Cabin FeverDoch schon 7 Jahre auf dem Buckel, hätte ich nicht gedacht. Eli Roths Debut mag für viele eine Enttäuschung sein, die nach all den Lobhudelein Tarantinos und Kollegen den ultimativen Horrorschocker erwarteten. Doch das ist der falsche Ansatz. Cabin Fever will Exploitation sein, und da geht es mehr um das Brechen gesellschaftlich akzeptierter Erzählung und filmischer Darstellung, als um handwerkliches Können. Exploitation ist vielmehr das Spiel mit dem Tabu, als die Freude an abgerissenen Gliedmaßen und eiternden Ekzemen. Innerhalb des Genrekinos mittlerweile kein leichtes Unterfangen mehr, ist die explizite Darstellung von Fleischwunden und nackter Haut doch schon längst Bestandteil des Mainstreamskinos und damit alles andere als ein filmisches Tabu. Eli Roth scheint das verstanden zu haben. Cabin Fever verblüfft dann auch vor allem mit der Brechung altbekannter Genreklischees, die sich in ihrer Auflösung allesamt nicht so verhalten möchten, wie der Zuschauer es vielleicht erwartet hätte und damit wirklich Tabus überschreiten. Es ist tatsächlich eine kleine Sensation im Genre, wenn der Sheriff sich nicht als Anführer einer Kannibalensippe, sondern als einfacher Dorftrottel entpuppt und die Teens nicht von einem psychotischen Axtschwinger, sondern wegen eines an Ebola erinnernden Virus dahin siechen. Na klar, erbrochenes Blut und offene Wunden, den Spaß läßt sich Roth auf keinen Fall nehmen.
7/10 Punkte
HostelWie man es komplett falsch macht, zeigt Roth dann eindrucksvoll in seinem zweiten Langfilm. Alle guten und erheiternden Ansätze, die er noch in Cabin Fever so schön zu einem funktionierenden Film vereinen konnte, läßt er in Hostel gleich in seiner Zauberkiste. Sex, Coffeeshop, nochmal Sex und am Ende einfach nur die ermüdende Hackfleischausstellung in Bratislava. Sicherlich, das Setting in der alten verfallenden Fabrikhalle mit ihren dunklem Keller ist attraktiv, doch verschenkt Hostel sein durchaus erkennbares Potenzial vor allem in aufgesetzt wirkenden Ungeheuerlichkeiten. Da weiß man schon längst vorher, was in der nächsten Szene passieren und wie es ausgehen wird. Das wäre nicht schlimm, wenn es nicht so plump geschehen würde. Insgesamt wirkt Hostel eher wie das billige Ripoff seiner selbst aus den Filmwerkstätten römischer Produzenten Ende der 70er Jahre. Was im Ansatz nicht verkehrt ist, dann aber doch zu konventionell und professionell ausgeführt wird. Logik, darstellerische Qualität, geschenkt. Ein wenig mehr Suspension und Raffinesse, statt tumbe Anbiederung wären dann aber doch angebracht, wenn er inhaltlich so lahm daher kommt. Exploitation? Unübersehbar die Versuche Roths, aber doch einfach nur bemühter Mainstreamslasher.
5,5/10 Punkte
Hostel II3... 2... 1... Exploitation Galore. Konnte man nach Hostel noch der Versuchung erliegen Eli Roth dann doch in die große Schublade der vermeintlich Talentierten zu stecken, unterstreicht der Unhold des schlechten Geschmacks mit Hostel II zwei anerkennenswerte Eigenschaften. Lernfähigkeit und Humor. All das was man Hostel ankreiden muß, in erster Linie keine Exploitation zu sein, gelingt Roth hier mit Bravour. Schon daran abzulesen, daß Hostel II in der Rezension der vermeintlich größere Aufreger zu sein scheint. Ein schöneres Kompliment kann ein böser Film doch gar nicht erhalten, als daß er von denen zerrissen wird, die mulitplexkonformes Setzkasten Horrokino abfeiern, als ob der Horrorfilm nicht mehr als bequemen Grusel abliefern dürfte. Ein Hort der Invovationen ist Hostel II dabei garantiert nicht, ist doch die Form der Neuerzählung seines Vorgängers unter anderen Vorzeichen – nicht mit ausgeschmückter Nacherzählung zu verwechseln, wie es die meisten Sequels im Genre doch eigentlich sind – noch nicht einmal die Erfindung Sam Raimis. Genrezitate en masse und die wesentlich bessere Ausstattung dürften auch nicht Grund allein für einen völlig anders wirkenden Film sein. Roth macht aber in Hostel II etwas ganz wunderbares, anstatt sich wie in Hostel lediglich auf die grafische Umsetzung der Abscheulichkeiten zu konzentrieren, bettet er diese in wirklichen Tabubrüchen ein. Sei es das Bad im frischem Blut, das Erschießen von Kindern oder die ausgiebig fotografierte Kastration mit dem Küchenmesser. Nein, das ist alles nicht geschmackvoll oder gesellschaftsfähig und eigentlich nur, wie schon in den Vorbildern aus dem Bahnhofskino, aufgrund der humoristischen Ader zu ertragen, die sich in den Schmuddelfilmen des letzten Jahrhunderts aus der unfreiwilligen Komik erschließt, während Roth in Hostel II ganz unumwunden mit der Satire kokettiert. Er bewieß doch schon mit seinem Debut, daß Exploitation sich nicht aus der reinen Inszenierung ergibt, sondern vor allem auf der inhaltlichen Ebene geschieht.
7,5/10 Punkte