Skandal! Bei RTL durfte mal gelacht werden ...

Ich würde es nicht aufschreiben, wenn ich nicht am Samstagabend zufällig selbst Zeuge dieses heute von Stefan Gaux auf der Westen.de identifizierten Ekel-TV Skandals geworden wäre. Dr. Methane furzt sich in die Herzen des … wie heißt die Sendung nochmal? Egal. In die Herzen des irgendetwas mit Bohlen, einer Fußballerfrau und Bruce „Die Träne“ Darnell Publikums. Herrlich, einfach herrlich. Kaum ein Kandidat hat in der Vergangenheit, jedenfalls so weit ich das mit meinen spärlichen Sonntag Nachmittag Kenntnissen dieser Sendung überblicken kann, diese Show in einem einzigen Auftritt so banal aber auf den Punkt zusammengefaßt. Ein rasiertes Arschloch, viel heiße Luft und ein wenig Konfetti. Skandal? I wo, aber ganz bestimmt überraschende Selbstreferenz. Stefan Gaux echauffiert sich über eine vermeintliche Grenzüberschreitung und deren Zuschauer, die diesem englischen Witz in kuriosem Kostüm zujubelten. Übersieht dabei jedoch den wirklichen Skandal, der nicht in Mr. Methanes Auftritt oder der Reaktion des Publikums zu suchen ist, sondern in der Einfältigkeit des Samstagabend Programms. Im Gegenteil zu den Alternativen der anderen Programme (Florian Silbereisen eröffnet die Weihnachtsmärkte, Ü60 Krimi auf dem Zweiten, Stefan Raab planscht mit C-Promis und natürlich die eine oder andere olle Kamelle auf den restlichen B-Kanälen) war der kurze Auftritt dieses Mr. Methanes, der im übrigen alles andere als ein unbekanntes Talent und schon gar keine Entdeckung RTLs ist, einfach nur herzerfrischender Trash. Daß dies in einer Sendung passieren darf, die ansonsten so sehr darauf bedacht ist nur unterirdisch unspektakulären Trash darzubieten, grenzt schon an einer kleinen Sensation. Daß dies natürlich in einem mittlerweile nur noch der Kleinkariertheit des Stammtisches hinterher jagenden Medium der WAZ-Mediengruppe so nicht stehen darf, natürlich nicht.

Spider-Man 3

Spider-Man, das ist der Superman des anderen Comicverlags. Ebenfalls Waisenkind, blau-rotes Superheldenkostüm, bei der Zeitung beschäftigt und mit den Frauen läuft es auch nicht so richtig. Louis Lane oder Mary Jane, Peter Parker oder Clark Kent, egal. Nein, nicht wirklich. Peter Parker wirkt trotz seiner auch schon 48 Jahre, die er mittlerweile bei Marvel erscheint, immer noch eine ganze Ecke jünger, frecher und moderner als der stramm auf die 80 zugehende Kryptonier. Das gilt auch für die noch nicht allzu alten Hollywoodausgaben dieses Jahrzehnts auf der großen Leinwand. Während Bryan Singer Clark Kent in Superman Returns äußerst konventionell auf die Erde zurückkehren ließ, was die Kinogänger mit eher mäßigen Zahlen an den Boxoffices quittierten, scheint der Erfolg Sam Raimis Spider-Man Version ungebrochen. Das mag vielleicht daran liegen, da Peter Parker auch im Kostüm nie echter Superheld ist, sondern ein augenscheinlicher Normalo, der sich unter größtem Einsatz seiner spärlichen Spinnenkräfte weniger den Gefahren der Verbrecherjagd stellt, als den Gefahren der moralischen Versuchung. Dadurch bietet er mehr Identifikationspunkte, als die üblichen Milliardäre mit all ihrem Technoschnickschnack im Dienste der örtlichen Polizei oder die guten Mutanten im Kampf gegen die bösen Mutanten. Peter Parker ist unter all den Comic- und Leinwandsuperhelden der offensichtlichste 16 jährige pubertierende Junge von nebenan, der nachts im Schutz der Maskierung seinen Peinigern vom Tage zeigt wo der Hammer hängt und dabei Gefahr läuft, sich selbst Schuld aufzuerlegen. Sam Raimi wußte diesen inhaltlichen Kern der Comics schon in seinem ersten Spinnenfilm überaus offensiv an die Oberfläche seiner Erzählung zu spülen. Das wirkte in Anbetracht der vorherigen Comic-Blockbuster erfrischend und altmodisch zugleich. Enttäuschte die, die sich auf ein pures Effektspektakel eingestellt hatten und ließ die, die noch kurz zuvor Raimi aufgrund seiner mythologischen TV-Serien – inhaltlich freilich nicht so weit entfernt vom $ 140 Mio Blockbuster - belächelten, in den höchsten Tönen von einer überraschend tiefgründigen Wiederkehr der Werte ins Effektkino schreiben und sprechen.

Arbeit für den Rekorder - 28. November - 4. Dezember

Liebe Leser,

ihr müßt jetzt stark sein. Die Fernsehtipps fallen diese Woche leider aus. Nein, nicht wegen einer eventuellen Schreibblockade, Unlust oder des Wochenendkaters der hiesigen Autorenschaft. So etwas wird hier nicht geduldet. Es ist nur einfach so, daß sich mein TV-Buddie JMK, der eigentlich diese Woche mit den Tipps an der Reihe gewesen wäre, einen Gelben nehmen mußte. Ich wünsche ihm Gute Besserung und hoffe, daß wir schon bald wieder von seiner Filmkompetenz zehren dürfen. Mit den TV-Tipps geht es dann nächsten Freitag gewohnt an dieser Stelle weiter. Vielleicht kann ich ja die Tage noch den einen oder anderen Tipp außer der Reihe veröffentlichen. Zum Glück gibt es noch die anderen, deren Tipps auch gelesen werden möchten:

ab freitags trifft man sich zum Fernsehplausch in der Astronautenbar, die anderen meckern, loben und belehren dann am Wochenende:

Blockbuster Entertainment, Kino, TV & Co und Hard Sensations Filmblog (ich hoffe bald wieder) immer wieder ab samstags. Und sonntags gibts den ultimativen Filmtipp der Woche von Kaiser_Soze.

(Cut&Paste ist so coooool)

Fast Forward >> Man-Eater aka Antropophagus aka The Grim Reaper

Obwohl Joe D'Amato selbst davon überzeugt war, daß Man-Eater zu den schlechtesten seiner insgesamt mit schlechten Filmen durchsetzten Filmographie gehört, ist Man-Eater garantiert das bekannteste Werk des italienischen Exploitation-Filmers, dessen filmisches Talent fast ausschließlich in der Erzeugung manch einer atmosphärischen Szene durch teilweise erstaunlich ambitioniert erscheinende Kameraarbeit zu suchen ist. Und natürlich in seiner Fähigkeit aus AA Gold zu machen. Wenn ich jetzt schreibe, daß Man-Eater D'Amatos bekanntester Film ist, dann meine ich damit jedoch eher den Filmtitel als den eigentlichen Film, von dem die meisten im Zweifel lediglich von der finalen Szene durch stetiges weitererzählen erfahren haben dürften. Das ist ja auch so ein schönes Element des Exploitation-Films. Mindestens eine Szene muß schon in der Beschreibung so unglaublich sein, daß man sie unbedingt sehen möchte. Hier ist es der durch eine Tragödie zum Kannibalen mutierte Familienvater, der einst auf hoher See aus Überlebensnot den toten Sohn und tote Frau verspeiste und nun auf dem mit der Außenwelt nur sporadisch in Kontakt kommenden griechischen Eiland für Bevölkerungsschwund sorgt. Im Endkampf wird ihm mit der Spitzhacke der Bauch aufgerissen und Nikos Karamanlis, so der Name des tragischen Monsters, schenkt sich selbst eine Henkersmahlzeit aus den Fetzen seines eigenem Verdauungstraktes. Natürlich ist das nicht die einzige an inszenatorische Grenzen stoßende Szene, die D'Amatos Film seiner Zeit fast zum Mythos aufsteigen ließ und die Beschlagnahmungs- und Indizierungsbehörden zum sofortigen handeln veranlassen sollte. Denn Nikos Karamanlis darf ungeheuerlicher Weise auf D'Amatos Geheiß in seiner Höhle einen seiner Mutter aus dem Bauch entrissenen Fötus verspeisen. Da nehmen die angeblichen Scharen von sich übergebenden Kinobesuchern, die der Legende nach sogar als Grund für eine Anzeige wegen Körperverletzung gegen D'Amato herhalten sollten, doch schon realistischere Züge an. In Anbetracht des ansonsten technisch äußerst schlampigen, mit unerträglich dümmlichen Dialogen nebst fürchterlichsten Synthiegeklimper vollgestopften und allenfalls in homöopathischen Dosen spannenden Films, kann man sich jedoch kaum vorstellen, daß die Kinobesucher nicht schon lange vor den exploitativen Höhepunkten in ebenso großen Scharen das Kino fluchtartig verlassen hatten. Nein, der Hype ist wahrlich keine Erfindung des viralen Marketings des Internetzeitalters. Anders betrachtet, in welchem filmischen Sujet war der Hype jedoch jemals tiefer verankert als in dem der Exploitation? Freunde des schlechten Geschmacks dürften sich daher eh nicht von diesen Zeilen abhalten lassen.

2,5/10 Punkte

Zwei Wochen Windows 7 - Ein erstes Resümee

Windows 7 ist toll. Jedenfalls toller als alle vorherigen Windowsversionen zuvor. Über Vista kann ich ja nicht viel schreiben, da es da ein unlösbares Hardwareproblem gab, das mir die Arbeit mit Vista verwehrte und mich so noch zwei weitere Jahre mit XP aushalten ließ. Endlich eine vernünftige Taskleiste, endlich Geschwindigkeit, endlich ordentliche Hardwareunterstützung von Anfang an. Endlich mit nur wenigen Klicks das Augenkrebs verursachende Blau/Grün verbannen können, bis auf natürlich diese häßlichen giftgrünen Ladebalken. Aber das ist ja nur eine Frage des Geschmacks. Und wie schnieke der Mediaplayer aussehen kann. Toll, Windows 7 ist echt gelungen. Was mir jetzt aber nach fast 5 Monaten privatem Computerspaß mit Gnome, Linux und Compiz wirklich fehlt, ist ein Desktop-Manager. Ich meine, jede der aktuellen Desktop-Umgebungen bringt so etwas von Haus aus mit. Warum sträubt sich Microsoft so dagegen? Was nutzt mir im Endeffekt die neue Taskleiste, wenn ich immer noch alle Fenster minimieren muß, um einen freien Desktop zu erhalten, anstatt mal eben auf den nächsten virtuellen Desktop rüberjuckeln zu können, ohne dringend alle geöffneten Programme minimieren zu müssen? Ich komme einfach nicht dahinter. Das ist doch Ergonomie, und Windows möchte doch die State of Art Umgebung im produktiven Arbeitsumfeld darstellen. So in den Büros und so. Ist da eine gute Ergonomie nicht eine der wichtigsten Voraussetzungen? Ich verlange noch nicht mal ein viel praktischeres Dock, ich kann ja verstehen, daß Microsoft sich damit echt einen ganz großen Zacken aus der Krone brechen würde. Ist halt Microsofts Kind, die traditionelle Taskleiste.

Alles wichtige zu Schalke in der Hinrunde 09/10

Et tut fluppen!

Dune - Der Wüstenplanet

Unverfilmbar. Sicherlich wird auch Frank Herberts Science Fiction Zyklus Dune dieses Prädikat noch eine ganze Weile für sich beanspruchen dürfen. Nicht daß man es nicht schon längst versucht hätte, diese Zeilen sind ja nur aufgrund eines Versuches entstanden, aber verfilmt wurde Herberts wegweisende Zeitgeistbetrachtung noch nie wirklich. Jodorowsky, Scott, um nur die bekanntesten zu nennen, versuchten sich lange am Stoff. Doch am Ende standen entweder ein zu langes Script, Zerwürfnisse mit den Produzenten oder abgelaufene Filmrechte. Die Liste der Unwägbarkeiten ist lang. Schließlich, Dino de Laurentiis besaß inzwischen die Rechte, wurde das Projekt dem jungen David Lynch angetragen. Der hatte zuvor den Elefantenmensch gedreht und ein Angebot zu Georges Lucas Rückkehr der Jedi Ritter ausgeschlagen. Warum er sich ausgerechnet Laurentiis Angebot zu Dune annahm, ist fraglich, denn eigentlich hatte Lynch nach eigenen Aussagen überhaupt kein Interesse an Science Fiction und kannte schon gar nicht Herberts Werk. Es wird wahrscheinlich für immer sein Geheimnis bleiben, Lynch spricht nicht über Dune. Jodorowsky plante zuvor einen 10 stündigen Film, um dem Stoff gerecht zu werden. Scott hingegen sah die einzige Möglichkeit Dune ins Kinoformat zu bringen in einem Zweitteiler, Lynch dampfte Dune schließlich auf knappe vier Stunden ein. Noch immer zu lang für Laurentiis. So sorgten Nachdrehs und eine unglaublich grobe Schere für die endgültige etwas länger als zweistündige Kinoversion Herberts literarischen Meisterwerks, das in seiner detaillierten Erschaffung einer vollkommen fiktionalen Welt mit all ihren Metaphern zur Realität vielleicht noch am ehesten mit Tolkiens Herr der Ringe zu vergleichen ist.

Warum der DFB trotz Frühwarnsystem überhaupt nichts vom neuen Wettskandal wissen konnte



Arbeit für den Rekorder 21. - 27. November

Das muß man sich mal vorstellen. Da versenden Pro7 und Konsorten schon seit Monaten, ach was schreib ich hier, seit Jahren nichts anderes als billigste Freakshows, Kontrolletti-Reportagen, Kochgedöns und Löffelbiegerkacke, und jetzt heulen sie auch noch rum, da sich anscheinend immer weniger Menschen bereit erklären sich ihr menschenverachtendes Wachsfigurenpanoptikum regelmäßig anzutun. Ende der 80er Jahre konnte man den Werbetreibenden seitens der Privaten Sender noch verklickern, daß nur Menschen zwischen 14 und 49 Jahren Produkte kaufen, dann wurde die Einschaltquote vom Marktanteil als absolutes Killerkriterium abgelöst. Und jetzt? Scheint als hätten die Unternehmen kapiert, daß sich Werbung im Fernsehen nicht mehr wirklich lohnt. Es mag ja zum Teil an der Weltwirtschaftskrise liegen, daß die Herren und Damen in den Marketingabteilungen der Republik ein wenig knauseriger mit ihren Werbebudgets umgehen und deshalb bei den Privaten die Werbeblöcke nur noch schwerlich gefüllt werden können. Aber ganz ehrlich, das Volk wendet sich langsam aber sicher vom altem Zerstreuungsmedium Fernsehen ab. TV-Serien, jedenfalls die guten, gibt es bei Amazon oder Rapidshare, die sehenswerten Sendungen werden bei den Privaten wegrationalisiert bzw. bei den öffentlich rechtlichen Sendern ins Nachtprogramm oder in eine der vielen Nischen ihrer Spartensender verschoben. Die Nachrichten bekommt man mittlerweile rund um die Uhr kommentiert im Internet, warum sollte man da am frühen Abend noch ins 30 Mio Euro Studio nach Mainz zappen.

Es rächt sich halt, daß man den Zuschauer seit Jahren nur noch Tant statt Qualität vor die Füße wirft und man in den Chefetagen der Sender davon ausging, das könnte man noch Jahrzehnte so weiter betreiben. Wem würde es auffallen, wenn es ab sofort Sat1. nicht mehr geben würde? Gibt es überhaupt noch RTL? Wer würde sich Dieter Bohlen und seine mittlerweile nicht mehr ganz so bemitleidenswerten Opfer zurückwünschen, wenn RTL morgen von einem riesigem Schwarzen Loch aufgesogen würde? VOX, kann man sich hier in der Leserschaft noch daran erinnern wie ambitioniert der Sender damals startete? Liebe Sünde und Co? Was ist davon übrig geblieben? Heute würde man sich die Finger nach dem damaligen Programm von VOX lecken, es fehlten nur die regelmäßigen Blockbuster und sonstigen Sensationen. Da wundert man sich, daß die öffentlich rechtlichen mit ihren Spartensendern anscheinend so großen Erfolg haben, daß sie ständig neue aus dem Taufbecken heben können, anstatt mal zu überlegen warum das überhaupt sein kann. Klar, ARD und ZDF bekommen ihre Gelder per Zwangsgesetz in den Hintern geblasen, aber das meiste dürfte doch für die Hauptsender und eben nicht für Phoenix und Co. draufgehen. Es ist natürlich nur ein selektiver Eindruck, aber wenn ich in meinem Bekanntenkreis nachfrage was man denn gestern Abend im Fernsehen gesehen hat, höre ich immer öfters: “Ach, so eine Doku auf [Arte, Phoenix, 3SAT …]. Auf den anderen kommt doch nur Scheiß.“ … Also heult mal nur weiter durch die Gegend. Ihr glaubt ja auch tatsächlich, die Leute würden bei euren Hütchenspielen nicht mehr mitmachen, da ihnen die Spielregeln zu kompliziert erscheinen. Ach so, JMKs Tipps wie immer auf Schreibmaschine.

The beauty of Film noir

breathtaking

2012 ist nicht nur der bombastischste B-Movie ever, sondern auch die bombastischste Ansammlung von Plotholes ever!

Okay, die kleinen schenken wir uns. Hier also nur die glorreichsten sieben Schenkelklopfer:

Der Preis für eine Kabine auf einer der Archen beträgt 1 Milliarde Euro. Insgesamt gibt es 400.000 Plätze zu verscherbeln. Selbst wenn man davon ausginge, daß 390.000 Plätze für Regierungsangehörige, wichtige Persönlichkeiten, Wissenschaftler und sonstiges Personal frei zur Verfügung stehen, gäbe es bei dem Verkauf der restlichen 10.000 Plätze immer noch ein großes Nachfrageproblem. Das Forbes Magazin schätzt die Anzahl der Dollar Milliardäre, von denen dürfte es bei weiten mehr als Euro Milliardäre geben, gerade einmal auf knappe 800. Die haben natürlich alle nicht mal eben die 1 Milliarde Euro so auf ihrem Girokonto herumliegen. Wenn jetzt also alle Milliardäre anfangen innerhalb von drei Jahren ihre Vermögenwerte liquide zu machen, das viele niemanden auf? Niemanden? Die Finanzkrise kostete bisher ungefähr 10,5 Billionen Dollar. 10.000 Plätze auf der Arche kosten dann nach Adam Riese und aktuellem Wechselkurs also an die 1,3 Weltwirtschaftskrisen. Wer schreibt solche Drehbücher?

Die Archen werden in der tibetischen Hochebene gebaut. Kann man nicht nur an den vielen Mönchen erkennen, sondern auch an der unmittelbaren Nähe des Mount Everest kurz hinter den Garagentoren. Der durch die Erdkrustenverschiebung ausgelöste Mega-Tsunamie erreicht laut den Aussagen der töften US Wissenschaftler eine Höhe von 1,5 Meilen. Jetzt kann jeder schnell ausrechnen wie hoch die Flutwelle in Kilometern ist, nämlich genau 2,414016. Hammer! Die tibetische Hochebene müßte aber schon über 2 Kilometer absacken, um überhaupt von der Flutwelle überspült werden zu können, denn sie liegt durchschnittlich auf einer Höhe von 4.500 Metern. Die Zugspitze wäre natürlich Geschichte.

Obwohl die USA schon längst in Schutt und Asche liegen, brennt an der Ostküste in den Straßen vor dem Weißen Haus noch das Licht. Dabei reicht doch schon ein Netzausfall in der Provinz Kanadas, um die Lampen der halben Ostküste auszuknipsen.

Die Zukunft der Menschheit liegt in einem Haufen Milliardäre und ihren Angehörigen, von denen zuvor 3 Jahre lang kein einziger der übrigen Menschheit auch nur ein Sterbenswörtchen vom nahenden Ende der Zivilisation verraten hat? Noch nicht einmal deren verzogene Gören anonym über Twitter oder Wikileaks?

In keinem Film funktionieren Handys sobald man sich auch nur einen halben Meter hinterm Ortseingangsschild befindet. Aber ausgerechnet am Tag des jüngsten Gerichts bekommt man ohne Probleme eine glasklare Verbindung von irgendeinem Strand in Indien zu einem Handy an Bord eines Stahlkolosses im Himalaya?

Überall auf der Welt ( liegt in den USA) regnet es Lavabrocken, Staub und Tod. Nur der Sohn, den man schon seit Jahren nicht mehr gesprochen hat, und den man jetzt unbedingt nochmal anrufen muß, liegt mit seiner Frau friedlich im Bett und schläft. Weil Emmerich es gerade so braucht?

Angela Merkel entscheidet für Frankreich, England und Italien mit?

Mehr bitte von Euch in den Kommentaren, weil's so ein großer Spaß ist.

2012

Nicht eine Sekunde drüber nachdenken. Aber bitte doch nachdenken, denn sonst dürfte man wohl von Roland Emmerichs neuesten Katastrophenfilm trotz bombastischer Zerstörungswut der CGI Spezialisten in der Summe nicht gerade gut unterhalten werden. Der Unterhaltungswert des 160 Minuten Monsters 2012 erschließt sich erschreckender Weise ausschließlich aus der unfreiwilligen Komik der Alles wird Gut Attitüde des Drehbuchs und weniger aus der Sensation der Bilder vom Ende der Welt. Soviel vorweg zu einem Film, der Ende 2009 in den Kinos läuft, sich mit dem Ende der Menschheit befaßt, sich technisch up to date zeigt und sich doch irgendwie so anfühlt, als hätten wir gerade einmal … Man weiß es nicht wirklich. Die Welt, wie wir sie kennen, wird es bald nicht mehr geben. Das teilt der US Präsident, wer auch sonst, den Oberhäuptern der G8 Mitgliedsstaaten schon zwei Jahre vor dem Ende mit. Sonneneruptionen, Neutrinos, Erdkrustenverschiebung. Aber eigentlich ist das auch alles egal, denn die Apocalypse werden wir eh nicht mehr verhindern können. Diesmal keine Ökobotschaft, wie noch in Emmerichs The Day after Tommorow. Es gilt allein den eigenen Arsch und den Fortbestand der Spezies Mensch zu retten. Wer am Ende zu den 400.000 glücklichen Arche-Passagieren gehören wird, die Archen, die von den fleißigen Chinesen dort oben im Himalaya auf dem Dach der Welt für harte Euros in Windeseile zusammengeschustert werden, das entscheidet allein der Kontostand.

Was sich jetzt nach zynischer Satire anhört, sich auch in der ersten Hälfte dem Anschein nach so gibt, als sei es zynische Satire, ist es am Ende aber gar nicht. Emmerich dreht Abenteuerfilme für die ganze Familie, da bleibt er sich treu. Da haben schlechte Botschaften nur den Zweck der dramaturgischen Einbindung der Sensation zu erfüllen. Aufgefüllt mit bemitleidenswerten Klischees, die vielleicht augenzwinkernd so ziemlich jedes filmische Vorurteil der Geschichte aufs Korn nehmen wollen, am Ende jedoch nicht den Mut aufbringen, sich selbst zu entlarven und dem Film eher schaden als dienen können. Kann man in der ersten Hälfte noch herzlich über den Witz einer vor den aufreißenden Straßen, zusammenstürzenden Gebäuden und Feuerbrünsten flüchtenden Stretchlimousine lachen, darf spätestens in der zweiten Hälfte über Emmerichs besorgniserregenden und leider nur in Dilettantismus endenden Größenwahn der Kopf geschüttelt werden. Unser Mann in Hollywood läßt mit einem Mal all den immer doch harmlosen Spaß, den man an seiner erfreulicherweise erfrischend unpathetischen Vergnüngungspark-Attraktion haben könnte, in seinem Plan James Camerons Titanic und Ronald Neames Höllenfahrt der Poseidon übertrumpfen zu müssen versumpfen. Das kann nicht gut gehen. Wie soll man plötzlich auf das bevorstehende Schicksal all der Knallchargen, Klischees und Spitzen Ellenbogen aus der ersten Hälfte emotional reagieren? Immerhin haben die doch selbst das bevorstehende Ende ihrer Existenz über zwei Stunden hinweg aufgenommen, als ob sie lediglich noch den letzten Flug vor dem angekündigten Fluglotsenstreik am Wochenende erreichen müßten. Gaben sich so künstlich und unnatürlich, daß so etwas wie Spannung, die aus der Sorge um ihr Überleben entstehen soll, gar nicht erst aufkommen kann. Und so bleibt am Ende natürlich nur der bombastischste B-Movie aller Zeiten. Das ist bei einem Budget von $ 200 Mio zwar auch schon eine Leistung, aber lange keine einzigartige mehr.

5/10 Punkte

Sidebar Perle

Bilder sagen mehr als Worte. Heute:
Wer ist David Lynch?klick mich

Hellhole Ratrace

Fast Forward >> Good Night, and Good Luck

Wenn George Clooney die originalen Bilder Joseph McCarthys zeigt, wirken sie wie der schon lang durch das Pochen, Jucken und Brennen angekündigte Eiterpickel, der sich nun endlich im morgendlichen Spiegel zeigt. Man kann nicht warten bis er von selbst wieder verschwindet, man muß ihn behandeln. Sofort. Denn in seinem Umfeld tummeln sich schon längst weitere kleinere Pickel, die sich aus seinen bakteriologischen Ausdünstungen speisen. Die McCarthy-Ära ist eines der innenpolitisch dunkelsten Kapitel des letzten amerikanischen Jahrhunderts. Diffamierungen, Paranoia, unhaltbare Anklagen und Tribunale gegen vermeintliche Kommunisten, die laut dem Senator aus Wisconsin den Staatsapparat der USA unterwanderten. Bewiesen wurde am Ende nichts, Joseph McCarthy verstarb nur wenige Jahre nach dem Höhepunkt der Aufmerksamkeit an seinen Verschwörungstheorien. Good Night, and Good Luck. Edward R. Murrow, langjähriger Journalist bei CBS, trug mit seiner Fernsehsendung See It now maßgeblich zum politischen Ende McCarthys bei. Der Journalismus als Vierte Staatsmacht, der Journalist als ehrenwerter Retter der Demokratie, der Bürgerrechte, der Freiheit. Doch Clooney wäre ein schlechter Regisseur und Autor, würde er Murrow als unbedingten Moralisten zeichnen, der nicht auch bereit wäre einen seiner Bauern zu opfern. Wunderschönstes Schwarz/Weiß, Zigarettenrauch, weiße Hemden, glänzende Dialoge, ein hervorragendes Schauspielerensemble. Wie einfach doch fesselndes Kino ist. Wenn es mit der nötigen Ernsthaftigkeit, Liebe zum Film und einem Anliegen ausgestattet ist, braucht es keine aufgesetzte Sensation. Dann ist es selbst eine kleine Sensation.

8,5/10 Punkte

Real Last Action Hero

T-R-A-S-H--A-S--T-R-A-S-H--C-A-N!

Arbeit für den Rekorder 14. - 20. November

Liebe Arbeit für den Rekorder Leserschaft,

heute ist der erste Arbeit für den Rekorder Wandertag. Das Zeitverschwender-Fernsehtipp-Komitee ist stolz seinen Lesern einen kostenlosen Bustransfer zu den Künstlichen Welten zur Verfügung stellen zu können. Bitte bilden sie vor dem Einstieg eine ordentliche Reihe. Vermeiden sie Unfälle, indem sie auf Drängelei verzichten. Stellen sie das Rauchen und Essen ein. Während der Fahrt besteht die Möglichkeit den Sicherheitsgurt anzulegen, was aber von der Zeitverschwender-Fernsehtipp-Komitee-Reiseleitung für nicht nötig betrachtet wird. Unsere Fahrer sind erfahren und außerdem befindet sich ein Polizeibeamter an Bord. Abfahrt: ca. 14 Uhr, Ankunft: ca. 14 Uhr (hängt vom individuellem Internetprovider und der momentanen Serverlast ab). [edit] Kann aber auch ein wenig später werden.

Das Zeitverschwender-Fernsehttipp-Komitee wünscht allen Mitreisenden erleuchtende
Momente.

zum Transfer das Bild klicken

The Informant!

Da gerät ein führender Angestellter eines weltführenden Futtermittelunternehmens unter Druck, da seine Abteilung monatlich an die 7 Mio Dollar Verlust einfährt. Zum Selbstschutz erdichtet Withacre einen Spion in der Firma, der die Lysin-Kulturen seiner Abteilung mit Bakterien verunreinigt. Das von der Unternehmensleitung kontaktierte FBI wird schon bald nicht mehr von der Unternehmensleitung unterstützt, wohl aber von Witharcre mit einem Berg von Halbwahrheiten und Lügen über Archer Daniels Midlands Geschäftsgebaren versorgt. Withacre wird zum wichtigen FBI Informanten in einem Fall, den es vielleicht gar nicht gibt und schon bald Mittelpunkt staatsanwaltlicher Ermittlungen, denn Withacre unterschlägt selbst mehrere Millionen Dollar während seiner Tätigkeit als ADM Manager und Bundespolizei Spitzel. Die außen- als auch innenpolitische Brisanz des Falls liegt auf der Hand. Ein Weltunternehmen, das den Markt für landwirtschaftliche Futtermittel mittels Preisabsprachen manipuliert, und ein Betrüger, der unter den Augen der Staatsorgane illegal privates Vermögen aufbessert, ohne daß diese Augen das jemals mitbekommen würden. Welch ein Stoff für die Grishams und Crichtons dieser Welt, ist aber tatsächliche Begebenheit vom Journalisten Kurt Eichenwald aufgezeichnet und von Steven Soderbergh nun sehr frei verfilmt.

IM An alle Haushalte

„Guten Abend, mein Name ist Annika Müller* von der XYZ GmbH*. Haben sie am Wochenende unsere TV Zeitschrift erhalten?“

„Bitte?“

„Ich wollte nachfragen, ob sie am Wochenende unsere TV Zeitschrift erhalten haben ...“

Heimatkunde

November 1989. 24-Stunden Fernsehen gab es in Deutschland noch nicht wirklich, und so war dann die Liveberichterstattung aus Berlin irgendwann nach Mitternacht auch einmal vorbei. Glauben konnte man die Bilder von den Menschen auf der Mauer und in den Trabbis auf dem Ku'damm eh nicht. Das war doch alles Utopie. Was darauf folgte ist selbst schon längst Geschichte, vor allem die schnelle Wandlung der Utopie zur Dystopie. Was erlaubten sich die ganzen Neandertaler aus der ehemaligen Zone? Westgeschäfte mit den 100 DM Begrüßungsgeld leer kaufen, Mahlborro, Vidjeorekorder und Golf GTI plötzlich nicht mehr nur Statussymbole des kleinen Mannes aus dem Westen. Unverschämter Wechselkurs sei dank, die hatten ihr Spielgeld ja auf dem Dachboden gehortet. Arbeiten mußten die da drüben doch noch nie im Leben. Geld und Arbeit, da versteht der Wessi keinen Spaß. Das Fernsehen tat sein übriges, um all die Vorurteile über den Ossi an sich in den Köpfen des Wessis zu bestätigen und noch einen draufzusetzen. Und überhaupt, wann reist die Verwandtschaft aus Schulzendorf endlich wieder ab? Die saufen unsere Kellerbar leer und lassen sich noch nicht einmal aus Dankbarkeit belehren. 17 Jahre nach der Wiedervereinigung begibt sich Martin Sonneborn auf Wanderschaft durch das Berliner Umland. 250 Kilometer brandenburgische Provinz, 250 Kilometer auf der Suche nach postrealsozialistischem Leben. Ein deutscher Borat unter umgekehrten Vorzeichen könnte man meinen. 250 Kilometer Mutanten, Tiere, Sensationen. Doch dazu läßt sich Sonneborn gar nicht erst verleiten, Heimatkunde hat nur formale Ähnlichkeiten zu Sasha Cohens satirischer Anarcho-Comedy.

Die Brücke hat ihre besten Tage schon hinter sich. Lose liegen die vermoderten Balken auf den metallenen Querstreben. Ein Bild aus einem Abenteuerfilm, Indiana Jones vielleicht. Tatsächlich, da hinten tut sich was, ein rauchender Nudist. Freundlich ist er, zu Hause in seinem Garten findet er keine Ruhe, da glotzen die Nachbarn, und das Nacktsonnenbad ist ja doch noch das Gesündeste, da nicht nur Arme und Beine braun werden. Die Idylle inmitten der Natur findet nicht lange statt, schnell kommen wir mit Sonneborn in einer Neubausiedlung an. Hier wohnen vor allem Wessis, ebenfalls freundlich zum Wanderer, der sich auf der Suche nach der einzigen Ostfamilie in diesem Planquadrat von Eigenheimfreiheit mit einheitlichem Friesengiebel befindet. Hier eine Familie aus dem Osten? Oh Gott, da kann ich ihnen nicht helfen. Probleme hat es mit den Ostlern in der Vergangenheit gegeben, die haben den Westler nicht verstanden. Der Witz entwickelt sich in Heimatkunde ganz von allein. Sonneborn muß nichts weiter dazutun, als Bilder, Gespräche unkommentiert stehen zu lassen, die noch nicht einmal der Provokation bedürfen. Der Ossi wohnt in 6 Familienwohnhäusern, in deren Mitte der aus Bayern zugereiste Bürgermeister vier Parkbänke samt Hundeklo und einen als Holocaustmahnmal getarnten Grabstein mit einer an SED-Funktionäre erinnernden Ernsthaftigkeit als Wohltat für die Bürger seines Städtchens einweiht. Spielen ist an dieser Begegnungsstätte verboten. Weiter geht es über Kleingartenplanschbecken in der Einflugschneise des Schönefelders Flughafens, jugendlichen Autotunern an der nächtlichen Shelltankstelle, natürlich der Marzahner Platte, einem eingezäunten Asylantenheim, bis zum verfallenen Friedhof. Überall kommt Sonneborn mit den Menschen ins Gespräch, auch wenn einige erst reserviert auf den sofort als Wessi enttarnten Wanderer reagieren. So erfahren wir zwar oberflächlich betrachtet doch nur das, was wir schon längst aus dem Fernsehen wissen oder uns in all den Jahren zurecht gelegt haben, doch im Kern vermittelt Heimatkunde in seiner letzten Konsequenz ein erstaunliches Bild. Denn Heimatkunde würde wohl auch im Umland Hamburgs, Frankfurts oder jedem anderem Ballungszentrums Deutschlands funktionieren. Die Ressentiments gegenüber den anderen, die Trostlosigkeit der Provinz , die Spinner, Harmlosen, Vergessenen und Normalos sind dann doch austauschbar wie die Reportagen über den Wilden Osten im sonntäglichen Spiegel TV auf RTL. China, so erfahren wir am Ende aus erster Hand eines Touristen aus dem Reich der Mitte, wird uns in der Zukunft eh platt machen, und zwar Ost- und Westdeutschland. Braucht es noch einen weiteren Beweis für Deutschlands längst vollzogene Wiedervereinigung?

8/10 Punkte

Arbeit für den Rekorder 7. - 13. November

Werte Leser und Freunde dieses Blogs, ihr habt ja gar keine Ahnung wieviel Glück wir haben, daß JMKs Farbbänder nicht ausgetrocknet sind. Ich bin da ganz ehrlich, selten war ich beim schreiben einer neuen Folge dieser Rubrik so glücklich einen Co-Piloten an meiner Seite zu haben. Aber macht euch doch selbst ein Bild.

Samstag, 7. November

Samstag, 08.11, 03.50 Uhr, ARD: Arachnid
Tierhorror!!! Vor allem der besseren Art. Toller Spinnenfilm mit allem was dazugehört. Im tiefsten Dschungel stösst eine Forschergruppe auf mutierte Weltraumspinnen (!) die nun alles abnagen und einspinnen was ihnen in die Quere kommt. Macht sauviel Spass, einigermaßen gut gespielt und mit Jack Shoulder nahm ein alter B-Movie Haudegen auf dem Regie-Stuhl Platz. Was will man mehr? P.S. Alex Reid (Beth aus The Descent) gibt sich ein Stelldichein als Pilotin.

20:15 Uhr Tim und Struppi im Sonnentempel (SRTL), 20:15 Uhr Flashdance (DAS4.), 20:15 Uhr The Day After (RTLII), 22:00 Uhr Final Destination (Pro7), 22:40 Monster (2NEO), 23:30 Uhr Unser täglich Fleisch (Arte), 23:45 Uhr Coming Out (RBB), 23:55 Uhr Last Samurai (Pro7), 03:30 Uhr Futureworld (K1), 04:40 Uhr Der Meister der Shaolin (Tele5)

Wenn auf dem Zweiten Wetten dass? läuft, halten sich die anderen Sender schon traditionell zurück, anstatt mal mit einer Gegenparty für mediales Aufsehen zu sorgen. Wer also nach ein wenig Zerstreuung sucht, sollte lieber gleich die Videothek (→ King of B-Movies) oder das Kino (→ Orphan) aufsuchen. Beide Filme haben es verdammt nochmal verdient gesehen zu werden.

Was ich fast vergessen hätte



Heimatkunde
Heute 23:20 Uhr RBB

Fast Forward >> Orphan - Das Waisenkind

Wie fließend doch Grenzen sein können, die Katalogisierer werden sich an Orphan die Köpfe zerbrechen. Drama, Horror, Thriller, Mystery … Vielleicht die größte Stärke Jaume Caullet-Serras aktuellen Films, der sich genüßlich aus den Fleischtöpfen der beunruhigenden Genres bedient und den Zuschauer bis zum Finale an der Nase herumführt. Formal ist das schon einmal eine große Leistung, wenn er sich da ganz wie Esther verhält, dieses für das Ehepaar Coleman anfangs so liebenswerte Waisenkind aus Russland. Für den Zuschauer aber doch auf dem ersten Blick verdächtig in seinem für ein Kind so widersprüchlichen Verhalten. Nach außen hin in der skurril biederen Sonntagsschulkleidung zu erkennen, die jedoch weit weniger Grusel hervorrufen möchte als Esthers distinguierte Bildungsbürgerlichkeit. Kann es deutlichere Warnzeichen geben? Aus der Gefährlichkeit Esthers macht Orphan – Das Waisenkind keinen Hehl, und selbst die Auflösung des großen Geheimnisses ist dann in Wirklichkeit keine große Überraschung, mehr Bestätigung der eigenen Paranoia. Nein, Paranoia ist in diesem Film das falsche Wort, denn so offensichtlich wie Esther zuvor verführt, intrigiert, mordet und bedroht, das kommt selten vor im Genre und wirkt doch geradezu neu nach all den ganzen Mind-Fuckern des letzten Jahrzehnts. So darf man sich dann doch ganz und gar auf den Zerfall der Familie Coleman konzentrieren, deren Fehler der Vergangenheit als Esthers Brandbeschleuniger dienen. Ob Kates Alkoholsucht beinahe den Tod ihrer Tochter forderte oder Johns Liason mit der Nachbarin die Ehe der Colemans aufs Spiel setzte ist egal. Wichtig sind nur die schlecht verheilten inneren Verletzungen der Familie, die doch eigentlich durch die Adoption Esthers therapiert werden sollten, jedoch ausgerechnet durch sie wieder aufbrechen und zu einer Verschlechterung des Krankheitsbildes führen. All die guten Vorsätze des Ehepaares wieder einander zu vertrauen lösen sich innerhalb weniger Filmminuten in Lippenbekenntnisse auf. Auch auf der Ebene des Dramas steht Caullet-Serras Film für eine Geradlinigkeit, die im Kontext zum aktuellem Genrekino absolut erfrischend wirkt und einmal mehr beweist, daß das Prädikat Oldschool als alles andere als muffig aufgefaßt werden darf. Nach Sam Raimis gelungener Sommerüberraschung Drag me to Hell vielleicht sogar als neue Moderne des Genres. Man darf gespannt sein.

8/10 Punkte

Sidebar Perle

Liebe Kinder, sitzt ihr schon? O.K., dann nehmt erstmal einen großen Schluck aus der Flasche ...

Ich weiß, ihr kennt Euren Großvater als Agenten, König, Meisterdieb und Archäologen. Als Polizisten, Soldaten, Charmeur ... Gentlemen-Gauner, Mönch, Verleger, Wissenschaftler, Arzt, Juan Sanchez Villa-Loboz Ramirez ... und was weiß ich nicht noch alles. Er ist Schauspieler, ein erfolgreicher obendrein ... wir wissen das alle. Oscar, wenn auch nur als Nebendarsteller. Aber manchmal, da gibt es auch harte Zeiten. Da kannste gerade noch die Damen- und die Welt an sich aus den Schlingen wahnsinniger Superschurken gerettet haben, und schon spielt das Leben dir einen Streich. Also, bevor Ihr es von anderen erfahrt ... keine Angst, kein Porno. So hart ist die Wahrheit dann doch nicht. Aber fast ...

Fast Forward >> Halloween Nachschlag mit Eli Roth

Cabin Fever
Doch schon 7 Jahre auf dem Buckel, hätte ich nicht gedacht. Eli Roths Debut mag für viele eine Enttäuschung sein, die nach all den Lobhudelein Tarantinos und Kollegen den ultimativen Horrorschocker erwarteten. Doch das ist der falsche Ansatz. Cabin Fever will Exploitation sein, und da geht es mehr um das Brechen gesellschaftlich akzeptierter Erzählung und filmischer Darstellung, als um handwerkliches Können. Exploitation ist vielmehr das Spiel mit dem Tabu, als die Freude an abgerissenen Gliedmaßen und eiternden Ekzemen. Innerhalb des Genrekinos mittlerweile kein leichtes Unterfangen mehr, ist die explizite Darstellung von Fleischwunden und nackter Haut doch schon längst Bestandteil des Mainstreamskinos und damit alles andere als ein filmisches Tabu. Eli Roth scheint das verstanden zu haben. Cabin Fever verblüfft dann auch vor allem mit der Brechung altbekannter Genreklischees, die sich in ihrer Auflösung allesamt nicht so verhalten möchten, wie der Zuschauer es vielleicht erwartet hätte und damit wirklich Tabus überschreiten. Es ist tatsächlich eine kleine Sensation im Genre, wenn der Sheriff sich nicht als Anführer einer Kannibalensippe, sondern als einfacher Dorftrottel entpuppt und die Teens nicht von einem psychotischen Axtschwinger, sondern wegen eines an Ebola erinnernden Virus dahin siechen. Na klar, erbrochenes Blut und offene Wunden, den Spaß läßt sich Roth auf keinen Fall nehmen.

7/10 Punkte

Hostel
Wie man es komplett falsch macht, zeigt Roth dann eindrucksvoll in seinem zweiten Langfilm. Alle guten und erheiternden Ansätze, die er noch in Cabin Fever so schön zu einem funktionierenden Film vereinen konnte, läßt er in Hostel gleich in seiner Zauberkiste. Sex, Coffeeshop, nochmal Sex und am Ende einfach nur die ermüdende Hackfleischausstellung in Bratislava. Sicherlich, das Setting in der alten verfallenden Fabrikhalle mit ihren dunklem Keller ist attraktiv, doch verschenkt Hostel sein durchaus erkennbares Potenzial vor allem in aufgesetzt wirkenden Ungeheuerlichkeiten. Da weiß man schon längst vorher, was in der nächsten Szene passieren und wie es ausgehen wird. Das wäre nicht schlimm, wenn es nicht so plump geschehen würde. Insgesamt wirkt Hostel eher wie das billige Ripoff seiner selbst aus den Filmwerkstätten römischer Produzenten Ende der 70er Jahre. Was im Ansatz nicht verkehrt ist, dann aber doch zu konventionell und professionell ausgeführt wird. Logik, darstellerische Qualität, geschenkt. Ein wenig mehr Suspension und Raffinesse, statt tumbe Anbiederung wären dann aber doch angebracht, wenn er inhaltlich so lahm daher kommt. Exploitation? Unübersehbar die Versuche Roths, aber doch einfach nur bemühter Mainstreamslasher.

5,5/10 Punkte

Hostel II
3... 2... 1... Exploitation Galore. Konnte man nach Hostel noch der Versuchung erliegen Eli Roth dann doch in die große Schublade der vermeintlich Talentierten zu stecken, unterstreicht der Unhold des schlechten Geschmacks mit Hostel II zwei anerkennenswerte Eigenschaften. Lernfähigkeit und Humor. All das was man Hostel ankreiden muß, in erster Linie keine Exploitation zu sein, gelingt Roth hier mit Bravour. Schon daran abzulesen, daß Hostel II in der Rezension der vermeintlich größere Aufreger zu sein scheint. Ein schöneres Kompliment kann ein böser Film doch gar nicht erhalten, als daß er von denen zerrissen wird, die mulitplexkonformes Setzkasten Horrokino abfeiern, als ob der Horrorfilm nicht mehr als bequemen Grusel abliefern dürfte. Ein Hort der Invovationen ist Hostel II dabei garantiert nicht, ist doch die Form der Neuerzählung seines Vorgängers unter anderen Vorzeichen – nicht mit ausgeschmückter Nacherzählung zu verwechseln, wie es die meisten Sequels im Genre doch eigentlich sind – noch nicht einmal die Erfindung Sam Raimis. Genrezitate en masse und die wesentlich bessere Ausstattung dürften auch nicht Grund allein für einen völlig anders wirkenden Film sein. Roth macht aber in Hostel II etwas ganz wunderbares, anstatt sich wie in Hostel lediglich auf die grafische Umsetzung der Abscheulichkeiten zu konzentrieren, bettet er diese in wirklichen Tabubrüchen ein. Sei es das Bad im frischem Blut, das Erschießen von Kindern oder die ausgiebig fotografierte Kastration mit dem Küchenmesser. Nein, das ist alles nicht geschmackvoll oder gesellschaftsfähig und eigentlich nur, wie schon in den Vorbildern aus dem Bahnhofskino, aufgrund der humoristischen Ader zu ertragen, die sich in den Schmuddelfilmen des letzten Jahrhunderts aus der unfreiwilligen Komik erschließt, während Roth in Hostel II ganz unumwunden mit der Satire kokettiert. Er bewieß doch schon mit seinem Debut, daß Exploitation sich nicht aus der reinen Inszenierung ergibt, sondern vor allem auf der inhaltlichen Ebene geschieht.

7,5/10 Punkte