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Fehleinschätzungen

Oh kay, da lag ich mit meinem EM Teilnehmer Check oft ein wenig daneben. Z.B. damit, daß die Türkei nicht gegen die Schweiz gewinnen wird. Oder damit, daß die Italiener erst zum Halbfinale kommen, für Rußland und Spanien das Viertelfinale die Endstation bedeutet. Und da wären wir auch schon beim gestrigen Halbfinalspiel zwischen denen, die den Raul glücklicherweise zu Hause ließen und denen, den von vielen Schlauexperten der Europameistertitel versprochen wurde.

Die spanische Presse überschlägt sich natürlich nach dem erstem Finaleinzug einer spanischen Nationalmannschaft seit 24 Jahren. Für sie ist der Titel so gut wie sicher, vor allem weil sie gegen die für sie so verhaßten Ergebnisfußballer aus Deutschland antreten dürfen. Nach der gestrigen zweiten Halbzeit und Deutschlands glücklichem Sieg gegen die Türkei kann man Spaniens Euphorie auch gut nachvollziehen. Geradezu wie eine Schülermannschaft wurden die Russen von den Spaniern vorgeführt. Drei Tore schenkte man ihnen ein und hatte dabei noch nicht einmal David Villa auf dem Platz. Da kann man schon einmal große Klappe haben.

Ich für meinen Teil sehe dem Finale am Sonntag jedoch ziemlich gelassen entgegen und halte die große Klappe der spanischen Presse für eine gefährliche Fehleinschätzung. Denn ich habe gesehen, daß Rußland nicht nur vorgeführt wurde wie eine Schülermannschaft, sondern auch so spielte wie eine Schülermannschaft. War Rußland in der ersten Halbzeit einer nicht unverdienten Führung ziemlich nahe, die Abwehr konzentriert, lief nach der Halbzeitpause eine völlig andere Mannschaft auf dem Rasen des Ernst-Happel-Stadions herum. Da hatte man überhaupt nicht verstanden, daß Aragones das Mittelfeld aufgefüllt hatte, versuchte immer noch David Villa, der gar nicht mehr auf dem Platz war, in Manndeckung zu nehmen. Registrierte in keiner Sekunde, daß Spanien es sehr klug verstand seine zentralen Mittelfeldspieler in den Sturm zu beordern. Als katastrophal muß man Rußlands Defensivspiel bezeichnen und Spaniens 1:0 war dann auch nicht mehr überraschend, höchstens der Zeitpunkt in der 50. Minute. Ich hätte schon gedacht, daß sie noch ein paar Versuche mehr benötigen. Hiddinks Mannschaft brach nach dem Rückstand völlig zusammen, ließ vor allem im Angriff die Köpfe hängen. Der viel gelobte Arshavin ein Totalausfall. Unverständlich, aber im Hinblick auf das Finale für Deutschland vielleicht ein Vorteil. Könnte sein, daß die Spanier dies nicht registriert haben. Zumindest wenn man einen Blick auf Spaniens Pressestimmen wirft. 7/10 Punkte.

Euro 2008 1. Halbfinalspiel Deutschland - Türkei 3:2

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5,5/10 Punkte + 2 Punkte Fortuna Bonus

Mann des Tages

Es war auf dem erstem Blick kein spektakuläres Spiel. Kaum Torchancen. Kein Spiel an dem auch der nicht fußballverrückte seinen Spaß gehabt hätte. Nahezu emotionslos, kein Mut zum Risiko wie der gemeine Kommentar bei solchen Spielen gerne suggeriert. Zieht man in Betracht, daß dieses Spiel, von anderen Mannschaften geführt, eine einzige Grätsch, Rutsch und Freistoßorgie angesichts des Dauerregens hätte werden können, war es aber umso großartiger. Bis weit in die zweite Halbzeit hinein sahen wir Fußball auf höchstem technischen Niveau. Der Spielaufbau mal durch Kurzpaßspiel, mal mittels langer präziser Pässe, das Warten auf die Lücke in der Defensive des Gegners. Kaum mal ein versprungener Ball und wenn eine der beiden Mannschaften das Tempo aus dem Spiel nahm hieß das nicht, daß für Spielunterbrechungen gesorgt oder destruktiv agiert wurde. Modernster Fußball.

Eigentlich hatte ich Liverpool die Daumen gedrückt. Schon allein wegen des famosen Fananhangs und des besseren Hinspiels. Doch heute war Chelsea die entschloßenere und letztendlich auch bessere Mannschaft. Didier Drogba, in den letzten Spielen eher auf sich allein gestellt und glücklos, zeigte heute eines seiner besten Spiele unter meiner Aufsicht. Wie gefährlich der Mann ist, wenn er einmal Unterstützung von seinen Mannschaftskameraden erhält, zeigte er heute bei seinen beiden Treffern. Präziser kann man keine Tore schießen. Schöner und eleganter geht es nicht. Da mag der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer Fernando Torres noch so fein herausgespielt und athletisch eingenetzt worden sein. Da kann auch das gestrige 1:0 von Paul Scholes noch so bombastisch daherkommen. Didier Drogba ist der Mann des Tages. Und obwohl sich ein rein englisches Finale für den neutralen Zuschauer eigentlich so attraktiv wie Erbsensuppe ohne Bockwursteinlage darstellt freue ich mich jetzt schon auf Manchester United vs. FC Chelsea London in Moskau. Wem ich die Daumen drücke kann ich aber noch nicht genau sagen. Nachdem ich alle Spiele des Halbfinales gesehen habe liegt Chelsea in meiner Gunst vorn. Einzig und allein aufgrund des heutigen Spiels.

Tragisch

Ein tragisches Ereignis muss einerseits ein Leiden sein, weil es sonst nicht selbst Leid wecken könnte; aber es darf nicht die gerechte Strafe eines wirklichen Verbrechens sein, denn dies würden wir zwar bedauern, aber nicht bemitleiden. Anderseits muss es furchtbar sein, weil wir es sonst nicht fürchten würden, und es muss willkürlich verhängt sein. Nur das unverdiente Leiden ist wirklich tragisch, eine "Ungerechtigkeit des Lebens gegen den Menschen". Wikipedia

Alles weitere zum Champions League Halbfinal Spiel Liverpool FC - FC Chelsea kann man unter anderem hier nachlesen.