zu entfalten. Die noch nicht einmal Zeit findet die wahren Ausmaße ihres Endes ins rechte Licht zu rücken, dem Plot die ganze Brisanz nimmt, indem Snyder sich nicht traut zu zeigen was es heißt Millionen von Menschenleben für den guten Zweck zu opfern. Da hocken sie in der Antarktis und fabulieren über das Ergebnis. So ist Watchmen im Kino ein ebenso zweischneidiges Schwert wie die Charaktere, von denen er erzählt. Das Formale ist dabei lediglich Geschmackssache.

4,5/10 Punkte

Miesmacher

Intelligenz ist die Fähigkeit Zusammenhänge zu erkennen. Oder anders gesagt, wer Zusammenhänge sieht, wo keine sind, ist dumm.

Nächste Woche startet Frank Millers 300 in den deutschen Kinos.



Leider wurde der Film, der unter der Regie von Zack Snyder entstand schon auf der Berlinale gezeigt und von vielen Kritikern zerrissen. Von Reaktionäre Faschistenpropaganda in Riefenstahloptik bis zur angeblich vom US Verteidigungsministerium finanzierte Bush Irakkriegs Durchhalteparole lauten die Vorwürfe. So ein Filmfestival kann einem da schon die Gehirnwindungen verknoten.

Zack Snyder ist dabei einfach eine beeindruckende Comicverfilmung gelungen, die sich fast 100 Prozentig an seine Vorlage hält, selbst die Dialoge wurden übernommen. Die Vorwürfe könnte man höchstens Frank Millers ausgezeichnetem Werk anlasten. Frank Millers Werken kann man vieles unterstellen, aber dass sie reaktionär oder faschistisch seien bestimmt nicht.

Achso, hier noch die Miesmacher.